Man muss nicht gerade geistergläubig sein, wenn man Shakespeares Ansicht teilt, daß es Dinge gibt, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. Denn - wer wäre trotz allen Wissens um Zusammenhänge nicht schon einmal in Bedrängnis gekommen, daß er nicht "Gespenster" gesehen hätte? Viele Künstler haben den Erscheinungen in dem Grenzbereich zwischen Erfaßbarem und noch nicht Erfaßtem nachgespürt, ihre Auswirkungen auf die menschliche Psyche ins Bild gesetzt, und so bietet die Weltliteratur zahlreiche Beispiele echter Gespenstergeschichten.
Dieser Band enthält eine Auswahl von dreißig Erzählungen aus Europa und Nordamerika, ihm wird eine Anthologie mit deutschen Gespenstergeschichten folgen. In seiner lockeren chronologischen Anordnung gibt dieses Buch eine Übersicht über die Entwicklung der Gespenstergeschichten von der Aufklärung und Romantik bis zum kritischen Realismus. Und so wird auch deutlich, daß Gespensterglaube und damit auch die Gespenstergeschichte sei frühster Zeit im Volk verwurzelt sind und daß die Gespensterdichtung ein Abbild der allgemeinen Entwicklung des Glaubens an das Gespenstische, Dämonische und Unheimliche ist.