Im Jahr 2052 hat sich die Bundesrepublik Europa vom Rest der Welt abgeschottet. Hochentwickelte Roboter sorgen für Wohlstand und Sicherheit in der sogenannten Optimalwohlökonomie. Hier werden alle Bürger von der Agentur für Lebensberatung rund um die Uhr überwacht, um für jeden einzelnen den perfekten Platz in der Gesellschaft zu finden. Samson Freitag ist Lebensberater im Staatsdienst und ein glühender Verfechter des Systems. Doch als er kurz vor seiner Beförderung beschuldigt wird, eine falsche Beratung erteilt zu haben, gerät er in einen Abwärtsstrudel, dem er nicht mehr entkommen kann. Das System legt alles daran, ihn zu optimieren ... ob er will oder nicht.
Theresa Hannig was born in 1984 in Munich, Germany. She studied Political Sciences, Economics and Philosophy at Ludwig-Maximilians-Universität München.
She worked as SAP consultand, project manager for solar power plants and light designer.
In 2016 Theresa Hannig won the Stefan-Lübbe-Preis and with it a contract for her first novel "Die Optimierer".
In March 2018 "Die Optimierer" was awarded with the Seraph 2018 for the best debut novel.
Ein tolles Buch mit einer spannenden Zukunftsperspektive, die endlich mal nicht wie in so vielen Dystopien in den USA spielt, sondern mitten in Europa. Unser Protagonist ist ein ziemlicher Pechvogel und mit dem Schreibstil wird eine interessante, bürokratisierte Sprache aufgenommen, aber auch eine tolle Verbindung zu den Lesenden geschaffen. Ich konnte mich gut ins Buch hineinfallen lassen. Außerdem wird oft durch immer wiederkehrende Details eine angenehme Situationskomik geschaffen. Das Ende konnte mich nicht ganz überzeugen, da ich immer noch zweifle, ob ich es völlig genial oder blöd fand, deshalb nur 4,5 Sterne, aber eine fette Empfehlung.
Die Bundesrepublik Europa (BEU) im Jahr 2052: Samson Freitag ist Lebensberater und ein überzeugter Befürworter der Optimalwohlökonomie, in der Menschen nicht mehr für ihren Lebensunterhalt arbeiten müssen und für jeden der ideale Platz gefunden werden soll. Es gibt Frieden, Wohlstand und Sicherheit in einer hochtechnisierten Gesellschaft. Allerdings muss dafür ein hoher Preis gezahlt werden: Überwachung rund um die Uhr, Abschottung vom Rest der Welt und eine Einschränkung der Freiheit des Einzelnen. Diese Schattenseiten werden Samson aber erst klar, als er von einem mustergültigen Bürger zum verachteten Mitglied der Gesellschaft degradiert wird. Kurz vor seiner Beförderung wird er beschuldigt, falsch beraten zu haben, und gerät damit in eine Abwärtsspirale. Das System tut alles, um auch ihn zu optimieren - ob er will oder nicht.
Mit „Die Optimierer“ ist Theresa Hannig ein preisgekrönter Debütroman gelungen.
Meine Meinung: Der Einstieg in die Geschichte und die Einführung in diese Welt der Zukunft sind der Autorin geglückt. Stück für Stück lernt man anhand von Beispielen unterschiedliche Lebensbereiche kennen und kann sich das System, das die komplette Kontrolle hat, gut vorstellen. Je weiter man liest, desto mehr treten die zunehmende Autorisierung, die Überwachung durch den Staat und die Einschränkungen zutage. Es wird ein beängstigendes, aber nicht allzu unrealistisches Zukunftsszenario dargestellt. Es gelingt, anschaulich zu zeigen, wie brutal und gnadenlos gegen Leute vorgegangen wird, die sich nicht konform verhalten. Auch Kritik an unserer heutigen Gesellschaft und aktuellen Themen wird deutlich. Dadurch wird die Lektüre nicht nur kurzweilig und spannend, sondern stimmt auch nachdenklich.
Der Hauptcharakter, Samson Freitag, wirkt - vor allem in den ersten Kapiteln - nicht besonders sympathisch. Mir fiel es gerade anfangs schwer, mir ihn bildlich vorzustellen. Im Verlauf der Geschichte wird aber klar, woran das liegt. Vor diesem Hintergrund ist die Figur authentisch dargestellt.
Die Handlung war für mich insgesamt gut nachvollziehbar. Meine Befürchtung, dass es im Buch zu viele Parallelen zu anderen Dystopien beziehungsweise Utopien gibt, hat sich nicht bestätigt. Die Geschichte kann mit neuen, kreativen Ideen überzeugen. Auch der überraschende Schluss ist nach meiner Ansicht stimmig.
Der Schreibstil ist sehr flüssig, sodass sich die Geschichte angenehm lesen ließ. Auch sprachlich habe ich nichts auszusetzen.
Mein Fazit: Der Autorin ist ein unterhaltsames Zukunftsszenario gelungen, das Lust auf eine Fortsetzung macht.
Ich bin mir noch nicht so ganz sicher, was ich von dem Buch halte. Ich mag das Setting sehr gerne: Endlich mal nicht in den USA, und dann auch noch nicht automatisch in Berlin - das macht das Ganze auf seine Art "näher", ein Stück weit realer und vielleicht auch beängstigender.
Nur hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass das Buch zu kurz ist und dass zu viele Themen gleichzeitig reingepackt wurden. Ich schätze, dass genau das Gefühl von "das Leben in dieser Gesellschaft kann sich von jetzt auf gleich komplett ändern" beabsichtigt war, aber mir ging es trotzdem zu schnell, um es wirklich 100%ig glaubwürdig zu finden. Und ja, am Ende kommen auch die vielen Ansatzpunkte - jeder an seinem Platz, Zugang zu allen Informationen, komplette Überwachung, die Roboter - zusammen, aber es bleibt alles irgendwo an der Oberfläche.
Das Ende ist zwar vorhersehbar, aber trotzdem ein interessanter Schritt.
Nachdem ich mich vorallem am Anfang sehr an Montag aus Fahrenheit 451 erinnert fühlte, konnte sich aber dann, als der Plot in Schwung kam, das Buch doch als eigenständiges Werk behaupten. Besonders gefiel mir, dass der Schauplatz Europa gewählt wurde, das langsame, aber nachvollziehbare Abgleiten Samson's, und das schlüssige Ende. Hier hatte ich dann sogar leicht Gänsehaut . Ich kann hier eine uneingeschränkte Leseempfehlung geben, vorallem für Freunde von Dystopien und Menschen die Instagram und Co kritisch gegenüber stehen.
Kurzzusammenfassung Willkommen in der Optimalwohlökonomie! In den 2050er Jahren hat sich Europa zu einem Paradies entwickelt. Roboter nehmen den Menschen ihre Arbeit ab, die Umweltverschmutzung wurde auf ein Minimum reduziert, dank bedingungslosem Grundeinkommen gehören Existenzängste der Vergangenheit an und alle Menschen sind glücklich.
Oder?
Für Samson Freitag steht das außer Frage. Als Lebensberater weist er den Menschen in der BEU (Bundesrepublik Europa) ihren optimalen Platz in der Gesellschaft zu und betrachtet sich als produktives Mitglied der Gemeinschaft. Doch dann bringt ein Ereignis Samsons perfektes Welt ins Wanken und er beginnt hinter die Fassade einer Gesellschaft zu blicken, die ihre Bürger auf Schritt und Tritt kontrolliert.
