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Machandel

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Regina Scheer spannt in ihrem beeindruckenden Debütroman den Bogen von den 30er Jahren über den Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und in die Gegenwart. Sie erzählt von den Anfängen der DDR, als die von Faschismus und Stalinismus geschwächten linken Kräfte hier das bessere Deutschland schaffen wollten, von Erstarrung und Enttäuschung, von dem hoffnungsvollen Aufbruch Ende der 80er Jahre und von zerplatzten Lebensträumen.

480 pages, Paperback

First published August 11, 2014

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Regina Scheer

17 books13 followers

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1 star
5 (1%)
Displaying 1 - 30 of 54 reviews
Profile Image for Semjon.
766 reviews506 followers
September 12, 2024
Erinnerungsliteratur, wie ich sie nicht mag. Die Autorin erzählt die Geschichte eines mecklenburgischen Dorfs aus der Sicht von fünf Personen unterschiedlichen Alters. Dieses kapitelweise Wechselspiel der Erzählstimmen ist dann aber schon das einzige stilistisch Interessante. Ansonsten fehlte den Erzählstimmen Charakteristisches. Ich musste immer wieder zum Kapitalanfang blättern, um mich zu versichern, wer denn gerade erzählt. Außerdem fehlt bis zu meinem Abbruch bei 40 % eine Verbindung zwischen den Stimmen, also quasi die Erzählstange im Jetzt, an der die Erinnerungen aufgehängt werden. Keine Konflikte, keine Interaktion. Stattdessen eine Aneinanderreihung von Anekdötchen und Beschreibungen. Sprachlich ist das ansprechend, aber halt aus meiner Sicht furchtbar langweilig und bezogen auf die behandelnden Themen ziemlich überladen. Eine Biografie von Frau Scheer hätte mir besser gefallen, als diese unnötige Fiktionierung ihrer Erlebnisse in einem Roman.
Profile Image for Gavin Armour.
613 reviews127 followers
April 27, 2022
Wollte man die Literatur, die in den 90er, den Nuller- und späteren Jahren erschien und die sich mit der DDR beschäftigte grob unterteilen, könnte man sagen, daß es jene gab, die sich mit den unmittelbaren Umbrüchen der Wendezeit beschäftigten – und sich häufig den Problemen und Erfahrungen der Jüngeren zuwandten – und jene, die sich ernsthaft reflektierend mit der Geschichte der DDR als Ganzes auseinandersetzte. Eugen Ruge, Matthias Wegehaupt, Christoph Hein oder Christa Wolf haben Werke dazu vorgelegt.

Regina Scheer gelingt in MACHANDEL (2014) eine Art Spagat zwischen beidem: Sie erzählt vom Ende der DDR, davon, wie in den letzten Jahren vor dem Mauerfall die Atmosphäre immer bedrückender wurde, wie der Stillstand des Landes alles und jeden zu lähmen schien und wie darin eben doch einige Reformieren wollten, bereit waren, immer größere Risiken einzugehen, sich hervorzuwagen, um das Land doch noch voran zu bringen. Zugleich erzählt Scheer aber auch vom Aufbruch in dieses Land, vierzig Jahre zuvor. Davon, wie die Kommunisten, die teils unter Lebensgefahr gegen die Nazis gekämpft, die in den KZ gesessen und Stalins Terror in Moskau überlebt hatten in dieses zerstörte Land zurückkehrten und hofften, den Menschheitstraum von der großen Gleichheit und der Gerechtigkeit zu verwirklichten – und wie sie daran scheiterten und mehr und mehr zum Abziehbild jener wurden, die sie zuvor bekämpft und, wie sie glaubten, besiegt hatten.

