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Sumerland #1

Prinzessin Serisada

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Wo Realität, Spiel und Fiktion sich vermischen, liegt irgendwo Sumerland. Im Olympiapark München können Besucher mithilfe einer App magische Symbole aufspüren, die an verschiedenen Orten im Parkgelände versteckt sind. Die Geschichte – und damit der Roman – zu diesem Rätsel handelt von einer fantastischen Wirklichkeit, die hinter der Illusion unserer Alltagswelt verborgen liegt. In "Wahrheit" irren wir alle in einer babylonischen Turmstadt umher, gelenkt von einem Zentralcomputer, der uns in einer Scheinwelt gefangen hält.

352 pages, Kindle Edition

Published August 22, 2016

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About the author

Johannes Ulbricht

8 books2 followers

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Community Reviews

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5 (7%)
Displaying 1 - 30 of 51 reviews
Profile Image for ❀ Tina ❀.
802 reviews181 followers
December 26, 2017
Ich bin heute extra um kurz nach sieben aufgestanden, um dieses Buch weiterzulesen und habe dies auch direkt nach meinem morgendlichen Kaffee und einer Zigarette getan. Das ist wirklich mal was anderes! Aber dieser Kliffhanger...ich muss sofort mit dem zweiten Band weiter machen!
371 reviews14 followers
April 14, 2018
Ein Großteil der Weltbevölkerung bewohnt einen einzigen nach Epochen und technologischer Fortschrittlichkeit geschichteten Statdkegel, genannt Waylhaghiri. Ihn umgebend, befindet sich die endlos erscheinende Wildnis des Sumerlandes. Serisada, die Herrscherin dieses Landes, macht sich auf den Weg nach Waylhaghiri, um dort eine Rebellion zu entfachen. Zazamael, Prinz von Waylhaghiri, begiebt sich unterdessen auf eine gefährliche Mission ins Sumerland, um das fehlende Element zur "große Fusion" beider Welten zu finden. Innerhalb des Stadtkegels verfolgt der Leser das Leben einer namenlosen Protagonistin, deren Nichte Susanne behauptet, das Sumerland und Waylhaghiri frei erfunden zu haben.

Insgesamt vier Erzählstränge, die unterschiedlicher nicht sein könnten, weben die Geschichte dieses Buches. Die Erzählstränge der beiden kindlichen Monarchen haben mir dabei bei Weitem am besten gefallen, denn im Gegensatz zu den beiden anderen Strängen, hatte man hierbei tatsächlich das Gefühl, ein Abenteuer zu verfolgen. Die beiden übrigen Erzählstränge sind derart verworren und abstrakt erzählt, dass ich mitunter Mühen hatte zu folgen und daher recht schnell das Interesse verloren habe.
Der Schreibstil ist sehr bildgewaltig, teilweise jedoch wegen all der Details, der enthaltenen Gesellschaftskritik und der ständig wechselnden Perspektiven etwas überladen. Ich hatte an manchen Stellen das Gefühl, diese Vielzahl an Wirklichkeitsbezüge und Andeutungen garnicht adäquat aufnehmen und verstehen zu können, was mitunter recht frustirierend und dem Lesefluss nicht zuträglich war.
Trotz des ausschweifenden Schreibstils blieben die einzelnen Charaktere jedoch recht blass und oberflächlich, was unter anderem dem Verworrenheit des Erzählstils geschuldet ist. Es schien mir, als hätten die Charaktere teilweise keinen klaren Gedanken fassen können. Ihre Persönlichkeit zu erfassen, fiel demnach schwer. Insbesondere unsere namenlose Protagonistin wurde mir zunehmend unsympathisch.
Das Buch beinhaltet viele Wahrheiten darüber, welche teilweise absurden Funktions- und Denkweisen unserer Gesellschaft zugrunde liegen. Es kann dem Leser in manch einer Hinsicht die Augen öffnen. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob die Genrebeschreibung "Fantasy" geeignet ist, um ein solches Buch an den Mann zu bringen. Ich für meinen Teil hatte aufgrund des Genres und des Klappentextes etwas völlig Anderes erwartet.
Die dem Buch zugrundeliegende Idee ist nach wie vor einmalig, innovativ und bietet eine Menge Potenzial, welches meiner Meinung nach leider nicht ausgeschöpft wurde.

Es tut mir unendlich Leid für den Autoren, der sichtlich viel Mühen investiert hat, aber meinem Geschmack konnte diese Geschichte leider nicht entsprechen.
Profile Image for Susanne.
196 reviews6 followers
March 20, 2018
Die Rezension bezieht sich auf beide Bücher, weil ich froh bin, dass ich es geschafft habe, sie fertig zu lesen...

Prinz Zazamael herrscht über die kegelförmige Stadt Waylhaghiri, die einzige Stadt seiner Welt. Sie umgibt das wilde und naturbelassene Sumerlands, an dessen Grenze seine Soldaten seit ewigen Zeiten im Krieg mit den Tierwesen.
Auch in Waylhaghiri gibt es Unruhen. Alle Versuche, die „Große Fusion“ herbeizuführen, scheiterten. Für den Prinzen gibt es nur eine Lösung: Er muss sich auf die gefährliche Suche nach dem wilden Wein des Sumerlands begeben. Leider verläuft die Reise anders als erwartet.

Die kindlich-naive Prinzessin Serisada herrscht über das Sumerland. Sie sorgt sich aufgrund der vielen Opfer der Kämpfe gegen die Soldaten des Prinzen. Um ihrerseits den Krieg zu beenden fasst sie den Beschluss nach Waylhaghiri zu reisen um im Inneren der Stadt eine Revolte anzuzetteln. Allein begibt sie sich auf die Reise in eine Stadt, die völlig anders ist als ihre Heimat. Die dort lauernden Verlockungen und Gefahren unterschätzt sie völlig.

Die namenlose und nervende Ich-Erzählerin ist Eingeweihte einer Geheimgesellschaft. Sie vermag es nach Sumerland, die geheime Realität, zu blicken.
Das Sumerland ist ihre Flucht aus dem öden Büroalltag der Marketingfirma, für die sie arbeitet. Sie verfolgt die Abenteuer der Herrscher und schaut sich so manche Technik ab: Das in Waylhaghiri praktizierte Zwecklügnertum zur Geschäftsmaximierung beschert ihr einen Karriereaufschwung.


Sumerland handelt von zwei Welten, die einander beeinflussen. Die Ich-Erzählerin bezieht Informationen über das Prinzip des „maximierten Geschäftssinnes“ sowie Verhaltenstechniken aus Waylhaghiri, die auch in ihrer Welt Erfolg zu haben scheinen. Beruhen also beide Welten auf den gleichen Prinzipien? Andersherum scheinen die Eingeweihten die Geschehnisse im Sumerland nicht beeinflussen können. Die Frage ist also: Wie genau hängen die Welten zusammen?

Unter dem Strich war mir die Detailliertheit, mit der die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgestellt wurden, zu viel des Guten. Die Kontraste, die es nicht immer leicht machen, den Lesefluss aufrecht zu erhalten: Vision/Realität, Stadt/Natur, Fantasie/Vernunft, ermüdeten mich irgendwann.
Die verschachtelte und zum Teil krude Story über zwei Realitäten, Perspektiven und zahlreiche Schauplätze, die ganz eigenen Gesetzen folgen, bremst die Unterhaltung beim lesen immer wieder aus.

Passend zu den Büchern gibt es eine App, die ich mir aber erspart habe. Die Idee hinter den Büchern ist toll, aber noch nicht ausgereift. Zuviele unwichtige Infos, zuviele Erzählstränge, zuviel Input, der einem erschlägt.
Profile Image for Buchstapler.
108 reviews18 followers
January 16, 2018
Sumerland ist eine Fantasy-Reihe der ganz besonderen Art. Als ich gefragt wurde, ob ich die Bücher gerne lesen und rezensieren würde, habe ich mich sehr gefreut. Denn das Buch hat mich total angesprochen. Die Idee von realer und virtueller Welt in ein Buch zu packen, fand ich sehr faszinierend. Als ich dann gesehen habe, dass es eine Augmented-Reality-App zum Buch gibt, war meine Begeisterung noch größer und ich wusste: das Buch muss ich lesen! Das Buch hat ein wunderschönes Cover, was wirklich sehr gut zum Inhalt des Buches passt. Es ist sehr liebevoll gestaltet worden, mit Sinn fürs Detail.

Zu Beginn des Buches viel es mir leider recht schwer in die Geschichte rein zukommen. Gefühlt gab es 20 verschiedene handelnde Personen, aus deren Sichten die Geschichte geschrieben war. Vor allem gibt es eine Ich-Erzählerin, deren Namen man nicht erfährt. Ich dachte zu Beginn, dass es mehrere Ich-Erzähler geben würde. Dann habe ich doch herausgefunden, wie der Aufbau dieses Buches gestaltet ist: es gibt eine Ich-Erzählerin, die oftmals mit einem verstorbenen Nahestehenden, namens Andi redet. Diese namenlose Ich-Erzählerin lebt in unserer Welt, wie wir sie kennen. Schnell erfährt man jedoch, dass es sich bei unserer Welt lediglich um eine Illusion handelt. Die Wirklichkeit, die Welt des Sumerlands, bekommen wir in der Regel nicht zu Gesicht. Die Ich-Erzählerin ist eine von wenigen eingeweihten und hat die Fähigkeit in die uns verborgene, reale Welt zu blicken. Hier beobachtet sie zum einen den Prinzen Zazamael, der über die Stadt Waylhaghiri herrscht und zum anderen die Prinzessin Serisada, die über das wilde Umland herrscht. In dieser Welt herrscht ein Krieg zwischen den beiden Parteien. Prinz Zazamael will die Alleinherrschaft über diese Welt und dringt immer weiter in das wilde Umland ein.
Der Schreibstil im Buch hat mir sehr gut gefallen, trotz anfänglicher Verwirrungen, hat mir das Lesen Spaß gemacht. Je weiter die Geschichte fortschritt, desto besser wurde auch immer mein Gesamteindruck. Dennoch konnten sich die Charaktere für mich bis zum Ende nicht richtig entfalten. Sie haben kaum an Tiefe gewonnen und wurden für mich nicht so greifbar, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich habe kaum das Gefühl gehabt mit ihnen mitzufiebern und sie auf ihrer Reise zu begleiten. Aber auch das wurde zum Ende hin immer besser. Ich bin deshalb sehr gespannt auf Band 2, wo ich hoffentlich von Anfang an in der Geschichte drin sein kann und meine Probleme mit Band 1 aushebeln kann.
Eine große Bedeutung für dieses Buch spielen die Yin und Yang ähnlichen Zeichen, die im Buch abgedruckt sind. Sie geben jeweils an, wenn die Sichtweise der Geschichte wechselt. Diese Symbole haben auch für die zugehörige App eine große Bedeutung. Die App "Apparatu" regt dazu an, sich in unserer Welt zu bewegen, diese Symbole zu finden und durch diese Zeichen einen Blick in die Welt des Sumerlands zu erhaschen. Dazu sind an bestimmten Standorten diese Symbole versteckt, die dann mit dem Smartphone abgescannt werden können. Leider gab es in meiner Nähe keines der Symbole, weshalb ich darauf zurückgreifen musste, die Symbole von der Webseite abzuscannen. Die Umsetzung dieses Blickes in die andere Welt, wurde meiner Meinung nach wunderbar umgesetzt. Hat man einige der Symbole gescannt, so kann man für jedes Symbol ein Rätsel lösen. Meiner Meinung nach eine sehr schöne Idee, die das Buch wunderbar ergänzt. Einziges Manko hierbei, dass es tatsächlich relativ wenig Standorte gibt, an denen tatsächlich diese Symbole vorhanden sind. Dennoch ist die App sehr schön mit viel Liebe zum Detail gestaltet worden.

Zusammenfassend, eine grundsätzlich wunderbare Idee mit einer sehr schön umgesetzten zugehörigen App. Hier steckt großes Potential für den zweiten Band drin, bei dem die anfänglichen Schwierigkeiten dann hoffentlich keine Rolle mehr spielen.
Profile Image for Vanessa.
76 reviews15 followers
December 31, 2017
Der Anfang war schwierig und ich hatte Probleme so richtig in Fahrt zu kommen.
Es wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt. Aus der Sicht der Prinzessin Serisada, die im Sumerland herrscht und aus der Sicht des Prinzen Zazamael, der sie Stadt Waylhaghiri beherrscht. Des Weiteren wird aus der Sicht einer Ich-Erzählerin berichtet, die von ihrem Alltag, Job und Liebesleben erzählt. Zum anderen wird aus der Sicht von Susanne, die Nichte der Ich-Erzählerin, erzählt, die überzeugt davon ist, dass sie das Sumerland und Waylhaghiri erfunden hat.
Waylhaghiri ist zum einen sehr fortschrittlich, zum anderen herrscht tiefstes Mittelalter. Der Prinz zieht zu Pferd in den Krieg, aber versteckt sich des Öfteren vor Hubschraubern, die ihn aufspüren könnten.
Abgesehen davon, dass ich alles ziemlich verwirrend fand und immer noch nicht behaupten kann, alles verstanden zu haben, hat mir der Grundgedanke gefallen und ich hoffe sehr, dass im zweiten Teil für mich alles ein bisschen durchschaubarer wird.
Am meisten an Waylhaghiri verabscheue ich, dass Kinder und Erwachsene gleich behandelt werden. Mich schüttelte es jedes Mal, wenn ich lese musste, dass Rauchen cool ist und Kinder rauchen und Alkohol trinken. Pfui! Too much for me.
Band eins ist ein gesellschaftskritischer Fantasy-Roman mit tollen Ideen, die leider aber auch oft so verwirrend sind. Da es kein direktes Ende gibt, empfiehlt es sich wohl direkt im Anschluss Band zwei zu lesen. Es gibt noch so viele unbeantwortete Fragen und ich hoffe sehr, dass der zweite Band Antworten liefert.
Profile Image for mermaideline.
27 reviews10 followers
March 8, 2018
Schwer zu beurteilen: der Anfang war recht schleppend. Ich kam nicht gut in die Geschichte rein, weil es doch viele Schauplätze gibt, die man erst einmal versuchen muss auseinander zu halten. Sobald das geschafft war, war ich total drin. Die Geschichte hat mir gefallen und auch die Charaktere/Handlungsstränge waren interessant. Auf den letzten 100-150 Seiten hat das Buch mich leider wieder verloren, da unsere Erzählerin immer merkwürdiger wurde und Sachen nicht konsequent durchdacht hat. Auch wurde beim Prinzen gefühlt immer wieder das selbe erzählt, sodass er eigentlich nur auf der Stelle getreten ist. Und die Geschichte der Prinzessin hat man ja leider schon vom Klappentext gekannt. Der Handlungsstrang von Susanne war leider auch nur so mäh. Aber ich hoffe im zweiten Band auf Besserung.
Von daher: gutes Mittelmaß mit 3*
(Das Buch wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt)
Profile Image for Tintenwelten.
809 reviews44 followers
June 10, 2017
Das Buch beleuchtet vier verschiedene Perspektiven. Aus der einer unbekannte Erzählerin, die in der Realität lebt und über ihren Alltag und ihren Job berichtet. Außerdem wird sie nach einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit von Schuldgefühlen geplagt. Sie kann in eine Art Parallelwelt blicken und dort die Ereignisse im sogenannten Sumerland beobachten.

Ihre Nichte Susanne behauptet Sumerland erfunden zu haben, weil sie die Spielzeughersteller boykottieren wollte, in dem sie eine Beschäftigung für Kinder ganz ohne Gegenstände erschafft. Ihr Spiel sei jedoch außer Kontrolle geraten und hätte auf die ganze Welt übergegriffen.

Prinzessin Serisada herrscht über das Sumerland, welches sich mit den Einwohnern des babylonischen Stadtkegels von Waylhaghiri im Krieg befindet. Serisada begibt sich als Spionin in den Turm, um dort eine Revolution zu entfachen.

Dessen Herrscher Zazamael ist auf der Suche nach dem “Wilden Wein”, der seine Stadt retten soll. Außerdem sieht er in Serisada seine Seelenverwandte.

Diese Charaktere sind unterschiedlicher wie sie nicht sein könnten. Allerdings wirkt vor allem die unbekannte Erzählerin in ihren Ausführungen sehr wirr und gleichzeitig langweilig. Serisada und Zazamaels Geschichte ist sehr interessant und auch spannungsgeladen.

Im Buch wird Wirklichkeit und Fiktion bunt gemischt und man fragt sich oft, was jetzt tatsächlich real ist. Das ist stellenweise sehr verwirrend. Die Geschichte ist jedoch sehr phantasie- und facettenreich. Sie enthält auch einiges an Gesellschaftskritik, denn Waylhaghiri ist unserer Welt sehr ähnlich, doch wird diese maximal überspitzt dargestellt.

Leider hatte ich große Schwierigkeiten beim Lesen. Mich hat das Buch einfach nicht gepackt. Die Idee der Story fand ich sehr gut, aber für mich hat es an der Umsetzung gehapert. Die ständigen Wiederholungen empfand ich als störend und überflüssig. Die Story wird aus mehreren Perspektiven nahezu ähnlich berichtet. Daraus resultieren einige Längen, die das dran bleiben echt schwer machen.

Als besonders unbefriedigend kann man auch das Ende bezeichnen, welches einfach mitten in der Handlung endet. Gut, dass ich direkt den zweiten Teil zur Hand hatte.
Profile Image for Wortmagie.
529 reviews80 followers
August 31, 2017


Hinweis: Diese Rezension bespricht sowohl „Prinzessin Serisada“ als auch Prinz Zazamael.

Im April 2017 erhielt ich eine E-Mail, in der mir der Zweiteiler „Sumerland“ von Johannes Ulbricht zur Rezension angeboten wurde. Das Besondere an diesem Projekt ist seine multimediale Ausrichtung: neben den beiden Büchern „Prinzessin Serisada“ und Prinz Zazamael, existiert eine Augmented Realtiy – App, die eine Schnitzeljagd inszeniert. Ich war sofort Feuer und Flamme. Ich wollte die Kombination aus moderner Technik und klassischer Literatur unbedingt austesten und ließ mir beide Bände zuschicken.