Setting Gleich zu Beginn ist mir das Worldbuilding sehr positiv aufgefallen. Das Szenario, das Theresa Hannig kreiert, wirkt durchdacht und stimmig, die Entwicklung hin zur Optimalwohlökonomie wird glaubwürdig erklärt und nimmt Bezug zu aktuellen Themen wie Globalisierung, Flüchtlingskrise etc. Nachdem meine letzte Dystopie („Vox“) was Weltenbau angeht ein ziemlicher Griff ins Klo war, hat mich „Die Optimierer“ diesbezüglich voll überzeugt. Zahlreiche Details lassen die Welt lebendig werden und ergeben ein schlüssiges Gesamtbild. Dabei sind viele der Entwicklungen zwar futuristisch (z.B. eine Computer-Linse, die nur ins Auge eingelegt werden muss und sofort die Segnungen des Internets bereithält), aber nicht so abwegig, dass man sich deren Entwicklung nicht wenigstens vorstellen kann.
Die Ambivalenz zwischen Utopia und Digital-Diktatur gelingt insbesondere in der ersten Hälfte des Romans hervorragend und zeigt eindrucksvoll auf, welche teils brutalen Einschränkungen die Bewohner der BEU für ihr „Optimalwohl“ in Kauf nehmen. Beim lesen/hören ertappte ich mich immer wieder bei der Frage, ob nicht auch unsere Gesellschaft sofort bereit wäre, die eigene Autonomie, Freiheit und Privatsphäre zugunsten eines Lebens ohne Armut und Existenzängste aufzugeben.
Plot Der Plot ist nicht auf Thriller-Niveau konzipiert, sondern verläuft bis zur Mitte eher langsam und gemächlich – trotzdem habe ich mich an keinem Punkt gelangweilt. Wer atemberaubende Cliffhanger und atemlose Spannung sucht, wird hier nicht fündig, dafür bekommt man einen sehr tiefen, sehr detaillierten Einblick in das Leben der Menschen in der Optimalwohlökonomie und in Samsons Alltag. Insgesamt verläuft der Plot ab der „Katastrophe“ im Mittelteil sehr linear, ab einem gewissen Punkt ist relativ klar, in welche Richtung sich das Ganze entwickelt, und überraschende Wendungen bleiben erst einmal aus. Aber, und das ist ein dicker Pluspunkt: Das Ende wartet noch einmal mit einem ungewöhnlichen Twist auf, der so erst einmal nicht absehbar war. Chapeau.
Insgesamt finde ich das Ende absolut großartig, denn
Plot- oder Logiklücken gibt es nur wenige, ein paar Fragen bleiben allerdings offen.
Charaktere Zu den Figuren gibt es tatsächlich wenig zu sagen, denn außer dem Perspektivträger Samson Freitag gibt es keinen Charakter, über den man wirklich viel erfährt. Das ist ein bisschen schade, denn während die Welt extrem plastisch und intensiv geschildert wird, sind die Charaktere eigentlich nur Randerscheinungen, die den Plot ein wenig illustrieren, aber wenig bis keinen Einfluss auf die Handlung nehmen . Zeitweilig hätte ich mir eine*n andere*n Perspektivträger*in gewünscht, um noch etwas mehr „Zwischenmenschliches“ mitzunehmen.
Samson ist ein Protagonist hervorragend geeignet, um Leser*in/Hörer*in gleich von Anfang an abzuholen. Er ist ein Befürworter des Systems, und mit ihm als Perspektivträger fällt es leicht, die vielen „tollen Vorzüge“ der Optimalwohlökonomie nachzuvollziehen und dann, im Verlauf der Geschichte, deren Abgründe zu erkunden. Auch ertappt man sich regelmäßig dabei, ihn trotz seiner vielen Charakterschwächen sympathisch zu finden. Obwohl Samson gut gezeichnet und glaubwürdig ist, war er mir an manchen Stellen trotzdem ein wenig zu flach und erfüllte insgesamt zu viele Klischees des steifen, systemerprobten Beamten. Eine weitere Perspektive, z.B. die von Melanie, hätte mir daher gut gefallen.
Stil Insgesamt fand ich Theresa Hannigs Stil sehr angenehm, allerdings bisweilen etwas ausschweifend, z.B. bei Personenbeschreibungen. Die Details wurden sehr anschaulich eingefangen, langweilten mich aber an einigen Stellen. Auch ein paar repetitive Wendungen sind mir beim Hören aufgefallen. Trotzdem ist der Schreibstil, gerade für ein Debüt, sehr ausgefeilt und gut verständlich.
Hörbuch Den Sprecher, Richard Barenberg, empfand ich als angenehm, möchte ihm aber dringend raten, künftig keinen bayerischen Dialekt mehr zu versuchen. Das war nämlich schlimm. :D
Fazit Alles in allem sind „Die Optimierer“ eine sehr gelungene Dystopie mit einem ausgefeilten Worldbuilding, einer wichtigen Botschaft und einem hochinteressanten Twist am Ende. Figuren und Plot haben ein paar Schwächen, tun dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch.
4 Sterne für die Handlung – eher linear konstruiert mit wenig Höhepunkten, aber einer hochinteressanten Auflösung 5 Sterne für das Setting – eindrucksvolles, bis ins Detail ausgearbeitetes Worldbuilding, das überzeugt 4 Sterne für den Schreibstil – angenehm, aber teils etwas ausschweifend 3 Sterne für die Charaktere – interessanter Protagonist, aber insgesamt wenig Varianz 4 Sterne für das Hörbuch – angenehmer Sprecher, gute Stimmvarianz
Insgesamt also gute 4 Sterne und definitiv eine Leseempfehlung für alle, die gut konstruierte Dystopien mögen und sich gerne mit essentiellen Fragen beschäftigen.
Also das Thema fand ich echt spannend und auch erschreckend, wenn man mal genauer drüber nachdenkt... Ich denke, soweit entfernt sind wir wahrscheinlich gar nicht mehr von einer solchen Realität. Insgesamt fand ich es gut geschrieben, der Schreibstil war flüssig und leicht zu lesen. Von Samson hätte ich mir noch mehr Details gewünscht, welche ihn greifbarer machen. Die Story hat sich an manchen Stellen leider auch gezogen, weil nicht viel passiert ist. Dadurch fiel es mir besonders abends im Bett schwer, am Ball zu bleiben.
Wir schreiben das Jahr 2052. Weite Teile Nord- und Westeuropas haben die Individualstaatenidee aufgegeben und sich zur Bundesrepublik Europa zusammengeschlossen. Man hat auch den Glauben an unbegrenztes Wachstum abgelegt; der Kapitalismus wurde überwunden und stattdessen die «Optimalwohlökonomie» eingeführt, deren Ziel es ist, für jeden Menschen den optimalen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Zuständig dafür sind unter anderem Leute wie Samson Freitag, der als Lebensberater arbeitet. Seine Aufgabe ist es, mithilfe massenhaft gesammelter Daten und persönlicher Gespräche herauszufinden, welchem Job seine Klienten nachgehen sollten. Der Haken: Wer einen Beratungsvertrag abschliesst, 𝘮𝘶𝘴𝘴 das Beratungsergebnis anschliessend auch annehmen.
Samson Freitag ist glühender Verfechter des Systems. Er findet es sinnvoll, rund um die Uhr überwacht und bevormundet zu werden, da es ja schlussendlich dem Glück der Menschen dient. Als er jedoch plötzlich beschuldigt wird, eine falsche Beratung erteilt zu haben, gerät er in eine Abwärtsspirale – und entdeckt mehr und mehr Risse im glattpolierten System.
Theresa Hannig bringt in ihren Debütroman «Die Optimierer» viele spannende, zum Teil auch systemkritische Ideen ein. Tatsächlich würde es der Umwelt zuliebe ja nicht schaden, Themen wie das unbegrenzte Wachstum oder Fleischkonsum zu hinterfragen. Genau so ist die Datensammelwut etwas, dem wir heute oft noch recht gleichgültig gegenüberstehen (Stichwort: «Ich habe ja nichts zu verbergen»). Schlussendlich habe ich diesen Rahmen auch interessanter gefunden als die eigentliche Handlung, die eigentlich nur aus Samson Freitags gesellschaftlichem Abstieg besteht. Der Roman liest sich aber sehr flott, weshalb ich bei Gelegenheit sicher auch noch zur Fortsetzung greifen werde.
