Luke Kennards Roman *The Transition* hinterlässt einen nachdenklich und etwas ratlos. Die Geschichte dreht sich um Karl, einen Mann, der wegen Steuerhinterziehung angeklagt wird und anstelle einer Gefängnisstrafe an einem Programm namens "The Transition" teilnehmen muss, zusammen mit seiner Frau Genevieve.
Zu Beginn wirkt The Transition vielversprechend. Die Rezensionen auf dem Buchcover von renommierten Quellen wie dem Daily Telegraph, der Shortlist und dem Guardian heben die Vielschichtigkeit und den tiefgründigen Humor des Buches hervor. Doch trotz dieser Lobeshymnen bleibt am Ende ein Gefühl der Unzufriedenheit und Verwirrung zurück.
Karl, der Protagonist, erscheint als privilegierter Mann, der mit seinem Leben nichts anfangen kann, obwohl er offensichtlich Talent besitzt. Sein Leben ist geprägt von einer inneren Leere und Unsicherheit, die ihn zu fragwürdigen Entscheidungen treiben, wie der Erstellung von gefälschten Essays für reiche Kunden und der Begehung von Steuerbetrug. Diese Handlungen stehen im krassen Gegensatz zu seinen kritischen Ansichten über elitäre Projekte, was ihn als widersprüchlich und schwer zugänglich erscheinen lässt.
Genevieve hingegen, die als Lehrerin ein stabiles Einkommen hat und zunächst nicht als Teil des Problems erscheint, wird im Laufe des Buches als mental stark belastet dargestellt. Ihre anfängliche Begeisterung für das Transition-Programm und Karls Misstrauen gegenüber diesem System bilden einen interessanten Kontrast. Doch trotz ihrer Schwierigkeiten wirkt Genevieve oft als die stabilere und bodenständigere Figur, was die Frage aufwirft, warum Kennard Karl als zentrale Figur gewählt hat.
Karl bleibt während des gesamten Buches eine eher unsympathische Figur, die egoistische Entscheidungen trifft und scheinbar einen Messias-Komplex hat. Sein Umgang mit Genevieves mentaler Erkrankung und seine letztliche Bestätigung in seinen Vorhersagen tragen zu seiner problematischen Darstellung bei. Am Ende des Buches bleibt der Eindruck, dass Karl trotz der gesamten Transition keine wesentliche Entwicklung durchgemacht hat und weiterhin in seiner Lethargie und Unzufriedenheit verharrt.
Letztlich scheint *The Transition* eine kritische Betrachtung von Privilegien, persönlichem Versagen und gesellschaftlichen Erwartungen zu sein. Doch die mangelnde Sympathie für die Hauptfigur und das Gefühl der Stagnation am Ende des Romans machen es schwer, eine klare Botschaft oder moralische Erkenntnis aus der Geschichte zu ziehen. Vielleicht liegt genau darin Kennards Herausforderung an den Leser: sich mit den unbequemen und komplexen Realitäten moderner Lebenswege auseinanderzusetzen.
Insgesamt ist *The Transition* ein Buch, das hohe Erwartungen weckt, diese aber nicht vollständig erfüllt. Es hinterlässt Fragen und eine gewisse Frustration, was möglicherweise genau das ist, was Kennard beabsichtigt hat. Ein Werk, das sicherlich Diskussionen anregt, aber nicht unbedingt eine befriedigende Leseerfahrung bietet.