Die Welt im 23. Jahrhundert. Rohstofffördernde Firmen haben im Sonnensystem zahlreiche Kolonien gegründet, in denen Millionen Menschen leben. Um den lebensfeindlichen Umgebungen im Weltall und auf der von Klimawandel und Umweltverschmutzung gezeichneten Erde zu trotzen, produzieren die Konzerne gentechnisch veränderte Arbeiter – verächtlich ‚Mutanten‘ genannt. Als auf dem Mars Mutantenkinder gefunden werden, die dem Anschein nach auf natürlichem Wege gezeugt und geboren wurden, gerät das Dogma, dass die Mutanten sich nicht eigenständig vermehren können, ins Wanken. Die Folgen dieser Entdeckung bestimmen fortan nicht nur die Schicksale der Sicherheitsoffizierin Kareena Toran auf dem Mars und des Beta-Klasse-Arbeiters Skip auf der Erde, sondern erschüttern das gesamte Kräftegleichgewicht im Sonnensystem.
Grundsätzlich spannende Geschichte, aber liest sich sehr lahm. Das Buch zieht sich wie Kaugummi.
Das komplette erste Drittel könnte man im Grunde überspringen. Der Autor scheint hier Gesellschafts- und Sozialkritik mit Charakterentwicklung zu verwechseln. Solche Themen dürfen natürlich behandelt werden, aber ich möchte nicht damit bombardiert werden. Ich werde regelrecht erschlagen von Kritik an Rassismus, Neo-Konservatismus und Kapitalismus. Eigentlich ein Wunder, dass so wenig Sexismuskritik vorkommt - da hätte man das Quartett auch gleich voll machen können.
Wenn man diesen ersten Teil überstanden hat, beginnt tatsächlich auch eine recht spannende Geschichte. Leider bremst der Autor diese immer sofort aus, wenn sie gerade mal Fahrt aufgenommen hat. Sofort beginnen die Figuren immer wieder elendig lange zu sinnieren und das eben erlebte zu rekapitulieren. Überhaupt wiederholt der Autor durchgehend Dinge, die mein einige Seiten zuvor bereits gelesen hat, wieder und wieder. Der Grund erschloss sich mir nicht - ich bin jedenfalls durchaus in der Lage mir die wesentlichen Teile einer Geschichte zu merken, ohne dass mir die Charaktere sie alle paar Seiten erneut vorbeten.
Laut Lebenslauf ist Edenhofer Physiker und Ingenieur und er legt in Ex Vitro auch großen Wert auf technische Details und Fachbegriffe. Beinahe schon unnötig viel Wert. Umso erstaunlicher ist dann, wieviele von diesen Details dann falsch oder unlogisch sind. Weder funktionieren (Such-)Algorithmen auf die beschriebene Weise, noch „leben“ Programme („KIs“) wie zu lesen in Computern. Oder wieso gibt es bei einem Flug durchs Weltall einen Scheitelpunkt, dessen Durchquerung man auch noch im Schiff merkt? Solche Details haben mich beim Lesen ordentlich gestört.
Die Fähigkeiten und Charakterzüge der Figuren ändern sich nerviger Weise immer wieder - je nach dem, was die Geschichte gerade benötigt. So hat der Leser längst seine Schlüsse gezogen und ahnt bereits, was später passiert. Die eigentlich cleveren Figuren sind dann plötzlich begriffsstutzig - nur um die Story noch weiter hinauszuzögern. Oder der hochgezüchtete, unbesiegbare Super-Killer-Cyborg macht plötzlich Fehler, damit die Protagonisten nicht sterben. Oder eine der Figuren hat plötzlich eine bislang unbekannte Fähigkeit, die die Story wieder voran bringt... Der genmanipulierte, sein Leben lang trainierte Militär-Omega-Supersoldat wird schlagartig emotional... Usw. Usw. Regelmäßig sind die Figuren vollkommen out-of-character, weil es der aktuellen Situation dienlich ist.
Schade drum. Hätte sich Band 1 nicht so zäh und holprig gelesen, würde ich mir Band 2 auch noch reinhauen. So jetzt eher nicht.
Eigentlich 1,5 von 5. Da es hier keine halben Sterne gibt, sind’s 2/5.
Absolut positive Überraschung. Ja, der Vergleich mit "The Expanse" ist bei dem Szenario unvermeidlich und da reicht es noch nicht ganz heran. Aber für einen relativ unbekannten, kleinen Autor ein beachtliches Werk mit Potential für noch mehr in den nächsten Bänden.
Das Fundament passt auf jeden Fall mit einem gut gelungenen Worldbuilding durch Beschreibung der verschiedenen Parteien (Nationalstaaten/Konzerne/genetisch Optimierte) und des technischen Entwicklungsstandes. Erwähnenswert ist insbesondere, dass zwar viele Actionszenen vorkommen, diese aber nicht so ausufernd und verherrlichenden wie in anderen Büchern beschrieben werden.
Die beiden Hauptcharaktere sind durchaus prägnante Persönlichkeiten, wobei man das noch hätte vertiefen können. Die zwei Handlungsstränge bieten komplett unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschehnisse, wobei beide die Haupthandlung vorantreiben, so dass man nicht jedes mal wenn die Perspektive wechselt in einen komplett anderen Plot geworfen wird.
Definitv ein Buch das ich mir ins Regal stellen werde um es in ein paar Jahren nochmal zu lesen. Freue mich schon auf die nächsten Bände.