~ Ein interessantes, absolut spannendes Debüt, das auf ganzer Linie überzeugt. Theresa Hannigs Zukunftsvision ist ebenso faszinierend wie erschreckend und glänzt mit einer glaubwürdigen, authentischen Hauptperson, mit einem präzisen, flüssigen Schreibstil, mit unerwarteten Wendungen und einem Ende, das es in sich hat. ~
Inhalt
Samson Freitag ist Lebensberater in der Optimalwohlökonomie – einer neuen Gesellschaftsform, durch die es in den vereinigten Ländern Wohlstand und Sicherheit gibt. Der Preis hierfür ist eine lückenlose Überwachung des Einzelnen und ein System, das alles über jeden Bürger weiß (bis hin zum Liebesleben). Samsons Aufgabe ist es, Menschen den für sie perfekten Platz in der Gesellschaft zuzuweisen. Bisher hat er seine Arbeit gut gemacht, er steht kurz vor der Beförderung. Doch dann wird ihm vorgeworfen, bei einer Beratung einen entscheidenden Fehler gemacht zu haben und von diesem Moment an geht es für ihn bergab – mit unglaublicher Geschwindigkeit.
Informationen
Einzelband oder Reihe: Band #1 einer Dilogie (Band 2 erscheint voraussichtlich 2019) Erzählstil: Figuraler Erzähler, Präteritum, teilweise Präsens; Perspektive: aus männlicher Perspektive (Samson) Kapitellänge: kurz bis mittel (ca. zwischen 5 und 12 Seiten) Tiere im Buch: ++ Es werden im Buch keine Tiere getötet oder gequält. Es wird in dieser Zukunftsvision sogar kein Fleisch mehr verzehrt. Das Essen von Fleisch steht unter Strafe.
Zitate
„Samson holte sich einen Kaffee und ging zu den offenen Arbeitsplätzen. […] Fast alle Plätze waren belegt von Beratern, die recherchierten oder Dossiers fertigstellten. Sie alle schienen auf geisterhafte Art abwesend. Natürlich wusste Samson, dass sie konzentriert virtuelle Dokumente bearbeiteten, doch für einen Außenstehenden wirkten sie wie Marionetten, wie Roboter, die alle im gleichen flüsternden Befehlston murmelten und ferngesteuerte Bewegungen vollführten.“ Seite 131
Meine Meinung
Einstieg & Schreibstil
Der Einstieg fiel mir durch den angenehmen Schreibstil leicht. Dennoch braucht die Geschichte etwas, bis sie ins Rollen kommt, weil die Autorin verständlicherweise zuerst ihren Weltenwurf präsentiert und den LeserInnen ein Gefühl für die „schöne neue Welt“ geben möchte.
Der Schreibstil ist einfach, prägnant und auf den Punkt. Er lässt sich zudem sehr flüssig und leicht lesen und nutzt immer wieder Metaphern und Symbolik, um wichtige Sachverhalte zu verdeutlichen. Das fand ich sehr gelungen! Gefühle schildert Theresa Hannig zudem eindrucksvoll, mitreißend und intensiv. Das ist eine weitere große Stärke des Buches.
Protagonist & Personen
In der zugehörigen Leserunde fanden viele den Protagonisten Samson nicht allzu sympathisch. Das liegt vor allem daran, dass er als „braver Bürger“ absolut vom neuen Gesellschaftssystem überzeugt ist und die Schattenseiten vor allem am Beginn nicht erkennt. Dennoch: Ich fand ihn von Anfang an eine sehr dreidimensionale, authentische Figur, die ich sehr gerne in der Geschichte begleitet habe. Samson ist eben in einer Welt großgeworden, in der diese technologischen Neuerungen einfach zum Alltag gehören und in der einem in der Schule / Ausbildung eingeimpft wird, dass das vorhandene System nahezu perfekt ist. Ein Mensch, der zu Beginn so "tief drinsteckt", der so überzeugt von dieser Gesellschaftsordnung ist, der wird seine Zeit brauchen, bis er tatsächlich einsieht, dass nicht alles so schön ist, wie gedacht. Und dann wäre es noch einmal ein weiter Weg zur offenen Rebellion. Samsons Charakterentwicklung im Laufe des Buches fand ich überaus gelungen und überzeugend – es gab nicht eine Situation, in der ich sein Verhalten nicht nachvollziehen konnte. Auch seine starken Gefühle (der Verzweiflung, der Angst) wurden sehr greifbar und intensiv geschildert, so dass ich vollkommen in die Geschichte eintauchen konnte.
Aber auch die Nebenpersonen, von denen nur sehr wenige eine wichtige Rolle haben, wissen zu gefallen. Auch sie erhalten ihre Stärken und Schwächen, ihre Ängste und Macken. Manche enthüllen sogar Geheimnisse, die man so nie vermutet hätte.
Idee & Themen
Die Autorin hat eine sehr interessante, erschreckende Zukunftsvision geschaffen, die mit jeder Seite runder und überzeugender wird. Manche Dinge sind nicht einmal allzu weit hergeholt. In einem System, das jedem seinen Platz zuweist, sind Fehltritte nicht erlaubt. Jedes Abkommen vom zugedachten Weg zieht (teilweise harte) Sanktionen mit sich. Samson wird zu Beginn für ein Vergehen bestraft, für das er nichts kann – und von diesem Moment an geht es für ihn rapide bergab. Erst jetzt merkt er, wie das System, dessen Vorteile er über Jahre genossen hat, mit jenen umgeht, die sich nicht absolut konform verhalten. Robotern kommt eine sehr wichtige Rolle in der neuen Gesellschaft zu – eine Entwicklung, die es tatsächlich (wenn auch vielleicht nicht in diesem Ausmaß) in unserer Zukunft geben könnte. Auch sonst glänzt die Autorin mit vielen eigenständigen, frischen Ideen, die ein sehr gelungenes Gesamtbild ergeben. Es macht beim Lesen sehr viel Spaß, dieses zu erkunden.
Die Themen, die behandelt werden, sind vielfältig. Es geht um das blinde Vertrauen in ein System, das angeblich nur das Beste für jeden Menschen will, um das Entdecken von unerwarteten Schattenseiten, um das Ausgrenzen von Menschen und das „therapieren“ dieser, wenn sie den Erwartungen nicht entsprechen oder es wagen, das angeblich optimale System zu kritisieren. Auch die Frage nach der Wahrheit steht immer wieder im Mittelpunkt.
Atmosphäre
Beim Lesen entfaltet sich eine besondere Atmosphäre: Teilweise erscheint das Buch fast kafkaesk, nicht zuletzt durch den Protagonisten und die seltsamen und unheimlichen Entwicklungen, die die Geschichte stellenweise nimmt. Insgesamt dominiert besonders in der zweiten Hälfte ein Gefühl von Verzweiflung und Misstrauen, weil es Samson unmöglich gemacht wird, wieder in der Optimalwohlökonomie Fuß zu fassen. Aber auch Faszination ist immer wieder vorhanden, sei es wegen der unglaublich hoch entwickelten Roboter oder wegen der tollen Erzählung insgesamt.
Spannung
Auch wenn die Geschichte nicht superspannend beginnt: Die Spannung baut sich mit jeder Seite mehr auf, wird anschließend konstant hoch gehalten und mündet in einem fantastischen Ende, das mich mehr als begeistern konnte. Immer wieder gibt es völlig unerwartete Wendungen, die das Lesen zum Genuss machen.
Mein Fazit
Ein interessantes, absolut spannendes Debüt, das auf ganzer Linie überzeugt. Theresa Hannigs Zukunftsvision ist ebenso faszinierend wie erschreckend und glänzt mit einer glaubwürdigen, authentischen Hauptperson, mit einem präzisen, flüssigen Schreibstil, mit unerwarteten Wendungen und einem Ende, das es in sich hat.
Der zweite Teil, der laut Autorin 2019 erscheinen soll, ist für mich Pflichtlektüre!