Mitten in der ungezähmten Wildnis des Sumerlands thront der Stadtkegel Waylhaghiri, ein prekäres, babylonisches Konstrukt zahlloser Etagen. Regiert vom unsterblichen, ewig kindlichen Prinz Zazamael und dem geheimen Rat der Wirtschaftsweisen, herrscht in der einzigen Stadt der Welt ein empfindliches System gesellschaftlicher Herausforderungen, das die Menschen subtil lenkt und manipuliert. Kaum jemand ahnt, dass die Bevölkerung Waylhaghiris in einer Illusion gefangen ist: unsere Realität ist nicht mehr als ein Traum, die uns die Kontrolle des Zentralcomputers vergessen lässt. Prinz Zazamael und der Rat streben nach Perfektion, nach der vollkommenen Fusion von Realität und Illusion, benötigen dafür allerdings den wilden Wein, der irgendwo im Sumerland versteckt ist. Das Sumerland ist das Reich der unsterblichen, ewig kindlichen Prinzessin Serisada, für die Waylhaghiri ein unerträglicher Makel in der wilden Schönheit ihres Landes ist. Während Prinz Zazamael und seine Okkupationsarmee auf der Suche nach dem wilden Wein ins Sumerland eindringen, schleicht sich Serisada in den Stadttrichter, um eine Revolution auszulösen und Waylhaghiri endgültig vom Antlitz der Welt zu tilgen. Der Krieg der Königskinder schlägt gewaltige Wellen, die bis in unsere Realität zu spüren sind. Wird die große Fusion gelingen oder werden Traum und Wirklichkeit in sich zusammenstürzen?

Diese Rezension ist aus zwei Gründen anders als meine üblichen Besprechungen. Erstens habe ich mich entschieden, „Prinzessin Serisada“ und Prinz Zazamael gemeinsam zu rezensieren, weil ich sie für eine untrennbare Einheit halte, die nur zusammen die Geschichte „Sumerland“ erzählen können. Zweitens möchte ich euch an dieser Stelle nicht nur einen Eindruck meiner Leseerfahrung anbieten, sondern auch eine Einschätzung meiner Erlebnisse mit der App. Ich hoffe, dass ich diese Aufgabe meistern kann, denn ich habe noch nie eine Rezension zu einer App geschrieben. Seid also ein wenig nachsichtig mit mir. 😉

Bereits vor der Lektüre von „Sumerland“ war ich äußerst neugierig, wie die Verbindung einer Augmented Reality – App mit einem klassischen Printmedium funktionieren würde. Meine Vorstellungen orientierten sich stark an meinen Erfahrungen mit Pokémon GO, da diese Spiele-App mit dem gleichen Prinzip arbeitet: über die Kamera des Smartphones wird die wahrnehmbare Realität durch computergenerierte Bilder in Echtzeit erweitert. Als ich „Prinzessin Serisada“ und Prinz Zazamael aus dem Regal nahm, beschloss ich, mich zuerst mit der App auseinanderzusetzen. Diese hatte ich mir schon beim Eintreffen der Bücher von der Website (www.endederwelt.de) kostenlos heruntergeladen.

Die Idee hinter der App ist eine Art Schnitzeljagd. Da unsere Realität laut Johannes Ulbricht nicht mehr als eine Illusion ist, sollen die Leser_innen durch die App Hinweise auf die Wirklichkeit des Sumerlands und Waylhaghiris hinter dieser Scheinwelt entschlüsseln. Dafür müssen mit der App Symbole eingescannt werden, die auch in den Büchern wiederholt auftauchen. Diese schwarz-weiß gehaltenen Yin und Yang – Zeichen schalten dann Rätsel, Illustrationen und Auszüge aus den Büchern frei. Löst man alle Rätsel, wird man in die „Geheimgesellschaft der Wissenden“ aufgenommen. Auf der Website wird versprochen, dass die Symbole über ganz Deutschland verteilt und schier überall zu finden sind, an Unis, in Einkaufszentren, in Fußgängerzonen. Das kann ich leider nicht bestätigen. Es ist wahr, dass die Symbole deutschlandweit versteckt sind, doch um jedes einzelne einzuscannen, müsste man schon einmal quer durchs Land reisen. Die integrierte Deutschlandkarte der App zeigte mir zum Beispiel, dass sich in meiner Heimatstadt Berlin bloß ein einziges Symbol befindet. Die beiden nächsten Symbole sind im brandenburgischen Oranienburg verborgen, was von mir etwa 50 Kilometer entfernt ist. Wie soll man so alle Symbole vor Ort einscannen können? Ich finde das sehr enttäuschend, weil sich der ursprüngliche Reiz der App somit in Luft auflöste. Ich hatte erwartet, mit meinem Smartphone durch Berlin zu tingeln und fleißig Symbole abhaken zu können. Da das nicht möglich war, musste ich auf eine Auflistung der Symbole zurückgreifen, die auf der Website zu finden ist. Schade.

Nichtsdestotrotz wollte ich die App nicht sofort abschreiben. Ich scannte die Symbole über den Bildschirm meines Laptops ein. Dabei fiel mir auf, dass die App ärgerlicherweise ziemlich instabil ist. Sie stürzt oft ab. Als ich alle Rätsel freigeschaltet hatte, widmete ich mich der ersten Aufgabe. Es handelt sich um ein Suchbild; die Nutzer_innen sollen die Stelle des Bildes berühren, an der sich Prinz Zazamael befindet. Ich wusste natürlich noch nicht, wo er sich versteckt, weil ich mit der Lektüre ja noch nicht begonnen hatte und riet einfach drauf los. Ich tippte die Stelle an, klickte auf „Weiter“ und gelangte so zu einem Auszug des ersten Bandes „Prinzessin Serisada“. Ich dachte, ich hätte das Rätsel gelöst und hielt die Textpassage für meine Belohnung.

Beim Lesen der Passage dämmerte mir, dass ich mich, würde ich weitere Rätsel lösen, vermutlich heftig spoilern würde. Ich besuchte noch einmal die Website und suchte nach einer Anleitung, die mir erklären würde, wie die Nutzung der App in die Lektüre der Bücher zu integrieren sei und fand… nichts. Es gibt keine Hinweise darauf, wie beides unter einen Hut zu bringen ist. Ich blätterte durch die Seiten der Romane, in der Hoffnung, dort eine Aufforderung zu entdecken, die App einzuschalten. Fehlanzeige. Offenbar ist das Projekt dann doch nicht so multimedial, wie ich angenommen hatte. Bücher und App existieren parallel, haben aber außer der Geschichte keine Verbindung. Sie sind unabhängig voneinander. Erneut enttäuscht beendete ich die App und beschloss, mich den Rätseln zu widmen, wenn ich die Lektüre abgeschlossen hatte.

Ich weiß nicht genau, was ich von „Sumerland“ erwartet hatte, vermutlich eine etwas… durchschnittlichere Leseerfahrung, aber garantiert keine Geschichte, die dermaßen vollgestopft ist mit metaphorischer und handfester Gesellschaftskritik. „Prinzessin Serisada“ und Prinz Zazamael kritisieren, betonen und beschreiben all die Mechanismen unserer Realität, die getrost als Verrücktheiten bezeichnet werden können – mal ernsthaft, mal mit einem amüsierten Augenzwinkern. Die beiden Romane rücken die Lächerlichkeit der Entwicklung der Menschen und der Welt, in der wir leben, schonungslos ins Licht und demaskieren die ritualisierten Strukturen der alltäglichen, künstlichen Zwänge, denen wir uns selbst aussetzen. Laut Johannes Ulbricht sind die Prozesse unserer Realität ein Abbild der Lebensweise der Menschen in Waylhaghiri, die Hamstern im Laufrad gleich permanent Rituale und Herausforderungen durchlaufen, um ihren sozialen Status anhand verschiedenster Faktoren zu verbessern oder zu zementieren. Die Trichterstadt ist ein einziges, gigantisches, allumfassendes, nahezu perfektes, kompliziertes Konkurrenzsystem, das ganz eindeutig den Gesetzen des Kapitalismus folgt. Begierden und Bedürfnisse werden künstlich erzeugt; Selbstbestimmtheit ist eine Illusion; alle Lebensbereiche werden ökonomisch instrumentalisiert. Auf mich wirkte Waylhaghiri beinahe wie ein lebendiger, atmender Organismus, der sich immer wieder selbst verschlingt und erneuert. Sie ist ein Irrgarten ohne Ausweg, weil die Bevölkerung gar nicht merkt, dass sie vom regierenden Prinzen Zazamael, dem geheimen Rat der Wirtschaftsweisen und dem Zentralcomputer gnadenlos manipuliert und ausgebeutet wird. Die Menschen träumen ohne Unterlass. Sie träumen unsere Realität.

Waylhaghiri ist die einzige Stadt der Welt, außerhalb des Turms existiert lediglich die unendliche Weite des wilden Sumerlands. Dadurch erreicht Johannes Ulbricht einen unmittelbaren, harten Kontrast zwischen Technologie und Natur, zwischen Ordnung und Chaos, zwischen kühler Kalkulation und leidenschaftlicher Emotionalität. Waylhaghiri ist alles, was das Sumerland nicht ist und umgekehrt. Erstaunlicherweise sind die Oberhäupter der beiden Domänen allerdings weniger verschieden, als man meinen sollte. Prinzessin Serisada und Prinz Zazamael sind beide seit Jahrhunderten etwa 13 Jahre alt und schrecklich einsam. Beide haben keine Spielgefährten, sondern nur Untergebene, die im Gegensatz zu ihnen durchaus sterblich sind. Ich habe intensiv darüber nachgedacht, warum sich der Autor entschied, Herrscher und Herrscherin als Kinder darzustellen. Ich glaube, dass Ulbricht sich bei Michael Ende bediente und seine eigenen Versionen der kindlichen Kaiserin aus Die unendliche Geschichte erschuf. Die kindliche Kaiserin regiert als personifizierte Fantasie und Unschuld über Fantasien. Weder Serisada noch Zazamael sind unschuldig, doch sie verkörpern gewiss unterschiedliche Spielarten der Fantasie. Serisadas Fantasie ist rein imaginär ist und findet Wege, sie über lange Zeiträume hinweg allein zu beschäftigen. Das Sumerland ist voller Spielzeug, das sie irgendwann einmal liegen ließ. Zazamaels Fantasie hingegen ist konkret und greifbar. Seine Vorstellungskraft formt Waylhaghiri. Neue Ebenen werden nach seinen Ideen gebaut. Es kann kein Zufall sein, dass die Königskinder wie die zwei Seiten derselben Münze wirken, da sich dieses Motiv durch die ganze Geschichte zieht. Arbeit und Freizeit, Gier und Großzügigkeit, Gesellschaft und Individuum – all diese Faktoren sind lediglich Aspekte eines menschlichen Lebens, keine Konstanten, die sich wechselseitig aussschließen. Die Kunst besteht darin, das Gleichgewicht zu finden.

So langsam werdet ihr euch wahrscheinlich fragen, warum ich für das Gesamtwerk „Sumerland“ bloß zwei Sterne vergebe, obwohl ich eine Menge Positives darüber zu berichten habe. Es ist wahr, „Sumerland“ ist wahnsinnig kritisch und extrem intelligent. Ich erkenne das und ich respektiere Johannes Ulbricht dafür, dass er in der Lage war, seine hochabstrakten Gedankengänge auszuformulieren und in eine verrückte Fantasy-Geschichte zu transformieren. Für meinen Geschmack ist die Dilogie nur leider zu verkopft. Es war mir zu viel. Der ständig präsente doppelte Boden der Geschichte, die vielen Nuancen, die zwischen den Zeilen stehen, haben mich überfordert. Ich suchte permanent nach den Analogien zu unserer Realität; ich konnte mich nie einfach zurücklehnen und genießen. Es war ermüdend, auslaugend. Vieles erschien mir irritierend und verwirrend.

Allein schon die Erzählstruktur empfand ich als mühselige Fleißarbeit, weil vier verschiedene Handlungsstränge parallel laufen und sich im Grunde kaum berühren, was in ein ausschweifendes Gesamtbild resultiert. Neben Prinzessin Serisada und Prinz Zazamael folgen die Leser_innen einer anonymen Ich-Erzählerin in unserer Realität, deren Wert für die Geschichte meines Erachtens nach marginal ist, weil man nie genug über sie erfährt. Sie verdeutlicht lediglich die Prozesse, die sich von Waylhaghiri aus in der Scheinwelt fortsetzen. Ich hätte diese Verständniskrücke nicht gebraucht. Zusätzlich stellt sie uns Susanne vor – ein junges Mädchen, das behauptet, das Sumerland und Waylhaghiri durch das Erzählen einer Geschichte erfunden zu haben und prompt ihren eigenen Handlungsstrang erhält. Mir schwirrte der Kopf, denn ich verstand irgendwann nicht mehr, in welcher Beziehung diese Erzählstränge zueinanderstehen. Mir hätten Prinzessin Serisada und Prinz Zazamael vollkommen ausgereicht.

Die beiden Bücher vermitteln keine Leichtigkeit, keine Freude am Erzählen und für mich unglücklicherweise auch keinen Spaß an der Lektüre. Prinz Zazamael fiel mir zwar leichter, da das Tempo im zweiten Band deutlich anzieht und die Handlung im Gegensatz zum ersten Band endlich aus dem Knick kommt, doch ich musste mich zum Lesen zwingen. Es war keine schöne Leseerfahrung. Ich fühlte mich nicht wohl. Trotzdem kämpfte ich mich durch, primär aus Prinzip, aber auch, weil ich hoffte, irgendwann für meine Mühen belohnt zu werden. Vergebens. Das Ende von „Sumerland“ ist nahezu eine Antiklimax, weil die Moral bzw. die Botschaft des Ganzen schon lange vorher offensichtlich sind. Ich empfand es als flach und unbefriedigend. Ich war erleichtert, als ich Prinz Zazamael schließlich zuschlagen konnte.

Nachdem die Lektüre von „Sumerland“ eine eher enttäuschende Angelegenheit war, muss ich zugeben, dass ich keine große Lust hatte, mich noch einmal mit der dazugehörigen App zu beschäftigen. Ich wollte dieses Experiment hinter mir lassen und mich neuen Geschichten widmen. Ich wusste aber, dass ich keine umfassende Rezension würde schreiben können, wenn ich mich vor dieser Aufgabe drückte. Also riss ich mich ein letztes Mal zusammen und stellte mich den Rätseln.

Ich frage mich ernstlich, wer sich diese Rätsel ausgedacht hat. Kann man überhaupt alle lösen? Ist das möglich? Die Fragen fokussieren teilweise winzige Details der Handlung von „Sumerland“, die in den Büchern gar nicht besprochen werden. Über der Aufgabe, einzugeben, welche drei Tierkreiszeichen Serisada in welcher Reihenfolge berühren musste, um ein bestimmtes Schmuckstück aus ihrer Nachttischschublade nehmen zu können, bin ich verzweifelt, denn in der entsprechenden Szene wird meines Wissens nach nie auch nur erwähnt, dass sie überhaupt einen Mechanismus auslösen muss. Ich habe das sogar nachgelesen. Raten fällt bei 12 möglichen Tierkreiszeichen leider aus. Ich weiß nicht, woher ich die Lösung nehmen soll, wenn sie nicht in den Büchern steht.
Ebenso unerfreulich sind alle Rätsel mit Suchbildern. Erinnert ihr euch, dass ich dachte, ich hätte die erste Aufgabe, Prinz Zazamael auf einem Bild zu lokalisieren, gelöst? Irrtum. Ich habe die Aufgabe offenbar nicht gelöst; es fehlt das grüne Häkchen, das mir einen Erfolg anzeigt. Keines der Suchbilder scheint korrekt zu funktionieren, denn egal, wie oft ich mit dem Finger darauf herumtippe, es passiert gar nichts. Die Textpassage, die ich für meine Belohnung hielt, ist immer zugänglich, ob man ein Rätsel nun knackt oder nicht. Da versagt mutmaßlich die Technik.

Letztendlich konnte ich mit Müh und Not (und ein bisschen Raten) acht von zwölf Rätseln bewältigen. Damit werde ich nicht in die „Geheimgesellschaft der Wissenden“ aufgenommen. Aber wisst ihr was? Es ist mir egal. Die App hat mich insgesamt mehr frustriert als unterhalten und von mir aus können sich die Entwickler ihre Geheimgesellschaft an den Hut stecken. Angeblich erhält man ja irgendeinen gratis Song, der extra für das Projekt von „der renommierten Künstlergruppe QNTAL“, (von der ich vorher noch nie gehört habe) produziert wurde, wenn man alle Rätsel knackt und dann einen Registrierungscode an die Entwickler schickt. Bedenkt man all meinen Missmut, wäre ein einziger Song ohnehin ein schmaler Trost. Ihr könnt ihn behalten, ich will ihn nicht, vielen Dank.

Meiner Ansicht nach ist „Sumerland“ als multimediales Projekt nicht mehr als eine tolle Idee, die an der Umsetzung scheitert. Die App und die Romane „Prinzessin Serisada“ und Prinz Zazamael bilden längst nicht die Einheit, die ich erwartet hatte und interagieren überhaupt nicht miteinander. Die Rätsel sind aufgrund mangelnder Anhaltspunkte sowie unzuverlässiger Technik eher verwirrend statt unterhaltsam und haben mir keinerlei Mehrwert geboten. Die freigeschalteten Textpassagen sind überflüssig, liest man die Bücher, was mir allerdings auch keine Freude bereitete. Für mich ist die App daher nicht mehr als verschwendeter Speicherplatz auf meinem Smartphone und wird entfernt, sobald diese Rezension online ist.
Die Geschichte, die Johannes Ulbricht in „Sumerland“ erzählt, ist definitiv ein kluges Stück tiefgehender Gesellschaftskritik. Der subtile Appell, unsere Welt zu hinterfragen, statt alles klaglos zu schlucken, ist unmissverständlich bei mir angekommen. Trotz dessen bin ich der Meinung, dass er das Ziel, seine Leser_innen zu unterhalten, vollkommen aus den Augen verlor. „Sumerland“ ist langatmig, hochgradig abstrakt und unverhältnismäßig strapaziös. Ulbricht verlangt zu viel und verlässt sich zu sehr auf die intellektuelle Ebene seiner Geschichte. Intelligenz ist eben nicht alles und vermag mich alleinstehend nicht zu fesseln.

