Die Geschichte wirkt sehr künstlich, vor allem was die Familie der allen drei Protagonisten angeht. Aber das ist kein grober Fehler, denn die Autorin bedient sich reichlich mit Sarkasmus und Ironie. Vor allem, was das Leben in Aserbaidschan angeht: familiäre Verhältnisse, schwules Leben (oder eher dramatisch mangelhafte "schwule Kultur"), Bild der Polizei und allgemein des Landes, in dem anscheinend außer der Staatsregierung, Bonzen und der Familie des Präsidenten keine sonst Leute leben. Auch Deutschland wird im Zerrspiegel gezeigt. Oder wird etwa jeder Kaffeepott für Ärzte in einer Ambulanzstation mit dem Koks aufgepeppt? Die Mittel dienen nur um zu zeigen, dass die sogenannte normale Welt nicht mehr da ist. Auch die Helden der Geschichte kämpfen damit, was in Ordnung sei - in der Welt und für sie selbst - was nicht. Vor allem in ihren Beziehungen. Sie sind alle jung, haben schon viel ausprobiert, leben zusammen, aber jeder lebt für sich alleine und, kein Wunder, fühlt sich auch so. Sie sind nicht reif genug, um mit jemanden wirklich zu sein. Davon zeugt auch das Motto von Woody Allen: die meisten Beziehungen zerfallen nicht, nur weil man etwas von dem Partnern bekommt, was ICH brauche. Also die egoistische Zufriedenheit hält sie zusammen. Es ist eine sehr kindische Vorstellung, was eine Partnerschaft ist. Die sind nicht reif genug, um sie herauszubilden, da sie eigentlich keine Kindheit hatten und kaum Eltern kannten. Deshalb haben sie auch keine Gelegenheit gehabt zu lernen, was eine wahre, reife Beziehung ist.
In das zweite Teil, das in mehrerer Hinsicht als ein Roadmovie gedacht wurde, führt uns ein boshafter Satz von Pelewin ein, und im weiteren Verlauf eine schöne Sufi-Geschichte von der Suche nach dem Simurgh-Vogel. Anders ausgedrückt: eine Reise in der Suche nach sich selbst. Die Botschaft der Legende ist nämlich die Erkenntnis, dass uns niemals ein Anderer erlösen kann, nur wir selbst. Man muss zu sich selbst finden, sich selbst erkennen, bevor man ein wahres Verhältnis mit einem Partner aufbauen kann. Eine wahre Morgenlandfahrt. Für den Altai durch Betten neuer Liebhaber und durch seine eigene traumatische Vergangenheit, für Leyla durch Vergangenheit und den Raum. Die Reise hilft dem Ehepaar Altay und Leyla - durch das zusammen Erlebte und das Engagement Altays - sich wiederzufinden. Am Ende sehen wir die beide möglicherweise am Anfang ihres reifen Lebens, was uns fast wie ein Happy End winken kann. Schade nur, dass die Verfasserin die Reise Leylas durch die schönsten Gegenden von Aserbaidschan völlig vermasselt: sie sah dort nur Ruinen, Elend und Schmutz. Aber vielleicht das bräuchte ihre Heldin, um Rückkehr nach Deutschland im besseren Licht zu sehen? Ohne nichts geht nur die Jonoun daraus. Alle drei aber suchten eifrig nach ihren Simurgh.