Eine Dolmetscherin erzählt. Nach zweieinhalb Jahren in Russland ist Nora wieder zurückgekehrt. In ihrem Job als Dolmetscherin ist sie Sprachrohr für traumatisierte Flüchtlinge, ebenso wie für die Psychotherapeuten. Es fällt ihr zunehmend schwer, sich von den Leidensberichten der Flüchtlinge zu distanzieren und die verallgemeinernde Haltung von Politik und Gesellschaft zu akzeptieren. Daneben versucht Nora, ihr eigenes chaotisches Leben auf die Reihe zu kriegen. Mascha Dabić zeigt in ihrem Roman eindrücklich eine kaum beachtete Seite der Flüchtlingskrise: die Dolmetscherin im Hintergrund.
Total spannend Noras Gedanken beim Dolmetschen zu verfolgen und zu entdecken wie unterschiedlich verschiedene Sprachen und Kulturen funktionieren. Am besten bei mir hängengeblieben ist die Interaktion, als die Therapeutin fragt, ob die Frau etwas aus der Therapiestunde mitgenommen hat, Nora das wörtlich übersetzt und die Frau entrüstet sagt, sie würde niemals etwas klauen. Hat mir richtig gut gefallen, auch wenn es keine total große Storyline gibt — auf der einen Seite ein bisschen slice-of-life, interessante Hauptfigur, viele Gedanken. Auf der anderen Seite die traumatischen Flüchtlingsgeschichten. Wenn es schon schwer ist, sie zu lesen, wie fühlt es sich wohl an, sie aus der Ich-Perspektive zu dolmetschen? Bisschen First-World-Problem, aber immerhin macht es unsere Privilegien wieder bewusster. Guter Fund in der Bibliothek; wandert vom Büchertrödel in mein Regal
Ein schönes Buch zum Lesen im Bett. Ein paar schöne Einblicke in das Leben eines Sprachmittlers, doch wer nach einer wirklich packenden, mitreißenden Geschichte sucht, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Viel Handlung ist auf den 150 Seiten nicht zu finden. Zwischen den Zeilen kommt immer wieder Politisches durch, z. B. unterschiedliche Wahrnehmungen in Österreich und Russland in Bezug auf Kulturelles, Anspielungen auf Populismus und zum Schluss klingt durch, dass die Protagonistin dankbar für die Flüchtlinge ist, durch die sie schließlich in Lohn und Brot gekommen ist. Eine nette Lektüre, aber nichts Besonderes - was man möglicherweise von einem Erstlingsroman auch nicht erwarten darf.
Wenn Sprache zerfällt. Dieser Roman zeigt auf wie über Dinge gesprochen werden kann/muss, die so schrecklich sind, dass einem die Worte fehlen.
Krieg, Gewalt, das Leben eines Flüchtlings, dessen Mann ermordet wurde, Tage im Wald verbracht wurden und ein negativer Bescheid nach dem anderen einlangt zieht sich durch die Geschichte, während Nora ihren Alltag als Dolmetscherin meistert.