Sie ist das hübscheste, frechste und mutigste Mädchen an den Stränden des Rheins – und sie ist Jüdin. Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Ein beeindruckendes und mitreißendes Zeugnis einer Epoche.
Als Mädchen ist sie im Rhein hinter den Kohleschleppern hergeschwommen. Sie hatte den jungen Männern in Mainz die Köpfe verdreht. Doch als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter. »Das Mädchen im Strom« ist ein ergreifender Roman über das einzigartige Schicksal einer Frau im 20. Jahrhundert.
»Bei meinem Wunsch, die Geschichte Gudrun Samuels weiter zu erforschen, trieb mich vor allem folgende Frage an: Wie bewahrte sie ihre Selbstachtung, obwohl sie so lange der Willkür anderer ausgeliefert war?« Sabine Bode
Mainz in den 1930er Jahren: Gudrun Samuel ist ein ganz normales Mädchen mit vielen Träumen und Wünschen, und sie ist Jüdin.
In diesem Buch wird ihre Lebensgeschichte erzählt. Ihre Kindheit, die erste große Liebe, ihre Flucht vor den Nazis, ihr neues Leben außerhalb von Deutschland,...
Wir begleiten Gudrun bis in die 1970er Jahre und nehmen teil an ihrem Leben. Dieses Leben ist sehr beeindruckend und alles andere als leicht. Immer wieder muss Gudrun sich etwas Neues aufbauen und Verluste verarbeiten.
Mir hat dieser Roman sehr gefallen. Eigentlich ist das fast ein wenig verwunderlich, denn ich konnte mich nicht wirklich in Gudrun hineinfühlen. Sie blieb mir immer fern, ihre Gefühle blieben mir oft verborgen. Auch war Gudrun mir nicht immer wirklich sympathisch. Und doch hat mich ihre Geschichte fesseln können.
Es war spannend zu lesen, welche Wendungen Gudruns Leben genommen hat. Auch hat es mir gefallen, dass wir sie tatsächlich ein Leben lang begleiten konnten - von ihrer Kindheit bis ins Rentenalter.
Ich lese sehr gerne Geschichten, die das Leben vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg beschreiben. Da die Hauptprotagonistin hier Jüdin ist, ist es natürlich eine sehr tragische Geschichte. Vielleicht war es daher tatsächlich gut, dass Gudrun mir nicht so nahe kam beim Lesen. So hat mich die Geschichte zwar natürlich betroffen gemacht, konnte mich aber nicht wirklich tief berühren, wie das schon andere Romane geschafft haben.
An den Schreibstil der Autorin musste ich mich anfangs gewöhnen, doch ging das eigentlich recht schnell. Ungewöhnlich ist hier, dass bei der direkten Rede die entsprechende Zeichensetzung fehlt.
Mein Fazit: Insgesamt gesehen hat mir das Buch sehr gut gefallen. Langeweile hatte ich beim Lesen nie. Obwohl die Hauptprotagonistin mir nicht ans Herz wachsen konnte, hat mich ihre Geschichte doch gefesselt.
Wilhelm Samuel, Besitzer einer Kette von Schuhgeschäften, ist in erster Linie Deutscher und Patriot; dass er als Nachkomme polnischer Schtetl-Juden auch Jude ist, empfindet er eher als Zufall. Orthodoxes Judentum ist ihm peinlich und dennoch zieht die Mainzer Familie privat eine feine Linie und ist hauptsächlich mit Juden befreundet. Anders als in Berlin muss es in den 30ern des vorigen Jahrhunderts in Mainz weniger oder weniger öffentlich sichtbare Juden gegeben haben. Gudrun Samuel (* 1920/21) interessiert sich als Kind nur für Sport und würde am liebsten Akrobatin werden. Mit 12 schwimmt sie als geübte Schwimmerin im Fluss und macht sich einen Spaß daraus, sich im Strom an Schleppkähnen hochzuziehen und ein Stück mitnehmen zu lassen. Wie auch die Persönlichkeit ihres älteren Bruders Ralph weicht Gudruns für die damalige Zeit höchst eigenwillige Entwicklung weit von den Träumen ab, die ihre bürgerlichen Eltern für ihre Kinder hatten. Mit 13 raucht Gudrun regelmäßig und verliebt sich in Martin, einen einige Jahre älteren Jungen aus armer katholischer Familie - eine für die Eltern unakzeptable Verbindung für eine Tochter, die einmal eine gute Partie sein wird. Für die Moralvorstellungen jener Zeit reichlich unrealistisch, treffen die jungen Leute sich regelmäßig. Ralph verkehrt bei Samuels und stellt sich in der Schule sogar als Gudruns Freund vor, der ihre umfangreichen Wissenslücken füllen möchte.
