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Nächstes Jahr in Berlin

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Astrid, die Erzählerin, reist in ihre schwäbische Heimat, aus der sie 1967 im Alter von 17 Jahren nach Schweden floh. Sie wollte weg aus der spießigen Bundesrepublik, weg von der Mutter, der Ostpreußin mit dem traurigen 'Flüchtlingsgesicht'. Jetzt ist die Mutter gestorben, und Astrid erinnert sich: an das Glück, als ihre Mutter auf einem Gutshof in der DDR ihre Eltern und den Bruder wiederfand; an die wunderbaren Sommer, die Astrid als Kind dort erlebte, bis die Mauer gebaut und die Familie erneut getrennt wurde. Bilder aus der eigenen Jugend werden mit dem Schicksal der Mutter verknüpft: der Flucht, den Jahren nach dem Krieg, der Sehnsucht nach dem, was es nicht mehr gab.

Mit Poesie und Respekt nähert Astrid Seeberger sich anhand ihrer Familiengeschichte dem Thema Krieg und Flucht und schenkt ihrer Mutter schreibend die Liebe, die sie ihr zu Lebzeiten verwehrte.

256 pages, Kindle Edition

First published April 1, 2015

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6 (13%)
1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 16 of 16 reviews
Profile Image for Kingofmusic.
288 reviews56 followers
March 16, 2021
Enttäuschend

Nachdem „Goodbye Bukarest“ 2020 zu meinen Lesehighlights gehörte, freute ich mich auf die Fortsetzung von Astrid Seebergers Familiengeschichte; diesmal mit dem Titel „Nächstes Jahr in Berlin“.

Darin verarbeitet sie den Tod ihrer Mutter sowie das schwierige Verhältnis zu ihr.
Und irgendwie hat sich dieses schwierige Verhältnis auf das Buch ausgewirkt. Ich habe nämlich zu selbigem überhaupt keinen Zugang gefunden. Für diese These spricht, dass ich bestimmt 3 Anläufe gebraucht habe, um über die ersten Seiten hinaus zu kommen.

Ich will Astrid Seeberger gar nicht absprechen, schreiben zu können. Sie weiß geschickt mit Formulierungen, Sprache etc. umzugehen. Und sicher ist es auch nicht einfach, das eigene (schwierige) Verhältnis zu einem Elternteil in Romanform zu packen und so persönliche Ereignisse mit etlichen unbekannten Menschen zu teilen.

Und doch wirkt die Geschichte ihrer Mutter wie ein Mosaik oder ein Puzzle, dass nicht „zusammenpassen“ will und kann. Die Zeit- und Handlungssprünge sind extrem verwirrend, die aus dem Zusammenhang reißenden sexuellen Begehrlichkeiten haben sich mir in keinster Weise erschlossen und auch sonst plätschert die Story eher vor sich hin, als dass sie mich (bei aller Tragik, die eine Flüchtlingsgeschichte mit sich bringt) wie ein reißender Fluss mitgerissen hat – nein, ich kann leider nichts Anderes schreiben, als dass ich enttäuscht bin von der Geschichte.

Da nützen auch die Kafka-Zitate nichts, die mich sonst jubeln und dem Buch per se eine höhere Bewertung geben lassen würden. *Übertreibmodus aus*

Und so kann ich diesmal leider nur 2 enttäuschte Sterne vergeben.

©kingofmusic

Profile Image for Okidoki.
1,311 reviews15 followers
December 16, 2017
Till en början är jag avvaktande, men efterhand smyger sig berättelsen in i hjärteroten. Mycken livserfarenhet och klokhet förmedlas.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
March 5, 2021
„Großvater wusste, was ich wollte, er wusste es, bevor ich es selber wusste. Schreiben war mein Leben.“ (Zitat Pos. 2471)

Inhalt
Nach dem Erscheinen ihres Buches „Goodbye Bukarest“ in Deutschland, meldet sich der Priester Alois, ein alter, enger Freund ihres Vaters, über den Verlag bei der Ich-Erzählerin, um ihr etwas über ihre Mutter zu erzählen. Fünf Jahre sind seit dem Tod ihrer Mutter vergangen und nun schreibt die Tochter die Geschichten über die Familie nieder, die ihre Mutter ihr erzählt hatte. Gleichzeitig denkt sie über die Zeit kurz vor und nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2007 nach, über ihre eigenen Erinnerungen an die Eltern und die Großeltern und verbindet diese mit ihrem aktuellen Leben, die Zeit des Schreibens zwischen Dezember 2012 und Dezember 2013.

