Jeder Mensch sollte frei entscheiden können, in welchem Land er leben will, Einwanderungsbeschränkungen sind nur in Ausnahmesituationen zulässig. Diese kontroverse These vertritt der Philosoph Andreas Cassee in seinem luziden Buch. Er gibt einen fundierten Überblick über die migrationsethische Debatte der letzten 30 Jahre und bezieht zugleich Stellung für eine Position, die die individuelle Selbstbestimmung über den eigenen Aufenthaltsort ins Zentrum stellt. Ein ebenso aktuelles wie wichtiges Werk.
Etwas trocken, aber schlussendlich ein überzeugendes philosophisches Plädoyer für offene Grenzen. Lohnt sich zu lesen!
"Wofür ich argumentiert habe, ist deshalb keine Politik ABSOLUT offener Grenzen, wohl aber ein grundlegender Paradigmenwechsel in der Migrationspolitik. Weg von einem Paradigma, das Einwanderungsbegehren wie Heiratsanträge behandelt, die anzunehmen keinerlei Pflicht besteht. Hin zu einem Paradigma, wie es heute in demokratischen Staaten beispielsweise mit Blick auf die Versammlungsfreiheit weithin akzeptiert ist. Es mag zwar kein absolutes Recht geben, sich zu jedem beliebigen Zeitpunkt an jedem beliebigen Ort zu versammeln. Aber der Grundsatz ist doch, dass Menschen frei entscheiden können, wann, wo und mit wem sie sich versammeln möchten, solange nicht starke Gründe dagegen sprechen. Wenn die Überlegungen dieser Arbeit überzeugen, sollten wir den gleichen Grundsatz mit Blick auf die internationale Migration anerkennen. Es ist grundsätzlich das gute Recht jedes Menschen, sich auf der Oberfläche des Planeten, den wir gemeinsam bewohnen, frei zu bewegen, und jede Ausnahme von diesem Grundsatz bedarf einer Rechtfertigung durch andere entsprechend gewichtige Ansprüche." (p.279)