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Der Tag X

Der große Roman über den Aufstand am 17. Juni 1953, als 24 Stunden alles möglich schien


Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

400 pages, Hardcover

First published February 27, 2017

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About the author

Titus Müller

52 books24 followers
Geboren am 15.10.1977 in Leipzig. Studierte in Berlin Literatur, Geschichtswissenschaften und Publizistik. 1998 gründete er die Zeitschrift „Federwelt“ und war bis 2001 Herausgeber und Redakteur, bei einer Gesamtauflage von 18.000 Exemplaren. Heute erscheint die Zeitschrift im Uschtrin Verlag. 2002 veröffentlichte Titus Müller mit 24 Jahren seinen ersten Roman „Der Kalligraph des Bischofs“. 2005 wurde er mit dem C.S. Lewis-Preis ausgezeichnet, dotiert mit einem fünfwöchigen Schreiburlaub auf der Isle of Wight. Im gleichen Jahr belegte er den zweiten Platz beim Würth-Literaturpreis der Universität Tübingen.

2008 erhielt sein Roman „Das Mysterium“ den Sir Walter Scott-Preis in Bronze als einer der drei besten historischen Romane der letzten zwei Jahre. Für den Roman „Nachtauge“ wurde er 2014 im Rahmen einer Leserumfrage zum Histo-König des Jahres gewählt. Im selben Jahr nahm ihn die Schriftstellervereinigung P.E.N. (PEN-Club) auf.

Titus Müller ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er lebt mit seiner Familie im Hügelland zwischen Isar und Inn.


Wer ich bin
"Als Kind grüßte ich jeden Morgen einen Mann, ohne ihn zu kennen. Es war eine Gewohnheit, die ich liebte. Nie haben wir ein Wort gewechselt, das kurze Heben der Hand machte uns zu Vertrauten. Wohin er ging, während ich zur Schule fuhr, weiß ich nicht. Nach meinem letzten Schultag sah ich ihn nicht wieder. Während des Studiums erfand ich ein neues Ritual. Ich entdeckte ein Schild am Nebeneingang zum Universitätscampus: „Post und Lieferanten“.
Gebunden durch eine stille Absprache mit mir selbst, betrat ich das Gelände nur noch durch diese Hinterpforte. Nach meinem letzten Tag, als habe man darauf gewartet, wurde die Pforte mit einem schmiedeeisernen Tor verschlossen. Heute verwittert das Schild für „Post und Lieferanten“. Niemand braucht es mehr.

Ungelesene Bücher stelle ich nicht ins Regal, nur die gelesenen. Es ist mir gleich, ob ich dabei Buchreihen auseinanderreiße.

Ich tauche beim Schreiben in die Lebenswelt zurückliegender Jahrhunderte ein. Durch diese Reisen in eine Zeit von Seuchen, Schwertern und Dampflokomotiven sehe ich den eigenen Alltag mit neuen Augen. Wir leiden darunter, dass das Leben an uns vorbeirauscht. Wir arbeiten, schlafen, essen, arbeiten, schlafen, essen – und wünschen uns, wieder zu hören, wie am Morgen eine Amsel singt. Wir wünschen uns, die Ameise zu sehen, die eine Tannennadel schleppt. Wir wollen den Wind spüren, der über unsere Wangen streicht. All das ist jeden Tag da, die Amsel, die Ameise, der Wind. Nur wir sind blind geworden durch unsere Lebensgeschwindigkeit.

Was ich sammele, halte ich den Menschen hin. Kleine Fundstücke: eine Murmel, eine Vogelfeder, eine alte Bahnfahrkarte. Ich bin Sammler, Staunender und Entdecker von Beruf."

