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Einführung in die Ikonographie: Wege zur Deutung von Bildinhalten (C.H. Beck Studium)

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Welche Quellen berichten von der Kindheit Marias? Wieso wird die Venus oft von einem Taubenpaar begleitet? -Ohne die Kenntnis des klassischen Bildungskanons lassen sich viele Kunstwerke nicht verstehen. Der vorliegende Band zur Ikonographie schafft Abhilfe, indem er eine umfassende Einführung in das weite Feld der verschiedenen Bildthemen, ihrer literarischen Quellen und der Bildfunktionen bietet.Die vorliegende Einführung, als Handbuch konzipiert, erschließt Wege zur Deutung von christlichen und profanen Bildinhalten vom frühen Christentum bis ins 20. Jahrhundert. Sie macht mit den literarischen Quellen wie der Bibel und der Überlieferung der antiken Mythologie vertraut und führt in den Forschungsstand wichtiger Themenfelder wie Typologie und Symbolik ein. Dabei informieren historische Überblicke über die Entwicklung christlicher und profaner Bildthemen und -funktionen.Die Anwendung der ikonographischen Methode wird an ausgewählten Beispielen vorgeführt, die zeigen, daß verschiedene literarische Quellen, Darstellungstraditionen, der Bestimmungsort und die Funktion des Bildes in einem komplexen Geflecht zusammenwirken. Eine Einführung in die Geschichte der ikonographischen Methode und Terminologie sowie ein kommentiertes Literaturverzeichnis vervollständigen das Studienbuch.

457 pages, Kindle Edition

Published February 20, 2017

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October 7, 2025
„Es ist die genuine Aufgabe der Wissenschaft von der Kunstgeschichte, das kulturelle Wissen, das wir benötigen, um die Werke unserer Kunstgeschichte zu verstehen, lebendig zu halten.“ (14)

Das Werk der zwei Autoren Frank Büttner (München) und Andrea Gottdang (Salzburg) gehört zu denjenigen Büchern, die in der Lehrbuchsammlung der Kunstgeschichte zu finden sind. Es hat den Anspruch, in die Wissenschaft der Kunstgeschichte einzuleiten und fokussiert sich dabei auf den Teilabschnitt der ikonographischen Methode: der Lehre von Bildinhalten.
Das Buch beschäftigt sich folglich mit der Frage, was wir als Betrachter in den Bildern zu erkennen vermögen, auf welche Art und Weise wir zu dieser Erkenntnis gelangen, welche Rückschlüsse dies auf den bildungskulturellen Hintergrund ziehen ließe und wie sich der erkannte Bildgegenstand und seine Rezeptionsästhetik im Laufe der Epochen zu wandeln pflegt.

Das vorliegende Buch gliedert sich in zwei hauptsächliche Teile, namentlich die christliche und anschließend die profane Ikonographie, wobei sich Büttner jener, Gottdang dieser Thematik annahm. Zentrale Themen der Einführung in die Ikonographie ist das Herausstellen möglicher Quellen für die Künstler bei der Bildfindung. Insbesondere schriftliche Quellen führen die beiden Autoren an, sodass der Leser auf ein Kanon von Texten verwiesen wird, aus dem er während seiner kunstgeschichtlichen Studien schöpfen kann, um den weitläufigen Horizont an bildwirksamen Texten kennenzulernen. Dabei wird neben der Bibel als grundlegende Quelle für die christliche Ikonographie auch auf die Apokryphen verwiesen, sowie die spätere Apologetik, naturwissenschaftliche Werke wie der Physiologos oder die Kräuterkunde des Diuskurides, die Schriften der Kirchenväter (z.B. Augustins De civitate Dei) und hagiographische Schriftwerke wie der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine. Es wird augenfällig, dass die Bibel als alleinige Quelle künstlerischer Imagination nicht greift: eine gewinnbringende Sensibilisierung für den unerfahrenen Betrachter. Der profane Textkanon weitet sich dann aus auf Geschichtsschreibung, antike Mythologie, Dichtung und Poesie, nicht ohne darauf zu verweisen, dass man überhaupt darauf achten muss, dass ein Künstler auch aus mehreren Schriften schöpfen oder aber ganz eigene Vorstellungskraft in das Bildwerk einfließen lassen kann.
Ein weiteres Anliegen des Buches ist die Klärung grundlegender Fachterminologie. Sowohl theologische Konzepte wie die Sedes Sapientiae, die Kardinal- und theologischen Tugenden und die Evangelienbestien als auch der profanen Ikonographie zugrunde liegende Prinzipien wie der rinascimentalen Kompositionsrhetorik, der barocken Verwunderung, der Apotheose und die Gattungshierarchie der Frühen Neuzeit finden in dem Werk eine anschneidende Definition, wodurch das Grundverständnis vieler Zusammenhänge und Bildentscheidungen umfangreich erhellt.
In der Einleitung widmen sich die Autoren überblicksartig der Geschichte der ikonographischen Methode von Émile Mâle (L’art religieux du XIIIe siècle en France) bis zu Erwin Panofskys Ikonologie (1932). Schließlich widmen sich die Autoren der Gültigkeit von Ikonographie in der Jetztzeit, die sich zu Teilen von erkennbarer Motivik gelöst zu haben glaubt. Allerdings kommen sie zu dem Schluss, dass kulturelle Güter und Vorstellungen noch immer prägend in die Bildgenese eingreifen und die intertextuelle wie interpikturale Referenz zwar weniger System habe, aber in seinem Verweischarakter noch immer zu erfassen sei. In ihren Augen ist die ikonographische Methode unabdingbar, sie ist „Pflege und Bewahrung unseres kulturellen Erbes“ (275).

