Rostock-Warnemünde 1897: Katharinas Hochzeit mit dem verwitweten, wesentlich älteren Manufakturbesitzer und Korbmacher Olaf Borchers steht unter einem schlechten Nicht nur, dass ihr Herz einem anderen gehört, Borchers halbwüchsiger Sohn ist nicht einverstanden mit der neuen Frau seines Vaters und torpediert die Ehe von Anfang an. Dennoch tut Katharina ihr Bestes, um mit ihrem Mann glücklich zu werden. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem sie Pläne für ein eigenes Geschäft macht – einen Strandkorbverleih an der Ostsee ...
Die Villa am Meer ist eine beeindruckende Familiensaga, die den Leser komplett in der Kaiserzeit versinken lässt. Die Autorin schafft eine wunderschöne Atmosphäre an der mecklenburgischen Ostseeküste und verknüpft ein deutsches Kulturgut mit der Geschichte: den Strandkorb.
Besonders beeindruckend waren für mich die Charaktere, allen voran Katharina Borchert. Sie eine absolut starke Frau, die versucht ihre Ziele zu erreichen und damit sich auch über die Konventionen der Zeit hinweg setzt. Aber sie hat auch ihre schwachen Momente, die sie zu einer unglaublich sympathischen Frau machen. Greta hingegen war mir von Anfang an unsympathisch, auch wenn es Momente gab, in denen sie mir ein wenig leid getan hat.
Diese beiden ähnlichen und gleichzeitig völlig unterschiedlichen Frauengeschichten hat das Buch zu einer wunderbaren Unterhaltung gemacht. Ich bin zwar nicht immer durch die Seiten geflogen, aber die Geschichte hat mich zu keiner Zeit gelangweilt. Emotional hätte mich das Buch an mancher Stelle noch ein bisschen mehr mitnehmen können.
Die Geschichte ist von der Autorin sehr gut recherchiert und ebenso gut geschrieben. Dies war mein erstes Buch der Autorin, aber mit Sicherheit nicht das letzte.
Katharina liebt Joachim, es ist die ganz grosse Liebe. Als dieser jedoch für zwei Jahre in den See sticht, um seine beruflichen Chancen für später besser zu machen, weiss Katharina, dass sie nicht zur Seefahrerfrau taugt, dass sie sich vor Sehnsucht verzehren wird. Ein Jahr nach Joachims Abfahrt tritt sie mit Olaf Borcherts, einem älteren, erfolgreichen Unternehmer, der sein Vermögen mit Strandkörben gemacht hat, vor den Traualtar. Er ist zwar nicht die grosse Liebe, verspricht aber ein sicheres Leben und Halt. Das muss sie sich bei aufkommenden Zweifeln selber immer wieder sagen.
Es war ein zweiter Abschied von Joachim. Diesmal noch endgültiger als der Brief, den sie ihm geschrieben und dem sie das wunderschöne Gesangbuchbeigelegt hatte. Tränen stiegen in ihr hoch.
Die Ehe erweist sich immer mehr als Gefängnis. Nicht nur trauert sie ihrer grossen Liebe Joachim nach, auch sonst stösst sie an Grenzen: Sie würde gerne selber als Geschäftsfrau etwas bewirken und nicht nur den Stoff für die Strandkörbe ihres Mannes aussuchen, doch das ist in der Zeit anfangs des 20. Jahrhunderts noch nicht gerne gesehen. Dass sie bei ihren Bestrebungen ausgerechnet auf Joachim zählen kann, macht die Situation nicht einfacher.
Beurteilung JaryVillaVilla am Meer ist eine Familiensage, ein historischer Roman und die Geschichte des Strandkorbs in einem. Zwar soll der Roman ausdrücklich nicht als Sachbuch über den Strandkorb, sondern als fiktive Geschichte verstanden werden, trotzdem wirkt das hier geschilderte sehr authentisch.
Micaela Jary erzählt in einer eingängigen, leicht lesbaren, flüssigen Sprache die Geschichte einer Frau, die auf ihre grosse Liebe verzichtet, um ein Leben in gesicherten Bahnen zu führen. Es ist die Geschichte einer Frau, die alles daran gibt, trotz dieser schwierigen Voraussetzung glücklich zu sein mit ihrem Mann, die ihren Mann unterstützt, aber auch selber Ambitionen hat und damit aneckt.
Entstanden ist ein Roman, der durch einen stimmigen Plot, plastische Figuren und einen authentischen Schauplatz – der aufstrebende wilhelminische Urlaubsort Warnemünde an der deutschen Ostseeküste – besticht. Ein wunderbares Buch für den Sommerurlaub am Strand oder zu Hause im Liegestuhl.
Fazit: Ein stimmiger Plot mit plastischen Figuren und einer flüssigen Sprache, ein Roman, der zugleich Familiensaga wie auch historischer Roman ist und die Geschichte einer Liebe, die überdauert, auch wenn sie nicht gelebt werden kann. Sehr empfehlenswert.
Die junge Katharina heiratet den doppelt so alten Olaf Borscher. Die ersten Ehejahre verlaufen relativ friedlich und Katharina ist sogar oft glücklich, aber dann verändert ein heftiger Schicksalsschlag ihr Leben und sie hat Mühe zu ihrem ‘normalen’ Dasein zurückzukehren.
An sich hat mir der Roman gut gefallen. Die Personen wurden real beschrieben, Katharina war mir von Anfang an sympathisch und auch die Erzählung aus unterschiedlichen Perspektiven war sehr nachvollziehbar.
Das Buch hatte einen angenehmen Schreibstil, auch die Umgebungsbeschreibungen waren sehr realistisch, wodurch ich mir alles plastisch vorstellen konnte. Die Charaktere waren gut ausgearbeitet und könnten so auch wirklich bestanden haben. Während des Lesens hatte ich das Gefühl, das die Autorin diese Epoche gründlich recherchiert hat. Das finde ich bei einem historischen Roman sehr wichtig.
Nur hat sich der Roman leider ein bisschen gezogen, wodurch mich das Buch nicht fesseln konnte. Das fand ich schade, da die Geschichte durchaus viel Potential hat.
Insgesamt ein schöner historischer Roman, der sich perfekt zum zwischendurch Entspannen eignet.
This entire review has been hidden because of spoilers.