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Displaying 1 - 16 of 16 reviews
Profile Image for Alexa.
193 reviews17 followers
March 8, 2017
Ein tolles Buch, ein echtes Lesehighlight. Und ich habe dabei noch viel dazugelernt, über ein geschichtliches Ereignis, mit dem ich mich bis jetzt noch nicht viel beschäftigt hatte.
Profile Image for Wal.li.
2,708 reviews75 followers
June 5, 2017
Kurz nach dem Krieg wird Nellys Vater von den Sowjets aus Ostberlin nach Russland verschleppt. Wie viele andere Wissenschaftler soll er für die Sieger forschen. Nellys Mutter weigert sich, ihren Mann zu begleiten. Noch im Jahr 1953 weiß Nelly nicht, wo ihr Vater ist. Bald will sie Abitur machen, doch ihr Engagement bei der christlichen jungen Gemeinde wird ihr zum Verhängnis. Ihr wird verboten, an den Abiturprüfungen teilzunehmen. Wolf Uhlitz, ein junger Uhrmacher, der sich in Nelly verliebt hat, wird von der Stasi in den Dienst gezwungen, um die christliche Gruppe zu infiltrieren. Und der Russe Ilja, der einmal gut zu Nelly war, bringt immer seltener Briefe von ihrem Vater.

Keine Liebesgeschichte im eigentlichen Sinne, keine romantischen Treffen junger Menschen in einer wachsenden DDR, in der doch alles nicht so schlimm ist. Man muss nur seine Nische finden. Und wenn man nicht in eine abgeschottete Nische will? Wenn man offen seine Meinung sagen will? Wenn man einfach nur über Vor- und Nachteile des Systems diskutieren will. Im Frühjahr 1953 ist die Lage in Ostdeutschland schlecht, die Normen werden heraufgesetzt, die landwirtschaftliche Produktion sinkt, die Läden sind leer. Manche Mütter wissen nicht, wie sie ihren Kindern etwas Vernünftiges auf den Tisch bringen sollen.

Bespitzelung und Denunziation an allen Ecken und Enden. Keiner kann dem anderen wirklich trauen. Geheimdienste spionieren und nutzen jede Gelegenheit, um die jeweils anderen auszuspähen. Und auch die große Politik spinnt ihre Fäden. Gerade diese jedoch haben nicht unbedingt das Wohl der Menschen im Sinn. Wenn es um das sogenannte große Ganze geht, kann ein Einzelner schon zum bedauerlichen Opfer werden. Und so wird der verzweifelte Aufstand der Arbeiter von allen Seiten für die eigenen Ziele genutzt.

Nach der mitreißenden Lektüre dieses Romans fühlt man sich eindringlich daran erinnert, dass die Freiheit, sich nach seiner Überzeugung zu äußern und zu leben, zumindest solange man andere damit nicht ungerechtfertigt einschränkt, nicht selbstverständlich ist. Fast klaustrophobisch könnte man das Gefühl beschreiben, das die Lektüre auslöst. Die immer größer werdende Enge des Überwachungsstaates, das gegenseitige Belauern, das Misstrauen, das immer größer wird. Dazu ein spannendes Spionagegeschehen vor dem Hintergrund der Weltpolitik. Man stellt sich, die Frage, ob die Menschen in der DDR von allen verlassen wurden, zum einen, um den idealen Arbeiter- und Bauernstaat zu schaffen, zum anderen aber auch, um ein vereintes, aber neutrales Deutschland zu verhindern. Soll man von Glück reden, wenn die eigenen Großeltern einfach ein paar Kilometer weiter gelaufen sind und einem so ermöglicht haben in einer westlichen Demokratie aufzuwachsen. Zumindest sind die Zeiten vorbei, in denen man dieses Privileg für selbstverständlich halten sollte.

Ein hervorragender zeitgeschichtlicher Roman, der sehr eindringlich daran erinnert, dass Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist.

Profile Image for Denise.
716 reviews10 followers
March 7, 2017
Frühling 1953 in der noch jungen DDR: der Uhrmacher Wolf verguckt sich in die angehende Abiturientin Nelly. Diese hat jedoch kein Interesse an dem Sohn eines Parteifunktionärs, ist sie doch rebellisch und gegen die Gleichmacherei des Regimes eingestellt. Dennoch lässt der junge Mann nichts unversucht, um Nelly zu begeistern. In Halle hingegen versucht eine alleinerziehende Mutter, sich und ihre 3 Söhne irgendwie durchzubringen. Ihr Mann hat sich in den Westen abgesetzt. Keiner ahnt, dass das Schicksal sie bald alle zusammenführen wird im Juni 1953.