Scheer hat ein mutiges Buch geschrieben, das sich viel vornimmt und fast alles hält, was es verspricht. Aus der Sicht von Clara, die das Ende der DDR sehr bewußt miterlebt, sich im kirchlichen Widerstand engagiert und von einem besseren Sozialismus träumt, wird der Hauptteil der Geschichte erzählt. Sie, die Tochter eines hohen Funktionärs, gerät ebenso in den Fokus der Staatssicherheit, wie ihre Freunde, sie schildert, mit welchem Zynismus, welcher psychischen und physischen Brutalität gegen jene vorgegangen wurde, die von einem anderen und besseren sozialistischen Staat träumten (im Gegensatz zu jenen, die einfach nur raus wollten aus diesem Land, das sie als Gefängnis empfanden, die aber ebenso drangsaliert wurden – ein Konflikt innerhalb der Protestkultur, den Scheer ebenfalls thematisiert). Vor allem aber berichtet Clara von Machandel, einem (imaginären) Dorf irgendwo im Mecklenburgischen, in welches ihre Mutter und Großmutter auf der Flucht vor der Roten Armee kamen, wo sie zur Ruhe kommen konnten und wo auch Hans, Claras Vater, unterkam, nach der Flucht von einem der Todesmärsche der Nazis. Hier lernten sich der viel ältere Mann und die junge Frau aus Ostpreußen kennen, ob sie sich liebten, lässt der Roman offen. Clara und ihr viel älterer Bruder Jan zumindest sind die Ergebnisse dieser Verbindung.

Machandel ist aber auch für eine Reihe weiterer Figuren des Romans ein Fluchtpunkt. Einige dieser Figuren lässt Scheer ebenfalls in Einzelkapiteln zu Wort kommen. Da ist einmal Natalja, eine aus der Sowjetunion verschleppte junge Frau, die in Machandel zumindest ein kleines Glück fand. Da ist Hans, Claras Vater, aus dessen Erzählung viel von dem Schmerz hervortritt, von dem nach 1989/90 nicht mehr viel gesprochen wurde – dem Schmerz jener, die 1945 zurück- oder aus den KZ kamen und wirklich an den Aufbau eines besseren Deutschlands glaubten, Männer und Frauen, die unter Einsatz ihres Lebens gegen den Nationalsozialismus gekämpft hatten. Darunter auch Männer wie Erich Honecker und Erich Mielke, Namen, die man heute eigentlich nur noch verächtlich in den Mund nehmen darf, hinter denen aber Biographien stehen, die von etwas anderem erzählen als jene versteinerten Gesichter geistiger Kleinbürger, die die später Geborenen gerade mit einem Erich Honecker verbinden. Hans berichtet aber auch – und die Historikerin Regine Scheer wird hier sehr genau wissen, wovon sie spricht – von etlichen Vergessenen, die sowohl im Untergrund als auch in den ersten Jahren der DDR wichtig waren. Es kommt Herbert zu Wort, ein enger Freund von Clara, dessen Familie durch die Machenschaften der Stasi geradezu vernichtet wurde und der sich doch eine ruhige Lebenszuversicht bewahrt hat und nach der Wiedervereinigung u.a. nach Claras verschwundenem Bruder Jan sucht, der die DDR nach einem Prozeß verließ, der ihm wegen der Fotos, die er im Prager Frühling 1968 schoss, gemacht wurde. Und schließlich kommt Emma zu Wort, eine Dame aus Hamburg, die nach den verheerenden Bombenangriffen auf die Stadt im Jahr 1943 floh, in Machandel landete und sich hier einer Schar Kinder annahm, die elternlos vor sich hinvegetierte.

So wechselt sich immer Claras Stimme mit einer der anderen ab und nach und nach setzt sich für den Leser aus vielen kleinen Hin- und Verweisen das Bild einer Zweck- und Zwangsgemeinschaft in dem Örtchen Machandel zusammen, das ein (scheinbares) Gesamtbild, ein Panorama bietet. Allerdings ist es ein brüchiges Bild, eine brüchige Erzählung, die da aufbereitet wird. Denn Scheer lässt ihre Erzählstimmern einander durchaus widersprechen. Ohne einen auktorialen Erzähler einzufügen, weiß der Leser ab einem gewissen Punkt der Lektüre mehr als die einzelnen Protagonisten. Der allwissende Erzähler entsteht also erst während der Lektüre im Kopf des Rezipienten. So wird hier auch eine Meditation über das Wesen der Erinnerung, deren Unsicherheit und auch die Verdrängung geboten, die in uns allen arbeitet. Mit leichter Hand gelingt es der Autorin, den Alltag sowohl unter der Naziherrschaft als auch unter dem Kommando der sowjetischen Besatzungsmacht zu schildern. Und anhand einer Figur wie Wilhelm, der dem einen wie dem andern Herrn diente, ein Mann, der für einige Abscheulichkeiten verantwortlich war, die während des 3. Reichs auch in Machandel geschahen, wird nachvollziehbar, wie es einigen gelang und immer gelingt, den Kopf über Wasser zu halten. Scheinbare Nebenaspekte, die doch so wesentlich sind, um ein Gesamtbild dieses Landes und der Gesellschaft, die es formte und die durch das Land geformt wurde, zu erhalten.