Thema und Genre
Dieser autobiografische Roman ist eher ein Erzählband, mit einer Familiengeschichte durch bewegte Jahre einer glücklichen Zeit in Ostpreußen, Vertreibung, Flucht, Krieg, das geteilte Deutschland und einer problematischen Mutter-Tochter-Beziehung als Verbindung der einzelnen Fragmente aus Geschichten und Erinnerungen.

Charaktere
Durch den dichten, autobiografischen Hintergrund dieses Romans sind die handelnden Personen sehr realistisch und präzise beschrieben, ihr Verhalten im Rahmen der Ereignisse verständlich und nachvollziehbar. Andererseits bleiben sie gerade wegen dieser Realität auf Distanz zum Leser.

Handlung und Schreibstil
Es ist ein Roman in Fragmenten. Im ersten, sehr beklemmenden Teil wechseln die Erinnerungen an die Tage vor und nach dem Tod der Mutter im Jahr 2007 mit dem aktuellen Jahr zwischen Dezember 2012 und Dezember 2013, in welchem die Tochter als Ich-Erzählerin in ihrem Haus auf einer Insel in einem See in Schweden an dem Buch über ihre Mutter schreibt. Den zweiten Teil bilden viele einzelne Erzählungen, nicht immer chronologisch, die in vier großen Kapiteln mit je einem übergeordneten Thema zusammengefasst sind. Es sind die Familiengeschichten, die ihre Mutter ihr erzählt hat, beginnend mit der Kindheit und Jugend der Mutter in Ostpreußen. Daran schließen die eigenen Kindheitserinnerungen der Tochter an. Das letzte dieser vier Kapitel hat jene der Ich-Erzählerin bisher unbekannte Geschichte über ein Ereignis aus dem Leben der Mutter zum Inhalt, die ihr der alte Freund ihres Vaters erzählt, und die den Übergang bildet zum nachfolgenden Roman „Goodbye Bukarest“, der aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen in deutscher Übersetzung jedoch als erstes Buch erschienen ist.

Fazit
Ein stark autobiografischer Roman, der sich aus vielen unterschiedlichen Geschichten aus dem Leben von insgesamt drei Generationen der Familie der Ich-Erzählerin zusammensetzt. Es sind beklemmende Ereignisse, aber auch glückliche Kindheitserinnerungen, insgesamt eine sehr persönliche Aufarbeitung der schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung, geschrieben in einer poetischen, dichten Sprache. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt, mich aber etwas ratlos zurücklässt. „Ich weiß es nicht. Er ist so schwer, alles in Einklang zu bringen.“ Dies schreibt die Ich-Erzählerin (Zitat Pos. 3164) und so geht es auch mir mit diesem Buch.
Profile Image for Charlie.
123 reviews22 followers
February 26, 2021
„Nächstes Jahr in Berlin“ von Astrid Seeberger, in der Übersetzung von Gisela Kosubek, erzählt von einer Tochter, deren Mutter verstorben ist und deren Lebensgeschichte - ihre Flucht aus Ostpreußen und das Leben in Schwaben – sie danach rekonstruiert.

Ich tue mich leider wirklich ein wenig schwer damit, das Buch zu bewerten. Da es sehr autobiografisch geprägt ist, sehe ich davon ab, den Inhalt in irgendeiner Art zu kritisieren. Womit ich jedoch manchmal meine Probleme hatte, war der Schreibstil.
Es wird konsequent aus Sicht der Erzählerin berichtet. Das ist in den Momenten, in denen es um die Gegenwart in Schweden oder die Vergangenheit, in der die Erzählerin nach Stuttgart reist, um ihre Mutter zu besuchen, völlig in Ordnung und auch sehr angebracht. Dass jedoch auch die Rückblicke in die Vergangenheit der Mutter in dieser Art gestaltet sind, hat es mir als Leserin sehr schwer gemacht, mich nicht wie eine von sehr weit außen betrachtende Person zu fühlen. Es kam mir dabei immer vor, als würde ich vor einem Fenster stehen und ins Haus schauen, wäre jedoch nie direkt dabei. Das hat eine Distanz zu allen Charakteren aufgebaut, die es mir unmöglich gemacht hat, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Das ist sehr schade, da das Buch doch sehr emotional ist.
Darüber hinaus fand ich die sexuellen Anspielungen, die nichts mit der Story zu tun hatten, absolut unangebracht. Ich fand sie störend und sie haben meinen Lesefluss extrem gebremst. Ich habe mich stetig wieder gefragt, warum man mir das so erzählen musste.
Außerdem würde ich mir in einer etwaigen zweiten Auflage wünschen, dass der Verlag den Terminus „BDM-Mädels“ überarbeitet. Ich weiß nicht, ob es der Übersetzung geschuldet ist, aber diese Dopplung hat mich jedes Mal verwundert.

