Trotz sexueller Revolution und anschließender gesellschaftsweiter Aufklärung verhindert die gegenwärtige Porno-Dauerschleife in Werbung, Film und Internet nach wie vor, dass wir uns in unserer Sexualität frei entwickeln. Das Überangebot an Sex sorgt nicht für die Überwindung überholter Tabus, sondern für neue Schwierigkeiten und Unsicherheit. Muss das so bleiben? Nein, meint Katrin Rönicke. Aber dazu müssen wir uns dem Thema stellen, so wie sie selbst es in diesem Buch tut, persönlich und mutig. Sie schreibt – ganz explizit und konkret – über Sexualität in der Kindheit, Stimulation, Kommunikation, Liebe, sexuelle Vielfalt, Gewalt und Grenzen, Kinderwunsch. Und sie ist überzeugt: Sich mit dem Thema zu beschäftigen, ist ein Anfang, aus der Problemzone rauszukommen.
Die 100-Seiten-Reihe von Reclam lässt den jeweiligen Autoren eine Menge Spielraum im Bezug darauf, wie sie die Titel-Themen angehen. In Sachen "Sex" war es Katrin Rönicke, die den Stift schwang und das aufschrieb, was ihr dazu einfiel. Oder vielleicht besser: Was ihr am Herzen lag.
Ich habe bisher zwei Titel aus der Reihe gelesen und muss leider sagen, dass "Sex" bisher das Schwächste war. Weit weniger, weil Fr. Rönicke nicht interessantes zu sagen gehabt hätte, als vielmehr, weil das Thema selbst und die offenen Absichten der Autorin für mich nicht gut zusammen gepasst haben. Es ging dabei viel weniger um Sex im Allgemeinen, als um die weibliche Perspektive, die sie dazu einnimmt.
Nahezu alle Wortmeldungen stammen von Frauen. Sämtliche Link-Empfehlungen haben deutlich gynozentrische Schlagseite (was natürlich nicht negativ ist - bloß einseitig). Wenn sie dann noch die Religionen ins Boot holt, dann wird auch hauptsächlich darüber informiert, wieso die weibliche Sexualität in diesen weniger beachtet wird als ihr zusteht.
Das Buch ist (mehr oder weniger) eine Themenverfehlung. Die eingenommenen Perspektiven werden, ehrlich gesagt, inzwischen in jedem Sex-Ratgeber auf dem nicht explizit "für Männer" draufsteht eingenommen. Nichts desto trotz ist es kein schlechtes Buch. Es ist nur eben der falsche Titel, finde ich.
Ich empfehle das Buch dennoch allen Frauen (im weitesten Sinne...), die gerne einmal geschmackvollere Pornos sehen wollen - oder solchen, die vielleicht mit ihrer Sexualität unzufrieden sind und sich vergewissern wollen, dass sie damit nicht alleine sind. Männern (im weitesten Sinne), die sich mit dem Thema weibliche Sexualität und Perspektive noch nie auseinandergesetzt haben ebenfalls (vor allem, weil Fr. Rönicke es schafft in Sachen Vorwürfe nicht allzusehr unter die Gürtellinie zu gehen - *höhö*). Für alle anderen, befürchte ich, gibt es besseres.
Hab ich gern in einem Rutsch durchgelesen, vor zwei Wochen, und sogar gleich im Zug eine kleine Rezension auf meinem Notebook getippt, aber dann kam ich nicht dazu, das online zu stellen - und jetzt finde ich die Datei nicht wieder. Sowas Blödes. Und das Buch ist inzwischen verliehen. Aber gut, hier in Kürze, woran ich mich erinnere: Solide Informationen und Hinweise zu dem Thema, inklusive Tipps für okaye Pornoseiten, unterhaltsam geschrieben. Kann man auch Heranwachsenden sehr guten Gewissens in die Hand geben.
Irgendwie am Thema vorbei. Zwar erst mein zweiter Titel aus der 100 Seiten Reihe, ich denke aber doch, das diese eine Sachbuchreihe ist. Dafür war hier aber eine ganze Menge Subjektivität, Meinung und Selbstfindung dabei. Um das eigentliche Thema ging es auch eher nebenbei. Das alles führt für mich dann zur geringen Bewertung.
Hätte mir eher ein richtiges kurzes Sachbuch vorgestellt, das hier war irgendwie nichts halbes und nichts Ganzes. Gerade die Teile zur pornografie waren sehr schlecht durchdacht.