Seit dem Unglück am Nanga Parbat, bei dem Reinhold Messners jüngerer Bruder Günther sein Leben verlor, wird immer wieder diskutiert, wie es dazu kam, dass er alleine am Berg zurückblieb und ob Reinhold ihn vielleicht hätte retten können. Dreißig Jahre später erzählt Reinhold Messner seine Geschichte.
Der nackte Berg, wie der Nanga Parbat übersetzt heißt, hat schon viele Leben gekostet. 1934 kam Willi Merkel dort ums Leben und fast dreißig Jahre später nimmt sein Halbbruder Karl Herrligkoffer die Brüder Messner auf eine Expedition dorthin mit. Der Nanga Parbat war für Karl Herrligkoffer zu einer Obsession geworden, er wollte ihn unbedingt für seinen Bruder bezwingen.
Die Expedition stand unter keinem guten Stern. Günter sollte eigentlich nicht mitkommen, weil er als nicht fit genug angesehen wurde. Erst im letzten Moment änderte Herrligkoffer seine Meinung. Von Angang an gab es Reibereien unter den Männern, vielleicht auch weil Karl Herrligkoffer einen genauen Plan entworfen hatte, in dem er jedem seine Rolle zuwies. Die Brüder Messner haben sich schon früh nicht daran gehalten, was zu erneuten Spannungen führte.
Dass Günther mit Reinhold auf den Gipfel stieg, war auch nicht geplant. Vielleicht war auch Karl Herrligkoffers Einschätzung richtig, dass er nicht fit genug war, denn schon früh hat er Zeichen von Erschöpfung gezeigt. Auch Reinhold war körperlich am Ende, als der Abstieg begann. Dann gingen viele Dinge auf einmal schief. Das Basecamp gab ein falsches Wettersignal, wegen dem die Brüder zu hastig abstiegen. Sie nahmen einen anderen Weg und obwohl zwei weitere Expeditionsmitglieder bei ihrem Aufstieg dicht an ihnen vorbeikamen, kamen sie ihnen nicht zu Hilfe, weil sie die Situation falsch einschätzten. Irgendwann war Günther verschwunden.
Wie Reinhold den Abstieg und den Weg ins Basecamp schaffte, liest sich wie ein wahrgewordener Albtraum. Er war so erschöpft, dass er halluzinierte, seine Zehen waren erfroren und er war so weit entfernt vom Basecamp, dass auch er aufgegeben wurde. Als er das Camp schließlich erreichte, gab es auch schon die ersten Vorwürfe.
Es muss schwer sein, mit diesem Erlebnis und den ständigen Fragen zu leben. Nachdem ich das Buch gelesen habe, kann ich Messners Entscheidungen nachvollziehen. Ich kann aber auch verstehen, warum immer wieder Fragen aufkommen.