Aufregend, wenn die Eltern auf der Flucht vor der Polizei ihre Kinder mitschleppen. Aber für die drei Geschwister verwandelt sich das Abenteuer bald in einen Albtraum. Ihre Odyssee führt sie quer durch Europa. Ein Roman wie ein Roadmovie. Eine ebenso tragische wie komische Familiengeschichte. Vater, Mutter und drei Kinder in der pfälzischen Provinz der Achtzigerjahre. Der Autoverkäufer Jürgen und seine Frau Jutta sind verschuldet, aber glücklich. Als auf einmal das »große Geld« da ist, wandert die Familie fluchtartig nach Südfrankreich aus. Dort leben vor allem die drei Geschwister wie im Paradies, doch die Eltern benehmen sich immer seltsamer – bis ein Zufall enthüllt, dass der Vater ein Hochstapler ist. Er hat das Geld unterschlagen und bereits aufgebraucht, als sich die Schlinge enger zieht. Im letzten Moment flieht die Familie vor dem Zugriff der Behörden und die Jagd durch Europa geht weiter. Es ist ein freier Fall auf Kosten der Kinder, bis es unweigerlich zum Aufprall kommt …
Zum Cover kann ich nur sagen, absolut passend für die 80er Jahre. Polaroid, der Inbegriff der fotografischen Freiheit mit der fetten Bauhaus-Schrift passen wie die Faust aufs Auge. Kein Schnick-Schnak, keine Schnörkel, plakativ wie die Zeit damals auch war. Ob es geschmacklich meine Vorstellung trifft sei dahingestellt, es trifft auf jeden Fall den Nerv der Zeit. Ich finde es köstlich hässlich.
In 4 Teilen begleiten wir den Jungen Arno mit seiner Familie auf einer Odysee durch Frankreich und Portugal. In der kindlichen Naivität eines kleinen Jungen erzählt er zunächst von seiner unbeschwerten und verklärten Kindheit, in der in allen Ecken und Winkeln noch die großen Wunder stecken. Er wird von seinem Vater mit Vorstadt-Weisheiten überschüttet, die der arme Junge für bare Münze nimmt. Getrieben von den betrügerischen Machenschaften des Vaters muss die Familie aber plötzlich von einem Ort zum Anderen ziehen, immer auf den Kosten der Kinder. Bis sie zum Schluß wieder da ankommen, wo alles begann. Die anfänglich unerschütterliche Liebe der Eltern bröckelt, genauso wie der Fassade des Felses in der Brandung, der haltgebende Anker für die Kinder. Bis sie sich zum Schluß nur noch verwahrlost und abgestumpft ihrem Schicksal ergeben müssen.
Mit einer bildgewaltigen Kulisse beschreibt Arno Frank in seiner Autofiktion in sehr wortgewandter, pointierter und ironischen Sprache die Geschehnisse in der ergreifenden, sarkastischen Nüchternheit, die aus der Sicht eines Jungen entspringt. Einige Andeutungen bleiben im Raum stehen, da sie aus der Perspektive des Kindes nicht anders wahrgenommen wurden und aus seiner Erzählung heraus nicht erklärt werden können. Ein Junge, der fast bis zum Schluß den Vater auf kindlichen Charme idealisiert. Aus der Angst heraus die Eltern und die Familie zu verlieren, lassen die Kinder die Geschehnisse über sich ergehen und ziehen bedingungslos mit. Und bis zum Schluß klingt es fast wie eine Hommage an seinen Vater, der niemals die Familie aufgeben wollte. Es gibt keinen Vorwurf, keine Infragestellung, keine Verurteilung.
Einige der Passagen wirken für mich trotz herausragender Erzählung etwas lang und zu viel. Es ist kein „Roadmovie" mit wilder Verfolgungsjagd, sondern bleibt von der Dramaturgie eher flach. Es ist vielmehr die subtile Erdrückung und Machtlosigkeit durch die bedingungslose Liebe der Kinder, die einem beim Lesen immer wieder das Herz zuschnüren lässt.
Der Epilog hat mich selber dann noch mal sehr ergriffen.
„Der trockene Witz Arno Franks und seine kluge, dichte Beschreibungskunst, verfasst aus dem Blickwinkel eines leicht verwunderten Jungen, bewahren die Geschichte jedenfalls vor Sentimentalität.“
Mein neuer Lieblingsautor, dessen nächstes Buch ich kaum erwarten kann.
