Cyril Dion wurde 2012 von einem Artikel der Zeitschrift Nature aufgeschreckt, der das Ende unseres Planeten für das Jahr 2100 verkündete. Klimawandel, Artensterben und Nahrungsmittelknappheit würden nicht erst zukünftige Generationen betreffen, sondern schon ihn selbst und seine Kinder. Gespräche mit Freunden schockierten Dion; denn alle wissen zwar von drängenden Problemen, können sich jedoch nicht vorstellen, wo ein Einzelner anpacken kann, um etwas zu verändern. Mancher mag auch um seine Lebensqualität fürchten. Klar ist, dass wir Erdbewohner nicht auf Politiker zählen können, die nicht in Projekten denken, sondern in Wahlperioden. Die Liste der Probleme scheint unendlich lang: Verbrauch fossiler Energieträger, Billiglöhne, Billigwaren, lange Transportwege, hoher Fleischverbrauch, ungesunde Lebensweise, Landflucht in die Städte und zu alledem eine virtuelle Wirklichkeit um uns herum, die kausales Denken verhindere, so Dion. Das drängendste Ziel sei eine ganzheitliche Denkweise, die z. B. Gesamtkosten von Maßnahmen kalkuliert und nicht nur Konzern-Bilanzen im Blick hat. Aus dieser Sicht hätte eine grundlegende Änderung unserer Ernährung zu erfolgen. Der Nahrungs- und Futtermittelanbau verbraucht riesige Flächen, führt zur Vernichtung von Urwäldern und verursacht durch schwindende Waldflächen weitere Klimaprobleme. Eine als Folge des Klimawandels mangelhafte Nahrungsmittelversorgung würde zur Emigration Betroffener führen und schließlich zu Aufständen, wenn ein Staat die Grundbedürfnisse seiner Bürger nicht mehr erfüllen kann. Um unseren ökologischen Fußabdruck auf der Erde zu verkleinern, muss einiges geschehen: Umstellung auf erneuerbare Energien, Leben in überschaubaren, dezentralen und autarken Einheiten, in denen vor Ort Nahrungsmittel produziert werden, weniger unwirtschaftliche Erzeugung von tierischem Eiweiß durch Futtermittelanbau und Tiermast, organisiert unter Bürgerbeteiligung, regionaler und weltweiter Kooperation.
Der französische Regisseur startet mit der Schauspielerin Mélanie Laurent eine Crowd-Funding-Aktion für ein aufwändiges Dokumentarfilm-Projekt. Er will weltweit ermutigende Beispiele dafür finden, wie Bürger selbst aktiv werden können. Seinen Kindern will er endlich etwas Konkretes liefern, nichts Abstraktes. Voraussetzung für radikale Veränderungen ist die menschliche Fähigkeit zur Fiktion. Nur wer Ideen entwickeln und Ziele formulieren kann, wird die eigene Lebensgrundlage sichern können. Dion spricht mit Biologen, Paläontologen, Geografen, Umweltexperten, Agrarwissenschaftlern, Wirtschaftswissenschaftlern, Architekten, Städtebauern und normalen Bürgern, die in ihrem Quartier die Ärmel aufgekrempelt haben. Dazu reist er nach England, Island, Dänemark, Indien, Detroit, San Francisco. Seine Interviewpartner erzählen von anarchischem Gemüseanbau in Großstädten, energiesparendem Wohnungsbau, Car-Sharing, Fahrradfreundlichen Städten, Regionalwährungen, der Maker-Bewegung (in Deutschland Reparatur-Café genannt), der Sharing Economy und Privatinvestitionen in ökologisch sinnvolle Projekte. Am Schluss geht es folgerichtig um die Frage, wie sich Schule und Lehrer verändern müssen und was wir im Bereich der Bildung von Finnland lernen können.
Die Interviewform mit Focus auf Einzelpersonen und ihre Projekte macht Dions Texte auch für Laien leicht verständlich. Positive Auswirkungen durch Gärtnern in Firmen, Schulen und ganzen Stadtvierteln sind leicht vorstellbar. Wirtschaftliche Zusammenhänge sind nicht ganz so leicht zu vermitteln. Aber auch dabei wirkt die Vorbildfunktion von Dions „Leuchttürmen“. Er hat am eigenen Beispiel erfahren, dass der erste kleine Schritt bedeutender ist als komplizierte Theoriegebäude. Auch Dion musste sich zuerst selbst fragen, warum er ein Konsumsklave ist und warum in einem Hotelzimmer automatisch fünf Leuchten aktiviert werden, wenn die Tür geöffnet wird. Zum ersten Schritt einer Veränderung bietet der Anhang Kontaktadressen direkt für deutsche Leser.
Die Fotos im Buch sind auch in der ebook-Ausgabe von guter Qualität, die Links zu Fußnoten haben funktioniert.