"Der Tag X" ist ein Roman um den Arbeiteraufstand 1953 und hat mich komplett überzeugt. Titus Müller beweist einmal mehr, dass Geschichte nicht langweilig sein muss, sondern fühlbar und mitreißend sein kann. Der Autor befasst sich mit einer Thematik, die in meinen Augen noch viel zu kurz in der Aufarbeitung und Behandlung kommt: die junge DDR und die Folgen der sowjetischen Besatzung.

Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei erlebt man als Leser viele Perspektiven. Mal ist man aufmüpfig-rebellisch mit der jungen Nelly unterwegs, mal weiß man gemeinsam mit Lotte König nicht, wie man die 3 Jungen und sich ernähren soll und dann sitzt man in Moskau bei Beratschlagungen von Politikern und erlebt hautnah mit, wie Geschichte geschrieben wird. Diese Mischung erfordert vom Leser nicht nur Aufmerksamkeit und Konzentration, sondern auch Mitdenken, was mir sehr gut gefallen hat. Titus Müller offenbart die Zusammenhänge nicht schnöde auf einem Silbertablett, sondern zieht feine Linien zwischen Moskau, Berlin, Halle und Bonn, die der Leser verfolgen kann. So hatte ich beim Lesen mehrere AHA-Erlebnisse. Toll!

Die Figuren, die Titus Müller in seinem Roman agieren lässt, sind sowohl fiktional als auch auf realen Persönlichkeiten beruhend. Mir persönlich hat es der Soldat Heimran Kunze sehr angetan. Gefangen in einer Welt von Gehorsam und Linientreue beweist er beeindruckend, dass man dennoch sein eigenes Denken nie einstellen darf. Doch auch die die anderen Charaktere, die alle sehr ausgewogen vorgestellt werden und zu Wort kommen, überzeugten mich durch ihre Ecken und Kanten, ihre Überzeugungen und ihre Schicksale. Der Autor vermeidet es sehr gut, bei seinen Beschreibungen in Klischees über Ost und West zu verfallen. Das hat mir sehr gut gefallen.

Die Story hat mich von Seite 1 an mitgenommen und mit jedem Kapitel bin ich tiefer in den aufziehenden Aufstand eingetaucht. Titus Müller versteht es meisterhaft, das Gefühl des Aufbruchs, den Wunsch nach Veränderung und die "Wir packen das" - Einstellung der Arbeiter im Sommer 1953 zu transportieren. Ich fühlte mich zeitweise mitten in dieser Revolte gegen das Regime, wollte ebenso gegen die Ungerechtigkeit kämpfen und erschrak über die aufflammende Gewalt. Sehr zu Herzen gingen mir auch die Beschreibungen der Folter in den Stasi-Gefängnissen, auch wenn der Autor sie nicht bis ins kleinste Detail beschreibt, sondern vieles der Fantasie überlässt.

Das Ende hat mich dann zu Tränen gerührt. In wenigen Sätzen wurde mir warm ums Herz und ich spürte Hoffnung für die Charaktere, die sich gegen das gestellt haben, was sich selbst als freiheitlich demokratisch bezeichnet hat. Großartig!

Der Stil von Titus Müller ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist detailgetreu, mitreißend, ohne reißerisch zu sein und passend ruhig, wo die Herzen vor Aufregung eh schon schnell schlagen.

Fazit: die DDR schnupperte einen Sommer lang an der Freiheit. Ich kann den Roman nur empfehlen.
Profile Image for Brina.
2,063 reviews120 followers
March 13, 2017
Obwohl mir Titus Müller bereits häufiger empfohlen wurde, ist "Der Tag X" tatsächlich mein erstes Buch von ihm. Dementsprechend niedrig waren auch meine Erwartungen, was allerdings ein Fehler war, denn der Autor konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite an überzeugen, sodass "Der Tag X" sicherlich nicht mein letztes Werk von ihm gewesen ist.