Der Vater ein Familienmensch, der reinschlägt, die Mutter fürsorglich und ordentlich, so lange das Geld reicht. Leben am Abgrund auf Kosten der schwächsten Familienmitglieder. Mich hat’s total gepackt.
Arno Frank hat einen autobiografischen Roman geschrieben, der ein Auszug aus seiner Kindheit und Jugend ist, aber natürlich auch der, der beiden Geschwister.
Nach vielen positiven Rezensionen, die ich gelesen habe, war klar, das ist ein Buch für mich! Doch auch all diese Meinungen konnten mich nicht richtig auf das Buch vorbereiten. Ist es zu Anfang leicht und locker mit viel Wortwitz geschrieben, verschwindet dieses immer wieder Erheiternde zunehmend und mir war regelrecht Angst und Bange vor dem Ende! Warum? Weil man sich zwischendurch immer wieder daran erinnert, dass diese Flucht der Familie keine erfundene ist!
Der Autor schreibt aus seiner jugendlicher Sicht. So bekommt der Leser / Hörer die Erlebnisse der Flucht in der Form mit, wie ein Kind / Jugendlicher seines Alters das Ganze gesehen, erlebt und empfunden hat. Aber auch die Auswirkung auf die Geschwister, die jüngere Schwester Jeany und den ganz kleinen Bruder Fabian, der zu dieser Zeit gerade mal zarte zwei Jahre alt war, können gut nachvollzogen werden.
Kinder haben eine feine Nase, wenn die Stimmung kippt. Oftmals verstehen sie nur nicht den Grund. Für Kinder sind Erwachsene in vielerlei Hinsicht kompliziert, können ihr Handeln selten verstehen, doch es muss schon sehr viel passieren, bis sie ihren Eltern nicht mehr vertrauen, sie nicht als unerschütterlich betrachten und Fremde um Hilfe ersuchen. Bis das passiert wissen die eigenen Eltern in den Augen der Kinder immer was am besten für die Familie ist. Dass das so ist, kann man dem Buch sehr gut entnehmen.
Kommt doch von Jeany immer wieder die Feststellung und damit einher die Frage (sinngemäß): "Wir haben doch nicht mehr viel Geld. Wie viel Geld haben wir eigentlich noch?". Weiß sie doch mit ihren zarten 12 Jahren, dass, wenn man nicht arbeitet, sich das Geld auch nicht vermehren kann.
Nach der kurzen, ausschweifenden Phase in Saus und Braus in Frankreich, geht es von heute auf morgen wieder los auf die Straße. Die Mutter und die Kinder folgen dem Vater wie die Lemminge. Was sollen sie auch anderes tun? Ist er es doch, der die Familie zusammenhält, zu jedem Preis, er weiß es am besten und er ist derjenige, der noch ausstehende Schulden von ehemaligen Geschäftspartnern einzutreiben weiß. Er weiß immer, wie die Familie zu Geld kommen wird. Durch viel Charme und Überzeugungskraft, schafft er es immer wieder, dass die Familie ein Dach überm Kopf hat. So lässt man sich auch als Leser von Jürgen becircen und schüttelt noch leicht lächelnd den Kopf über die vielen Menschen, die er für sich vereinnahmt, bis ... ja, bis wann?! Bis Jeany in Portugal, auf einer Zwischenstation ihrer Flucht, vor ihrem großen Bruder Arno, der sie in einer Kneipe mit einem älteren Mann zusammensitzen sieht, zugibt: "Aber ich habe HUNGER!" All das Bemühen des Vaters die Familie zusammenzuhalten, weiter zu lügen und vor dem Gefängnis zu fliehen macht die Mägen der Kinder nicht voll. Und das der beiden Familienhunde noch weniger.
Der fast 15jährige Arno bringt es dann auf den Punkt, in dem er sinngemäß sagt, dass der Vater und die Mutter ihr bestes tun. Oder ob sie (Jeany), nachdem der Vater verhaftet wird, in ein Kinderheim gesteckt und von ihren beiden Brüdern getrennt werden möchte. Er hat verstanden, dass das Sich-Stellen des Vaters auch weitreichende Folgen für die Kinder haben würde.