Empfehlung: Für Fans von Dystopien und Science Fiction (noch) ein echter Geheimtipp!
3,5 Sterne, aufgerundet auf 4 Sterne. Ich habe etwas gebraucht, um in diese Geschichte hineinzukommen, denn so detailliert und spannend das Worldbuilding ist, so wenig interessant ist für mich die Figur des Samson Freitag zumindest am Anfang gewesen.
Natürlich lässt sich mit ihm, der zu Beginn so treu zum System steht, das Ganze viel deutlicher darstellen, wo die Schattenseiten der achso sozialen Ökonomie liegen, trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass er nicht gar so naiv durch die ganze Geschichte bis zum Ende tappst ... Ein kleines bisschen gesunder Menschenverstand hätte die Figur für mich schon etwas glaubwürdiger gemacht.
Die Stärke des Buchs liegt meiner Meinung daher eher in dem Szenario, das die Autorin da entworfen hat. Zwar spielt das Buch erst in 30 Jahren, ich könnte mir aber gut vorstellen, dass uns so etwas schon eher blüht. Da ich schon mehrere Bücher in diese Richtung gelesen habe, waren mir manche Dinge vertraut, aber die Autorin kommt auch mit durchaus neuen Ideen daher.
Dass das Ende nicht jedermanns Geschmack ist, kann ich mir gut vorstellen, ich fand es zu Beginn etwas wirr, das legte sich allerdings dann wieder, als aufgeklärt wird, was passiert ist. Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich und ragt dadurch schon aus dem heraus, was derzeit so zu dem Thema existiert.
Eine Gesellschaft, in der jeder Sozialpunkte sammelt und anhand dieser seinen unverrückbaren Platz in der Gesellschaft zugewiesen bekommt? Klingt wie Zukunftsmusik, gibt es in China aber tatsächlich. Theresa Hannig stellt in ihrem dystopischen Roman »Die Optimierer« die Frage, ob solch eine Gesellschaft das Paradies oder ein Alptraum wäre.
Samson Freitag ist Lebensberater. Anhand einer umfassenden Datenbank über jeden Bürger stellt er ein Profil seines Kunden zusammen, mit dessen Hilfe er den optimalen Platz für den Bürger in der Gesellschaft bestimmen kann. Einmal festgelegt kann ein Bürger seinen ihn zugewiesenen Platz nicht mehr verlassen, es sei denn, er sammelt massiv Sozialpunkte an. Samson ist glühender Verfechter des Systems, doch als er irrtümlicherweise beschuldigt wird, eine falsche Beratung gegeben zu haben, geht es auf einmal steil bergab mit ihm. Das System will ihn um jeden Preis optimieren, ob er nun will oder nicht.
Normalerweise wird so eine Dystopie eher aus der Sicht ihrer Gegner erzählt. Interessant ist hier, dass Samson, unser Protagonist, jedoch ein glühender Verfechter des Systems ist. Er selbst merkt gar nicht, was das für negative Auswirkungen auf ihn und sein Umfeld hat.
Die Menschen der nahen Zukunft gehen fast nur noch mit einer optischen Linse durch das Leben, das ihnen steten Zugang zu einem personifizierten Onlinefeed ermöglicht und über das sie ihre Umwelt steuern können, beispielsweise ihre Autos oder Fahrstühle. Segen oder Fluch? Scheinbar ist alles dadurch leichter und bequemer geworden. Gleichzeitig wird aber alles, was durch die Linse gesehen wird, ausgenommen, gespeichert und ausgewertet. So beziehen die Lebensberater beispielsweise auch ihre Daten für die Beratung und die Sozialpunkte eines jeden Bürgers werden auf dieser Grundlage berechnet. Es sind die totalen gläsernen Bürger.
Auch wenn Samson anfangs voll hinter diesem System steht, merkt man durch die Reaktion seiner Mitmenschen auf ihn und das, was er sagt, was in vielen anderen vor sich geht, wenn sie mit diesem System konfrontiert sind. Und dass das alles nur an der Oberfläche so toll erscheint, merkt man ohnehin schnell daran, als Samson auf einmal eine Menge Punkte verliert, ohne wirklich was dafür zu können.
Mich persönlich hat sehr schockiert, wie diese Gesellschaft mit psychischen Krankheiten umgeht. Da wird nicht lang gefackelt und anhand einer billigen Checkliste Samson eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert, die vielleicht nicht einmal existiert. Und dann werden ihm dafür auch noch Sozialpunkte abgezogen! Für mich ist so etwas eine absolute Horrorvorstellung, pure Stigmatisierung, die extreme Folgen hat und zu einer sozialen Abwertung führt.
Das zentrale Thema des Romans ist ganz klar Überwachung durch den Statt, der die absolute Kontrolle über die Leben seiner Bürger hat und mit ihnen machen kann, was er will. Auch wenn zunächst alles ganz toll und rosig erscheint, erkennt man doch schnell, wie es unter der Oberfläche modert. Das ist kein feel good Roman, ganz im Gegenteil! Er löst durchaus Unbehagen aus, wenn man darüber nachdenkt, dass das alles gar nicht so unwahrscheinlich ist. Wie viele von uns geben schon jetzt ihr ganzes Privatleben auf Facebook preis? Viel zu viele. Der Schritt zu einer Gesellschaft wie der in »Die Optimierer« ist da weiß Gott nicht mehr so weit.
»Die Optimierer« ist ein Roman, den ich nur wärmstens empfehlen kann. Er regt zum Nachdenken an, ist gleichzeitig aber durch seinen eingängigen Schreibstil sehr zugänglich und ist zudem sehr aktuell! Aktueller, als man so denken mag.
In diesem Buch werden viele Ansätze aus dem Heute einfach und konsequent in die Zukunft fortgeschrieben. Die einen Annahmen sind hierbei wahrscheinlicher als andere, aber das Buch zeigt sehr schön auf, in welche Richtung wir uns begeben könnten. Mit viel Witz und oft auch Ironie beschreibt Theresa Hannig eine Zukunft, in der die "Optimalwohlökonomie" das Leben der Menschen prägt. Und auch wenn es mal kleine Widersprüche gibt, entwirft sie ein in sich doch recht stimmiges Bild, das neben all dem Witz auch nachdenklich macht. Hat mir richtig gut gefallen.
Einige wirklich sehr interessante Ideen, aber sie Handlung ist doch sehr eindimensional und das Ende nicht so clever und überzeugend, wie sie Autorin sich das vielecht gedacht hatte.
Tohle je poprvé, kdy ve scifi, od kterýho jsem nic nečekala, byla hlavní postava hajzl naschvál. A dokonce to bylo i zajímavý – jen teda ten konec byl celkem mimo.
Einfach WOW! Das Buch habe ich recht schnell durchgelesen, wenn mehr Zeit dagewesen wäre bestimmt noch schneller. Der Schreibstil ist sehr flüssig und lässt einen gut durch das Buch kommen. Wo die Geschichte zu Beginn noch etwas tröge daher kommt, entwickelt sie doch sehr schnell eine starke Dynamik die einen mitreißt. Wer die Serie Black Mirror von Netflix kennt wird ein gewissen Teilen an eine Folge der dritten Staffel erinnert. Die Autorin hat die Sache mit den Linsen nur um einiges ausgebaut und eine richtig gute Geschichte erzählt. Wurde man von der Story mitgerissen folgt irgendwann ein Punkt, an dem zumindest ich ins Stocken geraten bin. Man liest und plötzlich denkt man halt Moment irgendwie fehlt mir jetzt der Anschluss oder habe ich was verpasst. Jedoch ist das nicht weiter schlimm, da es zu einem üblen Clou gehört. Den kann man vorhergehend zwar schon etwas erahnen, allerdings nimmt es eine größere Tragweite an als man denkt. Ich habe das Buch mit seiner düsteren Zukunftsvision sehr genossen und hoffe das wir nicht in dieser Art und Weise mal optimiert werden. Vielen Dank das es mir ermöglicht wurde dieses Buch schon vor Erscheinungsdatum lesen zu dürfen.