Da es in der Geschichte um ein historisches Ereignis geht, habe ich zunächst befürchtet, dass der Schreibstil eher trocken sein könnte, allerdings habe ich mich da geirrt, denn der Autor beschreibt die Geschichte rund um Nelly, Ilja und Co. nicht nur sehr mitreißend, sondern auch durchaus unterhaltsam, sodass ich mit "Der Tag X" ein paar interessante und angenehme Stunden verbringen durfte. Die Figuren, die trotz der historischen Ereignisse allesamt fiktiv sind, wurden gut ausgearbeitet und man lernt sie ausreichend kennen, sodass man stellenweise auch mit ihnen mitfühlen kann.

Die Art und Weise, wie der Autor hier historische Ereignisse mit fiktiven Figuren gemischt hat, hat mir sehr gut gefallen und ich fand es sehr interessant, wie gut hier alles nicht nur recherchiert wurde, sondern auch mit den Figuren zusammenpasst. Somit erhält man hier nicht nur eine interessante Geschichte über den Aufstand im Jahr 1953 in der ehemaligen DDR, sondern auch eine Geschichte, die mich zum Teil sehr berühren konnte.

Das Cover ist hübsch anzusehen und gleichzeitig äußerst passend, sodass es für mich ein kleiner Hingucker ist. die Kurzbeschreibung hat mir ebenfalls gut gefallen und mich direkt angesprochen, sodass ich Titus Müllers neuestem Werk gerne eine Chance gegeben habe.

Kurz gesagt: "Der Tag X" ist nicht nur eine gut recherchierte und aufwühlende Geschichte, sondern auch eine Geschichte, die mich sehr berühren konnte. Wer sich dazu auch noch über die Aufstände in der ehemaligen DDR im Jahr 1953 interessiert, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
Profile Image for Geli.
272 reviews12 followers
October 21, 2020
Es hat mir sehr gut gefallen, über den Aufstand in der DDR zu lesen und wie es dazu kam. Was Russland und die Westmächte damit zu tun hatten und wie harz das Leben zu der Zeit dort schon war.
Anhand diverser fiktiver Personen erleben wir die Monate in Berlin und Halle/Saale, bevor Tag X passierte.
Profile Image for mylittlebookpalace .
127 reviews8 followers
January 26, 2018
Handlung:Das Leben der Gymnasiastin Nelly Findeisen wird mit jedem Tag komplizierter. Es reicht nicht, dass sie ihren Vater, der vor sieben Jahren nach Russland abkommandiert wurde, nie mehr sieht, auch ihre Mutter wird ihr zusehends fremder. Hinzu kommt ihr Engagement in einer kirchlichen Jugendorganisation, was im Frühjahr 1953 zum Rauswurf aus der Schule führt. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Titus Müller erzählt eindringlich und packend vom Leben der Aufbegehrenden und entfaltet authentisch und detailgenau das Panorama eines Aufstandes, der beispielhaft wurde.

Orte: Das Buch hat den unterschiedlichsten Orten gespielt, die zu der Zeit sehr wichtig waren: Berlin, London, Halle und etliche Orte außerhalb von dem Deutschland dieser Zeit. Ich habe mir schon etliche Dokus darüber angesehen, weshalb ich schon ungefähr weiß wie es dort ausgesehen hat oder ich es mir zu mindest ansatzweise vorstellen kann wie es dort aussah.

Personen: Also mit den Personen bin ich zeitweise echt durcheinander gekommen, da manchmal gefühlt alle zwei Seiten eine neue Person in die Geschichte gekommen ist und eine neue Geschichte dazugekommen ist.

Gestaltung: Mich hat das Cover sofort angesprochen und es passt wahnsinnig gut zu dem Buch. Auch die Kapitelgestaltung war sehr schön, schlicht und übersichtlich.

Schreibstil: ich mochte den Schreibstil von Anfang an und er hat mir wirklich gut gefallen. Es gab tolle Dialoge und Beschreibungen und ich konnte das Buch wahnsinnig schnell lesen.

Geschichte. Auch die Geschichte mochte ich sehr gerne und ich habe mich sofort eingefunden in die Geschichte. Es war eigentlich die ganze Zeit pannende und ich mochte die Handlung wahnsinnig gerne.