Zusammengefasst muss ich euch demzufolge davon abraten, mein Experiment mit „Sumerland“ selbst zu wiederholen. Das Projekt hält einfach nicht, was es verspricht – weder technisch, noch systematisch, noch literarisch. Vielleicht waren die Ambitionen von Autor und Entwicklern dann doch ein wenig hochgestochen. Gesellschaftskritik als Spiel für Bücherwürmer – in der Theorie ein netter Gedanke, in der Praxis die reinste Quälerei.

Vielen Dank an den Verlag Panini und Literaturtest für die Bereitstellung dieser Rezensionsexemplare im Austausch für eine ehrliche Rezension!
Profile Image for Birgit.
505 reviews55 followers
January 15, 2018
Es fällt mir schwer dieses Buch zu beurteilen, da es für mich als Einzelband nicht funktioniert. Es kann sein, dass sich die Beurteilung nach dem Lesen des zweiten Bandes noch einmal ändert!

Ich finde die Idee an sich sehr interessant und finde diese auch gut umgesetzt durch den häufigen Perspektivenwechsel. Die verschiedenen Perspektiven sind wunderschön sprachlich abwechslungsreich gestaltet. Dieser Perspektivenwechsel hat jedoch auch zur Folge, dass das Buch am Anfang etwas verwirrend ist und man eine ziemlich lange Eingewöhnungsphase benötigt.
Nach dieser ersten Eingewöhnungsphase hat mich das Buch doch sehr gefallen, was jedoch ab etwa der Hälfte wieder nachließ, da ich das Gefühl hatte, es passiert einfach nichts bzw. die Geschichte wiederholt sich einfach immer wieder. Und als dann wieder etwas passierte war das Buch aus, ohne richtiges Ende.
Was mich auch stört, betrachte ich dieses Buch als eigenes Buch, ist, dass keine Fragen beantwortet werden. Es werden Erklärungen versprochen, es wird immer wieder erwähnt, dass jetzt etwas aufgeklärt wird, aber man bekommt doch keine Antwort.

Wie schon gesagt, und wie möglicherweise auch in der Rezension bemerkbar, kann ich dieses Buch nicht wirklich bewerten, ohne den zweiten Teil gelesen zu haben. Mich stört die Zweiteilung etwas, da selbst, wenn beide Bände als ein Buch erschienen wären, das Buch nicht zu lange gewesen wäre, vor allem für ein Fantasybuch. Auch gäbe es vielleicht diese Längen nicht, wäre das Buch als ein Teil geschrieben.

Um aber mit etwas Positiven abzuschließen:
Sehr gut gefallen hat mir die Gesellschaftskritik die in dem Buch nicht nur dezent angesprochen wird. Stichwort: Leistungsgesellschaft!
Profile Image for Brina.
664 reviews
January 3, 2018
Cover:
Es fällt sofort auf und die komplette Umschlaggestaltung ist wunderschön und voller Details. Der Turm, der eine Stadt darstellt für mich, hat sofort meine Neugierde geweckt. Farblich wirkt es sehr harmonisch. Das "A" bei Sumerland scheint ein Symbol zu sein, dessen Bedeutung ich hoffentlich beim Lesen erfahren.

Erster Eindruck zum Buch:
Zum Einstieg liest man Gedanken einer Protagonistin, ohne zu wissen, wer es ist. Der Stil ist etwas anspruchsvoller, als man erwartet und deshalb braucht man etwas um reinzufinden. Wenig Dialoge, immer aus der Ich-Form geschrieben. Die verschiedenen Erzählstränge wechseln innerhalb der Kapitel,aber man blickt schnell durch, wer gerade an der Reihe ist.

Protagonisten:
Eine unbekannte Frau, die Einblicke in die "andere" Welt, die Sumerlands hat. Ein Prinz und eine Prinzessin mit hohen Zielen. Die Charaktere bleiben sehr vage, man bekommt kleine EInblicke in die Persönlichkeiten, aber ganz greifbar werden sie nicht. Das hat mir etwas gefehlt, da ich mich so nicht mit ihnen identifizieren konnte.

Meine Meinung:
Die Symbole in den Kapiteln machen neugierig und man möchte entdecken was sie bedeuten. Dadurch wirken die Kapitel auch nicht so lang, wie sie tatsächlich sind, da es optisch mehrere Unterbrechnungen gibt. Der Schreibstil ist sehr komplex, aber dadurch auch etwas verwirrend. Ich habe mir etwas schwer getan dranzubleiben, da bei mir nicht der richtige Lesefluss aufkam. Durch Ideenreichtum hat der Autor eine interessante Welt geschaffen, die allerdings starke Protagonisten vermissen lässt. Band 2, so hoffe ich, wird mich vielleicht etwas mehr überzeugen.
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117 reviews3 followers
May 5, 2018
**Dieses Buch, sowie auch Band 2 der Reihe, wurden mir freundlicherweise vom Autor zu Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!**

Nun zu der Rezension, die ich viel zu lange aufgeschoben habe.
Vorweg, das Buch hat mir leider nicht wirklich gefallen und das, obwohl mein Interesse an dieser Dilogie schon geweckt war, seit ich sie das Erste mal in der Buchhandlung gesehen habe. Ob und wann ich dazu komme, den zweiten Band zu lesen, weiß ich nicht, da mir momentan echt die Motivation dazu fehlt.

Inhalt:
Die Welt, die wir kennen ist nur Schein und die Wirklichkeit spielt sich in der Stadt Waylhaghiri und dem umliegenden Sumerland ab. Wir folgen vier Figuren. Zwei davon agieren in der Scheinwelt und zwei in und um das Sumerland. Es gibt eine namenlose Protagonistin und ein kleines Mädchen, Susanne, die in der Scheinwelt (also quasi unsrer Welt) leben, aber nach Waylhaghiri (ab jetzt W.) sehen können und deren Arbeits- und Schulalltag wir folgen. Die Figuren in der Parallelwelt W. heißen Zazamael und Prinzessin Serisada. Diese beiden begleiten wir auf verscheidene Abenteuer.

**Es könnten SPOILER vorkommen**
(aber eher nicht, es passiert kaum was)
Meinung:
Der Roman hat, meiner Meinung nach, leider keine nennenswerte Handlung. Alle vier Handlungstränge plätschern so vor sich hin, scheinbar ohne Ziel und ohne großartig miteinander verflochten zu sein. Die namenlose (vielleicht habe ich ihn auch nur vergessen) weibliche Figur scheint nichts außer ihr Äußeres und Männer im Kopf zu haben. Ich möchte nicht seitenweise lesen, wie schön die gute Frau doch ist und dass sie so viel attraktiver ist als alle Anderen und mit ihrem Aussehen alles erreichen kann, auch wenn sie selbst für alles zu unfähig ist. Sie findet ja eine Dummen. Außerdem schmachtet sie einem Andi nach, den scheinbar nur sie kennt und der auch nicht vorgestellt wird. Ziemlich nervig das Geschmachte nach einer unbekannten Figur.
Das Mädchen, Susanne, handelt ebenfalls nicht nachvollziehbar, da sie plötzlich alles und jeden hinterfragt und auf jeglichen Konsum verzichten zu scheint. Welches 10-jährige Kind kommt denn plötzlich zu der Einsicht, keine Spielsachen zu benötigen und die Spielzeugindustrie zu hinterfragen?!
Zazamael ist ein arroganter, uneinsichtiger Krieger, der lieber seine ganze Truppe opfert als einen Fehler einzugestehen und auch Prinzessin Serisada ist leider wenig sympatisch. Sie kann alles und braucht niemanden.
Alles in allem, hat das Buch leider weder eine lesenswerte Handlung, die einen weiterlesen lässt, noch sympatische Charaktere, in die man sich hineinfühlen könnte. Meh.
Man mag jetzt anführen, dass im Verhalten und Handeln die Figuren Kritik an der heutigen Gesellschaft ausgeübt werden soll, jedoch so ungeschickt und unsympatisch, dass man weder zustimmen kann noch möchte. Das Ziel wurde leider auch verfehlt. Das hätte man etwas weniger subtil und platzierter angehen können, statt so damit um sich zu werfen.
Dazu kommt noch, dass ich starke Probleme mit den wilden Namen von Figuren und Orten hat. Auch weiß ich nicht, an welche Zielgruppe sich der Roman richtet. Jugenliche werden wahrscheinlich nicht viel mit der vermeindlichen Gesellschaftskritik anfangen können und Erwachsene nichts mit dem seltamen Fantasy-Setting oder den jugendlichen Protagonisten.

Die Wortwahl der Autors ist teilweise auch etwas abenteuerlich. Hier ein paar Beispiele:
-"Tiramisu salbt meine Seele mit weicher dunkler Sahnigkeit." (S.11, DUNKLE SAHNIGKEIT? Ih.)
-"Intimfeind" (Gefühlt auf jeder dritten Seite. WAS SOLL DAS SEIN? Hat sich sonst keiner an diesem Ausdruck gestört? Nicht mal der Lektor? Mich hat es jedes mal ein kleines bisschen aggressiver gemacht, wenn ich diese Wortneuschöpfung lesen musste. BAH!)
-"... um den Rückstand abzutragen." (S.25, Wie macht man das?)
- "Ich weiß nur noch, mir fiel nach dem Duschen auf, dass meine Zehennägel wieder zu lang sind." (S.120, WILL KEINER WISSEN?! Und der Satzbau ist auch komisch.)
- "Aber der Stecker der Nachttischlampe schlängelte sich sinnlos über den moosigen Waldboden.." (S.228)
Das könnte man jetzt ewig so fortführen.

Abschließend muss ich leider sagen, dass mir der Roman, bis auf das Cover und die kleinen Bildchen zwischen den Absätzen, gar nicht gefallen hat. Gegen Ende habe ich sogar ganze Seiten übersprungen..
Es tut mir tatsächlich Leid, einen so negativen Kommentar schreiben zu müssen, da der Autor mir dieses Buch und auch den Folgeband quasi geschenkt hat, aber lügen möchte ich auch nicht.
Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden ;-)
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78 reviews
December 25, 2017
+++ Diese Rezension behandelt sowohl Teil 1 als auch 2 der Sumerland-Reihe +++

Inhalt
Das Sumerland ist zwiegespalten: Im Einklang mit der Natur lebt Prinzessin Serisada mit ihren Untertanen, umgeben von Tiermenschen inmitten der Wildnis in ihrem Palast auf einer Insel. Prinz Zazamael lebt in Waylhaghiri – der einzigen Stadt im Sumerland, die aus unzählbar vielen Ebenen besteht. Nur die erfolgreichen Bürger schaffen es ganz nach oben und jeder muss sich täglich an neuen Aufgaben messen, die aufs Neue über seinen abendlichen Schlafplatz entscheiden. Der Prinz ist zufrieden mit seiner Stadt, möchte aber über die gesamte Welt herrschen und strebt dazu die Fusion an, welche er nur mit Hilfe des wilden Weins beginnen kann.
Diese fantastische Welt wird von Romana – einer Frau, die in der Wirklichkeit, die wir kennen, lebt – gesehen. Sie arbeitet erfolgreich in einer Werbeagentur, muss aber aufpassen, dass ihre imaginären Ausflüge ins Sumerland nicht ihren Job gefährden.

Meine Meinung
Mein erster Eindruck beim Lesen des Buchs war, dass es um eine irre Frau geht, die sich einbildet in eine Parallelwelt sehen zu können und dabei alles um sich herum vergisst. Meine Hoffnung war, dass sie einen netten Psychiater kennenlernt, der ihr hilft damit fertig zu werden. Die ersten Seiten des Buchs waren mit den Sprüngen zwischen den einzelnen Perspektiven sehr verwirrend und ich habe einige Zeit gebraucht um mich zurechtzufinden.
Besonders im ersten Teil der Dilogie fand ich die Geschichte von Serisada und Zazamael sehr undurchsichtig und daher auch wenig spannend. Es wurde viel über die Stadt Waylhaghiri an sich erzählt, aber sehr wenig über die einzelnen Personen. Man fand sich oft in Situationen, denen nicht zuzuordnen war wie der Prinz oder die Prinzessin dahin gekommen sind und was das eigentliche Ziel ist. Beispiel Wilder Wein: Erst sehr spät wurde mir klar, dass der Prinz auf der Suche nach ihm war, und vor allem warum.
Daher war ich hier mehr an Romana und ihrer persönlichen Entwicklung interessiert. Leider kommt die gesamte Handlung des Buchs erst in Schwung, als Serisada zwecks der Revolution in Waylhaghiri eindringt bzw. als Susanne bei Romana zu Besuch ist und von der eigens erfundenen Welt – dem Sumerland – erzählt. Susanne ist ein sehr sympathisches Kind und ich konnte mich nach ihrem Auftauchen immer besser in die Geschichte einfinden. Seit sie da ist wird alles detailreicher erzählt und ich fühle mich in beide Geschichten besser eingebunden.
Die Bücher bieten enorm viel Platz und Stoff zur Interpretation: sowohl gesellschaftskritisch als auch psychologisch könnte man sich hier austoben. Da für mich Bücher und Lesen aber keine Arbeit sind und sein sollen, nur so viel: Die Bürger der Stadt Waylhaghiri streben wie wir in der realen Welt auch nach Glamour, Wohlstand und auch etwas, das unser Autor hier „Coolizismus“ nennt. Ja, wir alle sollten uns ab und zu fragen, ob wir nicht ein bisschen mehr sein wollen wie Prinzessin Serisada und uns Gedanken machen, was von alldem wir tatsächlich brauchen und was uns und der Welt diese Dinge an Mehrwert bringen. Wie auch Romana nach einiger Zeit feststellen muss, ist Geld und der Beruf, Ansehen und Wohlstand nicht alles. Trotzdem ist unsere Welt bereits seit Jahrtausenden nach dem gleichen Schema aufgebaut – entschieden über Sein oder nicht Sein wird nach Ansehen, Geld und Wohlstand. Man kann sich zwar ab und zu fragen, wie viel davon man tatsächlich braucht, entfliehen kann man diesem Gesellschaftszwang aber nicht.
Aber zurück zum Buch und der Geschichte des Sumerlands. Was mir wirklich gut gefallen hat, war Susanne. Sie ist ein liebes Mädchen, das eigentlich nur mit seinen Freunden spielen will, und das auch noch ohne teure Spielsachen. Die Verschwörungstheorie gegen den Spielwarenhändler fand ich sehr amüsant und ich habe alle Abschnitte über Susanne sehr gerne gelesen. Das waren meiner Meinung nach sowohl hinsichtlich Spannung als auch Empathie die besten. Einziges Manko: Susanne benimmt sich zwar wie ein Kind, spricht aber gelegentlich in Sätzen wie diesen: „Die Bilanz der Vergangenheit und die Forderungen der Zukunft dominieren die Gegenwart und ersticken sie.“ Ist klar, oder?! Trotzdem ist sie bemerkenswert, weil sie sich ihre Freiheit nimmt, stark ist, an ihren eigenen Vorstellungen der Welt festhält und weil sie so toll „herbeidenken“ kann – in einer Detailtiefe, die ihr sogar dabei hilft, sich in der Schule durch Selbstnachhilfe zu verbessern.
Nicht so gut gefallen haben mir manche Erfindungen, vorwiegend in Waylhaghiri, die nicht nur sinnlos, sondern oft regelrecht schwachsinnig und abstrus waren. Beispiel: Es gibt dort keine Geländer weil sie noch nicht erfunden wurden. In einem Buch, in welchem das die tatsächliche Realität sein soll, ist das doch absurd! Es gibt keine Geländer, dafür aber z.B. Flugmotorräder.
Dann gibt es Szenen, besonders als Serisada versucht sich in Teil 2 wieder in der Stadt nach oben zu arbeiten, die ebenfalls total sinnlos erscheinen und dann auch noch quälend in die Länge gezogen und seitenlang erzählt werden. Eine davon war die an der Schachbrett-Rampe mit den beiden Menschenhaufen. Das war so eine absurde Situation, dass sie trotz aller Beschreibungen bei mir kein klares Bild im Kopf schuf und ich froh war als Serisada endlich eine Ebene weiter kam.
Weiter fand ich völlig unglaubwürdig, dass Waylhaghiri die einzige Stadt in einer ganzen Welt sein sollte. Menschen sind oft naiv und fügen sich in die gegebenen Strukturen, aber es gibt immer einige, die unzufrieden sind, ihr eigener Herr sein wollen und die Stadt verlassen würden um ihre eigene Gesellschaft oder zumindest Stadt zu gründen.
Unabhängig von den Details waren hier zusammenfassend sehr viele Situationen, die aus meiner Sicht nicht vollständig durchdacht und durchgängig waren.
Beginnend mit Serisada verliere ich noch ein paar Worte zu den Hauptpersonen des Sumerlandes: Serisada ähnelt Susanne sehr und ist in Sumerland die sympathischste Person (was leider keine Kunst ist). Ihr Widerstand und die Revolution machen Hoffnung auf Besserung in der Parallelwelt. Ohne sie scheint der Turm Waylhaghiri seinem selbst geschmiedeten Untergang geweiht.
Zazamael hingegen ist unsympathisch ohne Ende, ist meist faul und erscheint extrem unfähig. Dass er die Stadt bereits jahrhundertelang beherrschen soll, kann nur ein Witz sein. Nicht nur seine Untertanen, sondern auch der geheime Rat bzw. Azethot untergraben seine Autorität regelmäßig ohne dass er etwas dagegen unternimmt oder es auch nur bemerkt.
Seine Wünsche und Taten sind oft widersprüchlich und sein Wunsch Serisada zu heiraten ist einfach nur lächerlich.
Auch wenn Serisada die stärkere der beiden ist, bietet Sumerland als vermeintlich „reale Welt“ hinter unserem Schein-Alltag erbärmlich ausgearbeitete Charaktere. Dass ich die andere, eigentlich nur „zuschauende“ Welt von Romana und Susanne überwiegend spannender fand, ist ein Armutszeugnis.

