Die vietnamesische Schriftstellerin Le Minh Khue schreibt literarische Erzählungen über die Folgen von Krieg, Korruption, Vereinnahmung, über kollektive und persönliche Schuld. Zwei davon - "Stürmische Zeiten" und "Eine kleine Tragödie" - soll dieser Band dem deutschsprachigen Publikum nahebringen.
Lê Minh Khuê sinh ngày 6 tháng 12 năm 1949, quê ở xã An Hải, huyện Tĩnh Gia, tỉnh Thanh Hóa.
Trong kháng chiến chống Mĩ, bà gia nhập thanh niên xung phong và bắt đầu viết văn vào đầu những năm 70.
Lê Minh Khuê là cây bút nữ chuyên về truyện ngắn. Trong những năm chiến tranh, truyện của Lê Minh Khuê viết về cuộc sống chiến đấu của tuổi trẻ ở tuyến đường Trường Sơn.
Sau năm 1975, tác phẩm của nhà văn bám sát những biến chuyển của đời sống xã hội và con người trên tinh thấn đổi mới.
Từ 1978 đến khi nghỉ hưu, bà làm biên tập tại Nhà xuất bản Hội Nhà văn
Wie so einige Viellesende träume auch ich davon, literarisch einmal in jedes Land der Welt zu schnuppern, am besten durch eine Autorin oder einen Autor, der aus diesem Land stammt. Würde ich zur Dokumentation eine Weltkarte benutzen, könnte ich nun ein weiteres Land mit einem farbigen Fähnchen „abhaken“: Vietnam. Wunderbarerweise hat der Argumentverlag für seine Ariadne-Krimis die vietnamesische Schriftstellerin Le Minh Khue gewinnen können, von der nun zwei Kurzgeschichten im Band „Nach der Schlacht“ auf Deutsch vorliegen.
Vietnam – was genau weiß ich eigentlich darüber? Jeder hat wohl den Vietnamkrieg im Kopf und auch wenn ich die Hollywood-Streifen, in denen mehr oder weniger heroische Helden in irgendwelchen Dschungeln im Sumpf versinken, nicht genau kenne, ist das doch immer eine amerikanische Perspektive. Der Krieg war für die USA ein Desaster, doch wie war es für Vietnam, für die Menschen, die dort leben? Le Minh Khue nimmt uns nur teilweise mit in diese Zeit, zeigt aber ganz deutlich die Auswirkungen dieses verheerenden Krieges und des Kommunismus. Doch das zeigt sie an Familien, an Schicksalen, am Leben der Menschen in Vietnam. Hier werden keine großen politischen Schlachten geschlagen – es geht um das Alltägliche, das Leben der Menschen.
„Das wirkliche Leid traf die Mütter, die durch ihre Kinder ihr Herzblut für den Krieg vergossen. Im Krieg ging es immer nur um Sieg, Strategie, Taktik, der Verlust an menschlichem Blut, das viele konkrete individuelle Leid zählte nicht.“ (S. 52)
„Stürmische Zeiten“ folgt zwei Halbbrüdern ein halbes Leben lang. Der eine wächst wohlbehütet in der Familie auf, der andere, der Sohn der Geliebten, lebt verstoßen und mit seiner verbitterten Mutter. Der Krieg, in dem beide zu unterschiedlichen Seiten angehören, lässt die beiden Jahre später aufeinander stoßen und bringt Verbitterung, Hass und Gemeinheiten herauf, deren sich die Alten, die das Unglück verursacht haben, schon fast nicht mehr bewusst sind, in den Kinderköpfen aber sehr wohl noch eindrücklich vorhanden.
„Eine kleine Tragödie“ beginnt zeitlich viel später und handelt von einer Journalistin, die mit distanziertem Blick eine Tragödie ihrer Familie erzählt. Die Journalistin ist eine einfache Frau, die sich durchs Leben schlagen muss. Allerdings die Nichte eines Parteimitglieds, eines hohen und mächtigen Parteimitglieds, dessen Tochter gut mit ihr befreundet ist. Die Unterschiede der Welten dieser beiden Frauen sind wie Tag und Nacht, doch auch hier holen die Sünden der Alten die Kinder ein und die wohlbehütete Tochter büßt ihr Glück letztendlich ein.
Die Auswirkungen des Krieges, der nicht kritisierbare Kommunismus, zu wenig zum leben, zu viel zum sterben, das tägliche Harren auf ein besseres Leben und gleichzeitig das müde Akzeptieren der Gegebenheiten offenbart eine fremde Kultur, eine fremde Politik – alles scheint so anders. Und doch, betrachtet man die Grundstruktur, sind die kleinen Geschichten, die das Leben schreiben, doch die gleichen wie man sie auch hier, in Europa oder eben überall auf der Welt, findet. Familientragödien, Fehler, welche die Eltern (hier eigentlich die Väter) machen und die Kinder ausbaden dürfen, bzw. müssen, Hass, der sich aufstaut und in Rache gipfelt oder in schierer Ohnmacht endet. Diese Mischung aus einem für mich neuen, unbekannten Hintergrund – Vietnam mit all seinen Facetten - und gewohnt alltäglichem, menschlichen Verhalten fand ich unglaublich faszinierend. Ein vietnamesischer Blick auf Vietnam, der zwar zeigt, dass die Grundzüge der Menschheit doch gar nicht so anders sind, aber genau darin, mit der Kombination der Geschichte, Kultur und Politik des Landes, einen unglaublichen Sog entwickelt und einen in neue, unbekannte Abgründe schubst.
Fazit: Ein unverstellter und faszinierender Einblick die Geschichte und Kultur Vietnams, welcher in Kombination mit den alltäglichen Grausamkeiten, die sich Familienmitglieder antun, ein realistisches Bild der Gegenwart Vietnams und dessen Kampf mit seinen Wurzeln zeigt. Ergreifender Lesestoff!