Alles in allem war das Buch solide und okay, aber nicht so gut, dass ich mich in folgenden Büchern weiter mit der Familiengeschichte beschäftigen möchte. Es liest sich schnell weg und ist emotional, leider hat es bei mir trotzdem keinen großen Eindruck hinterlassen.
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
March 18, 2021
Astrid Seeberger erzählt sowohl eine berührende autobiographische Familiengeschichte, als auch von ihrer nicht ganz einfachen Beziehung zu ihrer Mutter.

Man kann den Roman meines Erachtens nicht nebenbei und zwischendurch lesen, weil es keine leichte Kost ist, was man vorgesetzt bekommt.

Gleich zu Beginn des Buchs werden wir mit dem Tod von Astrids Mutter Rose, die in Stuttgart lebte, konfrontiert.
Die beiden hatten ein eher distanziertes Verhältnis und doch löst der Verlust bei Astrid aus, dass sie sich mit dem Leben ihrer Mutter und folglich auch mit ihrem eigenen auseinandersetzt.
Über diese Auseinandersetzung, die in der Tiefe erst 2012, also fünf Jahre später, auf einer einsamen Insel stattfindet, kommt sie ihrer Mutter post mortem näher.
Sie versteht vieles und kann so manches besser einordnen.

Astrid und wir erfahren von Kriegserlebnissen, von Vertreibung, Flucht, Ankommen und Neubeginn, was nicht immer ganz leicht verdaulich ist.
Und letztlich stößt Astrid aufgrund von Nachforschungen auf ein Familiengeheimnis, das ungewollt und ungeplant gelüftet wird.

Rose, Astrids Mutter, verbrachte ihre Kindheit mit ihren Eltern und drei Brüdern in Ostpreußen.
Während des zweiten Weltkriegs verlor sie auf der Flucht nach Westen ihre Familie aus den Augen. Fortan musste sie alleine zurechtkommen und sich alleine durchschlagen. Ohne Papiere und ohne Ausbildung.
Sie landete erstmal in einem Flüchtlingslager in Gmünd.

Die Autorin beschreibt bildhaft und atmosphärisch dicht und sie erzählt anschaulich, unaufgeregt und feinfühlig.

Das Buch ist intensiv und sprachmächtig. Es berührte mich und ich fühlte mich gut unterhalten.
Ich empfehle es gerne weiter.
Allen, die sich für Familien-, Kriegs- und Nachkriegsgeschichten interessieren, wird es gefallen.

Ich freue mich schon auf den Roman „Goodbye Bukarest“, in dem die Autorin einen weiteren Teil ihrer Familiengeschichte aufgreift.

Profile Image for yellowdog.
881 reviews
February 20, 2021
Eine Familiengeschichte

Es gibt in der Literatur eine Reihe heraustragender Mutter-Bücher und jetzt gehört Astrid Seebergers auf schwedisch verfasster Roman „Nächstes Jahr in Berlin“ mit dazu.
Nachdem die Mutter stirbt zeigt die Erzählerin in diesem vermutlich autofiktionalem Buch ihren Zustand. Dazu nutzt sie bemerkenswerte Bilder, z.B. die klirrende Kälte in der Natur. Das ist sprachlich sehr ansprechend. Hinzu kommen Geschichten ihrer Mutter. Ihre Jugend wurde vom Krieg und der Flucht aus Ostpreußen bestimmt. Eine erste Liebe endete mit dem frühen Tod des Geliebten. Dann kommen die Nachkriegsjahre, aber es wechselt dann wieder zurück in die Ereignisse der Kriegsjahre.