Beide Autoren bemühen sich um eine klare Sprache mit vergleichsweise präzisen formulierten Sätzen und einem Verzicht auf umschweifende Details. Ein roter Faden lässt sich nur vage erkennen, da sich ikonographische Beispiele nahtlos an weitere Beispiele reihen und exemplarische Analysen von Einzelwerken bald detailliert, bald oberflächlich erfolgen. Insgesamt durchzieht das Werk eine prägnante Reihung von Belegen für die vorgestellten Themen, wodurch es zu einem Verlust der Übersicht kommen kann. Um den entgegenzuwirken, platzieren die Autoren am äußeren Rand und kursiv zum Fließtext abgesetzt die jeweiligen Tituli der zugehörigen Abschnitte, so dass dies Buch bedingt als Nachschlagewerk dienlich wird.

Eine Besonderheit des Werks ist die Integration von grauen Kästen, in denen schwierige Begriffe detailliert und hervorgehoben erläutert werden.
Das Buch ist empfehlenswert für Studienanfänger, die sich die Bandbreite an ikonographischen Themen zutrauen, meiner Meinung nach aber besonders für fortgeschrittene Studenten, die ihr ikonographisches Wissen auffrischen und erweitern wollen. Insgesamt erscheint das Buch dann gewinnbringend, wenn es nach einer erstmaligen Lektüre immer wieder punktuell zu Rate gezogen wird. Es steckt voller brauchbarer Definitionen, die auch dem erfahrenen Studenten helfen können, verstandene Bildprinzipien in Worten auszudrücken.

Was das Buch großartig leistet, ist die Präsentation möglicher Quellen für die Bildfindung. Die Sensibilisierung für das Verständnis der Kunstgeschichte als Kulturgeschichte, die sich nicht von schriftlichen Zeugnissen, tradierten Vorstellungen oder dem kollektiven Bewusstsein vergangener Zeiten loslöst, kann nicht früh genug eintreten. Die angeführten Werkbeispiele sind passend gewählt und haben Kanoncharakter.
Das System von grauen Merkkästen hat seine Schwächen. Zwar sind Erklärungen zu Termini wie der häufig begegnenden Maiestas Domini, dem Tugendkanon oder komplizierter Begriffe wie des Acheiropoietos hilfreich, andererseits irritieren Kästen, die sich augenscheinlich grundlos mit Engeln beschäftigen oder mit „Alttestamentalichen Szenen und Kunstmarkt im 17. Jahrhundert“ ein wenig zu tiefgehend und Fehl am Platz wirken. Hier werden theologische Konzepte dargestellt, dort historische Gegebenheiten und andernorts wiederum gattungstechnische Terminologie wie zu den Ablassbildern. Womöglich hätte es gelohnt, ein inhaltlich einheitliches System für die Merkkästen zu definieren (z.B. Terminologie zur Beschreibung von Bildphänomenen), um den Nachschlagcharakter des Werkes zu stärken. Für Studienanfänger wird die Masse an Bildbeispielen und das nahtlose Aneinanderreihen von ikonographischen Phänomenen auf den ersten Blick erschlagend wirken. Das Buch hätte in seiner Struktur an manchen Stellen von einer kleinteiligeren Gliederung profitiert.

Ein einführendes Werk für das Verständnis von Bildinhalten mit Liebe zum Detail, zahlreichen Bildbeispielen und einer Fülle an Fachterminologie, mit Nutzen für Studienanfänger wie Fortgeschrittene.
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