So zitterte ich als Hörerin dieser Geschichte dem Ende entgegen. Es konnte kaum gut enden, doch WIE würde es enden? Ich wollte es wissen und doch wieder nicht! Ich wurde überrascht davon, wer das Ende einleitete, da ich damit so nicht gerechnet hatte! Und dann war ich froh und ebenso erlöst.
Ich lauschte durchweg gespannt der Stimme Devid Striesows, der mich mit seiner Lesung überzeugte, dass, wer Hörbücher liebt, dieses Buch unbedingt hören sollte! Er schaffte es mich in die Flucht hineinzuziehen.
Fazit: Eine wundersame Geschichte über die Flucht einer Familie, die traurigerweise das echte Leben geschrieben hat. Sehr, sehr spannend und tragikomisch! Ein geniales Werk und Lese-/Hörhighlight in 2017.
"So, und jetzt kommst du" ist die Geschichte einer Familie aus der pfälzischen Provinz in den 80er Jahren: Dem Vater, einem Autoverkäufer, wird von einer Wahrsagerin ein Leben in Reichtum vorausgesagt und um dies zu verwirklichen schreckt er auch vor kriminellen Handlungen nicht zurück. Aus der Sicht des ältesten Kindes erzählt Arno Frank die Geschichte eines anfänglich luxuriösen Lebens in Südfrankreich, welches sich im Laufe des Buches in ein Chaos verwandelt und die Familie irgendwann auf der Flucht quer durch Europa ist. Der Vater verprasst ergaunertes Geld, ist spielsüchtig und lebt in einer Scheinwelt, die er seinen Kindern immer wieder als Abenteuer verkauft. Für die drei Geschwister verwandelt sich dieses Abenteuer jedoch mehr und mehr in einen Albtraum, geprägt von Armut, Angst und der Suche nach dem nächsten Versteck. Es ist eine tragische und zugleich komische Familiengeschichte über Rücksichtslosigkeit, Weltverweigerung und den Überlebenskampf der Kinder, die von den Entscheidungen eines betrügerischen Vaters und einer realitätsfernen Mutter bestimmt wird.
Während des Lesens wirkt die Geschichte manchmal etwas übertrieben, aber es handelt sich tatsächlich um die eigene Geschichte des Autors. Er schreibt über die offensichtlich traumatische Zeit seiner Kindheit bildhaft in einer wunderschönen Sprache und man fühlt sich als wäre man mitten in diesem Drama, welches zum Ende hin schwer zu ertragen ist. Schon lange hat mich eine Geschichte nicht so sehr berührt.
From a child's perspective, Arno, we get to know the family of 5 and their wealthy, happy life with no worries, no money problems and investment after investment. Also their sudden move to France is exciting for the kids. But all too soon the reader understands together with Arno that everything's only a facade and piece by piece the foundation breaks apart until the family's decline to total squalidness by the father's fraud play. Reading this book with its innocent perception of hard matters broke my heart. From children (and dogs), who still believed in their parents and loved them unconditionally till total neglect. Before starting the book I thought it would be a light read like a roadmovie, but no, it is so much deeper and intense, and knowing that it is based on a true story makes my heart burst even more. A small drawback were some lengthy passages throughout the book.
Nach wochenlanger Quälerei durch die ersten 70 Seiten habe ich das Buch abgebrochen. Die Geschichte selbst mag wunderbar sein, zumal es eine wahre Begebenheit ist. Leider verfügt der Autor nicht über die Fähigkeit, ein Bild vor meinem Auge enstehen zu lassen (und das ist bei meinem Kopf-Kino schon fast ein Talent!). Seine Beschreibungen von Situationen und Umgebungen sind wirr, werden teilweise erst nach etlichen weiteren Sätzen aufgelöst. Der Versuch zu Metaphern und Wortspielen scheitert grandios und erschwert das Lesen.
Wie lebt ein Heranwachsender in einer kriminellen Familie? Die Dynamik zwischen Vater, Mutter und dem Erzähler ist überragend eingefangen. Manchmal bricht die Perspektive des Ich-Erzählers, indem die Sprache und Erlebenswelt des Jungen überschritten wird. Dann kommentiert das spätere Ich gleichsam die erzählte Gegenwart. Dieser Trick generiert immer wieder Komik.