Začátek byl dobrý. Hezké poposy, zajímavý svět, který je dobře propracovaný. Jenže to bylo vše. Nějaká akce, tedy spíš pokrok se začal pozvolna objevovat mezi 150 az 200 stranou. Největší průlom byl až se smrtí jedné z postav. Konec by mohl být víc rozvedený. Svět jako takový a nápad byl vážně dobrý, ale jen tempo se na můj vkus hodně táhlo.
Auf den ersten Blick möglicherweise nur eine weitere Dystopie, aber in gekonntem Stil geschrieben. Viel Liebe zu Anspielungen, die einem teilweise aber nur beim aufmerksamen Lesen und reflektieren bewusst werden. Definitiv auch politisch und ethnisch motiviert. Wer Blackmirror mag, sollte dieses Buch lesen! Bonus: die erste mir bekannte Dystopie, die in München spielt <3
Zum Buch: Der Roman „Die Optimierer“ ist das Debüt der jungen, deutschen Autorin Theresa Hannig. Das Buch erschien 2017 im Bastei Lübbe Verlag und umfasst 304 Seiten. Theresa Hannig gewann mit diesem Buch 2016 den Stefan-Lübbe-Preis. Es dreht sich alles um die Frage, ob es die perfekte Gesellschaft gibt und wie weit ein Staat geht um diese zu erschaffen.
Zum Inhalt: Es ist das Jahr 2052, und die EU wurde von der BEU, der Bundesrepublik Europa, abgelöst. Diese hat sich vom Rest der Welt komplett abgeschottet und lässt ihre Bürger rund um die Uhr bewachen. Jeder ist immer und überall vernetzt mit seiner Umgebung. Alles wird über hochmoderne Linsen erledigt – Einkaufen, Nachrichten schreiben, Autofahren. Zudem werden von der Regierung Roboter eingesetzt, die sich um das Wohl der Bevölkerung kümmern und für Sicherheit sorgen sollen. In der Optimalwohlökonomie soll es den Menschen an nichts fehlen. Von sogenannten Lebensberatern bekommt jeder arbeitsfähige Bürger den perfekten Platz in der Gesellschaft zugeteilt. Samson Freitag ist ein solcher Lebensberater und ein großer Verfechter des Systems. Er nimmt seinen Job sehr ernst und versucht immer ein vorbildlicher Bürger zu sein. Kurz vor der Beförderung wird ihm dann vorgeworfen einen Kunden falsch beraten zu haben. Das System hat ihn nun sehr genau im Auge und jeder noch so kleine Fehltritt hat Konsequenzen. Jeder Bürger muss optimiert werden, auch Samson. Als er anfängt das System zu hinterfragen, ist es fast schon zu spät.
Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin hat mir sehr gut gefallen, da man schnell durch das Buch kam und es sich sehr flüssig lesen ließ. Auch wenn die Grundidee nichts Neues war, fand ich die Umsetzung richtig gut gelungen. Die Autorin hat die Welt, die sie erschaffen hat, sehr gut durchdacht und auch sehr verständlich vorgestellt. In vielen Büchern die in der Zukunft spielen, wird man von neuen Technologien erschlagen und man verliert recht schnell den Überblick, doch Theresa Hannig hat ein sehr gutes Gleichgewicht geschaffen zwischen der technischen Entwicklung und dem neues politischen System. Die Geschichte brauchte einige Zeit um in Gang zu kommen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau, da man auf den ersten 100 Seiten ein Gefühl für das Setting, den Protagonisten und das System bekommt. Da kommen wir auch gleich zum nächsten positiven Aspekt, den Protagonisten. Samson Freitag war mir am Anfang des Buches noch recht unsympathisch. Er wurde als Spießer dargestellt, der total naiv einem fragwürdigen System vertraut und dient. Doch mit der Wende der Story entwickelte sich Samson zu einer sehr spannenden Person. Er fing an endlich eigene Entscheidungen zu treffen und nicht nur an sich selbst zu denken. Auch hinterfragte er die Dinge nun genauer und handelte plötzlich nachvollziehbar. Man nahm ihm seine Gefühle und Wahrnehmungen ab und fing an, mit ihm mitzufiebern. Er hat eine sehr positive Entwicklung durchgemacht und verwandelte sich vom unbeliebten Spießer zum aufregenden und teilweise unvorhersehbaren Helden. Dieses Buch war zudem für einige Überraschungen gut. Es gab einen Plot-Twist den man einfach nicht erwartet und der meine Vorstellungen, wie die Geschichte ausgehen könnte, total zunichte gemacht hat. Ich wusste mit dieser neuen Entwicklung erst gar nichts anzufangen, aber dann ergab auf einmal alles einen Sinn. Und dann kam auch schon das Ende. Viel zu früh meiner Meinung nach, denn ich wollte noch etwas länger in Samsons Welt bleiben. Aber dieses Ende war einfach genial gemacht. Es gibt da diesen einen letzten Satz, der einfach die Message dieses Buches so unglaublich gut zusammenfasst und der noch einmal die Gedanken anheizt. Man spinnt die Geschichte automatisch weiter und muss dann für sich selbst entscheiden, was er mit der Story anfängt. Das war tatsächlich eines der besten Enden, das ich in letzter Zeit gelesen habe.
Eine Empfehlung?: Ganz klar, Ja! Jeder, der in eine Geschichte mit dystopischem Charme eintauchen möchte, die aber eine ernste Botschaft vermittelt, sollte zu diesem Buch greifen. Es ist allerdings keine Spätabend-Lektüre, da man sich schon etwas konzentrieren sollte beim Lesen. Ich würde das Buch Lesern ab 16 Jahren empfehlen, da es sowohl erotische, als auch vereinzelt brutale Szenen gibt.
Fazit: Eine wahnsinnig tolle Geschichte, mit einer tollen Entwicklung und kontinuierlicher Spannung nach einer etwas längeren Anlaufzeit. Dieses Buch ist ideal um abzuschalten und ich zähle es definitiv zu meinen Jahresfavoriten. Für „Die Optimierer“ vergebe ich 5 von 5 Sternen.
Wir schreiben das Jahr 2052. Inzwischen hat sich eine Bundesrepublik Europa gebildet, welche eine Optimalgesellschaft propagiert und auszuleben versucht. Hierfür gibt es die Agentur für Lebensberatung. Sie empfielt den Bürger*innen, welchen Tätigkeiten sie nachgehen sollen und, falls sie sich für keine Tätigkeit eignen, dann ist man vom Arbeiten freigestellt. Jeder an seinen Platz. So lautet das Motto der Optimalgesellschaft, die den Kapitalismus und die soziale Marktwirtschaft abgeschafft hat. Denn das Leben in einer Optimalwohlgesellschaft ist das beste Leben, das man kriegen kann. Oder...?
Die Welt, die hier dargestellt wird ist sehr fortschrittlich. Kontaktlinsen, die alles zum Wohl der Gesellschaft aufzeichnen und mit denen man so ziemlich alles bedienen und steuern kann, was man im Leben eben so tut und braucht.
Was es im Jahr 2052 alles gibt. So viel neue nützliche Technik, die einereits das Leben leichter macht, aber auch die Überwachung eines jeden Menschen. Es waren richtig coole Ideen dabei.
Samson ist Lebensberater. Ein Traumjob, denn er hilft den Menschen ihre Plätze in der Gesellschaft zu finden und das macht glücklich. Seine Lieblingsbeschäftigung ist es, dem Amt Optimierungsvorschläge zu senden und sei es auch nur, dass ein Bild schief hängt. Optimierungsvorschläge zu senden gibt nämlich Sozialpunkte. Samson hat schon richtig viele. Bald sind es genug, dass es für eine Beförderung ausreicht.