Die App
Die App an sich ist nett gemacht, mit der Ansicht des Turms von Waylhaghiri und der Aufmachung der Yin-Yang-Symbole. Auch die Handhabung fand ich intuitiv und angenehm. Die Idee hinter der App ist, dass man während dem Lesen des Buchs mit dem Handy Symbole in der näheren Umgebung scannt und dann Rätsel zur Geschichte lösen kann. Das fand ich auch bereits vorab eine tolle Idee und hab mich echt darauf gefreut.
Erstes Minus: Auf der Deutschlandkarte sind die verteilten Symbole einzusehen, wodurch schnell klar wird, dass man jahrelang durchs Land reisen müsste um alle 12 Symbole „zufällig“ zu finden. Selbst in Ballungsräumen findet man in einem Umkreis von 10km nicht mehr als 2-3 Symbole. Das ist schade, kann aber mit den auf der Website www.endederwelt.de abgebildeten Symbolen umgangen werden.
Gesagt getan, also habe ich dort alle Symbole gescannt. Das war ganz lustig, da bröckelt dann langsam die Fassade unserer Welt und ermöglicht uns einen Blick ins Sumerland. Die Rätsel an sich waren leider nicht sinnvoll der Geschichte zuordenbar und hatten auch wenig bis gar nichts mit den Geschehnissen im Buch zu tun. Da hätte ich mir mehr Zusammenhang gewünscht, z.B. auch, dass im Buch selbst Hinweise auf das jeweils passende Rätsel gegeben werden. Leider lässt das Niveau der Rätsel entweder zu wünschen übrig, weil sie sich am Kindergarten orientieren (Suchbilder), oder die Rätsel sind nicht lösbar, weil entweder die Lösung einfach nirgends zu finden ist (auch im Buch werden die gefragten Details nicht verraten), oder die Hinweise, die es gibt, falsch beschriftet sind. Beides extrem ärgerlich.
Die Idee der App finde ich großartig, aber die Umsetzung ist dringend zu optimieren!

Fazit
Wer lieber lustige oder romantische Bücher liest, kann hier gleich die Finger weg lassen – es handelt sich um eher schwere Kost, die oft auch Geduld und Biss erfordert, wenn man das Lesevergnügen nicht vorzeitig beenden will.
Ich weiß die bedeutenden gesellschaftskritischen Inhalte zu schätzen und habe mich auch über viele unterhaltsame Abschnitte im Buch gefreut. Weil es aber überwiegend schwer verdaulich ist und mich die zu wenig durchdachte Erfindung der Stadt Waylhaghiri stört, gebe ich den beiden Büchern in Summe 3 von 5 Sternen.

Ich bedanke mich abschließend bei Dr. Johannes Ulbricht für die Rezensionsexemplare.
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28 reviews1 follower
November 26, 2017
Ich habe gestern Band 2 dieser Duologie beendet und ich muss sagen mir schwirrt immer noch ein wenig der Kopf…
Im Oktober wurden mir beide Bücher als Rezensionsexemplare angeboten und nachdem mich der Klappentext irgendwie ein wenig an die Matrix-Filme erinnert hat, wusste ich, dass ich die Bücher lesen muss (dass ich ein riesiger Matrix-Fan bin muss ich an dieser Stelle wohl nicht erwähnen).
Warum ich Band 1 erst jetzt, nachdem ich den zweiten Band gelesen habe, rezensiere? Nun ja, ich konnte es vorher einfach nicht. Ich wusste nicht, was ich von dem Buch halten sollte, geschweige denn, wie ich es irgendwie bewerten sollte. Mein Kopf war voller Fragezeichen und ich erhoffte mir vom zweiten Band erst einmal ein paar Antworten. Ich versuche dennoch hier Band 1 zu besprechen, ohne großartig zu spoilern.
Die Protagonisten sind in diesem Buch zum Einen Prinzessin Serisada, die ewig kindliche Herrscherin des Sumerlands und Prinz Zazamael, der ebenfalls ewig höchstens jugendliche Herrscher der Trichterstadt Waylhaghiri. Sumerland und Waylhawas? Ja, also: Waylhaghiri ist ein riesiger Stadtkegel, der von unten nach oben alle Zivilisationsepochen der Menschheit darstellt und im Grunde die einzige Zivilisation der Welt ist. Unten am Boden des Trichters befindet sich ein silberner See, der alles, was hineinfällt, unwiderruflich verschluckt. Die Bürger Waylhaghiris leben in einer ständigen Illusion unserer realen Welt. Ihr Leben wird bestimmt durch Sachzwänge und Manipulationen verschiedenster Marketing-Experten und Designer. Jeden Tag aufs Neue müssen sie bestimmte Aufgaben erfüllen um ihren Status zu sichern oder bestenfalls zu steigern, denn jeder möchte natürlich möglichst weit nach oben. Nur die wenigsten wissen aber offenbar, dass sie sich in einem Stadttrichter befinden und dass ihre täglichen Aufgaben dazu da sind weiter nach oben zu kommen und zum obersten Gebot der Stadt – der Erzeugung von Wohlstand und Glamour -beizutragen. Um den Stadtkegel herum erstreckt sich das Sumerland. Eine wilde Landschaft, in der scheinbar ebenfalls kindliche Tiermenschen leben und eben auch – einsam in ihrem Palast – Prinzessin Serisada.
Prinz Zazamael dringt mit seinen Okkupationstruppen auf der Suche nach dem Wilden Wein, den er für die große Fusion – die Vereinigung von Illusion und Wirklichkeit – benötigt, immer weiter in das Sumerland vor. Irgendwann sieht sich Serisada gezwungen, ihren sicheren Palast zu verlassen und sich Undercover in die Stadt zu schleichen, um dort eine Revolution zu entfachen.
Neben den Königskindern gibt es noch zwei weitere Protagonisten. Zum Einen ist da die namenlose Ich-Erzählerin, die bei einer Art Werbeagentur tätig ist und zum Teil hinter die Kulissen der illusionären Welt blicken kann. Sie weiß von Waylhaghiri und dem Sumerland und verfolgt die Geschehnisse um Serisada und Zazamael immer wieder auf scheinbar telepathische Weise. Andererseits geht sie voll und ganz in den Zwängen und Manipulationen der Illusion auf, nutzt aber auch ihr Wissen um andere zu manipulieren. Sie spricht die ganze Zeit in einem inneren Monolog mit einem imaginären alten Freund, der sie damals wohl in das Geheimnis von Waylhaghiri und dem Sumerland eingeweiht hat und dann auf tragische Weise gestorben ist. Sie fühlt sich nicht wohl in seiner gefühlten Gegenwart und gibt ihm die Schuld dafür, dass sie nun von den Manipulationen und den Sachzwängen weiß und dennoch von ihnen abhängig ist, was ihr das Leben ziemlich schwer macht. Dann ist da noch Susanne, die Nichte der namenlosen Ich-Erzählerin. Sie behauptet, dass sie das Sumerland und Waylhagiri nur erfunden hat und dass alles nur ihr Spiel ist. Sie erzählt der namenlosen Protagonistin ihre Geschichte, die dies erst als kindliche Spinnereien abtut. Aber warum weiß sie dann überhaupt davon und warum entdeckt sie immer mehr parallelen zwischen Susannes Geschichte und dem Geschehen im Sumerland?
Ich komme direkt zum Punkt. Die Protagonisten waren mir allesamt unsympathisch. Sie kamen mir irgendwie oberflächlich und ziemlich opportunistisch vor. Gut, das gehört vielleicht auch dazu in einer Stadt, die nur auf die Erzeugung von Wohlstand und Glamour ausgelegt ist. Denn aus rein ökonomischer Sicht ist Wayhalghiri ein Vorzeige-Projekt.
Zudem fand ich die Charaktere auch wenig authentisch. Viele unbedachten Verhaltensweisen, passen zwar zu den kindlichen Charakteren, die Dialoge hingegen beinhalten Worte, die Kinder einfach nicht benutzen. Ich finde die Idee toll, dass Susanne allen Spielsachen entsagt und auch andere Kinder dazu bringt, diese wegzugeben, weil sie sich von dem Schein der bunten Dinge hinters Licht geführt fühlt und sich lieber ihre eigenen Spielsachen herbeidenkt. Selbst das ist schon ein sehr reifer und tiefgründiger Gedankengang für ein Kind, doch wie sie diesen in Worte fasst und über Schein und Illusion etc. spricht, geht für mich einfach zu weit. Desweiteren erfährt man kaum etwas über die Hintergründe der Charaktere, sie wirken seltsam irgendwie aus der Welt (egal welcher) herausgerissen…
Anfänglich, dachte ich, dass ich gar nicht richtig in die Geschichte hereinkomme. Ich fand die Handlungsstränge unglaublich verwirrend und musste mich auch erst einmal an den Gedanken gewöhnen, dass die Menschen in einem Stadtturm leben und darin trotzdem unsere ganze Welt sehen – aber gut, das ist Fantasy und ähnelt in diesem Aspekt der Story von Matrix, damit kann ich leben. Hier verwirrte mich aber vor allem die Ich-Erzählerin, die ja wusste, dass sie in einer Trichterstadt lebt und dennoch davon spricht in andere Städte ja, gar andere Länder zu reisen. Scheinbar sieht sie nur zwischendurch in die wirkliche Welt und kann ihr Wissen sonst ziemlich gut ausblenden. Alle Bürger Waylhaghiris, denen wir begegnen wissen offenbar, dass sie in diesem Stadtkegel, mit dem tiefen bedrohlichen Abgrund in der Mitte leben und dass sie bestimmte Aufgaben erledigen müssen um weiter nach oben zu kommen. Angeblich soll das den meisten aber ja nicht bewusst sein. Das machte das Lesen für mich erstmal sehr mühselig, da mir die Logik hier etwas fehlte und ich ständig versuchte, diese unterschiedlichen „Bewusstseinsstufen“ auseinanderzuhalten und irgendwie eine Antwort auf die Fragen „Wer weiß denn jetzt was?“ und „Wo sind die anderen, die das nicht wissen?“ zu finden. Denn Letztere kommen irgendwie nur in den Alltagserzählungen der namenlosen Ich-Erzählerin vor.  Wenn ihr euch jetzt fragt: Was schreibt sie da und wie meint sie das und überhaupt hä? Ja, dann wisst ihr, wie ich mich beim Lesen des Buches am Anfang gefühlt habe. Ich hätte mir einfach ein bisschen mehr Erklärungen für die beiden Welten und vor allem die Bewohner gewünscht.
Als irgendwann die Erzählstränge um Serisada, Zazamael und Susanne eigenständiger wurden, gewann die Story aber zunehmend an Spannung und meine Zweifel und Fragen rückten etwas in den Hintergrund.
Mehr und mehr hatte ich das Gefühl, dass ich manches vielleicht gar nicht logisch hinterfragen, sondern vielmehr als große intelligente Metapher sehen sollte. Denn intelligent und tiefgründig ist dieses Buch. Immer wieder werden psychologische Aspekte und philosophische Fragen in die Story eingebunden, so findet sich z.B. eine Anspielung auf Platons Höhlengleichnis, das die Wahrnehmung der Menschen in der Trichterstadt erklären soll. Der gesamte Mechanismus zur Erzeugung von Wohlstand und Glamour in Waylhaghiri wirkt wie ein einziges Wirtschaftspsychologisches Gedankenexperiment. Das Sumerland hingegen ist das Gegenstück zu dieser künstlichen Welt und zeigt die reine Natur.
Obwohl ich das Frontcover wunderschön finde und es ewig betrachten und immer neue Details entdecken könnte, finde ich, dass das Buch durch Titel und Gesamtcover ein bisschen wie ein Kinderbuch wirkt. Dass es von Panini verlegt wird, trägt vielleicht zu diesem Eindruck bei. Doch es ist definitiv kein Kinderbuch sondern eher eine große und kritische Metapher für unsere Wirklichkeit, was in Band 2 jedoch noch deutlicher wird.
Zudem verrät der Klappentext schon sehr viel, was der Story ein wenig die Spannung nimmt.
Fazit
Sumerland wird als „Fantasyroman“ beworben. Für mich fühlte es sich aber vor allem wie eine kreative und spielerische Konsum-, Kapitalismuskritik an. Und auch nur dadurch, dass ich beschlossen habe, es als Metapher zu sehen, konnte ich über einige Stellen in der Story hinwegsehen, die sich für mich logisch nicht ganz erschließen. Band 1 endet zudem mitten in der Handlung. Zum Verständnis, sollte Band 2 also direkt hinterher gelesen werden.
Wer bereit ist, sich viele Gedanken über das Gelesene zu machen, sich auf eine nicht ganz einfache fantastische Welt einzulassen, die es auch nicht dabei belässt einfach „fantastisch“ zu sein, sondern andererseits gleichzeitig unserer realen Gesellschaft den Spiegel vorhält, dem kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen.
Langsam fügte sich wenigstens für mich alles zu einem einigermaßen logischen Schluss zusammen. Dieser logische Schluss bleibt dennoch nur eine Vermutung, eine Interpretation…und vor allem braucht man Band 2!
Profile Image for Jacqueline.
537 reviews17 followers
January 31, 2017
Auf dieses Buch war ich unglaublich gespannt, allein schon das Cover überzeugte mich sofort.
Doch auch der Klappentext konnte meine Neugierde wecken. Und so stand meinen Lesevergnügen nichts mehr im Weg.

Die Sumerland Reihe besteht aus zwei Bänden, doch damit nicht genug denn mit diesen Büchern hat es noch etwas anderes auf sich, diese Bücher beruhen auf einem Online Fantasy Game, die App dazu und alle wichtigen Infos findet ihr *Hier*.

Zum Inhalt werde ich an dieser Stelle nichts weiter verraten denn ich denke der ausführliche Klappentext verrät mehr als genug.
Eine kleine Anmerkung möchte ich noch machen, man sollte beide Bände am besten hintereinander lesen, denn eine längere Pause zwischen beiden Büchern halte ich für nicht sinnvoll.
Auch ich habe es so gemacht und beide Bände hintereinander verschlungen.

Das Buch spielt in drei verschiedenen Welten, die Perspektive wechselt immer wieder so das sich ein ziemlich großer Spannungsbogen aufbaut, ich für meinen Teil habe geradezu mitgefiebert.
Allerdings muss ich zugeben das es mich am Anfang doch etwas verwirrte, ich brauchte etwas bis ich wirklich in die Story rein kam.

Durch diese vielen Welten lernt der Leser hier auch einige Charaktere kennen.
Auch hier wechselt der Erzählstil immer wieder zwischen den verschiedenen Charakteren.
Auch hier musste ich mich erst einmal wieder gewöhnen. Allerdings muss ich gestehen das mich die Ereignisse um Prinzessin Serisada am meisten gefesselt hatten.

Die Fantasy und die hier aufkommenden Welten sind ziemlich komplex und sicherlich nicht jedermanns Sache aber ich war einfach völlig in diesen Welten versunken. Es sind eben doch die unscheinbaren Bücher die mich wirklich begeistern. So auch hier, was für ein grandioses Fantasy Abenteuer.

Ich für meinen Teil bin begeistert, daher kann ich euch dieses Buch nur empfehlen.
Solltet ihr euch noch nicht sicher sein ob euch das Buch gefällt so lest doch die Leseprobe auf der Verlagshomepage, diese habe ich euch oben verlinkt.

Fazit:
Mit "Sumerland 1 - Prinzessin Serisada" ist dem Autoren ein tolles Fantasybuch gelungen welches mich gut unterhalten konnte und welches mich geradezu packte.
Dieses Buch bekommt von mir 4 Punkte.
1 review
February 13, 2017
Sumerland Band 1(und auch 2) bringt den Leser in eine ganz neue Welt. Detailliert wird das Sumerland, die Stadt Waylhaghiri und die Handlung beschrieben und regt beim Lesen unglaublich die Fantasie an.

Die Geschichte erzählt an sich drei verschiedene Handlungsstränge, die aber alle ineinander verwoben sind. Das war für mich eine ganz neue Leseerfahrung. Teilweise befindet man sich in unserer bekannten Welt und dann gibt es noch die eigentlich "reale Welt": Das Sumerland und die Stadt Waylhaghiri. Besonders hat mich die Geschichte rund um Prinzessin Serisada und Prinz Zazamael gepackt. Die Geschichte in der bekannten Welt ist teilweise etwas schwieriger zu begreifen. Das Spannende ist aber, dass sich die Fantasy-Welt in die bekannte Welt geschlichen hat. Daher ist dieser Teil unabdinglich - das wird aber erst so richtig am Ende des 2. Bandes klar.

Anfänglich fiel mir persönlich aber der Einstieg ein wenig schwer, da mir die Handlung natürlich noch völlig unbekannt war. Zunächst fühlt man sich in der Geschichte ein wenig verloren. Aber je weiter ich las, desto seltener mochte ich das Buch aus der Hand legen. Irgendwann packte es mich und ich wollte unbedingt wissen, wie die Geschichte(n) weitergehen und wie diese Welten ineinander verwoben sind. Weiterlesen lohnt sich also! Und der zweite Band ist ein absolutes Muss. Total spannend ist es auch, dass es zu den Büchern das Augmented Reality Spiel gibt. Das ist ein kostenloses Rätselspiel, welches weitere tolle Bilder enthält. Hab das Spiel sogar neben dem Lesen spielen können, da die beiden sich meines Erachtens nach nicht gegenseitig bedingen. Interessantes Konzept für den Leser!
Profile Image for Leah.
458 reviews40 followers
December 10, 2017
Wenn du das Buch gerne lesen willst, bitte lies dir den Klappentext nicht komplett durch sondern vielleicht nur einen Drittel, sonst weißt du schon so gut wie alles, was im ersten Teil vorkommt.

Das Cover allein sieht wirklich toll aus. Die ganzen Details, die man vor allem in der App noch aus der Nähe bestaunen kann, regen den Leser an, mal genauer hinzusehen. Es zeigt einen Turm mit Gebäuden und Bauten aus verschiedenen Zeitalter. Das Tolle daran ist, dass das was hier zu sehen ist, auch wirklich im Buch vorkommt. Auch von hinten sieht das Buch interessant aus mit mehr Bildmaterial aus der Story. Und im Regal ergeben dann beide Buchrücken ein farbenfrohes Gesamtbild.