Aus der pfälzischen Provinz begibt sich eine Familie nicht ganz freiwillig auf eine Reise. Mit den drei Kindern im Gepäck geht es zunächst nach Südfrankreich, wo sie aufleben und das Dasein in einer Villa oberhalb der Côte d’Azur genießen. Doch das süße Leben währt nicht lange und bald schon steht die Weiterreise an, Portugal ist dieses Mal das Ziel. An den Rand Europas führt sie die Flucht und allmählich schwant den Kindern, dass diese Reise nicht ganz freiwillig ist und dass ihr liebender Vater kein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern ein gesuchter Ganove ist, der sich samt Familie vor der Polizei versteckt. Doch da droht schon wieder der nächste Aufbruch, nach Paris wird angesteuert, wo alles besser werden soll – oder doch alles plötzlich ein Ende findet?
Beim Lesen des Buchs schwankt man zwischen Entsetzen und Vergnügen. Ganz wunderbar gefällt mir der junge Erzähler, der in glaubwürdig naiver Weise seine Eltern beobachtet und vieles sieht, aber nicht verstehen oder einordnen kann. So manches schwant dem Leser recht schnell, aber es wird durch die noch kindliche Sicht auf die Dinge in eine Leichtigkeit versetzt, die einem immer wieder schmunzeln lässt. Der Vergleich mit den Klassenkameraden beispielsweise, die Markenkleidung tragen und deren Eltern hohe Posten begleiten, während er als „Sohn eines Wimpelhändlers von der Ausfallstraße“ nicht mithalten kann. Auch kann er nicht verstehen, was dieses ominöse „Dédé Air“ eigentlich ist, er vermutet ein französisches Protektorat, auch wenn dort irgendwelche Deutschen offenbar wohnen. Ein Highlight auch der Besuch des Betzenbergs mit dem Opa, der zugleich eine wichtige Lektion fürs Leben parat hat: „Wenn um dich herum die Massen eine bestimmte Meinung haben, dann musst du auf deiner eigenen Meinung beharren. Dann ganz besonders, verstehst du? Die Masse wird dann aber meistens sauer. Und dann ist es besser, man verzieht sich.“ (Pos. 801)
Die kriminelle Energie der Eltern wird lange Zeit nicht offen thematisiert, für die Kinder ist die Reise in die Fremde spannend und ein Spaß zugleich. Dass das Verhalten verantwortungslos und indiskutabel ist, steht außer Frage; jedoch spürt man auch die Verzweiflung, der vergebliche Versuch irgendwie wieder auf die Beine zu kommen und die Sorgen von den Kindern fernzuhalten, ihnen trotz der Widrigkeiten ein gutes und sorgenfreies Leben zu bieten. In diesem Punkt kann man den Eltern kaum einen Vorwurf machen, bis zum Ende sind sie um das Wohl der drei bemüht und besorgt, aber es geht ihnen die Luft aus. Man ist kritisch ihnen gegenüber und kann doch nicht umhin, auch Sympathien zu entwickeln, gerade ob der Bauernschläue, die Vater Jürgen an den Tag legt. In Portugal erläutert er seinem Sohn sein Konzept von Wahrheit, als sie bei dem Concierge Mitleid wecken wollen. Entsetzt fragt der junge Arno, ob der Vater die Wahrheit erzählt habe: „Aber natürlich. Manchmal muss man einfach ehrlich sein. (…) – das ist doch gar nicht die Wahrheit. – Für ihn jetzt schon.“ (Pos. 3087).
Viele spannende Themen werden bei diesem ungewöhnlichen Roadtrip verarbeitet. Das Erwachsenwerden und der Blick auf die Eltern und die Realisierung, dass diese vielleicht nicht die Personen sind, für die man sie hält. Das fragile Gebilde einer Ehe, die durch die Umstände strapaziert wird. Das Zurechtfinden an anderen Orten, in anderen Ländern. Und die Frage, wieviel eine Familie aushalten kann und muss und ob es eine Grenze des Zumutbaren gibt.
Ein Roman, der gekonnt zwischen Unterhaltung und Ernsthaftigkeit balanciert.
Ein autobiografischer Roman, der die dramatischen und sein Leben nachhaltig prägenden Jahre der Kindheit und frühen Jugend des Autors erzählt.