Samson ist ein Vorzeigebürger und absolut überzeugt vom System. Um ihn herum sind einige nicht so begeistert von den Einschränkungen und der Überwachung, aber er versteht einfach nicht, warum. Das fand ich total besonders. Dass die Hauptfigur so regelkonform und abgeneigt gegenüber irgendwelchen Systemgegner*innen ist. Er scheint nichts Falsches an der Kontrolle und Überwachung und der merkwürdigen Strafen zu finden, die ja nur zum Schutz der Bürger*innen existieren. Man hat das Gefühl, er ist blind für das alles, was nicht stimmt, was irgendwie freiheitseinschränkend ist. Auch wenn ihm immer mehr Unrecht geschieht oder seinen Liebsten, er findet das System gut und richtig. Total interessant und spannend.
Ich mochte Samson. Die Autorin hat ihn ganz wunderbar gezeichnet. Seine Entwicklung ist so spannend und ich hab seine ganzen Korrekturvermerke geliebt. So banal, was er da manchmal vermerkt :D
Der Kritik, dass Samson naiv handelt, kann ich nicht zustimmen. Denn wenn man in einem System lebt und es einem in diesem System überwiegend gut geht und man eben auch dahingehend sozialisiert wurde, dann gibt es keinen Grund, das System zu hinterfragen. Beispiele gibt es sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit zu Genüge, deswegen empfinde ich Samson als sehr authentisch. Denn die allermeisten Leute leben regelkonform, sonst gäbe es auf der Welt deutlich mehr Aufstände und Revolutionen. Angepasst zu sein, ist eine Überlebensstrategie...
Die Geschichte ist fiktiv und hat einige gesellschaftskritische Momente. Es wird aber nicht in irgendeiner Form belehrend dargestellt, sondern neben den positiven Seiten der Technik und des Wunsches eines perfekten Systems auch auf die Schattenseiten hingewiesen. Auch der (zu Recht) viel kritisierte Kapitalismus wird von zwei Seiten beleuchtet. Aber nur, wenn man gut aufpasst. Man kann sich aber auch einfach zurücklehnen und eine spannende Geschichte genießen.
Eine wichtige Message ist die über vermeintliche psychische Erkrankungen. Wie hier teilweise mit Diagnosen rumgeworfen wurde - hoch spannend! Psychisch erkrankt ist jemand, der oder die nicht ins System passt... Aber vielleicht ist auch das System krank...?
Das Ende war überraschend und erfrischend und vielleicht auch ein wenig erschreckend. Der letzte Satz des Buches hat es nochmal in sich gehabt. Bzw. das Buch endet mit einer Frage. Einer sehr guten Frage... Kann ich so jetzt erstmal nicht beantworten :D Dieses Buch regt zum Nachdenken an, ist spannend geschrieben und mit vielen interessanten Ideen gespickt. Außerdem gibt es einen Realitätsbezug, der irgendwie beunruhigend ist. Der letzte Wow-Effekt hat mir für die vollen fünf Sterne zwar gefehlt, aber ich vergebe sehr gerne sehr gute vier Sterne. Ich bin so gespannt auf den zweiten Teil.
"Er wusste, wie schrecklich das Leben zu Beginn des Jahrhunderts gewesen war. Wie hatten die Menschen das nur ausgehalten?" Pos. 751
"Aber ich will frei sein, Samson." Pos. 1096
Meinung:
Samson ist ein Vorzeigebürger. Er lebt die Optimalwohlgesellschaft wie kein Anderer und ist somit der perfekte Beamte für die Agentur der Lebensberatung. Als regelkonformer Staatsdiener macht sich das für ihn natürlich bezahlt, und schon jetzt freut er sich auf seine baldige Beförderung. Aber kennt ihr das, wenn es eigentlich nicht besser laufen könnte und es dann urplötzlich so gar nicht mehr läuft? Nein? Glück gehabt! Denn Samson lernt es kennen und glaubt mir, das ist absolut kein Zuckerschlecken für ihn!
Wie ihr wisst, bin ich ja ein sehr interessierter Leser, wenn es um Dystopien und düstere Zukunftsvisionen geht. Vor allem, wenn man immer wieder auf Details trifft, deren Entwicklung man sich sehr gut vorstellen kann. Theresa Hannig konnte mit ihren Ideen sehr bei mir punkten, denn einiges empfand ich als sehr gut vorstellbar und glaubwürdig. So hat im Jahr 2052 fast jeder eine einsetzbare Linse im Auge, mit der er nicht nur Dinge aufzeichnen, Mails verschicken und Dinge nachschlagen kann, sondern man kann auch den Status der Menschen gegenüber einsehen. Sozialpunkte, Gesundheitszustand und vieles mehr. In Anbetracht der Tatsache, wie "verwachsen" viele bereits heutzutage mit ihren Handys sind, könnte ich mir so ein Szenario tatsächlich sehr gut vorstellen. Und ehrlich gesagt, finde ich diese und viele weitere Ideen, die die Autorin in ihrem Buch aufgreift, sehr beklemmend und beängstigend. Generell lässt mir eigentlich alles, was das Thema "gläserner Mensch" anschneidet, einen Schauer den Rücken hinunterlaufen und diese Dinge werden für meinen Geschmack in der Geschichte sehr gut umgesetzt. Das hängt natürlich auch sehr mit dem Schreibstil zusammen. Zum einen empfinde ich alle erdachten Details als sehr leichtgängig lesbar, gut erklärt und nie zu technisch. Zum anderen gefällt es mir auch sehr gut, dass diese düstere und beklemmende Atmosphäre immer wieder durch witzige Szenen und Gedanken aufgelockert wird. Toll gemacht!
Ein weiterer gelungener Aspekt ist die "Optimalwohlökonomie" für mich. Die Idee, dass es für jeden den perfekten Platz gibt, klingt natürlich auf den ersten Blick gut. Aber kann man das ganze Leben wirklich auf Wahrscheinlichkeiten und Statistiken aufbauen? Der Leser merkt schnell, an wie vielen Ecken diese neue Welt krankt, selbst wenn sie erdacht war, um heutige Missstände -wie die Verschwendung von Ressourcen, das Ausnehmen von menschlichem Kapital, usw.- auszumerzen. Faszinierend fand ich hierbei, dass man durchaus gute Ansätze entdecken kann, obwohl Regeln und Verbote, sowie die nahezu absolute Kontrolle des Staates über das Individuum und Aspekte wie Hilfsroboter das Gute schnell zunichte machen.
Wer also Lust auf eine gut durchdachte, sozialkritische und vor allem düstere Zukunftsvision mit dem Antiheld Samson hat, dem kann ich diese Lektüre nur wärmstens empfehlen. Für mich war es ein gelungene Debut, beklemmend, erschreckend und dennoch menschlich!
Europa im Jahr 2052. Die Bundesrepublik Europa, kurz BEU, ist das Paradies auf Erden. Jeder Bürger hat eine Aufgabe, jeder fühlt sich wohl und ist voll vernetzt. Samson Freitag ist einer der Beamten, die dieses erfüllende Leben möglich machen, denn er ist Lebensberater und verhilft Menschen zu der Aufgabe, für die sie bestimmt sind. Doch dann gerät Samsons Welt aus dem Tritt und er muss erkennen, dass das System nicht nur positives bereithält...
"Die Optimierer" ist das Debüt von Theresa Hannig und hat mich begeistert. Die Autorin erschafft eine vermeintlich positive Zukunftsvision, in die man sich hineinwünscht bis man erkennen muss, dass die Tücken hinter der Fassade lauern. Grandios!
Die Geschichte wird von einem auktorialen Erzähler berichtet. Dabei folgt man dem Lebensberater Samson Freitag und lernt so den Alltag in München kennen, genießt die Errungenschaften der Technik und sammelt Sozialpunkte. Diese Punkte sind wichtig für die Beförderung von Samson, für sein soziales Leben und seine Stellung in der Gesellschaft. Ohne diese Punkte ist man ein Aussätziger mit beschränkten Rechten und starker Überwachung. Wer will das schon?
