1968 war ein Jahr großer gesellschaftlicher Unruhen. In der Antoniterkirche Köln rief ein ökumenischer Arbeitskreis das Politische Nachtgebet ins Leben und politisierte so den christlichen Gottesdienst. Die Folge waren zunächst Abwehr und Feindseligkeit vonseiten der Amtskirchen. Sogar der Geheimdienst interessierte sich plötzlich für liturgische Fragen. Und mittendrin stand die evangelische Theologin Dorothee Sölle, die später die Vereinigung »Christen für den Sozialismus« mit begründete.
Das kurze Experiment des Politischen Nachtgebets zog weite Kreise. Selbst die Montagsgebete in der DDR stehen in dieser Tradition. War die Aufregung gerechtfertigt? Wie ist der Nachklang des Nachtgebets? Diesen Fragen geht das Buch erzählerisch auf den Grund und trifft damit auch den Nerv der aktuellen Fragestellungen zwischen Religion und Politik.
Eigentlich ein sehr gutes Buch. Top Schreibstil, manchmal fast romanhaft. Hier und da vielleicht sogar etwas zu detailverliebt, was mich aber nicht störte - mehr bloße Fakten ermöglichen mehr eigene Meinung. Das Buch fängt die Zeit gut auf, historische Hintergründe und theologische Linien werden zurückverfolgt. Echt gut dat Ding. Zwei Sachen haben mich aber doch gestört: 1. Etwas mehr zur Liturgie hätte nicht geschadet. Man erfährt viel vom Drumherum aber verhältnismäßig wenig über die verwendeten liturgischen Formate. 2. Die letzten zwei Seiten. Da fand sich dann erstmals eine kurze Stellungnahme zur Sache. Fand ich leider überhaupt nicht gelungen. Kurz: Da heute alles eh so politisch sei, brauche es keine dezidiert politische Liturgie. Eine Orgel zu benutzen sei heute mehr gegen den Strom als alles was Sölle ihrerzeit gemacht habe. Irgendwie dumm.
Das politische Nachtgebet an sich ist echt super interessant, hier waren auch die Verbindungen zwischen den Figuren spannend, aber sowohl der Mangel an liturgischer Analyse, zB auch einfach kurz die Reihung der Liturgie vorzustellen, nen ganz arges Kreuz und quer im Teil über die politische Vergangenheit der evangelischen Kirche insbesondere in der ns zeit und nen komisches wenig verbundenes Statement am Ende sind echt schade, da vom Gefühl her mehr drin gewesen wäre, wenn die Dynamik die sich da gezeigt hat, doch nochmal mit etwas mehr Komplexität analysiert worden wäre
Dieses Buch untersucht, wie das politische Nachtgebet entstanden ist und sich entwickelt hat. Ich wusste von den politischen Nachtgebeten nichts, bis ich letztes Jahr in einer Radiosendung (Glaubenssachen) davon gehört gabe.
Dieses dünne Buch gibt eine schöne Zusammenfassung der Entwicklung und wie sich Dorothee Sölle hierbei engagiert hat. Ihre Theologie mag zwar nicht konventionell gewesen sein (sie glaubte z.B nicht, dass Gott allmächtig ist, sondern unsere Hilfe braucht), hatte aber ansonsten sehr gute Ideen, die sie nicht nur akademisch untersuchte, sondern stattdessen, zusammen mit anderen, umzusetzen versuchte. Auch wenn zum Ende der regelmäßigen Nachtgebete noch nicht klar war, wie groß der Einfluss sein würde, sind viele der damals neuen Ideen, Aktionen, usw. heute selbstverständlich geworden.