Im Kaiserslautern der 80er Jahre wächst Frank mit seinen jüngeren Geschwistern, Jeany und Fabian, auf. Nach aussen eine normale Familie wie viele andere. Sein Vater ein Gebrauchtwagenverkäufer, Familienmensch, seine Mutter fürsorgliche Hausfrau. Die Eltern lieben einander und leben ein harmonisches Leben in einem Häuschen. Alles scheint gut. Doch Franks Vater träumt vom besseren Leben, davon, "den Arsch voller Geld" zu haben, hält aber nichts von Arbeit und beginnt mit seiner durchaus sympathischen, einnehmenden Art eines Halodris seine Ziele anderweitig zu erreichen, macht unlautere Geschäfte, die nicht aufgehen, und begibt sich letzlich, da von der Polizei gesucht, mit der gesamten Familie Hals über Kopf auf die Flucht an die Côte d'Azur, wo sie zunächst in einer Villa mit Pool im Luxus leben bis auch ihr letztes Geld verprasst ist.
Der Vater hat jedoch immer Pläne, wie es weiter gehen soll. Die Mutter sieht nicht oder will nicht sehen, dass ihr Mann ein Ganove ist und willigt in eine weitere Flucht nach Portugal ein. Dort nimmt die Geschichte eine dramatische Wendung, beginnt die zunehmende Verwahrlosung und die für alle immer erdrückendere Angst vor der Entdeckung durch Interpol und vor einer ungewissen Zukunft.
Letzlich werden sie gefasst, der Vater landet im Gefängnis, und doch empfindet der Autor wie auch der Rest der Familie diesen Umstand als Erleichterung, setzt er dieser traumatischen Odyssee endlich ein Ende.
Das Leben Franks und seiner Familie ist jedoch für immer gezeichnet. Zu seinem Vater hat er nie wieder wirklichen Kontakt und seine Mutter trägt bis zu ihrem Tod an der Schuld, ihre Kinder nicht geschützt zu haben.
Eine eindrucksvoll geschilderte, immer am Abgrund spielende, Familiengeschichte, die viele Aspekte thematisiert: das Heranwachsen in der Fremde, der Blick auf die Eltern und ihre fragile Ehe, die Erkenntnis, dass diese nicht sind, was der Autor in seiner kindlichen Naivität glaubte, zu sein sowie die Frage, ob es eine Grenze des Zumutbaren gibt.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Arno Frank erzählt seine Lebensgeschichte, zumindest die ersten paar Jahre davon. Die, in denen sein Vater genug hat vom Autos verkaufen, sich eine größere Summe zusammenbetrügt und dann mitsamt seiner Familie durch Europa flieht. Der Klappentext bezeichnet den Vater als Hochstapler. Da muss ich an Leonardo DiCaprio in Catch me if you can denken und das geht in eine falsche Richtung. Dennoch, Frank erzählt eine krasse Lebensgeschichte, in die man schnell reinkommt, in einem nüchternen, leicht prosaischen Stil. Es gab immer wieder Formulierungen, die aufblitzten, über die ich mich sehr gefreut habe. Leider aber, trotz der Neugier und der immer näher kommenden, unabwendbaren Katastrophe, bei der das ganze Lügengerüst des Vaters unweigerlich zusammenbrechen muss, gab es auch langatmige Stellen, durch die ich mich eher durchzwingen musste, bevor es gegen Ende dann wieder extrem Fahrt aufnimmt. Arno Frank erzählt mit So, und jetzt kommst du seine krasse Geschichte, aber ich bin mir gar nicht sicher, ob die Buchform die beste für diese Geschichte ist. Bei einem Abendessen auf der Buchmesse in Leipzig dieses Jahr haben wir uns ein wenig unterhalten und er hatte auch ein wenig aus dem Buch erzählt. Dort habe ich sehr gerne zugehört. Vielleicht ist also das Hörbuch, gelesen von Devid Striesow, in diesem Fall die bessere Wahl. Oder sogar ein bisher nicht existierender Film, der manche Längen des Buches herausnimmt. Von der Geschichte her auf jeden Fall konsumierenswert.