Freitag gehört zu den sehr gewissenhaften Bürgern: Überkorrekt, systemtreu und immer darauf bedacht, Gutes zu tun. Für mich war er trotz dieser Hörigkeit ein großer Sympathieträger. Und mein Mitgefühl wuchs, als Samson erkennen musste, dass seine perfekte Welt nur für den perfekt ist, der sich anpasst. Als seine Freundin ihn verließ, war das ein herber Schlag, aber noch verkraftbar. Als ihm dann auch noch unterstellt wird, er hätte einen Fehler in der Lebensberatung gemacht, bricht die heile Welt Stück für Stück auseinander.
Theresa Hannig hat mit ihrem Lebensberater eine Figur erschaffen, die man belächelt, in den Arm nehmen und teilweise schütteln möchte. Ich habe zu Beginn so manches Mal gedacht, was für eine hübsche Marionette Freitag abgibt. Doch mit jedem Schicksalsschlag zeigte Samson mehr Menschlichkeit, mehr Verletzbarkeit. Das fand ich toll. Erschreckend fand ich hingegen, wie grausam so eine perfekt durchdachte Welt werden kann. Da fröstelte es mich so manches Mal.
Die Story war von Beginn an fesselnd und hat mich begeistert. Dies lag vor allem an dem sich langsam offenbarenden Schrecken der Zukunft und Technik. Ich stand gemeinsam mit Samson ratlos da, konnte die Abhängigkeit von der Technik kaum glauben und erkannte doch so oft, wie wenig entfernt wir davon sind.
Der Schluss hat mich dann aus den Socken gehauen. Obwohl ich eine kleine Ahnung hatte, wie es ausgehen könnte, hat mich das Gesamtbild doch überrascht, nachdenklich gestimmt und begeistert. So wünsche ich mir Romane!
Der Stil von Theresa Hannig ist sehr gut und flüssig zu lesen. Ihre Erzählweise ist detailreich, ohne sich zu verrennen und mitreißend, ohne den Leser zu hetzen. Toll!
Fazit: Jeder an seinem Platz, egal, wie sehr er sich dagegen sträuben möchte. Eine klare Lesempfehlung.
Überwachungskameras, Datenlinsen für jedermann und eine Vielzahl von helfenden Robotern sind Alltag im Jahr 2052. Dies ermöglicht die absolute Wohlfühlökonomie, die jedem Individuum seinen richtigen Platz anweist, möglichst klimafreundlich ist und den Alltag eines jeden komplett optimiert. Samson ist ein rundum überzeugter Anhänger des Systems, bis es sich plötzlich gegen ihn wendet… „Ich habe nichts zu verbergen, also machen mir Überwachungskameras, das Auslesen meiner Daten, etc. nichts, wenn es meiner Sicherheit dient“ so oder so ähnlich argumentieren viele Menschen, doch stimmt das wirklich? Ist es tatsächlich egal, wenn jede Behörde weiß, wie oft ich wo Spazieren gehe, ob ich Kaugummis auf die Straße spucke oder was genau in meinem Einkaufswagen landet? Ich glaubte das vorher schon nicht, doch nach der Lektüre noch weniger. Wird der Mensch nicht irgendwann zum Opfer der Technik? Wie weit darf künstliche Intelligenz den Alltag bestimmen? Alles Fragen, die sich unweigerlich nach der Lektüre stellen. Diese Zukunftsvision hat mich sehr nachdenklich gestimmt und auch wenn ich mir keine Sorgen mache, es selbst so erleben zu müssen, so könnte es meinen Nachfahren blühen – denn unter dem Deckmäntelchen der Sicherheit, der Optimierung oder auch der schlichten Bequemlichkeit werden immer mehr Daten gesammelt. Wenn man diese dann nutzt, wie in der vorliegenden Geschichte, ist das definitiv kein schöner Gedanke… Die ersten zwei Drittel hatten mich auf Anhieb überzeugt. Die Autorin erklärt die neue Weltordnung anschaulich, mit all ihren technischen Finessen, die sowohl Vor-, als auch eine riesen Menge Nachteile mit sich bringen. Auch soziale und wirtschaftliche Entwicklungen sind gut nachvollziehbar und manches wäre vielleicht auch gar nicht so übel. Das Ende der Geschichte hatte mich zunächst nicht ganz überzeugen können. Vieles ging mir zu schnell, meine Einstellung war zwiespältig (Details würden in Spoilern enden, daher hier nicht mehr Info), aber mit etwas Abstand konnte ich dem noch einiges abgewinnen und bin schon gespannt, wie es im zweiten Teil fortgesetzt wird. Ich fand das Buch super durchdacht, mich hat es häufig überrascht, manche Wendung hatte ich so nicht erwartet und ich vermute, dass es nicht nur daran liegt, dass ich gewöhnlich nicht zu diesem Genre greife (ausgenommen 1984, welches mir sehr gut gefallen hatte – was auch einer der Hauptgründe war dieses Buch zu lesen), sondern es einfach nur richtig gut geschrieben war. Die meist recht kurzen Kapitel haben zum Weiterlesen animiert, Samson ist ein interessanter, wenn auch ein wenig spezieller Protagonist und der Schreibstil sehr flüssig. Abgerundet mit einem gewissen Witz und eine gesunde Portion Drama, hat mich das Buch überzeugt. Erstreckend, unterhaltsam und raffiniert – ein Zukunftsroman, den ich gerne weiterempfehle!
Warum habe ich mich für das Buch entschieden? Ich fand die Vorstellung der Optimalwohl-Ökonomie, die auf dem Klappentext beschrieben ist super spannend.
Cover: Das gelb-schwarze Cover fällt stark auf. Für mich ist es durch die geometrischen Figuren klar erkennbar als Science-Fiction-Buch.
Inhalt: Es ist das Jahr 2052, die Bundesrepublik Europa hat sich vom Rest der Welt abgeschottet und startet ein Pilotprojekt indem sie die Optimalwohl-Ökonomie einführt. Samson Freitag ist Lebensberater, sein Job ist es, den Menschen ihren Platz in dieser Ökonomie zu zeigen.
Handlung und Thematik: Die Vorstellung, dass jeder eine Linse als Computer trägt, die nicht nur ein Navi eingebaut hat, sondern auch Bürger-Profile inklusive Straftaten, Sozialpunkte und ähnliches zeigt ist allein schon beängstigend. Auch die Tatsache, dass man Sozialpunkte sammeln muss, damit man in der Gesellschaft aufsteigt ist der Wahnsinn. Die Autorin schaffte es, diese Zukunft anfangs sehr verführerisch und schön zu beschreiben -> dann kam die harte Realität… Super spannend und mitreißend beschrieben. Die Story regt echt zum Nachdenken an! Das Ende war sehr unerwartet!
Charaktere: Samson ist ein vorbildlicher, sozialer Bürger. Sein Sozialpunkte-Status ist kurz vor 1000, das heißt eine Beförderung ist nicht mehr weit. Er fühlt sich im System wohl und trägt ständig zur Verbesserung bei. Durch seine vorbildliche Art fand ich ihn anfangs schon fast ein bisschen nervig, aber als dann die Probleme kamen, musste ich direkt mit ihm mitfiebern und fand ihn sympathischer.
Schreibstil: Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen. Die Kapitellänge finde ich optimal, durch die kurzen Kapitel will man eigentlich immer noch eins lesen. Die technischen Gerätschaften wurden super beschrieben und man konnte sich gut vorstellen, um was es sich handelt. Zu Beginn enthielt der Roman viele witzige Passagen, z.B. „Zum Samstag hat’s wohl nicht gereicht“ als sich Samson Freitag vorstellte. Da später die Lage ernster wurde, wars nicht mehr ganz so witzig. Ich fand den Einsatz des Humors perfekt!
Persönliche Gesamtbewertung: Ich bin begeistert! So wundervoll es am Anfang geklungen hat (und so hätte ich es mir wirklich vorgestellt wie es in Zukunft mal werden könnte), so erschreckend auch die Erkenntnis, dass die Zukunft mit Computern und Roboter vielleicht nicht ganz so toll werden kann. Das Buch regte stark zum Nachdenken über den eigenen digitalen Fußabdruck an. Super Science-Fiction, die ich jedem Technikbegeisterten empfehlen kann!