Während Ralph das Glück hat, in Argentinien einen Ausbildungsplatz bei einem befreundeten Unternehmer zu finden und Freundin Margot die Ausreise in die USA gelingt, wird Gudrun in Deutschland aus der Schule ausgeschlossen, ihre Beziehung zu Martin gilt fortan als strafbare Rassenschande. Gudruns Versuch vor den Nazis zu emigrieren, endet nach einigen Umwegen in der Emigration in Shanghai. Aus Gudrun wird Judy, die ihren Bezug zum Sport inzwischen als Physiotherapeutin/damals Krankengymnastin nutzen kann. Jahre nach Kriegsende findet sich Judy in London wieder. Mit dem Wissen, dass Sabine Bode renommierte Autorin von Sachbüchern ist über die Auswirkung des Kriegs- und NS-Traumas auf die folgenden Generationen, ahnt man bald, dass Judy und Margot als Verfolgte des Naziregimes noch lange nicht mit ihrer Vergangenheit abschließen können. Ein langer Weg liegt noch vor den inzwischen 40-jährigen Frauen, die sich als „hilflose Helfer“ beide bisher nur um ihre Patienten gesorgt haben.
Sabine Bodes Roman besteht aus drei Teilen, Gudruns Jugend, die Jahre in Shanghai und die Bearbeitung ihres Traumas. Im ersten Abschnitt konnte ich mich mit Gudrun überhaupt nicht identifizieren, weil sie in der prägenden Zeit der Pubertät keine Entwicklung durchmacht. Ob sie 12 oder 18 ist, macht in ihrer Sicht der Dinge keinen Unterschied. Die Laissez-Faire-Haltung ihrer Eltern gegenüber einer frei herumstreunenden Tochter (!), die sich mit ihrem Freund trifft, finde ich für die damalige Zeit völlig unrealistisch. Zahlreiche Zeitzeugen aus Gudruns Generation, die ich gekannt habe, würden vehement bestreiten, dass Gudruns Verhalten möglich gewesen wäre, ohne dass es in der Familie oder in der Schule gehörig gekracht hätte. Der mittlere Teil wirkt auf mich eher als Dokumentation. Das liegt möglicherweise daran, dass Ursula Krechel das Thema Exil in Shanghai bereits erstklassig recherchiert und umfassend dargestellt hat. Der letzte Teil führt zu Sabine Bodes Herzensthema zurück, der Traumatisierung einer ganzen Generation. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Sabine Bode Roman als Genre wenig liegt und sie mit den Mitteln der Reportage bei mir keine Identifikation mit der Hauptfigur erreichen konnte. Hätte ich die Wahl, würde ich immer wieder zu Krechels Shanghai fern von wo greifen.
Inhalt: Sabine Bode erzählt in ihrem Roman die Lebensgeschichte von Gudrun Samuel, Tochter einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie aus Mainz. Ihre Kindheit in den zwanziger- und frühen dreißiger Jahren verläuft unspektakulär, doch als Teenager bekommt sie die Härte des damaligen Regimes zu spüren. Sie muss die Schule verlassen, ihre erste große Liebe in der Öffentlichkeit verheimlichen, wird inhaftiert und kann im letzten Moment Deutschland verlassen. Doch in ihrer neuen Heimat steht sie vor dem Nichts, muss sich immer wieder alles neu arbeiten und viele Verluste und Enttäuschungen verkraften.
Meine Meinung: Durch die spröde und eher sachliche Erzählweise der Autorin baute sich eine ungewöhnliche Distanz zu den Personen, vor allem aber zu Gudrun, auf. Doch interessanterweise habe ich das nicht als störend empfunden, sondern es hat es mir leichter gemacht Gudruns schwere Lebensgeschichte zu verfolgen. Gudrun war mir nicht immer sympathisch, aber sie ist eine Kämpfernatur, die alle ihre Chancen genutzt hat und auch selber um ihre dunklen Seiten weiß. Sie ist eine junge Frau mit guten und schlechten Eigenschaften und keine Heilige. Das wird vor allem im Mittelteil des Romans deutlich. Sehr berührt hat mich allerdings der Briefkontakt zwischen Gudrun und ihrer Jugendfreundin Margot, der nie ganz abriss und der vor allem das letzte Drittel des Buches aufwertet. Er stellt anschaulich dar, dass das Trauma der Überlebenden auch Jahrzehnte nach Kriegsende noch andauert.
Fazit: Man muss sich auf die distanzierte Erzählweise des Romans einlassen, dann erwartet den Leser ein interessanter Roman über ein ungewöhnliches Schicksal. Mir hat dieses Buch gut gefallen und ich kann es jedem geschichtlich interessierten Leser empfehlen.
"Es hatte eine Zeit vor dem Krieg gegeben, und nun gab es eine Zeit nach dem Krieg. Auch wer ihn ohne Schaden überstanden hatte, würde ihn künftig in sich tragen.“ ( S. 200) fasst die Jüdin Gudrun Samuel noch keine 30 Jahre alt emotionslos und sehr treffend ihre Situation zusammen.
