Populisten dominieren immer stärker den öffentlichen Diskurs, Politik und Medien reagieren aufgeschreckt. Es scheint fast vergessen, dass es immer noch eine demokratische und freiheitliche Mehrheit gibt. Zeit sich zu Wort zu melden! Der Bestsellerautor und Sozialpsychologe Harald Welzer liefert die Argumente, die man allen rechtspopulistischen Dummheiten erfolgreich entgegenhalten kann.
Harald Welzer ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. "Der Spiegel" stellte ihn im August 2007 in seiner Serie herausragender Wissenschaftler als "produktiven Quergeist" einem breiten Publikum vor. (Klappentextinformation aus "Klimakriege" 2008)
Das Jahr 2018 fängt literarisch schon Mal ganz groß an. Ich hätte mir nur gewünscht, dass ich das Buch bereits vor einem Jahr gelesen hätte. Es ist zwar immernoch relevant, aber das Setting ist leicht anders. Schlimmer? Ich konnte einige neue Denkansätze und viele neue Argumente gegen Schwachsinn mitnehmen. Ist ein schmales Büchlein und schnell gelesen. Man erwartet eigentlich einen hochtrabenden und interlektuellen Schreibstil, aber Welzer schreibt wirklich sehr sehr locker und verständlich. Lohnt sich!
„Menschen wie Pretzell und Seehofer, so lässt sich unschwer erkennen, fehlt jeder Anstand, ja sogar das ganz normale moralische Grundgerüst, das wir voneinander in modernen Gesellschaften erwarten.“ Dieser Satz auf der ersten Seite des Buches macht klar, worum es in diesem Buch geht. In 13 Kapiteln zeigt uns Harald Welzer den Weg in eine offene Gesellschaft, zu mehr Demokratie und Freiheit. Jedes dieser Kapitel endet mit einer Regel wie zum Beispiel: „Es ist einfacher für die Demokratie zu kämpfen, solange es sie noch gibt. Danach wird es erheblich schwieriger.“
In den Kapiteln beschreibt der Autor unter anderem den Umgang vieler Bürger mit den Flüchtlingen, zieht einen Vergleich mit den Entwicklungen in den 30er Jahren und nennt für ihn wichtige Themen wie Bildungspolitik oder Lobbyismus. Die Kapitel und Regeln sind klar verständlich und für mich ohne Probleme nachvollziehbar. Die politische Ausrichtung von Welzer wird klar, aber er kann alles belegen und erläutern.
Das Buch ist sehr gut geschrieben, ich hatte es relativ schnell durch. Ob das Buch jetzt das Potential hat, die Welt zu verändern, wage ich zu bezweifeln. Es ist aber ein gutes Buch, um sich selbst mal Gedanken über sich und die eigene Rolle in der Gesellschaft zu machen. Wer eine offene Gesellschaft und wirkliche Demokratie möchte, sollte sich fragen, was er selbst tun kann und muss. Dieses Buch gibt dazu einige Denkanstöße.
Ich vergebe 4 Sterne. Den einen Punkt hätte es gegeben, wenn es mehr konkretere Ansätze für eine offene Gesellschaft gegeben hätte.
Ich muss gestehen, mich stresst die derzeitige weltpolitische Situation total. Ich schwanke zwischen einerseits "Kopf in den Sand stecken" - hierbei ignoriere ich dann alle Nachrichten - und dann andererseits mutiere ich zum Nachrichtenjunkie und ziehe mir alles rein was geht. Das Buch von Harald Welzer tut dabei irgendwie gut. Es bestätigt mir, dass nicht ICH - weil ich weltoffen und liberal bin - der Spacko bin, sondern die neue Axe des Bösen, Trump-Erdogan-LePen-AfD-Putin und deren Anhänger sind die Spackos. Da liest man zwar viele Allgemeinplätze, aber man fragt sich trotzdem auf jeder Seite, wieso gibt es überhaupt noch Menschen, die Russia Today in Deutschland schauen. Die Nazi-Kultur (und ich verweigere mich da Welzers höflichem "neurechts" Sprachgebrauch) ist im Jahr 2017 so unglaublich schwer zu nach vollzuziehen. Natürlich vereinfacht Welzer auch. Die Spackos von der SED...ups PDS...ups die Linken vernachlässigt er fast ganz und als Frau verdeutlicht er zu wenig, wie herabwürdigend für Frauen die neuen Nazis und Faschisten dieser Welt sind. Ich glaube da hätte es nicht geschade, wenn Herr Welzer noch 20-30 Seiten mehr geschrieben hätte. Einen Stern Abzug gibt es für das Kapitel zum Neoliberalismus. Witze auf Kosten von Transgender gehen gar nicht und die Probleme des Neoliberalismus damit zu erklären, dass Schwule sich Babies bei Leihmüttern in der Dritten Welt kaufen und dass das zu einer Neidkultur führt....widerwärtig, Herr Welzer. Da hätte ich das Buch fast in die Ecke geschmissen. Was schade wäre, denn der Rest ist wirklich ansprechend und nett geschrieben und es ermutigt den Leser, FÜR etwas zu sein (z.B. Europa #pulseofeurope) und nicht der Angstmacherei zu erliegen.
We desperately need a good book with this title. Unfortunately, between bits of good information, Welzer undercuts himself with random outrages and attacks against minorities. Here just one example that stuck with me:
"Ich halte einen Vortrag über die Offene Gesellschaft und über meine Überzeugung, dass man rechte Demokratiefeinde nicht mit Verständnis und Dialog bekämpfen kann, sondern nur mit Haltung, Konfliktbereitschaft, Eintreten für die Demokratie. In der Diskussion meldet sich eine Transperson und berichtet, 'Syrer' hätten ihn (oder sie oder es) attackiert, weil er (bitte das 'sie' oder 'es' mitdenken) eben in Frauenkleidern herumlaufe, obwohl er dem Augenschein nach, jedenfalls in den Augen genderunsensibler Menschen, mit dem männlichen Phänotyp ausgestattet ist."
He seems to be suggesting, through his offensive description, that it's okay to be disrespectful to trans people in a democratic society. If they're anti-migrant, or more generally?
What makes this such a shame is to me it could have been a perfect opportunity to show that pro-democracy "Haltung." He could have said, "I'm sorry that happened, and no physical or verbal attack against your person has a place in democratic society. Just as your attacker had no right to presume and police your gender, I would hope you'd agree that you have no place to presume and police his country of origin or migration status. We need to find peaceful ways to live together and treat each other with respect and dignity."
Right? This book soured me to the author, but I'm still on the lookout for a book on "How to fight for democracy."
Gutes, wichtiges kleines Buch. Die einzelnen Kapitel grenzen sich nicht so stark voneinander ab, wie die Zusammenfassung in jeweils einer Regel suggeriert, aber dennoch versammelt Welzer hier viele wichtige Argumente gegen die neue rechte Bewegung und für das, was er die Offene Gesellschaft nennt. Regt zum aktiven Engagement an, rüttelt wach und hilft beim Argumentieren, liefert aber nicht mehr (aber auch nicht weniger) als einen Anstoß und eine Basis, von der ausgehend weitere Beschäftigung sinnvoll ist.
Die schweigende Mehrheit hat in diesem Buch umfassende Tipps und Lösungen gegen den anstehenden bzw. fortlaufend und wachsende rechtsgerichtete populistische Politik.