Ein Totalausfall, und das auf so vielen Ebenen, dass es fast schon faszinierend ist. Wenn es nicht so übel wäre. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll:
Beim zusammengeschusterten Plot, die ersten 100 Seiten gibt es nämlich unzusammenhängende Handlungsfetzen über verschiedene Personen, Zeiten und Orte hinweg. Die nächsten 20 Seiten werden diese Puzzleteile dann fast schon gewaltsam zusammengesteckt. Ab da geht es vorhersehbar weiter. Die Kernannahme, auf welche die Geschichte hinausläuft, ist dazu noch total unlogisch.
Oder beim komplett blassen Personal. Niemand sticht wirklich hervor, nicht einmal die Bösen hinterlassen Eindruck. Da hilft auch nicht, dass supersprechende Namen wie "der Pfähler", "'Herr' Becker" und "der Puppenmacher" bei jeder Gelegenheit benutzt werden müssen zur Charakterisierung.
Fast brechen musste ich bei der Beschreibung der Transformation der Dolls. Einmal wegen der Sache an sich, aber auch weil es sich das einzige Mal so anfühlte, als ob der Autor in Wallung kommt. Im Nachwort beschreibt er, wie ihn selbst so ein Originalbericht aus den Socken gehauen hat, nehmen wir mal an der Leser darf so seine Bestürzung spüren. Nun ja.
Das Hauptproblem des Buches ist nämlich, dass Etzold eine Botschaft hat und viel zu viel will. Und anscheinend seine Leser alle für ein bisschen blöd hält. Deswegen heißt dann auch der Gründer der neuen Suchmaschine mit Vornamen Sergey und ein deutschstämmiger Investor im Silicon Valley Peter. Nervig wird es, wenn das Zusammengegoogelte falsch verwurstet wird, aus den Five Eyes werden dann mal schnell Five Stars, und Cum-Ex ist zwar wunderbar skandalös, aber leider nicht das, was er beschreibt. Und über allem trieft so eine leicht Prise Abfälligkeit über eigentlich fast alle Institutionen: EU, EZB, BRD, BND, alle leicht minderbemittelt und hilflos.
Über einen seiner Charaktere schreibt er "so als wollte er zeigen: seht her, ich weiß auch etwas". Ich musste lachen, als ich das las. Und war froh, als das Buch zu Ende war. Es hat wirklich ein leicht ekliges Gefühl bei mir hinterlassen. Nicht lesen, bitte!