Gudrun, die Protagonistin des Debutromans "Das Mädchen im Strom" von Sabine Bode verlebt als Tochter eines wohlhabenden Mainzer Kaufmannes, der nur dem Nachnamen und einem entfernten Hautfetzen im Intimbereich nach noch Jude war, und seiner wohlmeinenden Ehefrau, deren Jüdischsein sich auf seltene Synagogenbesuche beschränkt, eine unbeschwerte Kindheit. Wilhelm Samuel, dieser assimilierte Jude, dessen Liebe zu Deutschland so weit geht, dass er, den die geerbten Schuhhäuser einen großbürgerlichen Lebensstil mit Personal, Familienferien in der Schweiz und zahlreichen Geliebten ermöglicht, sein lautlos in der Schweiz verwahrtes Vermögen von seiner Ehefrau höchstselbst zur Unterstützung der Zentrumspartei heim ins Reich schmuggeln lässt.
Als junges Mädchen ist sie wild, unkonventionell und mutig. Ein Teenager, der wenig Sinn für die Schule hat, lieber im Strandbad rauchte, den Kohleschleppern auf dem Rhein hinterher schwimmt, oder mit ihrer besten Freundin Margot und deren Rauhaardackel Schnecke die Aufmerksamkeit der Jungs auf sich lenkt. So verliebt sie sich dann auch prompt in den drei Jahre älteren Katholiken Martin. Sohn eines Juristen ohne Ehrgeiz, verheiratet mit einer Ehefrau mit Hitlerportrait über dem Klavier. Eine erste Liebe, die anfangs nur den Elternhäusern nicht genehm ist, dann aber zur "Rassenschande" erklärt, lebensgefährlich für beide ist. Doch sie überlebt.
Wenige Jahre später als Wilhelm nicht mehr leugnen kann, dass ihn auch sein Kaiservorname nicht deutsch genug macht, wird Gudrun verhaftet, monatelang, fast täglich von einem perfiden Gestapo Mitarbeiter verhört, der, ihr zugetan, Einfluss auf ihre Haftbedingungen nimmt, und mit ihr zusammen Faust deklamiert. Dann folgen Monate im Frauengefängnis in Mainz, auch dort überlebt sie. Nach der Haftentlassung reist sie alleine, gerade 21 Jahre alt, über Moskau mit der Transsibirischen Eisenbahn gen Schanghai. Das Paris Asiens, der einzige Ort, der Flüchtlinge wie sie noch aufnimmt. Die chinesische Stadt ist von Japanern besetzt, überfüllt von Geschäftsleuten in Goldgräberstimmung aus aller Herren Länder und seit Ende der 30er die Grenzen des Westens immer unüberwindbarer wurden, Auffangbecken derer, die keine andere Wahl mehr haben.
Doch Gudrun gelingt es sich auch hier sich den Gegebenheiten anzupassen. Tatkräftig und willensstark wie sie ist, baut sie sich ein eigenes Leben auf. Sie hat Freunde, eröffnet eine Praxis für Krankengymnastik und Massage, hat Liebhaber und versucht ihre mittlerweile verwitwete Mutter nachzuholen. Sie überlebt. Nur wenige Jahre später erweisen sich die Japaner als willfährige Gehilfen des großen Bruder im Geiste, Hitler Deutschland, und die Ärmsten der Armen der chinesischen Bevölkerung und die unliebsamen Immigranten werden in einem viel zu kleinen, hinfälligen, abgesperrten, Bezirk, Hongkew, zusammen gepfercht. Auch hier überlebt Gudrun, wenn dazu auch eine Zweckehe und viel Kraft und Geschäftssinn notwendig sind.
Als die Amerikaner endlich das Lager öffnen, ist sie zwar frei, aber erfährt auch, dass ihre Mutter in einem Konzentrationslager umgebracht wurde, ihre Großmutter und ihr Vater sich der Deportation mit Zyankali entzogen haben, ihre erste große Liebe gefallen ist und sie als Staatenlose entweder nach Deutschland zurück oder aber in China bleiben muss.
Wieder überwindet Gudrun die äußerlichen Hindernisse, geht nach Macau, heiratet dort für wenige Monate einen norwegischen Kapitän, und mit dem wertvollen, norwegischen Pass, verschlägt es sie über die Philippinen nach London. Dort beginnt sie ein weiteres Mal ganz von vorne, aber nun verlangen das Erlebte, die ständige Bedrohung, das Gefühl des Ausgeliefertseins, die Verluste ihrer Liebsten, all die traumatischen Erlebnisse des Exodus ihr Recht. Wie ein Springteufel aus der Kiste, in die sie all das gestopfte hatte, um zu überleben, kommen die so lange verdrängten Gefühle und legen sich wie eine schwarze Wolke über sie.