Nachdem ich nun fertig bin mit dem ersten Teil, gehe ich davon aus, dass die Geschichte eigentlich als ein Buch geplant war und nur in zwei Teile geteilt wurde. Am Ende hört es einfach abrupt auf und hat keinen Schluss. Wenn man also interessiert an dem Buch ist, sollte man besser gleich beide Teile zum Lesen da haben. Davon abgesehen, finde ich es super, dass es nicht gefühlte 50 Teile gibt, mit über 1000 Seiten pro Buch.

Die ersten Seiten versetzen den Leser mitten ins Geschehen in der heutigen Welt. Man wird mit "Du" angesprochen, obwohl es sich dabei gar nicht um dem Leser handelt, was man aber nicht sofort erfährt. Das weckt nochmal das Interesse und man möchte weiterlesen. Die Schrift ist relativ groß und Johannes Ulbrichts Schreibstil liest sich schnell und einfach. Es geht alles sehr schnell voran, manchmal vielleicht sogar zu schnell und oberflächlich, wenn ganze Tage in Sekundenbruchteilen vergehen in der Form von Zeitsprüngen. Man muss deswegen an einigen Stellen genauer lesen, um alles zu verstehen. Das weist aber auch auf das Motiv der (fehlenden) Zeit hin, das sich an vielen Stellen im Buch wiederfindet. Ich hatte zunächst das Gefühl, einen Thriller zu lesen im ersten Kapitel, was auch mal was anderes war in einem Fantasybuch. :D Man erfährt aber auch hier schon erste Hinweise zu den Fantasy-Aspekten und ich habe für einen Moment sogar ein paar Matrix Vibes gespürt. Es wird einem nicht direkt alles verraten, was sich über das gesamte Buch sagen lässt. Selbst nach der Hälfte bekommt der Leser noch allgemeine Informationen zu der "anderen Welt" beziehungsweise "Sumerland". Man lernt also Schritt für Schritt die Welt kennen. Was mir auch aufgefallen ist, ist, dass es viele Motive der Romantikepoche gab, zum Beispiel: Mond, Sehnsucht, Meer, Natur, Tod, etc.

Der Unterschied zwischen den zwei Welten könnte kaum größer sein auf den ersten Blick. Die heutige Welt wird als sehr trostlos und grau beschrieben, wohingegen das Sumerland und vor allem Waylhaghiri aufregend, farbenfroh und beindruckend wirkt. Die Innovationen, also der Fantasyaspekt in dem Buch, waren mal etwas ganz Neues. Dass man Altes (verschiedene Zeitalter) mit Neuem in Form von Technologie und Magie verbindet, fand ich sehr interessant. Auch sehr ansprechend waren die vielen Beschreibungen und Erwähnungen von Architektur und Kunst, die die Welt nochmal glaubwürdiger machen und dem Leser erleichtern, sich die Welt vorzustellen. Es hatte auch am Anfang etwas von "1984" von George Orwell (z.B. auf S. 103 mit dem Vertuschen von News und der Gehirnwäscherei, oder dem grundlosen Krieg, oder dem Fortschrittsgedanken der alles andere in den Schatten stellt, oder auch der Prinz selbst der etwas an Big Brother erinnerte), aber mit neuen Ideen. Auch die Gesellschaftskritik ist ein großer Punkt in Johannes Ulbrichts Buch. In der heutigen, normalen Welt wirkt es eher fantasielos und hat schon fast etwas von einem contemporary Buch, da wir einer Frau folgen, die Erfolg und Stress in ihrem Beruf in einer Werbekampagne erlebt und auf der Suche nach der Liebe ist.

Man liest aus den verschiedensten Perspektiven. Es kommen von Kapitel zu Kapitel immer mehr dazu und man dringt mit jedem Dazugekommenen immer mehr in den Kern der Fantasywelt vor. Die Übergänge der einzelnen Erzählperspektiven sind intelligent und kreativ gelöst. Sie gehen fließend ineinander über und man weiß direkt um welchen Charakter es sich handelt nach den ersten Worten. Ein Beispiel wäre, dass ein Charakter einen Salzstreuer sieht und sich dann dadurch an den Turm vom Cover erinnert. Daraufhin beginnt dann eine neue Perspektive aus der Sicht eines Charakters, die sich an diesem Turm befindet. Zum Einen unterscheiden sich alle Perspektiven (Geschlecht, Ort, Alter, Ziele). Aber es gibt auch einige Aspekte, die sie miteinander verbinden. Um die Rezension etwas kürzer zu halten und nicht zu spoilern zähle ich nur mal ein paar auf: Egoismus, Rache, Hass, Besessenheit, Gier, Geheimnisse, Einzelgänger, auf der Suche/Sehnsucht nach etwas, gefühllos/kalt, empathielos.

Diese Charaktereigenschaften zeigen, dass die einzelnen Charaktere nicht perfekt sind. Ehrlich gesagt, aber leider eher das komplette Gegenteil. Meiner Meinung nach überwiegen eindeutig die negativen Charakterzüge, was dazu führen kann, dass man überhaupt nicht mehr daran interessiert ist, was mit ihnen passieren könnte. Mir persönlich hat vor allem die Sicht der Prinzessin gefallen, obwohl sich das dann auch im Verlauf des Buches etwas geändert hat, weil sie sich selbst sehr stark verändert hat. Wenn man mal darauf achtet, verschlechtert sich die Situation für jeden sogar im Verlauf des Buches und die Charaktere (aber die Welten an sich auch!) werden immer deprimierter. Die Prinzessin wird im dritten Kapitel eingeführt, und hat mich sofort an Alice im Wunderland erinnert. Nicht nur vom Charakter her(arrogant, kindlich, vorlaut), sondern auch die Welt um sie herum. Diese ist gefüllt mit Rätseln, Labyrinthen, Unsinn, verwirrenden Dingen, neuen Wortneuschöpfungen, etc. Auf Seite 159 wird die Prinzessin sogar direkt mit Alice verglichen. Auf der anderen Seite, konnte ich auch einige Beweggründe und Gedankengänge von den Charakteren nicht nachvollziehen, was mir etwas die Lust am Lesen genommen hat. Die Charaktere sind auch insgesamt sehr subjektiv und man weiß nie, ob man ihnen wirklich trauen kann und ob sie die Wahrheit sagen. Sie haben nicht nur Geheimnisse vor dem Leser sondern auch anderen Charakteren gegenüber. Da man aber so viele verschiedene Perspektiven erhält, kann man sich ein mehr oder weniger objektives Bild machen, obwohl man selbst am Ende des Buches, nicht genug weiß, um das 100%ig einschätzen zu können.

Alles in Allem, hat mich die Fantasywelt in ihren Bann gezogen, und ich freue mich auf den zweiten Teil, auch wenn die Charaktere etwas speziell und gewöhnungsbedürftig sind.
28 reviews
July 28, 2017
╔═★══════╗
Vorab
╚══════★═╝
Wow.. was für ein Buch! Ich weiß noch immer nicht so ganz was ich dazu schreiben soll. Zum einen weil die Idee einfach nur groß ist, und das meine ich wortwörtlich so, zum anderen aber, weil doch ein paar Kritikpunkte waren.
Aber lest selbst:

╔═★══════════════════╗
Cover & innere Gestaltung
╚══════════════════★═╝
Dieses Buch war auf jeden Fall Liebe auf den ersten Blick. Zum einen, einfach weil es so aussieht wie es ist und zum anderen, weil der babylonische Turm abgebildet ist und mich alles darum schon immer absolut fasziniert hat.

╔═★═══════╗
Meinung
╚═══════★═╝
Der Anfang ist schon recht verwirrend. Dort erzählt uns eine namenslose Frau ihren Alltag zwischen der "Wirklichkeit" und der Wirklichkeit, sowie von einem ominösen Andi, mit dem sie die ganze Zeit spricht, ohne das es ihn gibt. Oder vielleicht ja doch, aber man weiß es eine ganze Weile nicht.
Es wirkt als ob man mitten in der Geschichte ist und man einfach nur verpasst hat den Anfang zu lesen. Es ist ein komisches Gefühl und es hat auch noch eine ganze Weile angehalte.
Ich muss gestehen die Geschichte um Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada finde unglaublich gut und gelungen, wohingegen der Teil mit der Frau und ihrem Andi.. nun ja, es ist irgendwie verwirrend, nicht so klar greifbar und einfach komisch, bis hin zu nervig, denn ich konnte schon nach kurzer Zeit nichts mehr von diesem Andi hören.. Auch war ich bei diesen Teilen emotional immer weiter weg, als bei dem vom Prinzen und der Prinzessin. Diese beiden könnte mich absolut fesseln, in ihren Bann schlagen und begeistern.

Ganz davon abgesehen ist der Schreibstil bzw. so wie erzählt wird recht wirr. Es folgt schon einer Linie, ist einheitlich, aber dennoch wirkt es als ob es kurze Momentaufnahmen sind, die aneinandergereiht wurden. Auch folgt die Art und Weise nicht den üblichen Erzählgewohnheiten eines Romans, es ist anders. Es fühlte sich ungefähr so an: An sich wird uns alles von dieser Frau erzählt. Zum einen ihre Geschichte und wenn sie über die Wirklichkeit redet, wird sie zur Erzählerin darüber. Aber egal bei welchem Teil fühlt es sich so an als ob irgendjemand erzählt und den Leser dabei auf Distanz hält. Es wird schon lebendig und nachvollziehbar erzählt, aber auf der anderen Seite so, dass man sich nicht dabei fühlt. Sondern so, dass man wirklich nur Beobachter ist und das aus reichlich Entfernung.

Aber als dann endlich Prinzessin Serisada die Bühne betreten wird es auf einmal spannender und vor allem auch zusammenhängender. So richtig weiß man auch nach einer Weile noch nicht Bescheid, doch das ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr so schlimm, da man nun wenigstens das Gefühl hat, dass es einen Sinn hinter all dem gibt.
Allgemein haben mir die Teile der Geschichte, in der wir uns in der Wirklichkeit befinden, wesentlich besser gefallen. Die Wirklichkeit ist hier das Geschehen hinter unserer Welt, die wir für die "Wirklichkeit" halten, die es aber nicht ist. Das klingt jetzt vielleicht etwas wirr, aber das ist etwas was man recht schnell versteht. Man weiß noch nicht alles, aber im Verlauf der Geschichte erfährt man immer neue Einzelheiten und es ist einfach nur der Wahnsinn!
Diese Idee ist einfach nur riesig und unfassbar unglaublich. Und ja, diese Superlative hat das Sumerland auf jeden Fall mehr als verdient. Doch leider wurde an so einigen Stellen viele Sympathiepunkte verschenkt.

Noch kurz zur Wirklichkeit, dass ihr an der Stelle noch einen besseren Einblick erhaltet:
Die wirkliche Wirklichkeit ist ein ganz anderes Konstrukt als wir es kennen. Der Prinz hat nach und nach alle unsere Epochen in einem Turm auf einander gebaut (und ja, der Prinz ist sehr sehr alt). Ganz unten sind die alten, nahezu vergessenen Epochen und ganz oben wartet die strahlende Zukunft. Doch nicht nur das unsere Welt, wie wir sie kennen, in einen Turm verfrachtet ist und wir das Unwirkliche sind. Nein, die Gesellschaft um den Prinzen herum ist auch ganz anders. Sie leben anders, was man untere anderem daran merkt, dass sie nicht zwischen Kind und Erwachsenen oder Arbeit und Freizeit unterscheiden - dies fließt alles in einander. Oder die Weltbevölkerung ist wesentlich geringer in der Anzahl und diese wird den Menschen in der "Wirklichkeit" nur vorgespielt. Denn nicht alle in die in der Turmstadt leben wissen das und erleben es, sondern manche sind in unserer Zeit gefangen und bekommen von diesem wirren Treiben nichts mit.

Übrigens gibt's ein Spiel zum Buch. Obwohl es heißt ein Buch zum Spiel. Doch das Spiel ist leider recht enttäuschend. Auch hier muss ich sagen: Die Idee ist gut gedacht, man kann durch den Schleier unserer "Wirklichkeit" in die wahre Wirklichkeit schauen. Doch dies geht zum einen an nur wenigen Orten in Deutschland (wobei man die Markierungen dafür auch aus dem Buch fotografieren kann un das somit nicht der Punkt ist), aber dann kommen nur ein paar wenige Rätsel die für mich kein richtiges Spiel ausmachen und ohne das Buch für mich ohne Sinn wären und mich nicht hätten in diese tolle Welt entführen können.
Dafür bekommt man hier dann einige zusätzliche Bilder zu sehen, die die Welt unglaublich gut einfangen - dafür lohnt sich ein Blick in die kostenlose App also schon.

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Kurzum
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Würde es rein nach der Story gehen, wäre dieses Buch mein absolutes Lieblingsbuch, doch leider ist der Schreibstil dafür nicht gut genug. Es ist alles etwas zu wirr (obwohl ich es im Normalfall mag, wenn man eine Weile brauch, um die Dinge zu durchschauen) und den Storybogen der "Wirklichkeit" mochte ich auch nicht so gerne. Auch wenn er notwendig war um den Rest zu verstehen.
Eine grandiose Story also, die an anderen Stellen aber viel Potenzial verschenkt hat.

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Wem würde ich es empfehlen
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Puh.. Womöglich Fans der High Fantasy, vor allem wenn es auch mal etwas technischer und moderner sein darf. Allgemein vielleicht Lesern, die etwas Besonderes suchen. Aber hier muss man einfach schauen ob es einem zusagt oder nicht.

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Bewertung
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An sich würde ich nur 2,5 Sterne vergeben, aber da ich die Idee der Geschichte so phänomenal fand gibt es doch 3 Sterne.

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Dankeschön
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Herzlichen Danke an die Agentur LOM (Literatur Online Marketing) für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.


Herzlichst,
eure Franzy
Profile Image for Hannah.
7 reviews
February 21, 2018
Ich wurde von einiger Zeit gefragt, ob ich im Austausch für meine Meinung Interesse an den zwei Bänden der Sumerland-Reihe hätte und das hatte ich, auch wenn es sich nicht unbedingt um ein Genre handelt, das ich regelmäßig lese. Das Konzept erschien mir spannend und so machte ich mich an das erste Buch: Prinzessin Serisada.
Eine kleine Warnung vorweg: Wer das Buch genießen möchte, sollte sich am besten ganz, ganz weit vom Klappentext fernhalten, denn der ist mehr oder minder eine komplette Inhaltsangabe. Nun da das geklärt ist und niemand sagen kann, ich hätte ihn oder sie nicht gewarnt, auf zu einer hoffentlich Spoiler-freien Buchbeschreibung und meiner Rezension.

Die Welt der Geschichte teilt sich in zwei Reiche. Zum einen gibt es den gigantischen Stadtkegel Waylhaghiri, der - streng nach Schichten geordnet - alle Zivilisationen der Menschheitsgeschichte in sich vereint und in dem die Masse der Bevölkerung tagein, tagaus blindwütig einem sowohl räumlichen als auch gesellschaftlichen Aufstieg entgegenstrebt. Umgeben wird dieser Kosmos des Status und Konsums von der Wildnis des Sumerlands, dessen mysteriöse Bewohner verspielt, gefährlich und tierhaft wild zu sein scheinen. Über dieses dichotome Gleichgewicht von Natur und Kultur stülpt sich die Illusion unserer Wirklichkeit und nur wenige Auserwählte schaffen es jemals, hinter den Vorhang zu blicken und sich ihrer Existenz als Waylhaghirianer_innen bewusst zu werden.
Eine dieser Auserwählten ist unsere namenlose Ich-Erzählerin, die die erste der vier Perspektiven des Buches darstellt und als Expositions- und Indentifikationsfigur für den Leser fungiert. Verfolgt von den Schatten ihrer Vergangenheit, ringt sie mit den Anforderungen, die die moderne Leistungsgesellschaft an sie stellt und obwohl sie als Halbeingeweihte sehr wohl hinter die Kulissen zu blicken und die so erlangten Einsichten zu ihrem Vorteil zu nutzen weiß, scheint sie sich mehr und mehr sowohl in ihrer eigenen Vergangenheit als auch in der Parallelwelt zu verlieren.
Prinz Zazamael, der ewig junge Herrscher Waylhaghiris, bricht derweil zu einem Feldzug in die gefährliche Weite des Sumerlands auf. Auf der Suche nach seinem Gegenstück, der kindlichen Prinzessin Serisada und ihrem wilden Wein, gerät er nach und nach mehr in Bedrängnis, während im Stadtkegel der geheime Rat der Wirtschaftsweisen seine eigenen, mysteriösen Pläne verfolgt.
Serisada, die bis dahin einsam in ihrem Palast vor sich hinlebte, sieht sich nun durch Zazamaels Vorstöße gezwungen, selbst aktiv zu werden und ihrerseits als Spionin nach Waylhaghiri einzudringen, um dieses von innen heraus zu zersetzen. Schon bald wird allerdings klar, dass all die Berauschungen der Stadt nicht spurlos an ihrem kindlichen Gemüt vorübergehen und ihre Loyalität zum Sumerland wird auf eine harte Probe gestellt.
Die vierte und letzte Perspektive des Buches bildet Susanne, das Mündel der Ich-Erzählerin. An dieser Stelle werde ich nicht zu viel verraten, doch das mysteriöse Mädchen scheint wesentlich mehr zu wissen, als es sollte.

