Zitat:
„Wasser tropft von den Decken, jeder Tropfen erzeugt einen anderen Ton, es ist wie Musik, das Lied der kühlen Dunkelheit.“
(S. 12)
„Alles, was ich fühle, ist Leere, trostlos und kahl wie eine Wüste aus Schnee.“
(S. 129)
„Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, mich gehen zu lassen, aber meine Tränen haben sich zurückgezogen wie das Meer bei Ebbe.“
(S. 133)
Inhalt:
Seit Wochen verstecken sich die ehemaligen Hoffnungsträger der Sphären, Ria, Tomma, Aureljo, Tycho und Dantorian bei Quirins Clan in den Schächten und Kanälen unter den alten Ruinen. An der Oberfläche wächst die Gefahr. Immer öfter drängen Feindclans in das Territorium der Schwarzdornen. Fürst Vilem und sein künftiger Nachfolger Sandor haben mit ihren Männern alle Hände voll zu tun, ihr Gebiet zu verteidigen. Auch die Anzahl der Sentinel steigt stetig. Noch immer scheinen sie nach den vermeintlichen Verrätern zu suchen.
Mit Unterstützung Quirins planen Aureljo und Dantorian, sich in die nächstgelegene Sphäre Vienna 2 einzuschmuggeln und den Sphärenbewohnern die Augen zu öffnen. In der Theorie hört sich ihr Plan gut an. Doch Ria ist absolut dagegen, dass sich die Beiden absichtlich in Gefahr bringen. Aureljo verschließt sich ihren Argumenten. Der Plan steht und der Zeitpunkt der Ausführung rückt näher. Kann Ria sich durchsetzen? Was bringt die weitere Zukunft?
Meinung:
„Die Verschworenen“ ist ein zweiter Teil, dem ich eindeutig entgegengefiebert habe. Schon mit „Die Verratenen“ konnte mich Ursula Poznanski in ihren Bann ziehen und mich weitestgehend überzeugen. Die Fortsetzung konnte aus meiner Sicht also nur eine Steigerung bedeuten. Keine Frage, dass ich das Buch nicht lange ungelesen lassen würde.
Kaum hatte ich die ersten Seiten hinter mir, fühlte ich so langsam die Erinnerungen an die zuvor geschehenen Ereignisse wieder in mir aufkeimen. Immerhin war ja nun doch ziemlich viel Zeit zwischen den beiden Teilen dieser Trilogie vergangen.
Anfangs war ich also zusammen mit den fünf Jugendlichen, die ihrer Ermordung durch die Sentinel entkommen waren, in den Katakomben unter der Ruinenstadt gefangen. Für den Einstieg in die Geschichte hat mir Frau Poznanski viel Zeit gegeben, mich wieder mit den Charakteren vertraut zu machen und so einige Entwicklungen, die während meiner Abwesenheit passiert sind, in mich aufzunehmen. Durchsetzt von kleinen Spannungsaufhellern, die die Autorin immer wieder geschickt eingebaut hat, führte sie mich zielstrebig durch die Handlung. In einem Moment, in dem ich nicht damit gerechnet hatte, nahm der Plot dann urplötzlich gewaltig an Fahrt auf. Ich kam kaum noch dazu, Luft zu holen und so raste ich mit steigender Seitenzahl immer schneller durch diese dystopische Welt. Ich inhalierte geradezu die beschriebenen Gefahren, fühlte mit den Charakteren und war immer an deren Seite.
Der Weltentwurf selbst ist fantastisch. Die Autorin beschrieb ihre Welt für mich plastisch und vorstellbar, ich konnte mehr Eindrücke als noch aus dem ersten Teil für mich mitnehmen. Dabei kam sie ohne ausufernde und überdetaillierte Beschreibungen aus. Nun war ich in der Welt von Ria und Co. definitiv angekommen.