Fazit: Ich mochte dieses Buch sehr sehr gerne und hatte fast nichts daran auszusetzen, weshalb ich 5 von 5 Sternen gebe und mich hier beim Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanken möchte.
14 reviews2 followers
August 27, 2021
Wäre jedes Geschichtsbuch in der Schule von Titus Müller geschrieben, hätte mir das Fach tatsächlich Spaß gemacht und ich hätte viel gelernt.
Profile Image for EmiliAna.
315 reviews4 followers
July 5, 2020
Vor dem Hintergrund der dramatischen Ereignisse, in der noch jungen DDR, die am Tag X, dem 17. Juni 1953 in einem Aufstand weiter Teile der Bevölkerung kulminierten, lässt uns Titus Müller in seinem Roman teilhaben an den Schicksalen einer Handvoll Menschen, deren Leben dadurch nachhaltig beeinflusst wurde. Er tut dies auf eine Weise, die den Leser in atemlose Spannung versetzt, die mitreißt, die aber auch verstört und bedrängt, die jedoch gleichzeitig tiefe Einsichten in eine Zeit vermittelt, die, so möchte man sich am Ende dankbar sagen, der Vergangenheit angehört! Unserer Vergangenheit, mit der ein weiteres unrühmliches Kapitel in die Geschichtsbücher geschrieben wird.
Der Autor versteht es grandios, geschichtliche Fakten, Informationen zur damaligen politischen Lage im Ostblock als auch im Westen mit einer Romanhandlung zu verknüpfen, die den Leser lange nicht loslassen wird. Er zeigt Schritt für Schritt, fast analytisch, und immer nachvollziehbar, die Gründe auf, die zur Erhebung des Volkes führten.
Noch jung ist sie, die Deutsche Demokratische Republik, der Zweite Weltkrieg mit all seinen Gräueln ist vor gar nicht langer Zeit zu Ende gegangen. Die Menschen könnten aufatmen, in Freiheit weiterleben... Ja, im Westen des geteilten Deutschlands begann tatsächlich eine neue, eine bessere Zeit, die Entbehrungen der Kriegsjahre sind vorüber. Nicht so im sowjetisch besetzten Deutschland! Mangel, Repressalien, Schikane, Bespitzelung sind an der Tagesordnung. Vorsichtig müssen sie sein mit dem was sie sagen und tun, die Werktätigen, Angst ist ihr ständiger Begleiter. Allenthalben herrscht Unsicherheit. Das Volk wird immer unzufriedener....
In der geteilten Stadt Berlin lernen wir Nelly kennen, eine junge Frau, deren Vater kurz nach dem Krieg in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zusammen mit anderen Wissenschaftlern in die UdSSR deportiert wurde. Ein einschneidendes Erlebnis, das Nelly geprägt hat. Sie ist aufmüpfig. Sie unterwirft sich dem sozialistischen System nicht, sie lässt sich ihre Überzeugungen nicht nehmen... Dafür nimmt sie erhebliche Nachteile in Kauf! Dann ist da Wolf, ein junger Uhrmacher, der sich in Nelly verliebt. Er ist Kind des Systems, kann Nellys Handlungen nicht verstehen. Doch - auch er kann über sich hinauswachsen.... Doch noch ein weiterer Mann interessiert sich für Nelly: der schillernde, rätselhafte Ilya, ein junger Russe, der im Dienste Moskaus steht. Welche Verbindung besteht zwischen den beiden? Um diese drei Hauptakteure bewegen sich eine Reihe weiterer Charaktere: Eine adlige alte Russin, die es in den Zwanziger Jahren nach Berlin verschlagen hat. Lotte, eine alleinerziehende Mutter dreier Söhne aus Halle, deren Mann sich in den Westen abgesetzt hat und die unversehens in den Strudel um den Tag X hineingezogen wird. Ihr Vetter, ein junger Doktorand an der Universität Halle und dessen unzufriedene Frau.. Die beiden geraten unfreiwillig in die Demonstrationen der Aufständischen Und schließlich ein Hauptfeldwebel, mit dem die einsame Lotte eine Beziehung eingehen möchte.... Noch einige Nebenfiguren gesellen sich hinzu, die ein für die damalige Zeit repräsentatives Kaleidoskop bilden.