Doch auch diesen Kampf stellt sie sich. Mit Hilfe ihres dritten Ehemannes, einem schon während des Krieges nicht abreißenden Briefwechsels mit ihrer Schulfreundin Margot, die noch rechtzeitig mit ihrer Familie in die USA geflohenen ist, einigen Therapien und der direkten Konfrontation mit Menschen und Orten ihrer Vergangenheit vor Ort in Nachkriegsdeutschland. Anders als ihre Freundin, ihr Mann und viele jüdische Freunde, die keinen Fuß auf den verhassten deutschen Boden setzen wollen.
Dem belletristischen Erstling der Kölner Journalistin und erfolgreiche Sachbuchautorin zum Thema Traumata und Spätfolgen des Krieges liegt die Lebensgeschichte der Mainzerin Gertrude Meyer-Jörgensen zugrunde, die 80 jährig von Bode vor 17 Jahren mehrmals interviewt wurde und 2011 mit 93 Jahren starb.
Bode hat sich bewusst für die fiktionalisierte, für die Romanform entscheiden, weil „Beim Lesen eines Romans verbinden und verbünden wir uns auf Zeit mit der Hauptperson. Wir zittern mit ihr, wir verlieben uns mit ihr, oder wir fühlen uns gedemütigt, denken über Rache nach. Und womöglich bringt es Saiten in uns in Schwingung, die wir lange oder vielleicht noch nie wahrgenommen haben.“
Ich glaube nicht das die Fiktionalisierung eines Stoffes automatisch zu einer emotionalen Verbindung von Leser und Romanfigur führt, dass ist meiner Meinung nach auch gar nicht ihr Ziel. Genauso wenig ist Fiktionalisierung notwendig, um eine solche emotionale Verbindung herzustellen. Das kann auch ein Interview oder eine Biografie erreichen.
Für mich ist das Buch eine berührende Lebensgeschichte, spannend nacherzählt, aber das reicht nicht. Mir ist die Erzählung zu wenig literarisch, mir fehlt es am bewussten Einsatz sprachlicher Mittel, an der Fabulierlust der Autorin.
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Kann man lesen, muss man aber nicht. Zu dem Thema gibt es meiner Meinung nach noch bessere Bücher, die einen mehr in den Bann ziehen und deren Geschichte länger hängen bleibt.
„Es hatte eine Zeit vor dem Krieg gegeben, und nun gab es eine Zeit nach dem Krieg. Auch wer ihn ohne Schaden überstanden hatte, würde ihn künftig in sich tragen.“ S. 200
„Ein anständiger Deutscher lässt sein Geld im Land“ S. 12 – der semmelblonde Wilhelm Samuel will als Patriot Reichskanzler Brüning unterstützen und holt sein Vermögen aus der Schweiz. Er führt die von der Mutter gegründeten Schuhgeschäfte in Wiesbaden, bietet der Familie ein gediegenes Leben, für Töchterchen Gudrun wird eine Kinderfrau beschäftigt. Die schafft es, klarzustellen, dass Gudrun charakterstark ist, nicht etwa widerborstig. Aus dem pummeligen Kind wird 13-jährig eine schlanke Schönheit, die im Strandbad schwimmt, raucht, kopfüber in die Fluten springt vom Sprungbrett und auf Schlepperschiffe im Rhein klettert.
Sie und der 3 Jahre ältere Martin verlieben sich ineinander: „Gudrunundmartin, die sind ja schlimmer wie ein Ehepaar, hieß es im schönsten Mainzer Komparativ.“ S. 28 Mainz ist noch katholisch, „beim Gottesdienst im Dom waren Mitglieder der NSDAP von den Sakramenten ausgeschlossen“ S. 24 Doch Gudruns Vater verliert bald seine Geschäfte, die Familie die Wohnung, Gudrun muss die Schule verlassen. Durch Martins Familie geht ein Riss – Mutter und einer der älteren Brüder sind glühende Verehrer Hitlers. Die Liebenden treffen sich weiter, heimlich. „Sie redeten nicht über Gefahr, nicht über Rassenschande und Zuchthaus. Aber sie sprachen auch nicht mehr von einer gemeinsamen Zukunft. Früher einmal hatten sie sich gegenseitig ihre Kinderfotos gezeigt und sich vorzustellen versucht, wie ihre eigenen Kinder aussehen würden.“ S. 61 Der Friseur des Vaters, Parteimitglied der ersten Tage, und die Kioskbesitzerin im Viertel werden zu Vertrauten, später Helfern.
