Ein dramatisches Kapitel jüngster deutscher Geschichte – und ein Insider-Report aus dem Innern der Macht.
Die Grenzöffnung für Flüchtlinge im Herbst 2015 hat das Land gespalten – die einen preisen Angela Merkels moralische Haltung, die andern geißeln die Preisgabe von Souveränität. Doch was als planvolles Handeln erscheint, ist in Wahrheit eine Politik des Durchwurstelns, des Taktierens und Lavierens, befeuert von hehren Idealen und Opportunismus. Robin Alexander zeigt, dass die politischen Akteure Getriebene sind, zerrieben zwischen selbst auferlegten Zwängen und den sich überschlagenden Ereignissen.
Robin Alexander blickt als Korrespondent der »Welt am Sonntag« seit Jahren hinter die Kulissen des Kanzleramtes - in seinem Buch, das auf Recherchen in Berlin, Brüssel, Wien, Budapest und der Türkei basiert, rekonstruiert er minutiös die Schlüsselentscheidungen von sechs Schicksalsmonaten - und erzählt am Beispiel des wohl dramatischsten Kapitels der jüngeren deutschen Geschichte davon, wie heute Politik gemacht wird.
Robin Alexander, geboren 1975, hat sich als politischer Berichterstatter, Reporter und Kolumnist im politischen Berlin einen Namen gemacht. Er war Redakteur bei der taz und Reporter bei „Vanity Fair“, bevor er 2008 zur Welt-Gruppe wechselte. 2013 wurde er mit dem renommierten Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet. Er ist regelmäßig im ARD-Presseclub und im ZDF-Morgenmagazin zu Gast und war im Bundestagswahlkampf 2013 Experte und Co-Moderator von Stefan Raab in der Wahlsendung „Absolute Mehrheit“ auf Pro7. 2007 erschien "Familie für Einsteiger" (Rowohlt Berlin). Robin Alexander lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Berlin.
Studium der Geschichte und Journalistik in Leipzig 1995–2000.
2013 Theodor-Wolff-Preis in der Kategorie Reportage/Essay/Analyse für "Auf den Herd gekommen", erschienen in der Welt am Sonntag am 11.11.2012.
2011 nominiert für den "Medienpreis des deutschen Bundestages"
2008 Redakteur, "Die Welt", berichtet über die Kanzlerin und die Unionsparteien
2001 Redakteur, "taz"
Librarian note: There is more than one author in the Goodreads database with this name.
Eine schnell gelesener, informativer, detaillierter und teilweise spannender Bericht über sechs Monate deutscher Aussen- und Innenpolitik vom September 2015 bis März 2016. Teils Kanzlerportrait Angela Merkels in kritischer Lage, teils gründliche Reportage und Zusammenfassung von zahlreichen Gesprächen, Abkommen, Fernsehauftritten, Sitzungsprotokollen auf nationaler und europäischer Ebene. Zusammengestellt ist dies auf der Basis von etlichen Gesprächen des Verfassers mit den Beteiligten, die Quellen des teilweise brisanten Inhalts bleiben aber anonym.
Besonders interessant fand ich die ausgiebigen Einblicke in politische, parteimäßige und persönliche Konstellationen im Bundeskanzleramt, verschiedenen Ministerien, europäischen Regierungen, der Türkei und der EU. Von wenigen historischen Details abgesehen – so zum Beispiel dem mir fremden Abkommen zwischen Schäuble und Honecker über Tamilen noch zu DDR-Zeiten – ist der Text sehr journalistisch Straff und entbehrt fast aller Analyse und Darstellung relevanter Hintergründe und hält sich von Beurteilungen hauptsächlich fern. Völlig fehlt auch die Perspektive der Betroffenen – das Buch ist streng objektiv und konzentriert sich auf die politisch Ebene. Auch wendet sich das Buch nicht an den, der sich über die Konsequenzen von Migrationspolitik (menschlich, wirtschaftlich, kulturell, demographisch, etc.) schlauer machen will.
Ich hätte mir natürlich eine eher fachhistorische statt journalistische Darstellung gewünscht, mit Quellenanhang und gründlichen Verweisen, aber darauf ist sicherlich noch einige Jahre zu warten.
Ich habe etwas geschwankt, ob ich 2 oder 3 Sterne geben soll. Ich tendiere immer noch eher zu 2,5 aber da das nicht geht, gebe ich mal 3. Das Buch ist sehr interessant und liefert viele kleine und große interne Fakten, die man normal nicht mitkriegt. Selbst als jemand, der regelmßig die Nachrichten verfolgt, gab es hier einige Dinge, von denen ich gar nichts wusste und mitgekriegt habe. Was mich gestört hat, war die Kapitelunterteilung. Der Autor geht nicht chronologisch vor, sondern thematisch, wobei er 1. immer wieder zeitlich springt, so dass ich viele Dinge zeitlich erst einordnen konnte, wenn er dann mal mitten im Kapitel ein Datum nannte - und 2. die Kapitel sich thematisch und inhaltlich nicht wirklich abgrenzen und somit nicht immer Sinn machen. Trotzdem ist es ein interessanter und relativ objektiver Bericht, der gut informiert, wie die Krise intern eigentlich so ablief, ohne die Taten und Entscheidungen zu bewerten.