Mit "Der Tag X", spannend wie ein Kriminalroman mit Elementen aus Spionageroman, aus Drama und Tragödie, ist Titus Müller ein wahres Meisterwerk gelungen, das auch sprachlich eine Ausnahmestellung einnimmt. Eine Empfehlung für jeden, der Wert legt auf guten Stil und differenzierte Ausdrucksweise - und natürlich für alle, die ein wichtiges Stück Zeitgeschichte verstehen lernen wollen!
Profile Image for Jos.
210 reviews
August 14, 2024
Starker historischer Roman, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Reale Figuren, an die Realität angelehnte und fiktive Figuren erhellen diesen Abschnitt der Geschichte auf unterhaltsame, häufig aber auch sehr beklemmende Art. Die Erinnerungen stecken in Einweckgläsern, eines der vielen intensiven Bilder in diesem Roman, der einen dankbar macht, im freien Deutschland aufgewachsen zu sein.
Profile Image for Karinak.
192 reviews
January 25, 2023
Dieses Buch war eine Überraschung für mich. Ich hatte es (wahrscheinlich) aufgrund einer positiven Rezension in irgendeinem Podcast oder einer Zeitung auf meine Leseliste gesetzt und es dann vergessen, bis ich es letzten Monat als eins von zwei Büchern von dieser Leseliste gewürfelt habe.
Normalerweise bin ich nicht der größte Fan von Romanen die wahre geschichtliche Gegebenheiten darstellen und dann eine fiktive Geschichte einfügen, insbesondere wenn das ganze auch noch eine Liebesgeschichte ist. Aber dieser Roman hat mich überrascht. Es war ein Teil der deutschen Geschichte von dem ich nicht sehr viel wusste, ich habe also etwas gelernt und der Roman hat sehr gut dargestellt, wie das gesellschaftliche Klima damals war. Insbesondere die Darstellung wie Menschen aus Pflichtbewusstsein, Verpflichtung gegenüber anderen geliebten Menschen oder einfach nur aus Angst um das eigene Leben dazu gedrängt wurden sich am System der Unterdrückung zu beteiligen, hat mich sehr beeindruckt. Auch die Einbettung in den großen geschichtlichen Kontext war sehr gelungen.
Profile Image for Annette Kaiser.
271 reviews2 followers
October 23, 2025
Meine Mutter ist in den Jahren aus dem Osten in den Westen geflogen.
Es gab einige Fakten, die ich noch nicht wusste. Der Roman packt dich …..bis zur letzten Seite spannend.
Unbedingt lesen, wenn dich das OstWest Thema interessiert.
314 reviews11 followers
August 10, 2018
Schauplatz Berlin: Im Jahr 1953 steht Nelly kurz vor dem Abitur, als sie erfährt, dass sie vom Schulbesuch ausgeschlossen wird, wenn sie weiterhin zur Jungen Gemeinde geht. Trotz öffentlicher Bloßstellung, weigert sie sich den Bedingungen nachzugeben. Auch ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei der Bahnhofsmission wird ihr genommen. Das wäre alles leichter zu ertragen, wenn sie ihren Vater nicht so sehr vermissen würde.