Das Buch bedient sich einer normalen Sprache, es finden sich jedoch vereinzelt sehr schöne Beschreibungen. Besonderheiten in der Schreibweise sind jedoch ohnehin auf Grund des Inhaltes nicht notwendig, denn im Fokus steht hier ganz klar die Erzählung. Arno Frank berichtet von seiner Kindheit auf der Flucht. Der Vater ein gesuchter Betrüger, die Mutter eine vor Liebe blinde Frau, die das Elend Familie weglächelt. Das Buch beleuchtet anfangs ein etwas wunderliches aber noch nicht absonderliches Familienleben bis eines Nachts die gesamte Familie überstürzt das Zuhause verlässt. Von hier an beginnt, eine Flucht und ein ständiges Umziehen. Der Lage ist man sich als Leser ebenso wie Frank als Kind, nur schleichend bewusst. Der Punkt an dem sich die Spirale für seinen Vater und seine Familie nur noch abwärts bewegt war jedoch sehr deutlich zu spüren und es war bestürzend zu lesen, was darauf folgte.
Die Familie des Erzählers bei ihrer Reise von normaler, deutscher Familie - Eltern, erst zwei, dann drei Kinder, Eigenheim, Hund - zu heimatlosen Kriminellen zuzusehen ist wie ein schlechter Film, aus dem man nicht raus kommt. Eine unfassbare Kindheit, die doch so - oder so ähnlich - passiert ist, denn es handelt sich um einen Roman mit autobiographischen Zügen. Der erste Teil (bis S. 86) hat mich noch nicht so gepackt, danach konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Unbedingte Leseempfehlung
Ein irres Buch, vor allem, wenn man bedenkt, dass es (grösstenteils?) autobiografisch ist! In einer wilden Tour de Force begleiten wir den 12-jährigen Erzähler und seine Familie, angeführt vom manischen, schlitzohrigen Vater, zuerst an die französische Riviera, wo sie wie Könige leben, und dann, als das Geld alle ist und die Polizei sie findet, quer durch Südwesteuropa und zurück nach Deutschland. Die Geschichte ist zum Teil ironisch-witzig, oft tragisch, manchmal herzzerreissend traurig. Ein wunderbares Buch!
Der Journalist Arno Frank erzählt uns in seinem ersten Roman eine autobiographisch gefärbte Family-Road-Novel aus den 70er-/80er-Jahren. Nach betrügerischen Geschäften packt der Vater die fünfköpfige Familie samt zwei Kötern ins Auto & flieht vor Gläubigern & Knast zunächst nach Südfrankreich, später dann nach Portugal. Frank schildert aus Sicht des heranwachsenden Jungen diese zugleich tragische wie auch slapstickhaft-witzige Gauner-Geschichte mit Lakonie & Sprachwitz: gediegenes Amusement.-
Super gutes und spannendes Buch, gleichzeitig bin ich aber so froh, dass du ich damit fertig bin. Ich hatte beim Lesen dauerhaft so ein Entsetzen und beklemmendes Gefühl aufgrund von Mitleid mit den Kindern und Tieren, die durch die Hochstaplerei des Vaters durch diese Miesere gehen. Es hat mir fast schon auf die Stimmung geschlagen. Dennoch absolut lesenswertes Buch bei dem man sich einfach nicht vorstellen kann, dass dies auf einer autobiografischen Erzählung beruht.
Eine Kindheit auf der Flucht. Der Vater mit der Philosphie: "Der der Brote backt ist ein Bäcker und wer schuftet ist ein Schuft!" Also mit wenig Mühe viel Geld einsacken, der Vater ist am Ziel, er hat ganz viel Geld beiseite geschafft. Veruntreut, die Familie muss flüchten. Erst in Saus und Braus später dann mit Hühnchen und Sardinen. Der Sohn erzählt die Geschichte am Anfang voller Elan, ein eigenes Mofa Swimming pool alle Annehmlichkeiten mitnehmen. Aber er und seine Schwester verstehen immer mehr, das Abenteuer wird schal. Sie sind dem Vater und der Mutter ausgeliefert, sie können sich nicht wehren und werden immer tiefer gezogen. Die Flucht is ihr Alltag sie wissen nicht wie lange sie an einem Ort bleiben können und richten sich ihr Leben danach aus. Der 14-15jährige Sohn versucht die Situation für sich zu erklären, die kleine Schwester ist etwas weitsichtiger - sie wollen nach Hause in die Normalität. Erstaunlich ist dass die Eltern bzw. die Mutter immer auch ein Herz für die Hunde, die die Flucht begleiten dürfen. Es ist ein wahres Familiendrama. Deer Titel des Buches schnürt einem irgendwann die Kehle ab, kommt jetzt wirklich der Sohn dran? Macht der Vater es wirklich für die Familie? Es ist viel 80er Jahre Stimmung dadrin, da kommt bestimmt bei einigen Lesern auch die Wehmut der Kindheit - und wie man sie zur gleichen Zeit erlebt hat. Sehr trauriges und lesenswertes Buch.
