Krass, wie Kinder von Drogensüchtigen vergessen werden, teils sogar als Therapiehilfe für die Eltern missbraucht werden. Dass diese Kinder dann verwahrlosen, hungern und oft selber zu Drogen greifen, ist allen egal. Von daher schwer zu lesen und macht mich dann auch wütend. Das Thema an sich ist sehr wichtig, gut dass endlich jemand es ans Licht zerrt.
Hier muss sich vieles ändern, und grad in der Schweiz müssen die Behörden die Vergangenheit und damit das leidige Thema der Kinder der Landstrasse verarbeiten und nicht heute dieselben Fehler, nur umgekehrt, wieder machen. Tja, das ist aber offenbar sehr schwierig, siehe auch bei andern Themen. Statt aus der Vergangenheit wirklich zu lernen und vernünftig und sinnvoll zu agieren, wird auf der andern Seite total übers Ziel hinausgeschossen, mit wiederum genauso verheerendem Ergebnis...
Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Mir fehlt aber durch das Buch hindurch eine Einordnung bzw. ein Blick von aussen, was zu wenig der Fall ist. Es ist nunmal eine total subjektive Geschichte, fehleranfällige Kindheitserinnerungen, aufgeschrieben teils 20 Jahre später. Und ganz offensichtlich sehr einseitig und emotional, halt eben kindlich. Mutter wird für ihre Schwäche verurteilt, während der Vater nichts falsch machen kann. Auch, dass er nicht um sie kämpfte und in all dem Elend beliess, wird verstanden. Der grosse Held. Oder halt nicht doch eher der typische Schönwettervater...?
Als sie zu Pflegeeltern kommt und die auch wieder in einer Freikirche sind und die Familie ultrakonservativen Werten anhängt, hat die Autorin mich mehr oder weniger verloren. War dann einfach zuviel des Guten.
Schade, denn dadurch verliert das Buch natürlich sehr. Sobald ich als Leser mich ertappe, wie ich die Glaubwürdigkeit anzweifle, verliert das Buch dann halt auch als Aufklärungswerk einiges an Wert für mich.