Im Jahr 1946 wurde er mitten in der Nacht verschleppt. Nelly und ihre Mutter hätten mitgehen können, aber das konnte die Mutter sich nicht vorstellen. Ihr neuer Lebensgefährte kann Nellys geliebten Vater nicht ersetzen. Mithilfe eines russischen Spions kann Nelly ihrem Vater schreiben. Dieser Mann interessiert sich schon seit Jahren für die schöne Nelly, aber auch Wolf, ein Uhrmacher, möchte könnte sich eine Zukunft mit ihr vorstellen.

Der Leser lernt auch einige Bewohner Halles kennen; eine alleinerziehende Frau, die wegen den knappen Lebensmitteln nur schwer für ihre drei Jungs sorgen kann, ihr Cousin, der zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort ist, und seine Frau, die zu spät erkennt was Liebe ist.

Und am Rande geht es auch um die sowjetische Machtzentrale, die sich nach dem Tod Stalins neu formieren muss. Denn die Entscheidungen hier beeinflussen das tägliche Leben im Osten Deutschlands.

Am 17. Juni 1953 kommt es an mehreren Orten der DDR zu Aufständen und Streiks. Für die Bundesrepublik ist das ein Hinweis auf die Unzufriedenheit der Bürger. Der Feiertag, der an diesem Tag eingeführt wird, soll daran erinnern, dass beide Länder wiedervereinigt werden sollen. In der DDR wird dieser Tag „Tag X“ genannt, um den Eindruck zu vermitteln, die Aufstände wurden von den kapitalistischen Ländern gesteuert.

Dieser Roman hält sich eng an historische Ereignisse, und ist doch spannend und sehr gut lesbar. Die verschiedenen Schicksale lassen den Leser erkennen, wie der Alltag in der DDR aussah, und welche Nöte es gab. Bei der Beschreibung der Aufstände fiebert der Leser mit, denn inzwischen sind ihm diese Personen sehr vertraut. Beeindruckend sind auch die vielen Details, die ein buntes und authentisches Bild der Umgebung im Leser entstehen lassen.

Gut recherchiert und spannend zu lesen! Wer mehr über die DDR und über diesen wichtigen Tag lernen will, sollte unbedingt dieses Buch lesen.
Profile Image for Schneehase.
239 reviews11 followers
March 8, 2017

Inhalt: Frühsommer 1953. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung der DDR wächst. Es mangelt an vielen lebensnotwendigen Dingen wie Nahrung und Wohnraum. Die politische Lage ist instabil.
Über einen Zeitraum von wenigen Wochen um den "Tag X", den 17. Juni 1953, beschreibt der Roman das Schicksal ganz unterschiedlicher Menschen.
Da ist z.B. Lotte, eine berufstätige alleinerziehende Mutter dreier Söhne, die dem täglichen Kampf ums Überleben zu entfliehen sucht und Halt bei dem Offizier Heimeran findet.
Die Schülerin Nelly, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinschaft vom Abitur ausgeschlossen wird.
Wolf, der Nelly liebt, und wegen einer von ihm begangenen Dummheit von der Stasi erpresst wird.
Der russischer Spion Ilja, der ebenfalls in Nelly verliebt ist.
Katharina und Marc, ein junges Ehepaar, das mit seinen eigenen Problemen beschäftigt ist.
Sie alle werden in den Strudel der Ereignisse um den 17. Juni 1953, den Arbeiteraufstand, hineingezogen. Aber nicht nur das Schicksal dieser typischen Bürger der DDR ist Thema das Romans, vor allem die politischen Machenschaften und Intrigen in Berlin und Moskau spielen eine große Rolle.

Meine Meinung: Titus Müller hat mit diesem Roman über ein wichtiges Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte bei mir eine große Wissenslücke geschlossen.
Ich bin einerseits zu jung um den Arbeiteraufstand in der DDR selbst erlebt zu haben, andererseits zu alt, als dass das Thema DDR während meiner Schulzeit im Geschichts-bzw. Politik-Unterricht behandelt wurde.
Somit war für mich vieles neu und unbekannt. Die Fülle an Informationen über die politischen Hintergründe wurde von Titus Müller aber so interessant und mitreißend aufbereitet, dass der Roman an keiner Stelle langweilig wurde. Im Gegenteil. Als Leser wird man regelrecht mit in das politische Chaos hineingezogen und erlebt den "Tag X" hautnah mit.
Da es in diesem Roman eine große Anzahl an Charakteren gibt, fehlte mir phasenweise ein wenig die besonders hervorstechende Identifikationsfigur, aber das hat meinem Lesespaß nur minimal geschmälert.

Fazit: Ein hervorragender recherchierter Roman über den 17. Juni 1953, dem ich noch viele begeisterte Leser wünsche.
Profile Image for Gijs Zandbergen.
1,154 reviews28 followers
September 10, 2018
Ondanks de soms wat melodramatische passages en dialogen toch vier sterren voor deze op ware gebeurtenissen gebaseerde roman. Het is na alle “ostalgie” wel weer eens goed te lezen dat de DDR een vervelende staat was en dat bestuurders, ook die van socialistische origine, gewetenloze en cynische machthebbers kunnen worden.
18 reviews
December 8, 2018
Tolles Thema, mit Stärken und Schwächen, insbesondere fand ich die Schwenks in die große Politik weniger gut.
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