Ich war vom Aufbau des Buches etwas überrascht. Es werden im Wortlaut ganze Predigen aus verschiedenen Moscheen in Deutschland, denen der Autor beigewohnt hat, aufgezeigt und danach folgt ein mitunter recht kurzer Kommentar dazu.
Die Idee des Buches finde ich sehr gut und sehr spannend, und wie man anhand meiner Bewertung sehen kann, fand ich auch die Ausführung interessant. Trotzdem fand ich den Stil der Kommentare wenig angenehm, den Autor empfand ich darin als wenig sympathisch und stellenweise auch überraschend naiv/unwissend was das Thema Islam angeht.
Die Predigen selbst haben mich daran erinnert, wie ich mich fühlte, als ich den Koran gelesen habe: Vor allem sehr verwirrt. Der Aufbau ist verworren, die Sprache oft sehr poetisch, der Inhalt sprunghaft. Oft glaubte ich Dinge zu verstehen oder herauszuhören, war mir aber nicht ganz sicher. Da hätte ich mir noch viel mehr Kommentar des Autoren, beziehungsweise Kontextualisierung gewünscht. Es kommen zwar immer wieder Experten zu Wort aber meistens sagen diese nur so etwas wie "Ja, das hört sich jetzt schon eher konservativ an" oder "Nee, das ist ganz normal und recht liberal für den Islam." Das musste ich als Leser dann einfach so hinnehmen, selbst wenn ich persönlich stellenweise ein genau entgegengesetztes Gefühl hatte.
Das Buch ist für Menschen, die sich noch nie mit dem Thema Religion und dem Islam beschäftigt haben, glaube ich weniger geeignet. Für alle anderen ist es ein kurzer, interessanter und, ich glaube, wichtige Lektüre nicht über die Theorie des Islams sondern die Auslebung davon innerhalb Deutschlands.