Das Buch hat mich wirklich umgehauen. Eigentlich hatte ich andere Sachen zu tun, aber ich konnte es nicht aus der Hand legen und habe es an einem Tag ausgelesen.
Zuerst hat mir das Setting sehr gut gefallen: Es spielt im Jahr 2052 in München, eine deutsche Stadt findet man ja in dem Genre eher selten. Auch wenn es in der Zukunft spielt, ist es noch nicht so weit weg, dass alles anders ist. Man "erkennt" die Stadt noch wieder - inkl. Oktoberfest. Die - vor allem technischen Veränderungen - sind gut nachvollziehbar und nicht übertrieben. Es könnte in knapp 40 Jahren genauso aussehen. Das hat mir zwar Gänsehaut verursacht, aber konnte mich auch begeistern.
Außerdem habe ich den Protagonisten Samson Freitag sofort in mein Herz geschlossen: Eigentlich ist er der Vorzeige-Bürger in Person und will einfach nur alles richtig machen, in diesem Fall auch "optimieren". Aber dann wendet sich alles gegen ihn und man muss zusehen, wie es ihm immer schlechter geht, ohne dass er etwas falsch gemacht hat. Und irgendwie auch ohne Hoffnung auf Besserung. Man leidet wirklich mit und wünscht sich, dass er endlich wieder eine Glückssträhne bekommt.
Die Entwicklung der Handlung ist sehr schön nachzuvollziehen. Es sind Kleinigkeiten, die sich häufen, man könnte auch einfach nur von unglücklichen Zufällen sprechen. Das macht alles glaubhaft und nichts wirkt aufgesetzt.
Auch der Schreibstil hat mir gut gefallen. Sehr locker, die wenigen technischen Begriffe sind anfangs gut erklärt bzw. selbsterklärend, sodass man den Inhalt trotzdem gut versteht. Außerdem gibt es viele Dialoge, die die Geschichte lebendig machen.
Wirklich umgehauen hat mich das Ende: Es kommt absolut unerwartet und ist trotzdem in sich schlüssig. Es werden genügen Fragen geklärt, damit man als Leser nicht enttäuscht ist, lässt aber trotzdem noch viel Raum, um selbst darüber nachzudenken, wie es weitergehen könnte. Es ist erschreckend, aber trotzdem schön. Ich kann es nicht erklären, ohne zu spoilern, deswegen sollte man es am Besten selbst lesen.
Alles in allem hat mich "Die Optimierer" von Anfang an gefangen genommen. Ich hatte Spaß, habe gelitten und mitgefiebert. Von mir bekommt das Buch 5 Sterne, die hat es wirklich verdient!
In dieser Dystopie geht es um Samson Freitag, welcher ein sogenannter Lebensberater ist. Dabei ist seine Aufgabe andere zu analysieren und dann den perfekten Platz für diese zu finden. In dieser Welt, in der alles optimiert wird, werden logischerweise auch immer mehr Menschen durch Roboter ersetzt, natürlich nur zu deren eigener Sicherheit. Als Samson dann in einen Abwärtsstrudel gerät, stellt er fest, dass das Leben in der Optimalwohlökonomie doch nicht ganz so optimal verläuft.
Ich persönlich bin schnell in die Welt eingetaucht und mochte den Schreibstil gerne. Die komplette Geschichte ist aus Samsons Perspektive in der 3. Person geschrieben und die Kapitel sind meist recht kurz, was ich gut fand. Ich hatte hauptsächlich meine Probleme damit, dass mir Samson so unsympathisch war. Die Handlung finde ich super. Man erfährt nach und nach mehr über die Welt und sieht auch deutliche Parallelen zu unserer Gesellschaft. Daher denke ich, dass es durchaus nicht unrealistisch ist, eine solche Zukunftsvision heraufzubeschwören.
Ich war wirklich überrascht, wie sich die Geschichte entwickelt hat und es war durchweg interessant und spannend. Obwohl ich eigentlich eine andere Geschichte erwartet hatte, mehr Heldentum, mehr sympatische Charaktere, sodass man sich emotional mehr auf die Charaktere einlässt, war es doch eine super Geschichte!
Außerdem habe ich erfahren, dass es einen weiteren Band geben soll, was mir zu beginn des Lesens nicht klar war. Aber ich bin sehr gespannt darauf! Theresa Hannig hat hier wirklich eine beängstigende, herausragende und spannende Zukunftsvision gesponnen!
In einer relativ nahen Zukunft bekommt jeder den Platz, der ihm zusteht, im Leben und am Arbeitsplatz. Dafür gibt es die sogenannten Lebensberater, und Samson Freitag ist einer von ihnen. Er ist stolz auf seinen Job und steht absolut hinter dem System der Bundesrepublik Europa, die sich von allen anderen Staaten abgetrennt hat. Dank der modernen Technik mit Augenlinsen, Kameras, Robotern wird alles überwacht und die Leute bekommen von den Lebensberatern ihre Arbeit zugewiesen und können sich durch alle möglichen Taten Sozialpunkte verdienen. Samson hat viele Sozialpunkte, weil er stets und ständig Vermerke darüber schreibt, was verbessert gehört. Doch eines Tages verliert er alles: erst eine ihm anvertraute Kundin, die sich nach seiner Beratung das Leben nimmt, dann seine Freundin, schließlich seinen Job. Und als seine Eltern als Verbrecher eingestuft werden, ist er selbst nur noch einen Schritt davon entfernt, als einer zu gelten …
Mir gefiel dieser Zukunftsentwurf. Nicht per se, weil ich mir wünsche, dass es so kommt: die totale Überwachung, die totale Regimetreue, die totale Gleichschaltung. Sondern, weil ich mir sehr gut vorstellen kann, dass so ziemlich alles, was hier beschrieben wurde, eintreffen könnte (teilweise ist es heute schon im Gespräch oder gar durchgesetzt). Wer sich ein bisschen mit Zukunftsforschung beschäftigt, dem ist durchaus klar, dass nichts davon abwegig ist. Sozialpunkte gibt es schon in China, beunruhigende Entwicklungen allerorten. Nicht immer logisch fand ich die schnelle Entwicklung von Samson, aber die Handlung und die Ideen des Buches sind absolut lesenswert.
Thersa Hannig hat es mal wieder geschafft und mich mit ihrem Roman Die Optimierer total geflasht! Dass Theresa Hannig gute Science Fiction-Romane schreiben kann, wusste ich schon seit Pantopia und auch wenn ich dadurch doch eher eine höhere Erwartungshaltung hatte, hat mich dieser Roman noch immer positiv überrascht. Samson Freitag ist Lebensberater in einer nicht allzu fernen Zukunft, in der die Menschen in einer Optimalwohlökonomie leben. Das bedeutet der Staat ist darauf ausgerichtet, dass jeder Mensch das optimale Leben leben kann. Samson ist perfekt integriert, was man auch an seinen Sozialpunkten sieht, doch nach und nach gerät nicht nur sein Leben immer weiter aus den Fugen, auch sein Weltbild verrückt immer mehr. Die Optimierer gestaltet eine Zukunft, die nicht klar in die Sparte Utopie oder Dystopie einzuordnen ist, eine Zukunft, die durchaus möglich scheint und die immer wieder Entscheidungen der Leser:innen fordert, ob sie diese Zukunft ablehnen oder herbeisehnen würden. Und nicht nur dass, Hannig hat etwas geschafft, das in letzter Zeit wenige geschafft haben: Sie hat mich mit dem Ende überrascht. Ich hatte zwar Verdachtsmomente, hab ab und zu vermutet, was mich am Ende erwarten könnte, damit habe ich aber nicht gerechnet! Und genau so stelle ich mir ein gutes Ende vor! Bravo, alles richtig gemacht!