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Kopfzecke

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Eine Erinnerung, die verschwimmt, ein Mensch, der immer dünner wird – das ist, was Moni täglich mit ansehen muss. Sie pflegt ihre demenzkranke Mutter, so gut es geht, doch die nimmt ihr die Luft zum Atmen. In einem Wechselspiel aus Distanzierung und Annäherung versucht Moni die Vergangenheit zu rekonstruieren, um die Lücken ihrer eigenen Geschichte zu füllen und sich allmählich zu lösen.In stillen Szenen und poetischen Bildern schafft Iris Blauensteiner Atmosphären, in denen die Figuren nahbar werden. Dazwischen liegen das Unausgesprochene und die Unsicherheit darüber, was Erinnerung und Identität sind. Ein einfühlsamer Roman über einen der schwierigsten Abschnitte im Leben einer Tochter.„Sie sitzt vor mir hinter einer Wand, ungreifbar. Ein Gegenwartsphantom, das wartet, die Zeit fließt langsam durch sie hindurch."

176 pages, Kindle Edition

Published August 16, 2016

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About the author

Iris Blauensteiner

2 books1 follower

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Community Reviews

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Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Ruth.
251 reviews18 followers
January 28, 2018
Normalerweise bin ich eine Schnell-Leserin, doch bei Iris Blauensteiners Roman musste ich mir Zeit nehmen – einerseits ist das Thema starker Tobak: Das Altern, die Sterblichkeit, der geistige wie körperliche Zerfall eignen sich nicht unbedingt als Gute-Nacht-Lektüre, vielmehr als beinahe keulenartiger Gedankenanschub, sich auch in jungen Jahren mit diesen – mehr oder weniger – auf einen zukommenden Realitäten auseinanderzusetzen. Und zum anderen eignen sich die spielerischen Szenen nicht zum Durchhasten, Verschlingen – auch wenn ich das als Leserin an manchen Momenten nur allzu gern machen wollte.

In einer Aneinanderreihung von Kapiteln, die ihrerseits wieder in Episoden, in denen immer wieder der Blick der Ich-Erzählerin zwischen sich selbst und ihrer Mutter, der Gegenwart und der Vergangenheit wechselt, unterteilt sind, zeichnet die Autorin die Geschichte eines Abschieds. Von dem Menschen, den man kannte, von der Eigenschaft Tochter oder Mutter zu sein, und von den Geheimnissen der Vergangenheit, die niemals aufgedeckt werden. Wie auch im echten Leben geht dieses Lebewohl-Sagen eher holprig von Gange: Tochter und Mutter leiden, sind hilflos, verschwinden, verschwimmen unter der Last – die Mutter in die Demenz, die Tochter in die emotionale wie körperliche Erschöpfung.

Die banalen, aus dem Alltag gegriffenen Szenen stellen das soziale Zwischenspiel in den Vordergrund. Auch wenn die Tochter (und mit ihr die Leser) versucht, noch Details aus der Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren, vereitelt die Krankheit ihre Bemühungen. Kopfzecke erzählt also keine Familiengeschichte oder wartet mit einem Happy End auf, im Gegenteil: Das, was auf den Seiten landet, ist das Leben – mit all seinen Facetten, (Un-)Möglichkeiten und Alltagserlebnissen. Und das ist, was es so intensiv macht.
Profile Image for MeinLesezeichenBlog.
93 reviews5 followers
August 25, 2018
Es ist schwer eine Geschichte, die so einen starken privaten Charakterzug aufweist, zu rezensieren, geschweige denn zu bewerten.

Das Erste was mir beim Lesen aufgefallen ist, ist, dass man diese Aufzeichnungen nicht schnell lesen sollte. Während Moni die Zeit durch die Finger rinnt, muss sich der Leser genau diese Zeit nehmen. Ansonsten versteht man nicht richtig, verpasst die eigentliche Aussage hinter den Worten oder vielmehr hinter den wortgewaltigen Bildern. Denn die Autorin arbeitet bei der Erzählung sehr viel mit Metaphern, Vergleichen und sprachlichen Bildern. Das Bild der ‚Kopfzecke‘ ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Der Leser begibt sich auf eine Reise durch ein kompliziertes Emotions- und Sprachgeflecht. Es ist eine düstere Erzählung, die sehr stark von Vergänglichkeit geprägt ist.

Die Erzählweise ist sehr poetisch, theatralisch und von einer nicht näher definierbaren Dramaturgie geprägt. Ich finde, dass hier sehr stark die künstlerische Bildung der Autorin durchscheint. Vieles funktioniert in der Geschichte über Gefühle. Dabei hat dieser Roman nichts Kitschiges an sich. Ganz im Gegenteil, es handelt sich eher um eine tiefgründige Traurigkeit.

Die Erzählung ist in Kapitel aufgeteilt. Diese wiederum setzen sich aus Momentaufnahmen aus dem Pflege“alltag“ (kann die Pflege eines Angehörigen zu etwas ganz Alltäglichem werden?) und der Vergangenheit Monis und ihrer Mutter zusammen. Die Pflege ihrer Mutter fällt Moni zusehends schwerer, nicht nur physisch sondern auch psychisch. Die Autorin beschreibt wie sich die Krankheit der Mutter auf Monis Beruf, auf ihre sozialen Beziehungen und auf ihre finanzielle Situation auswirkt. Dem Leser eröffnet sich ein kompliziertes Mutter-Tochter-Beziehungsgeflecht über dem die Schatten und die Rätsel der Vergangenheit liegen, welche die Protagonistin zu vertreiben und zu lösen sucht.

Die Momentaufnahmen erscheinen unzusammenhängend; es sind Bruchstücke, die eine tiefgehende Aussichtslosigkeit und Auswegslosigkeit vermitteln. Sie bilden Lücken, die auf die Zerbrechlichkeit der beiden Figuren hinweisen und einem die eigene Endlichkeit vor Augen führen. Die Autorin berührt mit ihrem Roman eine der natürlichsten und stärksten Beziehungsgeflechte: die Eltern-Kind-Beziehung. Der Roman weckt in einem die Angst vor einem Leben ohne die eigene Mutter oder den eigenen Vater. Der Roman sorgt dafür, das sich in einem ein mulmiges Gefühl der Hilflosigkeit und Angst ausbreitet. ‚Kopzecke‘ hat mich zutiefst berührt.

Mein Fazit
‚Kopfzecke‘ ist ein sehr ernster und anspruchsvoller Roman. Der poetische Stil der Autorin hat mir persönlich nicht so gefallen, aber das mindert den Wert der Geschichte nicht. Demenz, oder das Leben ganz allgemein, ist ein ständiger Kampf zwischen Erinnerung und Vergessenheit. Dies hat die Autorin auf sehr eindrucksvolle Art und Weise dargestellt. Lesern mit einer poetischen Ader kann ich diesen Roman nur ans Herz legen.

Zu meinem Blog: Mein Lesezeichen Blog
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