Ihre Charaktere schildert Ursula Poznanski sehr real, wobei sie einen besonderen Fokus auf die Protagonistin Ria gelegt hat. Und diese ist mir in „Die Verschworenen“ wirklich sehr ans Herz gewachsen. In diesem zweiten Band hat sie für mich deutlich an Tiefe gewonnen. Ria durchläuft eine phänomenale Entwicklung. Bei allen Enttäuschungen, die sie erleben muss, gibt sie nie auf, zeigt jederzeit Lösungen auf geht unbeirrbar ihren Weg. Obwohl sie kurzzeitig aus der Bahn geworfen wird, rappelt sie sich wieder auf und setzt sich neue Ziele. Ria ist eine Kämpfernatur, eine Anführerin. Und im Endeffekt stellt sich heraus, dass auch Enttäuschung ein notwendiger Schritt zu einer Lösung sein kann. Ria ist immer für eine Überraschung gut und setzte nicht nur die anderen Charaktere sondern auch mich oftmals in Erstaunen mit ihren Handlungen und Gedanken. Und das, was sie dann zufällig entdeckt, kann jeden aus der Bahn werfen.
Aureljo trat in diesem Teil ein wenig in den Hintergrund, auch wenn er natürlich oftmals präsent war. Zu sehr war er begeistert von seinem Plan, die Sphäre Vienna 2 zu infiltrieren. Aber verrennt er sich da nicht vielleicht in fixe Hirngespinste. Kann so ein Plan denn tatsächlich funktionieren? Auch wenn Ria starke Argumente einsetzt, lässt er nicht von seinem Vorhaben ab. So wurde er erzogen und unterrichtet. Doch etwas scheint ihm nun langsam aus den Händen zu gleiten, ohne dass er es bemerkt…
Sandor war eine Überraschung für mich. Als potentieller Nachfolger des Clanfürsten hatte ich ihn unberechenbar und ziemlich wild in Erinnerung. In dieser Geschichte zeigt er auch seine anderen Seiten. Ein sprichwörtlich weicher Kern unter einer harten Schale. Aber auch er muss eine Entscheidung treffen. Bricht er seinen Eid, alles für das Wohlergehen des Clans zu tun und dessen Geheimnisse zu bewahren? Er trifft eine Entscheidung, die einzige, die in seiner Lage richtig sein kann. Aber vielleicht verliert er damit auch alles, was er sich bisher erkämpft hat!
Über Frau Poznanskis Schreibstil selbst brauche ich vermutlich nicht viele Worte zu verlieren. Die Bücher von ihr lesen sich ganz einfach flüssig und man kann sich kaum von ihren Geschichten lösen. So ging es mir auch in dieser aus Rias Sicht in Gegenwartsform geschriebenen Story. Diese gewählte Sichtweise ermöglichte es mir immer, die Handlungen und Charaktere zu vernetzen und auf dem Laufenden zu sein.
Die Autorin treibt ihre Geschichte zum Ende hin nahezu bis zu nervenaufreibender Spannung, so dass ich mich nicht getraut habe, das Buch zur Seite zu legen, ohne dass ich wusste, wie es ausklingt. Und nach einem wirklich berauschenden, auch gefühlsmäßig imposanten Auf und Ab, gönnte mir die Autorin noch eine kleine Beruhigung, so dass ich nun sichtlich zufrieden, aber sehr, sehr gespannt auf den Abschluss der Trilogie warte.
Urteil:
„Die Verschworenen“ bietet alles, was eine gute Geschichte benötigt. Mir zitterten vor Spannung die Hände, ich erlebte ein Netzwerk aus Verstrickungen und Emotionen, ich konnte mich in einer wahnsinnig gut erdachten Welt verlieren. Für diese schönen und mitreißenden Lesestunden erhalten „Die Verschworenen“ eindeutige 5 Bücher.
Für alle Fans gut durchdachter dystopischer Welten, die Spannung und mitreißende Erzählweisen vertragen und Unterhaltung mit geschickt inszenierten Vernetzungen lieben. Für alle, die bereits „Die Verratenen“ gemocht haben, ein definitives Must-Read.
Die Serie:
Die Verratenen
Die Verschworenen
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