Die Erzählerin lebt mit ihrem Gefährten Lech zusammen. Ihn kennt man schon aus dem Roman Goodbye, Bukarest. Auch Bruno, der Bruder der Mutter, der dort eine große Rolle spielte, wird erwähnt. Hier wird ein wichtiger Teil seiner Geschichte verraten. Solche Zusammenhänge geben dem Erzählten eine umfassende Geschlossenheit.
Ich mag auch die literarischen Verweise, die die Autorin nutzt W.G.Sebald, Lars Gustafsson, Czelaw Milosz.

Astrid Seebergers Art zu schreiben finde ich sehr überzeugend.
2,401 reviews14 followers
February 16, 2021
Zum Inhalt:

Als die Mutter gestorben ist, wird die Tochter unerwartet mit der Vergangenheit konfrontiert. Durch Enthüllungen eines Bekannten werde die Erzählungen und die eigenen Erinnerungen in ein anderes, ein neues Licht gerückt. Es bringt uns in die Zeit des Krieges und der Flucht.

Meine Meinung:

Ich habe mich schwer getan mit dem Buch und zwar nicht weil es schlecht war, sondern weil die Geschichte mit dem autobiographischen Hintergrund es einfach schwer macht das ganze als Roman zu getrachten. Es wirkt mehr wie eine Art der Therapie der Autorin dieses Buch zu schreiben um sich selbst zu heilen und das nicht einfache Verhältnis zur Mutter zu verarbeiten. Es ist allerdings sehr wortgewaltig und intensiv geschrieben und das macht das Buch dann wieder interessant. Ich bin nach wie vor hin und her gerissen und mir fällt eine Bewertung nicht leicht, aufgrund der Sprachgewalt bekommt es aber eine gute mittlere Wertung.

Fazit:

Schwere Kost

30 reviews
January 22, 2022
Astrid Seeberger beschreibt aus der Ich-Perspektive wie es ist, wenn die Mutter stirbt und man in ihre leere Wohnung fährt, um sich um ihre Hinterlassenschaften zu kümmern. Dabei trifft Seebergers Protagonistin auf die Geschichte dieser Familie und erzählt über viele Anekdoten und langsame Beschreibungen, wie die Mutter die Nazizeit verbrachte und dann später nach Deutschland kam, um dort weiter mit sich und der Vergangenheit zu ringen. Dieses Ringen mit sich hat sich auch auf die Tochter übertragen , die nun ihrerseits mit ihrer Rolle hadert und die es zwar auch zur Geschcihte der Mutter aber auch zur Zukunft mit ihrem Partner zieht.
Seeberger schreibt zwar intensiv, jedoch für meinen Geschmack zu langatmig und teils gewollt tiefgründig. So habe ich mich teils zwingen müssen, wirklich aktiv weiter zu lesen und nicht seitenweise Anekdoten und Belanglosigkeiten zu überspringen. Es ist wohl einfach nicht mein Fall. Schade.
Profile Image for John.
649 reviews7 followers
October 23, 2019
En kvinna minns sin uppväxt i Tyskland som präglas av andra världskriget och öst/väst. Vackert språk men tyvärr berörs jag inte av historien.
14 reviews
April 10, 2023
Många fina citat tar jag med mig. Stark skildring av flykt och Europas historia.
Profile Image for Azyria Sun.
681 reviews4 followers
March 26, 2022
Schwacher Anfang, starkes Ende

Worum geht’s?
Eine Familie zwischen Weltkrieg und Mauerbau. Eine Geschichte über Flucht, Verlust und Hoffnung. Und eine Geschichte über starke Frauen und die Kraft von Familie.

Meine Meinung:
„Nächstes Jahr in Berlin“ ist der erste Teil von Astrid Seebergers als groß angelegte, autobiografisch inspirierte Familiengeschichte beworbener Romanreihe. Das Cover gefällt mir gut, man sieht gleich, dass es sich um ein historisches Buch handelt. Auch der Schreibstil und die Wortwahl der Autorin haben mir gefallen.