Nach diesem groben Versuch eines Überblicks direkt zu meiner Kritik. Im Großen und Ganzen stehe ich „Sumerland – Band 1: Prinzessin Serisada“ mit sehr gemischten Gefühlen gegenüber.
Die Welt und das Konzept der Geschichte finde ich enorm interessant und ich schätze den eingewobenen Gesellschaftskommentar ebenfalls sehr. Einige Bemerkungen sind so spitz und treffend, dass man sie sich direkt notieren möchte, anderorts plätschert der Roman scheinbar ziellos umher.
Der Schreibstil ist für mich ebenfalls ein „hit-or-miss“. Gerade die ersten Kapitel kommen mitunter sehr gestelzt daher, während ich später nichts mehr zu beklagen hatte (mag die Gewöhnung sein).
Die vier Hauptcharaktere – und wirklich nur die, denn die Nebenfiguren sind fast ausnahmslos Statisten – sind interessant angelegt und zueinander positioniert, allerdings muss ich auch hier anfügen, dass ich mich mit keinem von ihnen identifizieren konnte und niemanden wirklich sympathisch fand. (Ich sollte an dieser Stelle wohl gestehen, dass ich eine Person bin, die die „Harry Potter“-Bücher verschlungen hat, während sie die Figur Harry nicht ausstehen konnte. Ich vertrete zu Charakteren im Allgemeinen also eine eher unorthodoxe Position.) Insbesondere die Ich-Erzählerin ließ mich teilweile in extremes Augenrollen verfallen, auch wenn sie meines Erachtens nach ein gelungenes Abbild der Gesellschaft darstellt, an der sie teilhat. Die anderen Charaktere, hauptsächlich von außen betrachtet, blieben mir immer ein wenig fremd. Erst relativ spät im Buch habe ich wirklich begonnen, mich für sie und ihre Motivationen zu interessieren.
Und damit komme ich zum letzten (enorm wichtigen) Punkt: der Struktur. Wie einige der anderen Rezensenten bereits angemerkt haben, springt das Buch schnell und häufig zwischen den unterschiedlichen Perspektiven hin und her. Ich kann verstehen, wie das einige Leser irritieren kann, habe es selbst allerdings begrüßt. Die Länge der einzelnen Abschnitte war für mich genau richtig und es war immer klar, wo und bei wem ich mich gerade befinde (die Symbole, die die Abschnitte einleiten, helfen bei der Orientierung). Was mich wirklich stört, ist die Tatsache, dass man mit „Prinzessin Serisada“ nur ein halbes Buch in der Hand hat. Zu Beginn wird enorm viel Zeit auf das World-Building verwendet, ohne dass wirklich etwas passiert. Dies führte dazu, dass ich nach etwa 100 Seiten eine Phase erreicht hatte, in der ich mich zum Lesen zwingen musste. Als ich über diese Hürde hinweg war und die Handlung endlich Fahrt aufnahm, war alles wieder gut. Doch dann endet das Buch sehr abrupt und mitten in besagter Handlung. Was ich damit sagen will, ist, dass es sich ganz klar um ein zweigeteiltes Buch handelt und die Handlungsstruktur das auch zeigt. Für ein 700-Seiten-Buch (das Sumerland meiner Meinung nach auch ist) ist die Geschwindigkeit durchaus in Ordnung. Ein 350-Seiten-Buch in der Hand zu haben und nach mehr als einem Drittel noch immer nicht in der Haupthandlung angekommen zu sein, macht das Ganze ein wenig frustrierend. Doch letztlich ist das ein Meckern auf hohem Niveau. Ich besitze beide Bücher und freue mich darauf, Band 2 anzufangen, in dem ich den Großteil der eigentlichen Action erwarte. Dennoch: Um Frust zu vermeiden, rate ich potentiellen Lesern definitiv dazu, sich den zweiten Band direkt anzuschaffen, sobald beim Lesen des ersten klar wird, dass man nicht damit leben kann, mitten in der Geschichte abzubrechen oder zu pausieren. Die beiden Bücher sind eine Einheit und sollten auch als solche gehandhabt werden.

All das zusammengenommen führt mich zu meinem Rating von 3 Sternen. Ich denke, wer Lust hat, sich auf ein faszinierendes, scharfsinniges und etwas anderes Konzept einzulassen, wird seine Freude an „Sumerland“ haben. Wer große Nähe zu seinen Charakteren und eine stark immersive Handlung sucht, ist zumindest bei Band 1 nicht unbedingt an der richtigen Adresse.
Ich werde mich nun „Prinz Zazamael“ zuwenden und wünsche allen Zukünftigen Lesern viel Spaß.

(HINWEIS: Passend zur Sumerland Reihe existiert ein mobiles Augmented-Reality-Game.)
Profile Image for Daniela Walch.
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May 12, 2017
**** Zusammenfassung ****
Es gibt auf der Welt nur eine einzige Stadt: den babylonischen Stadtkegel Waylhaghiri, in dem sich Fiktion und Realität vermischen. Die Welt wie wir sie kennt, ist nur eine Scheinwelt innerhalb Waylhagiris. Umgeben ist der Stadtkegel vom wilden Sumerland, in dem verstreut Siedlungen liegen.

(1) Der waylhaghirische kindliche Prinz Zazamel, seit Jahrhunderten baut und designt er an seiner Stadt und arbeitet auf die große Fusion hin. Er okupiert das Sumerland und kämpft sich mit einer kleinen Armee vor, um den wilden Wein finden, der die große Fusion endlich gelingen lassen soll. Doch seine Begleiter werden einer nach dem anderen von unsichtbarer Hand hingemetzelt.
(2) Die sumerländische kindliche Prinzessin Serisada, sie lebt seit Jahrhunderten in einem riesigen Palast und riecht doch alles, was in ihrem Reich vor sich geht. Sie macht sich auf nach Waylhaghiri, um dort eine Revolution anzuzetteln.
(3) Eine namenslose Ich-Erzählerin, die sich ständig mental mit ihrem verstorbenen Freund Andi unterhält, sie arbeitet in einer Werbeagentur, die in unserer Welt liegen könnte, und wurde teileingeweiht in die Geheimnisse der Stadt. Sie kann teilweise hinter die Kulissen sehen, sie kann sogar Zazamel und Serisada beobachten, aber sie kann sich nicht von der Verführung der Fiktion lösen.
(4) Susannne: Sie ist die Nichte der namenslosen Ich-Erzählerin und behauptet, Waylhaghiri und Sumerland erfunden zu haben. Susanne macht sich unabhängig von Spielwarenhändlern, indem sie sich Spielzeug vorstellt und andere Kinder für diese revolutionäre Art des Spielens begeistert.


**** Persönlicher Eindruck ****

Dieser Fantasyroman spielt auf verschiedenen Realitätsebenen, was vor allem zu Beginn äußerst verwirrend aber nichtsdestotrotz auch bereichernd ist.

Der Anfang ist etwas zäh. Die etwa 40-jährige Ich-Erzählerin berichtet von ihrem Job und der Suche nach der großen Liebe. Mit ihr zusammen blenden wir immer wieder zu Zazamel und Serisada. Ihre Geschichte ist nicht uninteressant, aber nimmt dennoch einen zu großen Teil des Buches ein. Da sie selber zwischen einer "normalen" Welt, wie wir sie kennen und dem Blick hinter den Kulissen Waylhaghiri hin- und herschwankt, war auch ich verwirrt: Was ist Realität, was Fiktion, was bildet sie sich vielleicht nur ein? Dazu kommt, dass wir ihrem inneren Monolog lauschen, den sie mit ihrem toten Freund Andi hält. Da diese namenlose Frau nicht im Klappentext auftaucht, ist der Einstieg sehr schwer. Sie bleibt auch unsympathisch.

Auch die Handlung um Susanne spielt mit Fiktion-Realität. Wir treffen sie als Nichte der Ich-Erzählerin in Waylhaghiri an. Sie scheint geheimes Wissen um das Wesen der Stadt zu haben und sagt, sie hätte die Stadt und das Sumerland erdacht und beginnt mit einer recht länglichen Vor-Geschichte. Es geht vor allem um das Spiel, dass sie erfunden hat, aber auch wie sie sich den Palast der Prinzessin oder die sieben Hochtugenden ausgedacht hat. Auch hier ist nicht klar: Wenn Susanne die Erfinderin ist, warum treffen wir sie in Waylhaghiri? Auch Susanne taucht nicht im Klappentext auf.

Da sind Zazamel und Serisada wohltuend greifbarer, weshalb es am meisten Spaß gemacht hat, ihren Abenteuern zu folgen. Beide Königskinder waren mir sehr sympathisch.

Am spannendsten und interessanten fand ich, die Gesetzmäßigkeiten und Regeln der Kegelstadt zu entdecken. In der Stadt gibt es verschiedenen Ebenen, jede neue Ebene stellt eine Weiterentwicklung, eine neue Idee von Prinz Zazamel dar. Alle Böden neigen sich zum inneren Silbersee hin - und wer, bzw. was in diesen See fällt, das ist für immer verloren.
Manche Bewohner sind ganz in einer Scheinwelt gefangen, wie z.B. die Umgebung der namenslosen Ich-Erzählerin, die glauben, in unserer bekannten Welt zu leben. Andere wiederum wissen, dass sie in einem Stadtkegel leben und streben danach, auf eine der höheren Ebenen zu kommen. Dafür müssen sie z.B. bestimmte Rituale gut durchführen (z.B. auf einer Party "Sehen und gesehen werden" zu spielen). Keiner aber weiß, wie sehr sie von dem Rat der Weisen und dem Prinzen manipuliert und geführt werden.

Zusammen mit Zazamel erkunden wir das Sumerland: ein wildes Stück Natur, mit verstreuten Siedlungen. Wir sind nah dran an Zazamel, an seiner Motivation und an seinen Entscheidungen, wir sehen, wie er seine Leute manipulieren kann. Wie Zazamel auch war ich fasziniert vom Sumerland, obwohl die allgegenwärtige Verlassenheit auch etwas Unheimliches an sich hat.
Im Klappentext steht, dass Zazamel erst einen Schritt vor dem Ziel erkennt, wer der Mörder ist. Doch das stimmt nicht. In diesem Band zumindest wird der Mörder nicht enttarnt.

***** Lesen oder nicht? ****
Diese Fantasy-Geschichte punktet durch die Vermischung von Realität und Fiktion. Die waylhaghirische Gesellschaft hält uns den Spiegel vor, es gibt viele Stellen, die den Leser zum Nachdenken bringen über sich selber und unsere Welt. Das Buch ist komplex in dem Sinne, dass es verschiedene Realitätsebenen gibt, die sich nur nach und nach erschließen. Das Buch ist also etwas für Menschen, die gerne beim Lesen mitdenken und sich inspirieren lassen.

(c) Buchvogel: Diese Rezension auf meinem Blog, mit drei Zitaten als Bonus
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December 12, 2017
Sumerland kombiniert Roman & App zum LeseErlebnis 2.0

Die zweiteilige Sumerland-Reihe kombiniert Lesestoff und digitalen Inhalt zu einem neuen Leseerlebnis. Die Reihe schildert die Geschehnisse zweier Realitäten und verbindet so unterschiedliche Genres: Auf dem Buchrücken prangt zwar der Schriftzug „Fantasy“, doch hält die anspruchsvolle Story allerhand Überraschungen auf vielen verschiedenen Ebenen bereit. Ergänzt werden die Bücher durch die „Apparatu Memoria“-App, die ihr kostenlos im Play- bzw. Appstore herunterladen könnt.

Was passiert?

Prinz Zazamael herrscht über die kegelförmige Stadt Waylhaghiri, die einzige Stadt seiner Welt. Sie umgibt das wilde und naturbelassene Sumerlands, an dessen Grenze seine Soldaten seit Urzeiten im Krieg mit den trickreiche Tierwesen des Sumerlands liegen; beide Seiten erfahren schmerzliche Verluste, doch keine dieser Mächte vermag sich durchzusetzen. Doch beschränken sich Prinz Zazamaels Probleme nicht auf das Sumerland: Auch in Waylhaghiri gibt es Unruhen. Alle Versuche, die „Große Fusion“ herbeizuführen, scheiterten. Für den Prinzen gibt es nur eine Lösung: Er muss sich auf die gefährliche Suche nach dem wilden Wein des Sumerlands begeben. Doch die Reise an der Seite seiner treusten Ritter verläuft anders als erwartet.

Die kindliche Prinzessin Serisada herrscht über das Sumerland. Auch sie sorgt sich aufgrund der vielen Opfer der Kämpfe gegen die Soldaten des Prinzen. Um ihrerseits den Krieg zu beenden, beschließt sie, nach Waylhaghiri zu reisen um im Inneren der Stadt eine Revolte anzuzetteln. Allein begibt sie sich auf die Reise in eine Stadt, die völlig anders ist als ihre Heimat. Die dort lauernden Verlockungen und Gefahren unterschätzt sie völlig.

Die namenlose Ich-Erzählerin ist Eingeweihte einer Geheimgesellschaft; sie vermag es ins Sumerland, die geheime Realität, zu blicken. Das Sumerland ist ihre Flucht aus dem tristen Büroalltag der Marketingfirma, für die sie arbeitet. Sie verfolgt die Abenteuer der Herrscher und schaut sich so manche Technik ab: Das in Waylhaghiri praktizierte Zwecklügnertum zur Geschäftsmaximierung beschert ihr einen Karriereaufschwung, während ein mysteriöser Verfolger ihre Laune dämpft. Wer ist Andi, der Schatten ihrer Vergangenheit, der ihr Handeln zu beobachten scheint?

Worum geht´s?

Die Balance. Sumerland handelt von zwei Welten, die einander beeinflussen. Die Ich-Erzählerin bezieht Informationen über das Prinzip des „maximierten Geschäftssinnes“ sowie Verhaltenstechniken aus Waylhaghiri, die auch in ihrer Welt Erfolg zu haben scheinen. Beruhen also beide Welten auf den gleichen Prinzipien? Andersherum scheinen die Eingeweihten die Geschehnisse im Sumerland nicht beeinflussen können. Die Frage ist also: Wie genau hängen die Welten zusammen?

Unter dem Strich war mir die Detailliertheit, mit der die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgestellt wurden, aber zu viel des Guten. In der Sumerland-Reihe hagelt es Kontraste, die es nicht immer leicht machen, den Lesefluss aufrecht zu erhalten: Stadt vs. Natur, Fantasie vs. Vernunft, Vision vs. Realität - im wilden Wechsel. Die verschachtelte Story über zwei Realitäten, Perspektiven und zahlreiche Schauplätze, die ganz eigenen Gesetzen folgen, bremst die Unterhaltung immer wieder aus. Ähnlich wie Sumerland hier fehlt es also an Balance.

…und die App zum Roman?

In der Theorie: Die Apparatu Memoria-App bietet die Möglichkeit, die Yin & Yang ähnelnden Sumerland-Symbole mit der Smartphone-Kamera zu scannen und so Rätsel in der App freizuschalten. Die Symbole sind Orten in ganz Deutschland versteckt. In einer Art Schnitzeljagd geht es von Rätsel zu Rätsel, bis durch Lösung aller Rätsel die Aufnahme in die Geheimgesellschaft abgeschlossen wird.

In der Praxis: Leider sind die Symbole in Deutschland noch eher rar gesät; nahe meines Wohnortes gab es keine. Die Symbole zwischen den Absätzen des Romans erkennt die App nicht, darum druckte ich sie mir von der Website aus. Bereits bei den ersten Rätseln fällt mir auf: Die Reihenfolge, in der die Rätsel zu lösen sind, ist unabhängig von ihrem Erscheinen im Roman. Sie greifen sogar dem Text voraus und spoilern wichtige Ereignisse. Also verschob ich das Knobeln auf die Zeit nach der Lektüre. Leider sind die Rätsel sehr schwer; manches riet ich und noch immer sind Rätsel ungelöst.

Positiv ist aber, dass die App die Romane um zahlreiche wunderschöne Illustrationen ergänzt, die so detailliert gezeichnet sind, dass man bis ins Kleinste herein zoomen kann.

Wie war´s?

Schwer zu lesen. Sumerland ist eine wahre Herausforderung, selbst für Leser, die gern etwas tiefer in ihren Lesestoff einsteigen. Dennoch muss ich zugeben, dass ich auch Wochen nach der Lektüre häufig ans Sumerland dachte, wenn mir die ein oder andere Werbestrategie zu Ohren und Augen kam. Die Fantasy-Reihe hat also einen nachhaltigen Eindruck auf mich hinterlassen, was ich sehr mag. Im Vergleich zu gängigeren Fantasy-Romanen bietet Sumerland leider wenig Lesespaß, dafür aber eine einzigartige Langzeitwirkung für Leser, die durchhalten.



[Ausführliche Rezi auf meinem Blog.]

Vielen Dank an Autor Johannes Ulbricht für die Rezi-Exemplare.
Profile Image for Ina.
60 reviews9 followers
January 19, 2018
Dies ist eine Zusammenfassung für Band 1 und 2, da sie so sehr zusammenhängen, dass man sie ebensogut in ein Buch hätte drucken können. Dann wären sie allerdings unhandlicher gewesen, und man hätte eines der schönen Coverbilder weniger gehabt :-)

Ich habe die Bücher zur Rezension zugeschickt bekommen, ansonsten wäre ich vermutlich nicht darauf aufmerksam geworden. Als ich die Zusammenfassung und einige bisherige Rezensionen gelesen habe, fand ich es sehr ansprechend: Gesellschaftskritik im Kleid einer Fantasy-Geschichte. Das war es, was ich von dem Buch erwartet habe und was es auch erfüllt hat. "Sumerland" bietet dem Leser viele Möglichkeiten, sein Leben, seine Gesellschaft und seine Wahrnehmung zu hinterfragen, darüber nachzudenken und sie mit einzelnen Akteuren und Meinungen im Buch zu vergleichen. Zum Teil habe ich den Eindruck gehabt, dass dies der Hauptzweck des Buches ist, dem die Geschichte untergeordnet wird.

Zur Geschichte kann man wenig sagen, ohne zu spoilern. Das ist schon daran zu erkennen, dass die Zusammenfassung im Innendeckel der Handlung einiges vorwegnimmt. Ich würde definitiv dazu raten, diese nicht zu lesen, um sich etwas mehr Spannung zu erhalten.
Die Hauptfiguren sind der Prinz Zazamael und die Prinzessin Serisada aus dem Sumerland, die Gegenpole zueinander bilden: Natürlichkeit vs. Künstliches/Künstlerisches, Kontinuität vs. Entwicklung, Sein vs. Schein. Ihre Geschichte fand ich am interessantesten, da sie Elemente wie eine Abenteuerreise, Entdeckung einer neuen Welt und den Wunsch diese zu ändern beinhalteten. Sie trieben auch am meisten die existenziellen Fragen voran, die die anderen Charaktere zwar aufwarfen, worauf sie aber selbst keine Antworten fanden.
Die anderen beiden Hauptfiguren stammen aus unserer Welt. Das ist einmal die Erzählerin, eine Mischung aus Künstlerin und Geschäftsfrau, die ein unstetes, immer wieder aus den Fugen geratenes Leben führt und sich im Alltag ins Sumerland hinein träumt. Sie verfolgt die Geschehnisse dort und bezieht aus ihnen Inspirationen ohne jedoch selbst einen Einfluss auf diese Welt zu nehmen.
Die andere Hauptfigur aus unserer Welt ist das Mädchen Susanne, die jedoch ausschließlich durch den Mund der Erzählerin spricht, da diese ihre Geschichte weitergibt.
Susanne finde ich am authentischsten. Bei allen anderen habe ich mitunter den Eindruck, dass sie bestimmte Entscheidungen mit Rücksicht auf die Handlung fällen, den einen Weg gehen oder eine Sache sagen, weil es etwas zu dem beiträgt, was der Autor mit dem Buch ausdrücken will oder wozu er den Leser zum Denken anregen will. Ich kann das als Leser zwar akzeptieren, denn dieses Nachdenken empfinde ich bei diesem Buch als das Hauptziel und durchaus unterhaltsam und interessant, hätte es aber schöner gefunden, wenn die Handlungsweisen nachvollziehbarer/authentischer gewesen wären.