Das Leben einer realen Person wird hier nacherzählt, das der Gertrude Meyer-Jörgensen, geboren am 29. Juli 1918 als Gertrude Salomon in Mainz. Die Eltern sind Juden, leben den Glauben aber nicht aktiv. Der Vater ist wohlhabend, es ist eine gediegene Kindheit. Es existiert ein leider unvollständiges Interview in bescheidener Qualität, das dennoch den eindeutigen Bezug zum Roman sehr klar macht, auf Youtube aus dem ZDF https://www.youtube.com/watch?v=B3agP... . Man muss sich den Bezug zum realen Leben wirklich mehrfach verdeutlichen, weil es einfach so eine unglaubliche Geschichte ist, gleichzeitig aber die Lebensbedinungen sehr bildhaft und differenziert dargestellt werden. Das Überleben des jungen Mädchens, ich bleibe jetzt bei dem Buchnamen, wurde möglich, indem Gudrun über die Sowjetunion nach Shanghai reiste. Mir waren bis dahin diese Möglichkeit und die Existenz des jüdischen Ghettos in Shanghai unbekannt – der Krieg erreicht die Flüchtlinge aber auch in der Ferne.
Sabine Bode hat bislang Sachbücher geschrieben, schafft es aber problemlos, ihren ersten Roman sowohl faktenreich als auch fesselnd zu gestalten. Es gibt im Leben der jungen Frau die, die nehmen – und jene, die teils völlig uneigennützig und unerwartet geben und helfen. Und es gibt vor allem diese fast ungebrochene Energie von ihr, anzupacken und sich quasi an der eigenen Kurzhaar-Frisur aus dem Dreck zu ziehen, weiterzumachen. Es existiert das späte Interview mit der Überlebenden, das Ende ist also „keine Überraschung“ – spannend ist, was sie antrieb, mit welchen Widersprüchen sie sich auch speziell nach Kriegsende auseinandersetzen musste. Gerade ihre ersten Reisen nach Mainz nach dem Krieg waren unter anderen Überlebenden nicht unumstritten, erste Treffen mit früheren Bekannten sind durchaus zwiespältig: da wird Gudrun im zerstörten Mainz der Nachkriegsjahre von alten Klassenkameradinnen als Gewinnerin empfunden, weil sie inzwischen in London lebt.
Ein starkes Buch mit einer starken Heldin und eindrucksvollen Bildern, die der Text im Kopf entstehen lässt.
Gudrun entstammt einer guten Familie, die jedoch jüdisch ist. Das hat für sie nie eine Rolle gespielt, doch das Naziregime in Deutschland stellt ihr ganzes Leben auf den Kopf und aus einem eigentlich so normalen Leben einer Jugendlichen wird ein Leben auf Flucht und voller Gefahren.
„Dass er Jude war, empfand er als eine eher zufällige Zugehörigkeit, die sein Herz nicht berührte. Er war Deutscher!"S. 17
Das Cover war der Grund dafür, dass ich das Buch unbedingt lesen wollte, irgendwie hat es mich einfach angesprochen. Zu sehen ist auf einem Schwarz-Weiß-Bild ein Mädchen, das über eine Reling oder ähnliches aufs Wasser schaut. Es wirkt ansprechend und gleichzeitig interesseweckend. Der altrosane Rahmen um das Bild gibt dem Cover das gewisse Etwas. Cover und Titel finde ich sehr gut gewählt und hat auf jeden Fall Wiedererkennungswert. Das Buch ist mir zum ersten Mal auf der Leipziger Buchmesse aufgefallen. Aus irgendeinem Grund hat es mich sofort neugierig gemacht und ich wollte es unbedingt lesen. Daher kam es gerade recht, dass NetGalley und Klett-Cotta Rezensenten gesucht haben - vielen Dank für die Bereitstellung des eBooks! Entgegen meiner normalen Lesegeschwindigkeit habe ich für dieses Buch ewig gebraucht. Fast ein Jahr. Weil ich es immer wieder weggelegt habe, eine Pause brauchte und es irgendwann erneut versucht habe. Und doch gescheitert bin, denn fertig gelesen habe ich es auch nicht. Aber dazu später mehr.
