Warum radikalisieren sich Jugendliche, die weder aus besonders schwierigen Verhältnissen stammen, noch als ungewöhnlich religiös bekannt waren, innerhalb kürzester Zeit zu gewaltbereiten Islamisten und wollen fortan in Syrien oder hierzulande in den Dschihad ziehen? Warum gelingt es islamischen Fundamentalisten weltweit so leicht, moderate Muslime unter Druck zu setzen, weil sie nicht islamisch genug seien? Fethi Benslama, der 15 Jahre in der Pariser Vorstadt mit radikalisierten Jugendlichen gearbeitet hat, zeigt in seinem wegweisenden Essay, dass weder theologische noch soziologische Erklärungsansätze ausreichen, sondern psychologisch gefragt werden muss, welchen seelischen Gewinn die Einzelnen aus der islamistischen Radikalisierung ziehen: Nur wenn wir begreifen, welcher bis zur Tötung von anderen und sich selbst treibende Genuss die Täter motiviert, lassen sich Gegenmittel finden. Benslama demonstriert eindrucksvoll die Aufklärungskraft der Psychoanalyse und zeigt, wie sich in den muslimischen Gemeinschaften das Ideal des Übermuslims etablieren konnte, dem man bis zur völligen Aufopferung nacheifern muss. Er zeigt aber auch, warum die bloße Deradikalisierung die zugrunde liegenden Probleme nicht beseitigen wird, und schlägt andere Lösungsansätze zur Überwindung des Übermuslims vor. Überraschenderweise gibt ihm dafür gerade der Blick auf den von vielen als gescheitert betrachteten ›Arabischen Frühling‹ Anlass zu einer optimistischen Perspektive.
Fethi Benslama (born 1951) is a French psychoanalyst of Tunisian origin. He is a Professor of Psychopathology at Paris Diderot University, and the author of several books about political Islam.
"Wenn das, was der Westen den Frauen erlaubt, seit den ersten Feldzügen der Franzosen als schwere Bedrohung empfunden worden ist, dann deshalb, weil ihre Präsenz im öffentlichen Raum eine Unterwanderung der theologischen Ordnung des Islam darstellt, für die das Wesen der Frau seiner Natur nach antireligiös ist. Die soziale Sichtbarkeit des weiblichen Körpers bedeutet daher im Islamismus die Existenz eines politischen Körpers frei von Religion. Darin liegt eine der Hauptursachen für die Erfindung des Islamismus als antipolitische Utopie." (75)
Thomas Bauer'in Müphemlik Kültürü ve İslam kitabından müstakil bir bölüm alınıp psikanalitik olarak incelenmiş gibi hissettim. Metinlerarasılık hep kazandırıyor, bahsettiğim kitabın Ölüm Siyaseti'nden evvel okunmasının daha iyi olacağı kanaatindeyim. İslam, İslamcı mevzusunu ele alan kitapların aksine boyutunun ince olması beni şaşırttı ama lafı uzatmadan kitle taşlarıyla izaha düşülmüş. Dipnotundan da çokça kitap öğrenmiş oldum. Meraklısına tavsiye ederim.
Ke3ndme notlar: Ust-musluman kavramini kullanmasi Turkce acisindan bi ilginc olsa da durumu kapsatmis. Oradaki haz, korku ve dusunus mekanizmalari cok iyi aciklanmis. Asil savasin Gessellschaft'la Gemeinschaft olmasi konusu biraz tedirginlik verici. Fazlasiyla Fransiz jakobenizmi kokuyor. Mogollarin islamin gelisimindeki yikici/negatiften yapici rolleri ve travma yataticiligi incelenmeli.
Radikalisierung als Versuch, einen - in vielerlei Hinsicht - psychischen Notstand zu überwinden. Interessante und z.T. überraschende Ansätze, geschrieben von einem tunesischen (muslimischen) Psychoanalytiker und Jugendtherapeuten mit Sitz in Paris, der sich schon seit vielen Jahren mit der Materie befasst. Ein respektvolles und wichtiges Buch.