Der Schreibstil des Buches ist auffällig anders und bricht mit vielen, mir eher vertrauten, Schreibarten. Er ist stark episodenhaft und hat eine wechselnde Erzählperspektive wodurch der Lesefluss immer wieder unterbrochen und das Augenmerk auf andere Teile der Gesamtgeschichte gelegt wird, aber auch die Möglichkeit gegeben wird, über das eben Geschehene nachzudenken. Man verliert sich nicht zu stark in der Geschichte(zum Vor- und zum Nachteil) und hat die Möglichkeit mittendrin kurz inne zu halten.
Die Wortwahl und Erzählweise insbesondere der Erzählerin wirken auf mich ziemlich unnatürlich und hochstilisiert. Dadurch habe ich beständig den Eindruck, dass jedes Wort abgewogen wurde und einen bestimmten Zweck verfolgt. Nach einmaligem Lesen habe ich mich vorrangig auf die Handlung konzentriert, kann mir aber gut vorstellen, dass man bei erneutem Lesen immer wieder neue Symbole, Parallelen und Details erkennen kann.
Das passt extrem gut zu der Handlung und zugrunde liegenden Aussage, die in vielen Teilen des Buches das Marketing, Manipulation und "Zwecklügen" betrachtet. Ich habe allerdings einige Seiten lang gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, was aber durchaus möglich ist und durch die natürlicheren Parts im Sumerland erleichtert wird.

Insgesamt sind die beiden Bücher ein schönes Leseerlebnis, eignen sich sehr gut als Basis für Diskussionen oder Gedanken über die Welt des Scheins und Seins und v.a. im zweiten Buch auch über die eigenen Lebensziele und Lebenslügen. Das Buch beschreibt zwar einige stark polarisierte Meinungen, verzichtet aber zum Glück darauf, sich auf eines der Extreme als Lösung festzulegen. Es zeigt viel mehr, dass in jedem Weg und jeder Meinung etwas von beidem steckt und man einen Mittelweg oder eine Mischung aus beidem suchen sollte.
Nicht empfehlen würde ich es denen, die anspruchslose Unterhaltung suchen ohne nachdenken zu müssen.
Empfehlen würde ich es allen, die darauf Lust haben über jene Fragen nachzudenken oder auch mal eine etwas andere Geschichte lesen wollen.
Profile Image for vakilo.
331 reviews28 followers
January 1, 2018
Johannes Ulbricht bot mir die Duologie „Sumerland“ als Leseexemplare an. Nach einer kurzen Recherche nahm ich das Angebot begeistert an, den die Duologie „Sumerland“ ist ein Begleitroman zu der Agumented-Reality-App.

In dem Stadtkegel Waylhaghiri vermischen sich Realität und Fantasy, jedoch hat eine handvoll Menschen Zugang zu der Scheinwelt von Waylhaghiri und Sumerland. In dieser Scheinwelt will Prinz Zazamael ein rettendes Elixier, den „wilden Wein“ finden, um sein Reich sowie Sumerland zu vereinen. Die Herrscherin von Sumerland Prinzessin Serisada will es dem Prinzen jedoch nicht zu einfach machen und versucht eine Rebellion in Waylhaghiri zu entfachen.

Klingt soweit nicht schlecht, aber die Geschichte hat mich einfach nur erschlagen.

Als ich die Bücher erhielt, war ich sofort an den Covern begeisterst. Die Vorderbilder enthalten sehr detaillierte und schöne Bilder. Auf der Rückseite sehen wir den jeweiligen Herrscher sowie die dazugehörigen Symbole. Auch der Einband zeigt eine actionreiche Szene mit den beiden Herrschern. Einfach nur Wow, so etwas habe ich noch nie gesehen!

Die Welt von Waylhaghiri und Sumerland ist relativ umfassend. Zum einen ist da Waylhaghiri, ein babylonischer Stadtkegel der alle Zivilisationsepochen der Menschen umfasst. Die Menschen in dieser Stadt müssen jeden Tag aufs neue um ihren sozialen Status kämpfen. Hier gibt es auch keine Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen, beide werden gleich behandelt und müssen um alles kämpfen. Dann haben wir da noch Sumerland, wo die Tiermenschen bei Tag eine freundlich und verspielt sind, bei Nach jedoch grausam und unberechenbar. Die Herrscher dieser beiden Welte sind unsterbliche Kinder, die nun um die Existenz ihres Reiches kämpfen.

Die Geschichte wird aus mehrere Perspektiven erzählt.
Zum einen haben wir eine anonyme, ältere Ich- Erzählerin die dauernd mit ihrem Intimfeind Andi spricht. Sie arbeitet in einer Werbeagentur und ihre Monologe verschwimmen zwischen Realität und Scheinwelt.
Kurze Zeit später kommt Susanne hinzu, sie ist die Nicht der Ich-Erzählerin und sie erklärt, dass sie sich Welt von Sumerland ausgedacht hat.
Und zum Schluss haben wir die jeweilige Perspektive der Herrscher, von Prinz Zazamael und Prinzessin Serisada. Die beiden machten aber zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass sie unglaublich alt und erfahren wären.

Nach ca. 60 bis 70 Seiten lesen, war ich in komplett verloren. Die Geschichte gibt nur wenige Anhaltspunkte und ich wusste nicht, zu welchen Zeitpunkt und welchem Standort ich bin. Dies ist leider der Ich-Erzählerin zu verdanken, die die Geschichte unnötig verkompliziert und zu der Geschichte selber wenig beiträgt. Ich las mir daraufhin den Klapptext durch, der sehr umfangreich ist. Nach dem ersten Band muss ich leider sagen, dass der Klapptext eine gute Zusammenfassung des Buches ist und alle Eckpunkte der Geschichte aufführt. Wenn man das im Vorfeld weiß, muss man das Buch leider nicht mehr lesen. Hätte man die Ich-Erzählerin nicht in die Geschichte aufgenommen, wäre das Lesen viel angenehmer und verständlicher gewesen. Ich verstehe, dass man Realität und Fiktion möglichst einzigartig darstellen wollte, leider tat es der Geschichte nicht gut. Daher stelle ich mir die Frage, an welches Publikum ist die Geschichte gerichtet?

Wie zu Beginn bereits erwähnt, ist die Duologie nur die Begleitung zu einem Spiel. Ich versuchte das Spiel auszuprobieren. Das Spiel besteht daraus, dass die Symbole durch die App eingescannt werden und dem Nutzer ein Rätsel nennen, welches zu lösen gilt. Leider war die Kamera durch die App sehr unscharf und die Symbole konnten nicht eingelesen werden. Die Symbole vergrößert über den PC einscannen zu lassen, hat leider auch nicht geklappt. Auf der Homepage gab es zu der Nutzung der App auch keine allzu großen Hinweise und nach einigen Minuten bei Google und wie man die Symbole sonst noch scannen könnte, habe ich es dann aufgegeben und die App wieder deinstalliert. Die Idee ist wirklich klasse, aber an der Umsetzung scheitert es leider.


Die Erfahrungen mit der Duologie sind sehr unterschiedlich und ich kann jedem nur empfehlen, sich selbst ein Bild von der Geschichte zu machen und nicht voreilig zu urteilen.
2 reviews1 follower
December 25, 2017
Fantasievoll und gesellschaftskritisch – und leider etwas verwirrend!

Als ich mir das Buch „Sumerland – Prinzessin Serisada“ im Sommer in einer Buchhandlung gekauft habe, war es vor allem das Cover, das mich angesprochen hat. Dies fand ich sehr schön und ansprechend und erhoffte mir davon eine sehr fantastische Geschichte mit dystopischen Elementen. Dieser Wunsch wurde mir mit der Geschichte um Serisada und Zazamael auch erfüllt.

Der Klappentext gibt sehr viele (fast zu viele) Informationen zum Inhalt des Buches. Dennoch habe ich in hier noch einmal kurz zusammengefasst: In dem Buch geht es vorangig um eine fantastische Welt, in der Illusion und Realität stark mit einander verworren sind. Es werden vier Handlungsstränge parallel erzählt, welche miteinander verwoben sind. Zum einen berichtet eine uns unbekannte Person von ihrem Leben in Waylhaghiri, dem babylonischen Stadtkegel des Sumerlandes. Sie richtet sich immer wieder an einen „Andy“, der sie teilweise in die Geheimnisse um Waylhaghiri und Sumerland eingeweiht hat. Daher kann sie, im Gegensatz zu den Leuten in ihrer Umgebung über die Scheinwelt hinweg sehen und die Handlungen der Prinzessin Serisada und Prinz Zazamael mitverfolgen. Zum anderen beobachten wir sowohl Prinzessin Serisada als auch Prinz Zazamael. Serisada ist die Herrscherin über die Naturwelt des Sumerlands, während Zazamael über das städtische Waylhaghiri herrscht. Die beiden Charaktäre dringen im Laufe der Handlung in das Gebiet des jeweils anderen vor und bringen sich somit in Gefahr. Außerdem erzählt Susanne, die Nichte der unbekannten Person, von ihrer Vergangenheit und behauptet die Welt um das Sumerland selbst erfunden zu haben.

Da die verschiedenen Handlungsstränge sich abwechseln und zunächst die Identität des Ich-Erzählers unbekannt bleibt, war die Geschichte zu Beginn sehr verwirrend und ich brauchte einige Seiten, um mich in die Geschichte einzufinden. Dann ließ sie sich allerdings sehr flüssig lesen und durch die Zeit- und Personensprünge wird die Spannung aufrecht erhalten, da neugierig darauf gemacht wird, wie die Handlungen am Ende zusammen geführt werden.

Die Grundidee des Buches war für mich sehr neuartig und interessant. Das Zusammenspiel von Realität und Fantasiewelt ist sehr gelungen. Dennoch gibt es meiner Meinung nach auch ein paar Lücken in der Beschreibung von Sumerland und (vor allem) Waylhaghiri, wodurch es mir schwer fiel, richtig in diese Welt abzutauchen. Zu Beginn des Buches wurden viele Hintergrundinformationen zu dieser besonderen Welt gegeben. Diese waren aber nicht optimal mit der Geschichte verknüpft, sodass auch jetzt nach Beenden des Buches vielen Fragen offen bleiben. Dies liegt vor allem daran, das einzelne Elemente der Welt sehr detailreich beschrieben werden, aber der Zusammenhang teilweise fehlt. Ich hoffe, dass sich im zweiten Buch der Reihe einige Lücken durch die weitere Handlung gefüllt werden.

Die vier Hauptcharaktere sind gut gewählt und spannend aufgebaut, jedoch fehlt ihnen an einigen Stellen die Tiefe, die es braucht, um sich besser mit ihnen identifizieren zu können. Diese Tiefe fehlt mir aber besonders bei den Nebencharakteren, deren Innenleben wenig beschrieben wird.

Positiv überrascht hat mich die Anzahl der Textpassagen, in denen ich gesellschaftskritische Ansätze entdeckt habe. Vor allem die Erzählungen von Susanne und die Geschehnisse in Waylhaghiri regen zum Nachdenken über unsere eigene Gesellschaft in Bezug auf z.B. Luxusgüter und Trends an.

Nach Beenden des ersten Buches der Sumerland-Reihe haben sich viele Fragen im meinem Kopf angehäuft, von denen ich hoffe, dass sie im zweiten Buch beantwortet werden. Der Band hat ein sehr offenes Ende, sodass es wirkt als wäre die Geschichte einfach in der Mitte auf zwei Bücher aufgeteilt worden. Man braucht also nach Beendigung des Ersten Bandes sofort den Folgeband, um die Geschichte zu verstehen.
Ich hoffe, dass der erste Band erst den Grundstein für die Handlung des zweiten gelegt hat und bin gespannt, ob sich dort die Lücken füllen und Verwirrungen auflösen.
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December 10, 2017
Anfang November wurden mir die beiden Bücher der „Sumerland“-Reihe vom Autoren Johannes Ulbricht als Rezensionsexemplare angeboten. Bisher ist mir dies noch nie passiert und dementsprechend aufgeregt war ich auch, als dieses Buch und der zweite Teil der Reihe bei mir ankamen. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle für die beiden Leseexemplare!
Vor ein paar Stunden habe ich das erste Buch „Prinzessin Serisada“ beendet. Es hinterlässt gemischte Gefühle bei mir. Einerseits fand ich die Idee des Buches sehr spannend und interessant. Andererseits haperte es leider etwas an der Umsetzung.

Doch fangen wir vorne an. Die Geschichte beginnt mit einer namenlosen Frau, die von ihrem Alltag zwischen der „Realität“ und dem Sumerland, sowie von einem mysteriösen Andi, mit dem sie die ganze Zeit spricht ohne das es ihn gibt, erzählt. Später erfährt man, dass es diesen Mann einmal in ihrem Leben gegeben hat und er einen großen Einfluss auf sie hinterlassen hatte.
Anfangs war es sehr schwer sich in der Geschichte zurecht zu finden, da man regelrecht in die Handlung hineingeworfen wurde. Es hat sich fast so angefühlt, als wenn man verpasst hatte den Anfang zu lesen. Dadurch war es eine Zeit lang schwierig der Geschichte zu folgen. Auch hat es mich teilweise etwas überfordert den vier verschiedenen Handlungssträngen, die sich kaum verknüpfen ließen, zu folgen.
Außerdem wurde mir die Erzählerin mit zunehmender Länge der Geschichte immer unsympathischer, da sie sich für etwas Besseres hielt als alle anderen Menschen aus der „normalen“ Realität. Nur weil sie die eigentliche Realität – das Sumerland – sehen kann, heißt es doch noch lange nicht, dass sie besser als alle anderen ist. Auch hab ich mich die ganze Zeit gefragt, wer bestimmt denn überhaupt, wer die „richtige“ Realität sehen kann? Anscheinend hat es etwas mit der Nichte der Erzählerin zu tun, da diese die Entstehung des Sumerlands auf ihre Kappe nimmt. Ich hoffe, dass dieser Handlungsstrang im zweiten Buch mehr Sinn ergibt, denn gerade kann ich die Nichte noch nicht so wirklich glauben. Susanne ist nicht älter als vielleicht 14. Deshalb finde ich es etwas unrealistisch, dass sie sich das alles ausgedacht hat und das scheinbar mehrere Personen, auch viele Erwachsene, an das Sumerland glauben. Außerdem gibt mir die Formulierung „Susanne’s uralte Augen“ noch einige Rätsel auf. Besteht vielleicht zwischen ihr und der Prinzessin Serisada eine Verbindung? Denn sie und der Prinz Zazamel scheinen selbst noch Kinder zu sein, die aber schon mehrere hundert Jahre alt sind… sind sie somit unsterblich? Und was ist mit den ganzen Bewohnern von Waylhaghiri? Um ehrlich zu sein möchte ich niemals in dieser Stadt wohnen. Mir ist es alles zu technisch, anstrengend und überwacht. Mich 24/7 immer wieder neu beweisen zu müssen und niemals Ruhe zu finden, sind keine tollen Aussichten auf ein schönes Leben.

Neben all diesem Negativen gibt es aber auch ein paar positive Aspekte. Zum einen finde ich den Schreibstil von Johannes Ulbricht gut gewählt. Er ist einfach formuliert und sachlich.
Außerdem ist „Sumerland“ wahnsinnig kritisch und extrem intelligent. Ich bewundere Johannes Ulbricht dafür, dass er in der Lage war, seine hochabstrakten Gedankengänge auszuformulieren und in eine verrückte Fantasy-Geschichte zu verpacken. Nur leider ist es für meinen Geschmack zu viel des Guten.
Die Idee eine Welt hinter unserer zu erschaffen, ist sehr interessant. Man hat gemerkt, dass sich der Autor viele Gedanken darüber gemacht hat und während des Lesens konnte man sich, durch die bildliche Beschreibung, verschiedensten Ecken der Welt gut vorstellen.

Abschließend kann ich sagen, dass mir die Grundidee sehr gut gefallen hat, jedoch konnte mich das Buch insgesamt leider nicht ganz überzeugen.

2,75 von 5,0 Sternen
Profile Image for Elisa.
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November 2, 2017
3,5 Sterne

Das Interessanteste an der Dilogie ist die von Johannes Ulbricht geschaffene Welt, welche sich hinter unserer Welt versteckt. Sie ist komplex und bietet zahlreiche kreative Ideen. Es gibt die verschiedensten Ecken der Welt zu entdecken. Von dem oberen Bereich des Stadtturms Waylhaghiriri, zu den unteren Etagen, bis ins Sumerland, wo Prinzessin Serisada ihren Palast hat. In jeder Ecke der Welt lassen sich neue Dinge finden. So begleiten wir Prinzessin Serisada zum Beispiel dabei, wie sie bei ihrer Ankunft in Waylhaghiriri einen Basar überquert oder am Lizenzhandel mit Superheldenkarten teilnimmt (so etwas wie das wayhalghirische Poker). Alle diese Orte werden mit einer starken Liebe zum Detail beschrieben, sodass es mir beim Lesen leicht gelang in die, vom Autor geschaffene, Welt einzutauchen.