„Nach dem Abendessen im Speisewagen wurde Gudrun Müde. In den folgenden Stunden schlief sie. Spät in der Nacht erreichten sie Mainz. Wilhelm Samuel holte sie ab.."S. 10
Der Schreibstil der Autorin ist extrem gewöhnungsbedürftig. Wörtliche Rede steht nicht in Anführungszeichen, sondern wird einfach mitten im Text dazu geschrieben. Das war für mich extrem verwirrend, da ich mir manchmal nicht ganz sicher war, was jetzt wirklich gesagt wurde, und was eben nicht. Die Sätze sind unglaublich kurz und knapp und bestehen meist nur aus Hauptsätzen, die aneinander gereiht werden. Außerdem ist die Sprache sehr distanziert, trocken und völlig emotionslos. Das hat eine große Distanz zwischen der Protagonistin und mir geschaffen und ich konnte mich so überhaupt nicht in das Buch einfinden. Das ganze Buch ähnelt eher einem Sachbuch als einem Roman - nur eben dass es die Figuren nicht wirklich gab. Ich habe schon sehr viele Bücher - sowohl Sachbücher, als auch Biografien oder Romane - zum Thema 2. Weltkrieg gelesen und habe daher durchaus einen recht guten Überblick darüber, wie man das Thema aufarbeiten kann. Doch was hier als Roman deklariert wird, konnte mich leider nur auf ganzer Linie enttäuschen. Die Erzählweise ist so sachlich und emotionslos, dass es für mich innerhalb kürzester Zeit langweilig wurde. Mit der Protagonistin konnte ich keine Beziehung aufbauen, da ich mit ihren Charakterzügen nicht gut klarkam und auch die Erzählweise nicht für Nähe sorgt. Manches erscheint einem eher wie ein Zeitungsartikel, so neutral, kühl und oberflächlich, dass selbst die schlimmsten Tragödien mich irgendwie nicht berühren konnten - und das ist definitiv ungewöhnlich für mich! Das Buch war für mich leider eine reine Qual, ich quälte mich von Seite zu Seite, es zog sich immer mehr in die Länge - und irgendwann gab ich auf. Ich bin mir nicht sicher, ob ich jemals zuvor ein Buch abgebrochen habe, ohne es zu Ende zu lesen, ich kann mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Das Buch ist sicherlich gut recherchiert und das Thema interessiert mich schon seit Kindertagen, doch mit der distanzierten und neutralen Erzählweise, der unsympathischen Protagonistin und dem schwer zu lesenden Schreibstil kam ich einfach nicht klar. Für mich war dieses Buch leider völlig unzugänglich, verkrampfte Dialoge werden mit der Dramatik eines Zeitungsberichts abgehandelt und das Thema wird völlig lieblos und emotionslos dargestellt.
„Egal, sie war 21 Jahre alt, das richtige Alter, um endlich die Freiheit zu genießen, in Shanghai oder anderswo! Wenn schon kein sicheres Leben, dann wenigstens ein Aufregendes."S. 120
Fazit
Leider konnte mich Das Mädchen im Strom überhaupt nicht faszinieren. Die lustlose, lieblose, emotionslose und distanzierte Erzählweise verhindert leider jegliche Beziehung zur Protagonistin, die meines Erachtens nach sehr viele schlechte Charaktereigenschaften hat und daher sowieso schon unsympathisch ist. Wörtliche Rede wird völlig ohne Anführungszeichen geschrieben, was sehr verwirrend ist und den Lesefluss sehr stört. Ich konnte das Buch, das sich so zäh zog wie ein Kaugummi, nicht einmal zu Ende lesen, weil es irgendwann einfach nur zu einer Qual wurde - und das passiert mir sonst nie. Daher kann ich dem Buch leider nur einen Punkt geben... Und das, obwohl ich das Buch doch so sehr mögen wollte!
Gudrun ist die Tochter des wohlhabenden Kaufmanns Wilhelm Samuel und wächst in den 1920er und Anfang der 30er Jahre behütet in Mainz auf. Als Mädchen ist sie ein echter Wildfang, verdreht den Jungs den Kopf, raucht und schwimmt im Rhein den Schleppkähnen hinterher... Doch als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen, muss sie als Jüdin schon bald ihre Schule verlassen und ihr Vater verliert nicht nur seine Verdienstgrundlage, sondern auch die Wohnung der Familie. Als Gudrun ihre Liebe, den drei Jahre älteren Martin, dessen Mutter und Bruder glühende Anhänger Hitlers sind, nur noch heimlich treffen kann, versucht sie, mit gefälschten Papieren das Land zu verlassen. Doch die junge Frau wird gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Gudrun kann quasi im letzten Moment entkommen und flüchtet als Judy unter anderem mit der Transsibirischen Eisenbahn und lebt eine Zeit lang im jüdischen Ghetto von Shanghai. Gudrun überlebt den Krieg und die Verfolgung - dennoch ist und bleibt es eine wahre Odyssee, bei der sie diverse Schicksalsschläge wegstecken muss...
Von Sabine Bode kenne ich zwei der Sachbücher, die sich mit den Kriegskindern bzw. Kriegsenkeln beschäftigen - in meinen Augen großartige Bücher, da sie Teilen einer Generation eine Stimme gegeben haben, die sich bis dato vor allem in Schweigen geübt haben. Daher war es für mich klar, dass ich den neuen Roman der Journalistin und Sachbuchautorin lesen möchte!