Leider muss ich sagen, dass mich der Inhalt selbst nicht ganz so begeistern konnte, vor allem dadurch, dass das erste Kapitel doch etwas zerstückelt gewirkt hat. Wie Gedankenfetzen in einem Manuskript. Daher hat es etwas gedauert, bis ich wusste, wo die Autorin damit hinmöchte. Ab dem zweiten Kapitel hat mir das Buch dann deutlich besser gefallen. Die Erfahrungen, die ihre Familie gemacht hat, fand ich spannend. Oft erfährt man in Büchern über den zweiten Weltkrieg eher die Sicht der jüdischen Bevölkerungsgruppe oder von nicht-deutschen Personen; hier erfahren wir, wie sich die deutsche Bevölkerung gefühlt hat. Die Frauen, die zum BDM mussten. Die Männer, die an die Front gerufen wurden. Und die Familien, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Und die Autorin hat uns mitgenommen in die Zeit nach dem Krieg, in die Zeit des Mauerbaus.

Das Buch hat viele gute Ansätze und ich fand die Geschichte wirklich interessant und aufschlussreich. Allerdings hätte man hier meiner Meinung nach deutlich mehr daraus machen können. Das Buch ist mit 250 Seiten recht kurz und genauso kurz waren auch die einzelnen Kapitel. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Ausführlichere Erzählungen und Beschreibungen. So blieb alles etwas oberflächlich. Dabei hätte ich zu gerne mehr erfahren über die Familie, über ihre Zeit im Krieg und insbesondere auch über das Leben vor und nach dem Mauerbau der DDR. Ein Buch, das viel Potenzial aufweist, dieses aber leider nicht voll ausschöpft.

Fazit:
„Nächstes Jahr in Berlin“ von Astrid Seeberger ist ein autobiografisch angelehnter Roman, in dem sie über ihre Familiengeschichte erzählt. Sie nimmt uns mit in die Zeit des ersten Weltkriegs und später in die Zeit vor und nach dem Mauerbau zwischen BRD und DDR. Wir bekommen wirklich spannende Eindrücke aus diesen Zeiten mit, auch mal aus einem anderen Blickwinkel. Das alles hat mir wirklich gut gefallen und ich hätte zu gerne noch mehr, noch intensiver über die Familie gelesen. Und das ist es auch, was mir hier leider gefehlt hat: Ausführlichere Berichte, zusammenhängendere Erzählungen insbesondere auch am Anfang, der doch etwas verwirrend war, und ein noch intensiverer Blick in die Familie selbst.

Gute 3 Sterne für ein Buch mit Potenzial, das dieses leider nicht voll ausgeschöpft hat.
116 reviews
April 13, 2021
Sehr berührend

Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist schwierig, von Distanz geprägt. Doch als die Mutter stirbt, bleibt der Erzählerin nichts anderes übrig, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Es beginnt im Jahr 2007, die Erzählerin lebt in Schweden, zusammen mitihrem Freund. Doch dann macht sie sich auf die Reise nach Stuttgart um die letzten Angelegenheiten ihrer Mutter Rose zu regeln. Rose kommt ursprünglich aus Ostpreußen, doch Weltkriege und der Bau einer Mauer haben die Familie gespalten, in verschiedene Ecken verstreut.

Die Sprache ist ein wenig melancholisch aber auch so unglaublich schön, dass sie mich direkt in ihren Bann zog. Man fühlt sich trotz all der Schwierigkeiten geborgen zwischen den Wörtern, die Astrid Seeberger für ihre Figuren findet. Ihre Geschichte erzählt sie mit viel Gefühl. Durch den Krieg zur Flucht gezwungen, erlebt sie schreckliches, verliert zunächst ihre Eltern und Geschwister, schließlich auch noch ihre beste Freundin und einziger Halt. Rose hatte ein nicht gerade glückliches Leben und dennoch ist sie ein sehr faszinierender Charakter. Man kann als Leser verstehen, warum das Verhältnis von Mutter und Tochter eher distanziert blieb, doch gleichzeitig erlebt man nun auch zusammen mit der Erzählerin die Vergangenheit und Jugend der Mutter neu. Man erfährt, wie sie zu dem Menschen wurde, der sie war. Und man erfährt allerhand über die Familie, denn auch die restlichen Familienmitglieder haben ihre Traumata zuverarbeiten.

