Gewisse TV-Formate suchen Ihresgleichen. Zum Beispiel Live-Übertragungen aus dem australischen Dschungel oder aus Wohncontainern mit Z-Promi-Protagonisten scharenweise. Oder die Akquise von Topmodels und Superstars, die gar nicht erst aus der Versenkung auftauchen, in der sie bald wieder verschwinden. Hier zählt nicht das Ergebnis, sondern der Weg. Er ist das Ziel. Über Staffeln hinweg gesuchte Schwiegertöchter, getauschte Frauen, Bauernbräute und Mega-Junggesellen (neudeutsch »Bachelor«) beglücken den geneigten Zuschauer mit einer Mischung aus Überlegenheitsgefühl und Fremdschämen. Gesehen haben will all das keiner, Bescheid weiß jeder. Besonders Anja Rützel, die einen kritisch-amüsanten Blick hinter die Fassaden wirft, hinter die solcher Fernsehformate und hinter die ihrer Betrachter.
Wer Adorno, Baudrillard und den Frauentausch "Erdbeerkäse Monolog" sinnvoll in einem Buch unter einen Hut bringen kann, dem gebührt meines Erachtens großen Anerkennung.
Anja Rützel (die Hohepriesterin der Trash TV-Berichterstattung) schreibt hier mit viel Verstand, Humor und gewollt übertreibend über die Höhen und Niederungen des deutschen Fernsehens. Ein wirklich erfrischender, pointierter und scharfzüngiger Rundumschlag in Sachen Trash-TV, der u.a. die Typologien der Sendungen und ihrer Charaktere, zahlreiche ,best of‘-Momente und typische Floskeln beherbergt. Das Buch ist gleichermaßen Enzyklopädie wie Liebeserklärung und deshalb nicht nur lehrreich, sondern auch absolut unterhaltsam! 👍😅
Kurze und knappe Abhandlung von der Evolution des Trash TVs, wobei teilweise geschmunzelt werden kann, manchmal nix neues erzählt wird und dennoch es sich schnell und munter lesen lässt
Kurzweilig, unterhaltsam, interessante Punkte und mit schönem Schlusswort am Ende - dass man Trash-TV auch einfach ohne viel nachdenken als reine Belustigung sehen darf! Großes Manko: Ich fand die Art und Weise, wie über Kandidat*innen (vor allen Dingen die weiblichen) geschrieben wurde, z.T. sehr gehässig und herablassend.
Anja Rützel beleuchtet auf 100 Seiten Formate, typische Figuren, Sprüche und dramaturgische des Trash TV, allzu oft aus einer eher fan-basierten Perspektive (Rützel schreibt oft über Trash TV beim SPIEGEL und kommt dazu auch oft in Podcasts zu Wort).
Die psychologische Komponente, die Effekte der Rezeption sowie moralische Einwände und Grenzen des Darstellbaren, Grenzüberschreitungen oder Tabu-Brüche sowie eine allgemeine Verhandlung der "Daseinsberechtigung" von Trash TV im Fernsehprogramm kommen leider zu kurz. Eine wissenschaftliche Betrachtung aus der Kommunikations- oder Medienfachrichtung wäre hier interessant gewesen.
Ein sowohl sehr unterhaltsames, als auch gut strukturiertes und durchaus sogar zum Denken anregendes Buch (ja, das geht selbst bei diesem Thema, dank Frau Rützel). Anja Rützel war mir zuvor durch ihre Kolumnen zum Thema Trash TV bei Spiegel Online sowie als Gast eines Podcasts bekannt, von daher kannte ich schon ihr umfangreiches Expertenwissen und ihren feinen Humor. Beides setzt sich auch im vorliegenden Buch fort: Anja Rützel kennt sich bestens aus im Thema, es ist auch ein Thema, das ihr sehr am Herzen liegt, das sie aber dennoch "richtig" einordnet. Soll heißen: Sie macht sich über viele Dinge lustig, allerdings geschieht dies stets mit einem gewissen Maß an Respekt vor den Shows, ihren Teilnehmenden und den Fans. Besonders nett fand ich die Art, wie Rützel mit Sprache spielt und teils neue Begrifflichkeiten erfindet ("Scham-Shrimp" ist mir besonders im Gedächtnis geblieben...)
Die Struktur des Buches hat mir sehr gut gefallen. Angefangen von einer generellen Begriffserklärung (was ist überhaupt Trash-TV) über einen kurzen historischen Ausflug (Stichwort "die durchsichtige Bluse" bei "Wünsch dir was" Anfang der 70er oder die Nonsenshow "Vier gegen Willi" in den frühen 90ern) zu den gängigsten "Genres" der Trash-Formate bis hin zu den immer wiederkehrenden KandidatInnentypen. Abgerundet wird das Ganze durch eine moralische (darf man über die Menschen, die sich derart bloß stellen lassen, lachen?) und eine philosophische Betrachtung des Trash-TV - und ja, auch das geht, wenn man es richtig macht.
Ein rundum sehr kurzweiliges, unterhaltsames Buch, das sich sehr gut in meine bisherigen Erfahrungen zum "100 Seiten"-Reihe des Reclam Verlags einfügt: Kurze, aber dennoch sehr informative und gut geschriebene Überblicke über ein bestimmtes Thema.
Anja Rützel ist tägliche Dschungelcamp-Kolumnistin bei SPIEGEL Online, freie Trash-TV-Korrespondentin und als Schöpferin von notwendigen lustigen Neologismen (‚Klumquamperfekt‘) in einer Liga mit Sascha Lobo. Ihre Einführung zu Trash-TV in der Reclam-Reihe «100 Seiten» schafft mindestens dreierlei: Sie liefert einen geschichtlichen Überblick über die Entwicklung von Schrottfernsehen und eine Systematik seiner Genres; sie hält aus persönlicher Perspektive und sehr nachvollziehbar ein Plädoyer für Trash-TV als Quelle für kulturelles Wissen; und sie kriegt knapp die Kurve, nicht abwertend auf die Zielgruppen von Junk-Shows zu blicken.
Hätte nie gedacht, dass man in einem Buch den Frauentausch Erdbeerkäsemonolog und Baudrillard findet, Ich bin ein Star mit griechischem Theater verglichen wird und Trash TV Persönlichkeiten genauso wie Commedia dell'Arte Charakteren funktionieren, aber ich hab jede der 100 Seiten mit dieser Verflechtung von "high" und "low" culture geliebt!
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“Germanys next Topmodel schließlich ist nichts weniger als eine zeitgenössische Bearbeitung von George Bernard Shaws Pygmalion, in der Musicalfassung als My Fair Lady bekannt: ein einfaches, zerzaustes Strubbelmädchen wird zur feinen Dame umgemodelt.”
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Wer schon immer alles über Trash-Tv erfahren wollte, ist hier richtig. Wie gehabt: ein kurzweiliges und lustiges Lesevergnügen von der Queen of Trash-TV Passend zur neuen Staffel von IBES.