In dem Roman geht es um einen kleinen Jungen, der seine Lebensgeschichte erzählt. Aus dem Klappentext erfährt man, dass es der junge Arno selbst ist. Im Buch wird sein Name jedoch nie genannt. Er erzählt von den kriminellen Machenschaften seines Vaters, wodurch seine Familie nie lange an einem Ort bleiben konnte. Man merkt, dass der Vater davon überzeugt ist, dass alles gut laufen wird. Er ist nur auf das große Geld aus - will Erfolg haben. Ihm kommen keine Zweifel, dass eventuell etwas schief laufen könnte.
Zu Beginn des Buches musste ich mich erst einmal rein finden. Nach und nach kommt man immer besser in die Geschichte rein und will gar nicht mehr aufhören zu lesen. Angesprochen hat mich der Schreibstil, vor allem, da die Geschichte aus der Sicht eines Kindes erzählt wird. Es ist definitiv mal was anderes und macht Lust auf mehr!
Es ist ein Muss für alle, die gerne Romane lesen, die auf der Wahrheit beruhen. Auch noch ein großes Lob an Arno Frank. Der Roman regt aufgrund der Erzählperspektive und auch der Geschichte an sich über das Leben nachdenken. Dies schaffen nicht alle Autoren!
Sehr spannend. Einmalige Geschichte. Wollte unbedingt wissen, wann endlich alles auffliegt. Aber so viel ist aber offen geblieben, was hat der Vater eigentlich alles getrieben und hat er sich einfach nie wieder bei seinen Kindern gemeldet? Wie kann das sein?
This entire review has been hidden because of spoilers.
"So, und jetzt kommst du" sagt der Vater des Ich-Erzählers (der, wie ich angesichts von kleinen versteckten Hinweisen im Romantext vermute, denselben Namen trägt wie der Autor) immer dann, wenn er sein Gegenüber sprachlos gemacht hat mit dem neuesten cleveren Trick, den er auf seinem Weg zum Reichtum angewendet hat. Jürgen Frank will nämlich mehr, als mit Frau und Kindern in einer beschaulichen Vorortsiedlung in der Nähe von Kaiserslautern zu leben. Er will Geld, Erfolg, Protz und Prunk und arbeitet mit den verschiedensten Geschäftsideen emsig an seinem Aufstieg.
Dass das nicht so einfach ist, wie er sich und anderen gerne vormacht, will er sich nicht eingestehen und ignoriert geflissentlich die unaufhörlich eintrudelnden Mahnungen und Behördenbriefe, bis schließlich die Polizei an der Tür klingelt und die Familie bei Nacht und Nebel aufbricht, nach Frankreich, wo der Vater geboren ist und wo alles noch viel, viel besser werden soll als in Deutschland. Das wird es auch ... vorerst.
Es ist eine schier unglaubliche Geschichte, die uns Arno Frank hier präsentiert und die, wenn man der Presse Glauben schenken darf, auf seiner eigenen Familiengeschichte basiert: die Geschichte eines unverbesserlichen Hochstaplers, der völlig frei von Skrupeln lügt und betrügt, immer abhaut, wenn es brenzlig wird, und dabei seiner Familie Unvorstellbares zumutet.
Was der Vater genau macht, erfahren wir nicht, denn das weiß der Erzähler als am Ende dreizehn- oder vierzehnjähriger Junge selbst nicht so genau. Er beschreibt nur das, was er selbst erlebt, ein Leben, das in einer völlig durchschnittlichen deutschen Mittelklassefamilie beginnt und später das komplette Spektrum von verschwenderischem Dolce vita an der Côte d'Azur bis zu versifften Bruchbudenunterkünften und Höllenfahrten in klapprigen Uraltautos abdeckt. Die Mutter bleibt bei alledem passiv, klinkt sich schnell aus, wenn es ihr zuviel wird, so dass die drei Kinder größtenteils sich selbst überlassen sind.