Robin Alexander schafft es in seiner Darstellung der Ereignisse der Jahre 2015 und 2016 hinsichtlich der "Flüchtlingskrise" die prägenden Ereignisse der wohl wichtigsten Tage und Monate der Kanzlerschaft Merkels detailreich und spannend darzustellen.
Insbesondere wird dies erst möglich in Folge der Entscheidung des Autors, den Fokus in der Unterteilung seiner Kapitel nicht auf die Chronologie der Ereignisse in ihrem haargenauen zeitlichen Ablauf zu legen, sondern die Personen, die Europa für immer verändern sollten, in den Vordergrund zu stellen. Nur so konnte die Krise im Deckmantel von Machtkämpfen, Alleingängen und Opportunisten aller Art offengelegt und veranschaulicht werden, wie die Macht weniger die Zukunft vieler für immer verändern sollte.
Uitstekend boek over de vluchtelingencrises van 2015. Laat extreem duidelijk zien hoe Merkel voor heel Europa verstrekkende beslissingen nam en de Duitse en internationale politiek voorgoed veranderde.
Ganz großer Journalismus. Es ist in höchstem Maße beeindruckend, wie Robin Alexander trotz der geringen zeitlichen Distanz zum Untersuchungsgegenstand so viele interessante Hintergründe rekonstruieren konnte. Mir ist es absolut schleierhaft, wie die ZEIT-Journalistin Mariam Lau dem Autor einen "Rochus" auf die Kanzlerin unterstellen konnte. Ganz im Gegenteil, sine ira et studio zeichnet sich dieses Buch durch kühle Logik und eine nüchterne Darstellung aus.
Es ist immer wieder irritierend zu sehen, wie große Politik in Hinterzimmern funktioniert, menschliche Dramen inklusive.
Interesting and detailed but rather heavily biased look behind the scenes of German politics in relation to the refugee crises between September 2015 and March 2016. That the author and I have diametrically opposed views on Merkel's decision to take in large numbers of refugees beginning in September 2015 is obvious, and at times I found his dismissive, condescending tone towards any who support it very grating.
Sehr interessantes aber stellenweise ziemlich polemisch gehaltene Deutung der politischen Ereignisse in Deutschland und Österreich im Jahr 2015. Vielleicht ist man als Österreicher schon desensibilisiert aber mich erschreckt das Hin- und Her der deutschen Regierung damals in Nachbetracht nur wenig.
Mit eines der besten Bücher die ich in letzter Zeit gelesen habe. Sachlich und informativ,ohne jemals für ein Zu-oderWider schildert Robin die Monate in 2015 , als ein neues Zeitalter in der Flüchtlingspolitik angebrochen wurde.
Ein sehr interessantes Buch, das die Flüchtlingspolitik in einem Gesamtzusammenhang darstellt, den man leicht übersieht, wenn man vorwiegend die Tagespresse verfolgt.
Hochinteressant hinsichtlich der Zusammenhänge, Dilemmata, Intrigen und Inkompetenzen, dabei nüchtern und neutral geschrieben. Hervorragend recherchiert!
Detailgetreue Rekonstruktion der Flüchtlingskrise, bei der man ganz nah dran ist. Einige Sachverhalte, Personen und Abkommen könnten verständlicher und ausführlicher beschrieben sein.
Robin Alexander gelingt es in Die Getriebenen, die turbulenten Ereignisse des Jahres 2015 rund um die deutsche Flüchtlingspolitik spannend und faktenreich nachzuzeichnen. Sein journalistischer Stil sorgt dafür, dass man tief in die Dynamik zwischen politischen Akteuren eintauchen kann. Besonders beeindruckend fand ich, wie er die Entscheidungsprozesse und Machtkämpfe hinter den Kulissen detailliert, aber zugänglich darstellt.
Das Buch ist ein faszinierender Blick auf eine der prägendsten Krisen der jüngeren deutschen Geschichte und hilft, die politische und menschliche Dimension dieser Zeit besser zu verstehen. Absolut lesenswert!
Detailed and lively background reporting on an important phase of recent German history, focusing very much on individual politicians and their actions; though sometimes the book becomes a bit lengthy and "chatty". Overall, the narrative is one of improvisation and "loss of control". The author obviously doesn't agree with Chancellor Angela Merkel's refugee policy and treats those who supported it with neglect or disdain. Especially if you agree with her policy (which I do), this book is worth reading in order to receive a dose of political realism behind the scenes.