Die erzählte Familiengeschichte ist sehr tragisch und doch ist es niemals zu viel für den Leser. Ganz im Gegenteil, Astrid Seeberger berührt im Herzen und regt zum Nachdenken an, zum Verweilen und Vermissen. Mit sehr bildhaftem Schribstil, schafft sie es den Leser mitzunehmen nach Stuttgart und Schweden und noch viel weiter in die Vergangenheit. Seeberger hat einen Roman geschrieben, der die bewegende Geschichte einer Deutschen Familie erzählt, die trotz vieler Widrigkeiten irgendwie zusammenhält.

Größter Kritikpunkt ist für mich tatsächlich das Cover und in gewisser Weise auch der Titel, suggerieren beide doch eine leichte Frauenlektüre ohne Tiefgang und dieses (zugegebenermaßen) Klischee wird diesem Buch nicht gerecht.
Profile Image for Barbara.
212 reviews5 followers
September 10, 2021
Selten ist es mir so schwer gefallen, in Worte zu fassen, was ein Buch in mir ausgelöst hat. Und das liegt nicht daran, dass dieser autobiographische Roman mir nicht gefallen hätte. Ganz im Gegenteil.

Der Roman beginnt mit dem Tod von Astrid Seebergers Mutter Rose und der schwierigen Aufgabe, die Hinterlassenschaft zu regeln. Ich hatte große Probleme, diesen ersten Teil des Buches zu lesen, da ich selbst erst vor kurzem einen Trauerfall in der Familie hatte und die Gefühle beim Ausräumen der Wohnung nur zu gut nachvollziehen konnte.

In den beiden anderen Teilen des Romans wird die Geschichte der Familie erzählt, so wie die Autorin sie von ihrer Mutter erfahren hat. Es ist die Geschichte einer schönen, glücklichen Kindheit in Ostpreußen mit liebenden Eltern und Geschwistern, die durch den Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende nimmt. Die Familie wird auseinandergerissen und Astrids Mutter landet im Schwabenland. Erst viel später erfährt sie, dass der Rest der Familie in Augustenruh in der damaligen DDR ein neues Zuhause gefunden hat. Und so verbringen Astrid und ihre Mutter die Ferien in Augustenruh, bis der Mauerbau und die politischen Umstände die Familie ein zweites Mal trennt – diesmal für immer.

Nächstes Jahr in Berlin ist wieder ein trauriger, schöner, ein wichtiger Roman: er berichtet von der Erbarmungslosigkeit des Krieges, den Entbehrungen und Schrecken der Flucht, von großen Verlusten und von der Einsamkeit, die das Herz gefrieren lässt. Das ist nicht immer leicht zu ertragen, auch wenn die Sprache sehr poetisch ist.

Mein Fazit: Ein berührender, nachdenklich stimmender Roman. Absolut lesenswert.
1,099 reviews9 followers
April 16, 2021
Ist das Buch eine Biographie über die Mutter der Autorin oder eine fiktive Geschichte, vielleicht beides. Es hat sich beim Lesen so angefühlt. Die Distanz und gleichzeitig die Suche nach Nähe, so ein Mutter / Tochter Verhältnis hatte ich auch und ich weiß von vielen anderen. Es scheint normal zu sein das Mütter ihren Töchtern nicht alles erzählen, vor allem wenn es um Erfahrungen im Krieg, auf der Flucht und dem Beginn in einer neuen Heimat geht. Wollen sie ihre Töchter schützen, sie nicht belasten oder ist es wenn man nicht mehr darüber spricht nicht wahr, es verschwindet am Horizont.
Das Buch war in kleinen Bildern gewaltig, schwer zu verdauen, weil es trotzdem sperrig zu lesen war. Manchmal sind großformatige Bilder leichter zu verstehen.
Die vielen Themenwechsel, das Leben der Ich Erzählerin auf einer schwedischen Insel, die Organisation der Beerdigung der Mutter mit allen dazu gehörigen Aufgaben und die Erzählungen von einem Freund der Verstorbenen der versucht Verständnis für das Verhalten der Toten zu wecken, machen das Buch für mich zu einer schweren Lektüre.
Die Vorstellungskraft für das Geschehene ist da, aber es hätte vielleicht etwas mehr Nähe von Seiten der Ich Erzählerin gebraucht, damit das Buch die benötigte Empathie vermittelt.
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