Frank erzählt ungeschminkt, drastisch, auch manchmal unflätig von der mehrjährigen Odyssee der Familie, den Spannungen untereinander, den Freiheiten, die die Kinder genießen, der ständigen unterschwelligen Angst vor dem Auffliegen und auch dem belastenden Halbwissen über das, was der Vater da so treibt. Das ist so absurd, dass es schon wieder vorstellbar ist und auf eine eigenartige Weise spannend.
Stilistisch gelingt es ihm nicht immer, den Ton eines Jungen im Alter des Erzählers zu treffen - er findet ungewöhnliche Metaphern und verwendet eher wenig gebräuchliche Fremdwörter, was diesbezüglich etwas unglaubwürdig wirkt, und die oft falschen französischen Einsprengsel sind auch grundsätzlich verzichtbar. Der Spannungsbogen und die Entwicklung der Charaktere sind aber bei aller Skurrilität des Geschehens glaubhaft und gelungen bis hin zum überzeugenden Schluss, und die 80er Jahre als Hintergrundkulisse sorgen für einen netten Nostalgiefaktor.
Übrigens: Wer sich beim Anblick des faden 80er-Jahre-Schutzumschlags gruselt, sollte ihn abnehmen. Die auf dem Cover eingeprägte Auto-Tankanzeige, deren Zeiger Richtung "Reserve" deutet, passt viel besser zum Buch als das langweilige Polaroidfoto.
Mehrfach habe ich laut gelacht, das passiert nicht oft, gefällt mir aber sehr. Weiterer Vorteil: Arno Frank garniert die angeblich "wahre Geschichte" seiner Familie, die aber doch als Roman figuriert, mit vielen packenden Details – Süßigkeiten und Spielzeug der 1980er und 1990er Jahre, extralange Eisenoxid-Musikkassetten, zeitgenössische Fernsehsendungen und Sprüche, Ereignisse wie Space Shuttle und Tschernobyl (sogar die Bauhaus-Schrift für Buchtitel und Kapitelüberschriften erinnert an frühere Jahrzehnte und circa CorelDraw 6). Zudem klingt die Story, die von Deutschland über Südfrankreich nach Portugal und zurück führt, einigermaßen spannend, selbst wenn die Hauptfiguren meist nur rumsitzen – in der Pfalz, in Golfe Juan, in Lissabon. Der Ich-Erzähler ist ein Teenager mit unschuldig naivem Ton, der sich kinderleicht lesen lässt – die etwa 350 Seiten plätschern mühelos vorbei. Die Sprache ist unauffällig gut, gelegentlich etwas kunsthandwerklich zu clever. Das erinnert deutlich an ein anderes erfolgreiches Buch mit jugendlicher Hauptfigur. Ja, So, und jetzt kommst du klingt durchaus etwas nach Tschick von Wolfgang Herrndorf. Aber Tschick gefällt mir besser (obwohl es nicht ganz so lustig ist). Ein paar Dinge, die mich bei So, und jetzt du kommst nämlich doch störten: - in der ersten Buchhälfte lebt die Frank-Familie weit über ihre Verhältnisse; doch die Zaunpfähle, die den bevorstehenden Absturz andeuten sollen, schnitzt der Autor viel zu dick - manche kleinen Episoden fügen sich nicht recht ins Großeganze, wirken wie Fremdkörper; entweder mochte Frank dieses Details seiner Familiengeschichte partout nicht rauslassen oder der Fremdkörper steht im Buch, weil er sich mit einem starken Einzeiler schließen lässt - Vater und Mutter wirken in ihrer reichen Lebensphase ein wenig eindimensional zu materialistisch und teils zu kriminell, sie denken nur an Kleidung, schicke Autos und Geldausgeben; sie reiten ihre Familie durch massive Dummheit immer tiefer ins Schlamassel; der nicht dumme, jugendliche Ich-Erzähler nimmt viel zu lange alles lammfromm hin; insgesamt nicht so realistisch Doch bei aller Kritik: Spiegel-Autor Arno Frank liefert mit So, und jetzt kommst du einen weitaus besseren Roman als Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen mit Was zusammengehört.