Leider kommt "Das Mädchen im Strom" in meinen Augen nicht an die bisherige Leistung Bodes heran: ohne Frage erzählt die Autorin hier von einem bewegenden Leben und hat sich dabei an realen Schauplätzen (wie Shanghai) orientiert, über die bislang noch nicht viel zu lesen war. All die Fakten, die Bode schildert, und ihr Können, sehr authentisch einen Leidensweg stellvertretend für den von Millionen von Verfolgten zu erzählen, habe ich auf keiner Seite in Frage gestellt. Sabine Bode weiß, wovon sie schreibt. Für mich war es die Art und Weise, wie sie von alldem erzählt, die mir nicht wirklich zugesagt hat. Für mich war die Geschichte zu oberflächlich, ja, zu distanziert erzählt. Ich muss eine Hauptfigur nicht sympathisch finden, aber Gudrun ist eine bemerkenswerte Kämpfernatur, die in meinen Augen mehr Nähe verdient hätte. So ist es weniger die Geschichte an sich als vor allem der Briefkontakt Gudruns mit ihrer früheren besten Freundin Margot, der den spröden Blickwinkel auf die wichtigste Protagonistin aufweicht. Er zeigt vor allem, mit welchen Schrecken die Überlebenden ihr ganzes Leben zu kämpfen hatten. Das Erlebte, all die Grausamkeiten, prägen den Rest des Lebens - das wird hier ganz deutlich.
Fazit: Die Grundlage des Romanes ist bemerkenswert, die Lebensgeschichte der Gudrun Samuel bewegend. Doch die Umsetzung als Roman lässt leider etwas zu wünschen übrig. Zu distanziert, zu spröde wird hier erzählt - so dass ich mich nicht nur einmal gefragt habe, ob nicht ein Sachbuch richtiger gewesen wäre. Für alle LeserInnen, die sich für das Thema interessieren, kann ich das Buch dennoch empfehlen.
German Audiobook--story of a Jewish girl who falls in love with an "Aryan" boy. They have to hide their feelings. When things get worse, he goes off to Berlin; after she spends some time in jail, her mother manages to get her out of the country--but has to go to to Shanghai instead of the US or South America. It's about her life there and how she manages to someday return to Germany. Part of it is a letter exchange with her best friend who was able to get to California.
Die Geschichte der Gudrun Samuel ist die Geschichte einer ganzen Generation junger Frauen, die die Naziherrschaft und der Krieg zur Flucht gezwungen haben. Ein beeindruckendes und mitreißendes Zeugnis einer Epoche.
Als Mädchen ist sie im Rhein hinter den Kohleschleppern hergeschwommen. Sie hatte den jungen Männern in Mainz die Köpfe verdreht. Doch als die Nazis an die Macht kommen und die junge Jüdin Gudrun Samuel sich entscheidet, mit gefälschten Papieren Deutschland zu verlassen, wird sie gefasst und kommt in Gestapo-Haft. Ihr gelingt die Flucht, aber sie ist nun nicht mehr das Mainzer Mädchen Gudrun, sondern die Flüchtende Judy: in der transsibirischen Eisenbahn und im Judenghetto von Shanghai. Sie überlebt den Krieg, doch die Odyssee geht weiter. »Das Mädchen im Strom« ist ein ergreifender Roman über das einzigartige Schicksal einer Frau im 20. Jahrhundert.
Sabine Bode erzählt in „Das Mädchen im Strom“ die Lebensgeschichte von Gudrun Samuel, einer Mainzer Jüdin. Die Geschichte beginnt mit der Beschreibung von Gudruns bürgerlichem Leben als junge Frau in Mainz vor der Machtübernahme durch Hitler, wendet sich dann ihrer Fluchtgeschichte zu und zeigt anschließend Gudruns Leben in der Nachkriegszeit.
Das Buch erzählt die Geschichte von Schicksalen jüdischer Flüchtlinge zu Ende, anstatt mit Kriegsende aufzuhören. Bode zeigt eindrucksvoll auf, wie Flucht Menschen heimatlos macht und wie die persönlichen Schicksale das Leben der Protagonisten beeinflusst haben – selbst dann, wenn der Horror und die Angst der Verfolgung aufhörten.
Ich fand zudem Gudruns Exilgeschichte in Shanghai interessant. Die Verhältnisse der Flüchtlinge in Shanghai und deren persönliche Beobachtung des Weltkrieges im Asien-Pazifik-Raum sind im Buch gut geschildert. Bis ich vor einigen Jahren das erste Mal das erst 2012 eröffnete, jüdische Flüchtlingsmuseum in Shanghai besucht hatte, war mir nicht bewusst, dass es in China eine signifikante jüdische Exilgemeinde gab.
Bodes Schreibstil ist neutral, beschreibend – teilweise dokumentarisch. An vielen Stellen bettet sie zudem Briefe ein. Aus meiner Sicht trifft die Autorin damit den Ton, der der zu Gudrun und ihrer Lebensgeschichte passt.
Der Schreibstil der Autorin war für mich zuerst gewöhnungsbedürftig. Das Ganze las sich stellenweise wie ein (ausführliches) Drehbuch. Mir wurde schnell klar, dass die Geschichte nicht erfunden sein konnte und tatsächlich erwies sich nach kurzer Internetrecherche, dass es sich bei der Heldin um Gertrud Meyer-Jorgensen handelt. Es gibt auch ein Video auf Youtube. Schade, dass die Autorin, dies an keiner Stelle irgendwo erwähnt hat. Die vorgenommenen Änderungen sind aus meiner Sicht geringfügig, daher wäre ein Verweis aus meiner Sicht hilfreich und angemessen gewesen. Trotzdem 4 Sterne für viele Detailinformationen.