Interessant ist dabei, dass der Autor anhand von Sumerland an unserer heutigen Gesellschaft Sozialkritik übt. Die Beschreibung Waylhaghiris zwang einen beim Lesen über unsere moderne Konsumgesellschaft und die Schattenseiten des Kapitalismus nachzudenken.  Ebenso waren in der Gesellschaft Waylhaghiris klare Parallelen zu den sozialen Medien erkennbar. In Waylhaghiri sind die Menschen einzig und allein darauf aus  ihren, für alle sichtbaren, Status zu verbessern, um so in die oberen Stockwerke Waylhaghiris vor zu gelangen. Dabei herrscht ein knallhartes Konkurrenzdenken und jede_r arbeitet nur an den eigenen Zielen. Freundschaften gibt es nicht. Gleichzeitig besteht für jeden die Gefahr abzustürzen.  Die Bewohner der Stadt sind in einer Art Teufelskreis gefangen und müssen stets daran arbeiten ihren Status aufrechtzuerhalten. Es gibt keine Möglichkeit den Zwängen dieser Welt zu entkommen.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von verschiedenen Charakteren erzählt. Da sind zum einen Serisada und Zazamael, die beide hunderte von Jahren alt sind, aber in den Körpern von Kindern leben. Ihre Handlungsstränge fand ich am interessantesten, da sie mir einen Einblick in Sumerland und Waylhaghiri boten. Zusätzlich gab es die Perspektive einer namenlosen Erzählerin, welche in die Welt von Sumerland sehen kann, Probleme bei der Arbeit hat und ihrer verflossenen Liebe nachtrauert. Dann ist da noch ihre Nichte Susanne, welche ebenfalls Sumerland sehen kann und glaubt es erfunden zu haben. Diese beiden Handlungsstränge fand ich zwar nicht langweilig, aber sie gefielen mir bei Weitem nicht so gut wie die Handlung um Prinzessin Serisada und Prinz Zazamel. Ich denke, es hätte, dem Roman gut getan, wenn es weniger Abschnitte von Susanne und der Erzählerin gegeben hätte, vor allem da diese die Handlung um Sumerland und Waylhaghiri teilweise stark unterbrachen.

Leider blieb die Charaktere teilweise blass und ich konnte die Motivationen ihres Handelns nicht immer nachvollziehen. Serisada wird zum Beispiel schnell zu einer Bürgerin Waylhaghiris und beginnt den Lebensstil der Stadt zu lieben, obwohl sie die Stadt zuvor noch hasste. Dieser Wandlung kommt ziemlich schnell und hätte besser ausgearbeitet werden müssen. Auch an anderen Stellen hätte ich mir gewünscht, mehr über die Charaktere und ihre Motivationen zu erfahren.

Ein weiterer Kritikpunkt ist für mich, dass der vollständige Klappentext (das oben ist nur ein Auszug) fast die gesamte Handlung des Romans vorwegnimmt. Dies finde ich schade, da so ein bisschen die Überraschung beim Lesen fehlt.

Insgesamt ist der erste Band der Sumerland Dilogie ein Roman mit einem interessanten Weltenbau und einer zum Nachdenken anregenden Sozialkritik, bei dem sich aber in der Charakterentwicklung Schwächen aufweisen.

Ich erhielt das Buch als Rezensionsexemplar von der Noon Games Augmented Reality GmbH & Co. KG und bedanke mich für die Zusammenarbeit.
Profile Image for Sarah.
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December 29, 2017
Ich habe das Buch als Leseexemplar zur Verfügung gestellt bekommen, was mir vorher noch nie passiert ist. Dankeschön dafür.

Zum Glück bin ich kein Klappentext-Leser, denn eigentlich steht 90% des Inhalts im Klappentext. Soll das wirklich so sein? Ist mir jedenfalls zum Glück erst am Ende des Buches aufgefallen.
Ich hatte meine Startschwierigkeiten mit dem Buch. Der Beginn ist verwirrend und war für mich etwas holprig. Was ist Realität, was ist nur Illusion? Genau um diese Frage geht es in Sumerland. Unsere Zivilisation ist nur eine Illusion in der die Menschen leben, arbeiten und probieren immer weiter aufzusteigen um möglichst weit nach oben in Waylhaghiri aufzusteigen, wo sie am meisten Macht haben. Waylhaghiri ist eine Stadt, die einzige Stadt auf der Welt und um Waylhaghiri herum befindet sich die Wildnis, das Sumerland.
Prinz Zazamael herrscht über Waylhaghiri, Prinzessin Serisada über das Sumerland. Dann gibt es noch die ICH-Erzählerin der Geschichte, die beherrscht wird von ihrer Vergangenheit in Form eines Ex-Freundes und für das Volk in Waylhaghiri steht und ihre Nichte Susanne, die uns etwas mehr zur Entstehung von Sumerland und Waylhaghiri erzählt.

Zwischen diesen Ebenen stecken wir, die Leser, und versuchen zu verstehen, was die Wahrheit ist. Ich hatte ca. 100 Seiten Anlaufschwierigkeiten. Nicht so stark, dass ich das Buch am liebsten weggelegt hätte, aber es machte sich Unsicherheit breit, ob es vielleicht zu "abgefahren" für mich ist. Sind Geschichten zu vielschichtig, verliere ich oft den Überblick und damit den Spaß.
Hier war das aber nicht der Fall, im Gegenteil. Wenn man sich erstmal auf die Geschichte einlässt, packt sie einen und man möchte unbedingt hinter die Geheimnisse des Buches kommen. Allerdings muss man sich schon, gerade zu Beginn, auf die Handlung konzentrieren. Wenn einem wichtige Details entgehen, dürfte es kompliziert werden.
So aber fragt man sich: Wird eine Fusion, Traum und Wirklichkeit werden eins, gelingen? Schafft Serisada es, eine Revolution in Waylhaghiri anzuzetteln? Findet Zazamael den wilden Wein, den er meint für die Fusion zu brauchen? Das Buch bleibt spannend bis zur letzten Seite, was allerdings auch daran liegt, dass es einfach mittendrin aufhört. Leider. Ich habe den zweiten Teil hier liegen und werde ihn direkt als nächstes lesen, aber ich verstehe nicht warum man nicht einfach nur ein Buch aus der Geschichte gemacht hat. Egal ...

Die Sprache ist ebenfalls "speziell", sehr blumig, aber auch daran gewöhnt man sich fix und möchte es danach auch nicht anders haben. Ein bisschen schade ist es, dass ich mit keinem Charakter wirklich sympathisieren konnte, aber ich glaube das soll auch gar nicht sein, um die Geschichte objektiver erfassen zu können. Entweder das oder die Beschreibung der Charaktere hätte noch verbessert werden können um ihnen mehr Tiefe zu geben.
Zum Buch gibt es eine App, die aber im Buch gar nicht erwähnt wird und die ich mir auch nicht geladen habe. Dazu kann ich also nichts sagen.
Bei dieser Reihe handelt es sich nicht einfach nur um Unterhaltungsliteratur, zwischen den Zeilen findet man eine große Portion Kritik an unserer heutigen Zeit und ihrer auf Erfolg ausgerichteten Lebensweise. Toll, wie der Autor es schafft, diese Gedanken in so ein abstraktes Konstrukt zu verwandeln. Respekt dafür!

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, ich ziehe einen Stern ab, weil es keinen Charakter gibt, den ich gerne mag und ich gerade den Anfang relativ unübersichtlich fand.
Profile Image for Marion.
77 reviews4 followers
December 5, 2017
Es ist schon gut zwei Jahre her, dass ich ein richtiges, echtes, neues Rezensionexemplar in den Händen gehalten habe. Und dass mich ein Verlag direkt angeschrieben hat, ob ich ein Buch rezensieren möchte, ist mir überhaupt noch nie passiert. Dementsprechend aufgeregt war ich auch, als dieses Buch und sein Nachfolger bei mir ankamen. An diesem Punkt bedanke ich mich ganz herzlich für das Leseexemplar.

Das ist jetzt allerdings schon gut zwei Monate her. Es passiert mir selten, dass ich so lange für ein Buch brauche, obwohl ich es beinahe täglich in die Hand genommen habe. Ich habe direkt ein schlechtes Gewissen, dass ich den Autor und den Verlag so lange auf meine Rezension warten lassen habe.
Dies ist allerdings hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass das ganze Buch sehr komplex ist. Es besteht aus zwei Teilen: auf der einen Seite steht die Ich-Erzählerin, die um die falsche Realität weiß und durch diese hindurch ins Sumerland und Waylhaghiri schauen kann und als Verbindung zwischen dem Leser und der eigentlichen Welt dient. Auf der anderen Seite stehen die beiden ewig kindlichen Herrscher, die beide ihre Ziele erreichen müssen und um die Vorherrschaft streiten.

Die Teile, die die Ich-Erzählerin beschreibt, fand ich vor allen Dingen am Anfang ziemlich verwirrend. Erst mit der Zeit konnte ich mich dort zurecht finden. Die Teile, die im Sumerland spielen sind sehr spannend und waren mir lieber. Vor allen Dingen die wunderschönen, plastischen Umgebungsbeschreibungen haben mich fasziniert.

Das ganze Buch ist vollgepackt mit Sozialkritik und Philosophie, die einem förmlich ins Gesicht springt und wirklich nicht zu übersehen ist. Das Buch ist auf keinen Fall etwas, das man einfach so weglesen könnte. Ich habe, wie bereits angedeutet, lange dafür gebraucht, da man mit auch nur einem überlesenen Satz das Verständnis des restlichen Buches gefährdet.
All diese unterschiedlichen kritischen Punkte und all diese Philosophie mag zwar etwas deftig und anstrengend scheinen, sie haben mir allerdings auch viele gute Anregungen für Diskussionen mit Freunden und Denkanstöße gegeben.
Wenn auch am Anfang verwirrend, machten am Ende doch mehr der Verstrickungen zwischen dem Sumerland und der künstlichen Realität einen Sinn. Die paar Fragen, die noch offen sind, hoffe ich im nächsten Band beantwortet zu bekommen.

Schade fand ich doch, dass ich trotz der interessanten Geschichte absolut keine emotionale Bindung zu den Figuren aufbauen konnte. Zwar hatten sowohl die Ich-Erzählerin als auch Serisada und Zazamael Ziele, die sie anstreben, aber ich hatte immer nur das Gefühl zu beobachten und fand einfach keinen Zugang zu den Charakteren selbst. Es war ein wenig, als würde ich sie alle durch ein Fernrohr betrachten. Das ist eigentlich sehr schade, da man einfach merkt, wie viel Planung und Überlegung in dieses tiefgründige Buch gesteckt worden ist.

Ich empfehle das Buch gerne weiter, möchte aber noch einmal anmerken, dass es kein Buch ist, dass man einfach so nebenbei lesen kann. Man muss bereit sein, sich richtig damit auseinander zu setzten, sonst wird man des Buches schnell überdrüssig sein. Ich bin auf jeden Fall schon gespannt auf den zweiten Teil, der zuhause auf mich wartet, auch wenn ich zuvor wohl noch eine kleine Pause einlegen werde.
Profile Image for KaroLin (Fiktion fetzt).
84 reviews14 followers
December 9, 2017
Als ich vom Verlag angeschrieben und gefragt wurde, ob ich Lust hätte die Sumerland-Reihe zu lesen und zu rezensieren, habe ich nicht lange gezögert. Der Klappentext hatte mich sofort angesprochen und ich war ausgesprochen gespannt auf diese Geschichte. Die Idee, dass unsere Zivilisation nur eine Illusion ist und sich die Wirklichkeit eigentlich in der Stadt Waylhaghiri und dem sie umgebenen Sumerland abspielt, hielt ich für ausgesprochen vielversprechend.
Leider konnte mich das erste Buch, Prinzessin Serisada, aber letztendlich nicht überzeugen, da die Umsetzung der guten Ideen in meinen Augen danebengeht.
Dass ich das Lesen nicht wirklich genießen konnte, hat vor allem damit zu tun, dass ich mit dem Schreibstil nichts anfangen konnte. Nicht, dass ich ein großer Freund von Schachtelsätzen wäre, aber der Satzbau war mir wirklich eine Spur zu parataktisch und es mangelte bei einigen Formulierungen an Finesse.
Ich hätte außerdem erwartet, dass sich die verschiedenen Erzähler, die es hier gibt, auch in ihrem Stil voneinander unterscheiden würden. Aber die (namenlose) Erzählerin in den 30ern und Susanne, ein kleines Mädchen, unterschieden sich sprachlich sehr wenig voneinander. Die Namenlose könnte von ihrer Sprache her auch ein Kind sein und das Kind auch ein Erwachsener.
Die namenlose Dame war mir außerdem derart unsympathisch – ja regelrecht zuwider – dass ich jedes Mal, wenn sie mit dem Erzählen an der Reihe war, überlegt habe, die kommenden Seiten zu überspringen. Mir ist auch nicht wirklich klargeworden, worin genau ihre Funktion bestand. Zur eigentlichen Story hat sie nichts beigetragen. Außer vielleicht ein merkwürdiges Frauenbild zu verbreiten und dem Leser, die hier in vielen Rezensionen lobend hervorgehobene, Gesellschaftskritik unter die Nase zu reiben.
Nicht, dass ich grundsätzlich etwas gegen gesellschaftskritische Geschichten einzuwenden hätte – nein, Bücher dürfen und sollen Kritik an der Gesellschaft üben. Aber ich persönlich genieße es eher, wenn man ein wenig darüber nachdenken muss, anstatt die Kapitalismuskritik – wie hier – direkt und so offensichtlich serviert zu bekommen. Immer und immer wieder wird man vom Autor darauf gestoßen, wie hohl es ist, nach Materiellem zu streben, und wie die Befriedigung von diesen Bedürfnissen immer und immer wieder neue erzeugt. Natürlich stimmt das. Aber erstens ist das keine neue Erkenntnis und zweitens wurde das Augenrollen immer größer, je öfter ich es erzählt bekam. Ich hatte den Eindruck, dass sich das Buch zu sehr auf die Gesellschaftskritik konzentriert und dabei ganz vergisst, ein Roman zu sein: Die Handlung konnte mich nicht wirklich fesseln, der Spannungsbogen fehlte mir, und die Momente in denen man sich sagt „Ich will unbedingt wissen, wie es weiter geht!“ blieben vollkommen aus – zumal der Klappentext im Grunde die gesamte Handlung des Buches vorweg nimmt. Auch die Charaktere hätten etwas mehr Ausarbeitung vertragen können. Sie wirkten merkwürdig flach, so als hätte jemand nur vom Hörensagen erfahren, wie sich junge Männer, Frauen und Kinder verhalten. Wirklich schade – ich hatte mir mehr von der Geschichte versprochen.
Profile Image for Dirk Froehling.
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January 7, 2018
Sumerland 1 - Prinzessin Serisada
Lesezeit 01.12.2017 -

(Prinzessin Serisada) ein Uraltes Kind als Herscherin, Spionin in der Stadt
(Prinz Zazamael) ein leichtschielender Uralter Jugendhafter Prinz als gegenspieler,
(Rat) Ein Verband welcher die Interessen der Stadt (also die eigenen) vertritt.
(?) eine halb erwäckte Insomniarische Träumerin als Erzählerin mit eigenem Leben in der virtuellen Welt die teilweise in die reale Welt eingeweit ist.
(Andi) ein imaginärer Toter, ohne Bedeutung.
(Susanne) die Erfinderin des Sumerlands?

Krieg zwischen Waylhaghiri und Sumerland ......
Matrix mal anders. Die Hauptprotagonisten sind aus meiner Sicht eher egoistischer Natur. Was der ganzen Geschichte aus meiner Sicht eher eine komische Note gibt.
Glatte 5 Sterne bekommt von mir das Cover. Es macht immer wieder spass den Turm mit seinen vielen Etagen zu betrachten. Die Einzelnen Epochen der Summerlandischen Geschichte zu betrachten.
Charaktäre: bis jetzt so um die 3 Sterne da keine wirkliche Beziehung zu den Charaktären aufgebaut werden kann. Dennoch sind diese in Ihren Eigenschaften nachvollziehbar.
Geschichte
Hier muss ich leider differenzieren.
4 bis 5 Sterne für die Sumerländische Geschichte.
2 Sterne für die Virtuelle Welt für die ersten 100-150 Seiten. im Anschluss auch hier ca. 3 Sterne da diese Spannender und Interessanter wird.
Es ist möglich sich in die Erzählerin hineinzuversetzen, aber ich bin hier sehr Ehrlich es würde aus meiner Sicht keinen Unterschied machen ob diese nun existiert oder als wissender Geist in Sumerland über dem Geschehen schweben würde. Jetzt zu Susanne. Sie erzählt wie sie Sumerland erfunden hat. Es ist aber auch am ende des Buches nicht klar ob dem so ist oder nicht. Es ist ebenfalls unklar wie es mit den Protagnisten weitergeht, auch wenn einige Aussagen eindeutige schlüsse ziehen lassen so ist dies nicht bewiesen.

Postitiv hierbei zu erwähnen ist das der Wechsel zwischen der realwelt und der virtuellen welt durch kleine Bilder gekennzeichnet ist.
Zusammenfassend kann ich sagen das es mir wie der Namenlosen Erzählerin ging. Ich musste immer wieder ins Sumerland abtauchen da das Buch mich trotz aller Anfänglicher Bedenken doch gefangen hat. Es ist aber ist jetzt nicht so das ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Am Ende kann ich für das Buch gut gemeinte 2,5 Sterne geben, da es zwar kurzweilig einen kleinen Spannungsbogen bekommen hat aber ansonsten sehr stagnativ war. Auch die Charaktäre sind eher, ich will nicht flach sagen, aber sie haben sich halt nicht in mein Herz geschlichen.

---- SPOILER ---

Hier ein Beispiel, ich gehe davon aus das die Prinzessin am Ende stirbt. Dies hat aber keine Reaktion bei mir verursacht. Der Grund hierfür ist zum einen das ca. 50 Seiten vor Ende das Schicksal der Prinzessin schon klar war, da der Autor dies so geschrieben hat.

--- SPOILER ENDE ---

Es gibt genau 2 Gründe warum ich weiterlesen werde.

1. Ich habe es dem Autor versprochen

2. Susannes Geschicht ist noch nicht erzählt.

Dennoch danke das ich dieses Buch lesen und Rezensieren durfte.




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