Ein beeindruckender Roman, klar geschrieben. lesbar und ein bisschen anders mit einer heldin , die eigentlich immer wieder einstecken muss. Stellenweise wundert man sich sehr über das Schicksal der Gudrun, wie zbsp. bei der Heirat mit dem norwegischen Kapitän; dieses fügt sich aber in das komplette Bild ein später. Man lernt auch viele Fakten aus dieser dunklen Geschichtsphase, die nicht so bekannt sind: das Shanghai Ghetto.
Mal etwas ganz anderes, als was ich sonst lese, aber der Klappentext war irgendwie interessant. Und wieso nicht mal aus der Komfortzone raus?
Letztlich hat mich die Geschichte nicht 100% gefesselt, aber dennoch teilweise sehr berührt. Unfassbar auch die Grausamkeit, zu der Menschen fähig waren (und heute noch sind), und gleichzeitig die Kraft des Überlebenswillens!
Dies ist die Geschichte einer jungen Frau, die 1920 in Mainz zur Welt kam und die das “Pech” hatte, die Tochter eines jüdischen Schuhhändler zu sein. Gudrun ist eine lebenslustige und mutige junge Frau, die durch den Fluss schwimmt, um sich an den Schleppkähnen hoch zu ziehen und sich zu sonnen. Natürlich bekommt sie für solche Eskapaden Ärger. Das macht ihr aber nichts und sie lässt sich bald andere Dummheiten einfallen. Als Hitler an die Macht kommt und Deutschland seine Juden einsperrt und vertreibt, flüchtet Gudrun, nachdem sie mehrere Haftstrafen verbüßt hat und sich mit der SS auseinander setze, nach Shanghai.
Das Buch erzählt Gudruns Lebensgeschichte, die immer wieder “glückliche Fügungen” nahm. Gudrun scheint immer an die richtigen Menschen zu geraten zu sein. Stets war einer dabei, der das Mädchen durch Widrigkeiten schiebt und es ihr verhältnismäßig leicht macht. Nicht, daß es wirklich leicht war! Denn auch sie macht die Erfahrung, in einem Gefängnis zu sitzen oder in den Elendsvierteln von Shanghai.
Was ich gut fand: Etwas über das Leben der Geflüchteten zu erfahren. Wie es Ihnen in den fremden Ländern, zwischen all den abweisenden Einwohnern, erging. Welche Erfahrungen die Menschen auf der Flucht vor den Nazis machten und welches Elend sie erlebten.. Außerdem gefiel mir, dass Gudrun eine beste Freundin hatte, die etwas mehr “Glück” hatte und nach Amerika ausgewandert ist. Die beiden Frauen schrieben sich über die gesamte Zeit ihres Lebens Briefe, die wir mitlesen durften.
Was mir an dem Buch nicht gefallen hat: Wie die Geschichte erzählt wird. Irgendwie liest es sich wie eine Zusammenfassung, weniger als ein Roman. Ich fand die Story gut, aber die Umsetzung doch sehr abgehackt und ruppig. Irgendwie unrund. Gespräche der Protagonisten lesen sich, wie mitgeschnitten und wahllos zusammengesetzt. Manchmal wusste ich nicht, welche Figur gerade diesen einen Satz gesagt hatte und versuchte es mir zusammen zu reimen. Das störte den Lesefluss doch sehr. Fast emotionslos wird die Geschichte herunter gerattert, als blieben Gudruns Gefühle völlig auf der Strecke, als wäre Gudrun eine dumme Pute, die einfach nur Glück hatte. Schade, mit ein wenig mehr Gefühl, wäre es ein gutes Buch geworden. Am Ende, auf den letzten Seiten, durfte man dann endlich einen Blick in das Gefühlsleben der Protagonistin wagen. Erst auf den letzten 50 Seiten, habe ich mich mit dem Schreibstil angefreundet. Dann freundete ich mich mit dem Charakter der Hauptdarstellerin an und verstand die ruppige Art, in der Sabine Bode, die Autorin, das Buch verfasst hat. Nach dem Klappentext habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut und war dann etwas ernüchtert, als ich dieses Buch las.
Sabine Bode hat schon einige Bücher über seelischen Kriegsfolgen geschrieben. Ihre Bücher waren allesamt Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
Die Lebensgeschichte eines starken, manchmal naiven jüdischen Mädchens, das mit viel Glück im letzten Moment vor den Nazis fliehen kann und mit der Zeit zu einer starken, manchmal naiven, gelegentlich depressiven sympathischen Frau heranwächst. Ich bin beeindruckt.