Das ist ein großer Wurf, der seinerzeit auch dementsprechend gewürdigt wurde. Hier wagt eine Autorin einiges, geht aufs Ganze – und gewinnt. Allerdings, dieser Kritikpunkt sei erlaubt, gelingt es ihr bei ihrer multiperspektivischen Erzählstruktur nicht zwingend, ihren verschiedenen Erzählern wirklich unterschiedliche Stimmen zu verleihen. Das hilft dem Leser, wird der Erzählfluß doch kaum unterbrochen durch die Wechsel der Erzählenden, doch bleibt das Artifizielle dieser Struktur, die Konzeption, die dahintersteckt, immer spürbar. Das kann man kritisieren, den Wert des Buchs mindert es aber keineswegs. Denn was und wovon Regina Scheer zu berichten hat, den Stoff, den sie da bewältigt, mehr noch wie sie ihn bewältigt, das bleibt.

Dies ist einer der Romane, die einem Land Gerechtigkeit widerfahren lassen, welches in der Erinnerung (meist jener, die nicht dort lebten) entweder verdammt und lächerlich gemacht oder aber in einer nostalgischen Rückschau (derer, die es er-lebten und es auch vermissen) verklärt wird zu einem Sehnsuchtsort, den es so eben auch nicht gegeben hat. Es ist ausgesprochen mutig, einem Mann wie Claras Vater Hans eine Stimme zu geben und dessen Erinnerungen eben nicht der Lächerlichkeit preiszugeben oder als Lebenslüge und grundsätzlichen Irrtum abzutun, sondern gerade in den Erinnerungen dieses Mannes aufzuzeigen, welche Träume und Hoffnungen einmal am Beginn dessen standen, was die DDR werden sollte. Vielleicht ist dies das größte Verdienst dieses Romans.

Scheer lässt sich nie korrumpieren, sie bleibt streng und zeigt die Biographien von Menschen, die für sich, in ihrem Alltag in diesem Land, ein recht gutes Auskommen hatten, sie zeigt Menschen, die eben „ganz normale Leben“ führten, sie zeigt aber auch, wie korrupt dieser Staat schließlich war, mit welchem Zynismus er gegen die eigenen Bürger vorging und weshalb dieses Land so, wie es sich präsentierte, irgendwann nicht mehr auszuhalten war. Ein sehr, sehr nachdenklich machendes Buch.
Profile Image for Peter.
398 reviews233 followers
September 24, 2024
Eine Empfehlung vorab an die Leser dieser Rezension. Wählt die Hörbuchversion und hört sie in längeren Abschnitten. So fällt es leichter sich in Machandel zu Hause zu fühlen und sich in der großen Anzahl von Personen nicht zu verlieren. Erst dadurch habe ich die Verbindungsbögen zwischen Stadt (Berlin) und Land (Machandel), zwischen Vergangenheit (Krieg und unmittelbare Nachkriegszeit) und Jetzt (Vor- und Nachwendezeit) und zwischen Konformismus/Kollaboration und stiller oder offener Opposition gesehen. Meine klassischen MitleserInnen waren von dem Buch eher enttäuscht. Nach dem Lob im Feuilleton und hier auf Goodreads hatten sie mehr erwartet. Tatsächlich neigt die Erzählweise aus der Sicht einer jeweils anderen Person dazu zur Märchenstunde zu werden. Erst in den späteren Kapitel lässt uns Frau Scheer stärker an der Gedankenwelt der Personen teilhaben.

Die Verbindung der fiktiven (Machandel, erzählenden Personen) und der realen Welt (z.B. der im Slansky Prozess ermordete Karel Šváb, der Anwalt, Politiker und Stasi IM Wolfgang Schnur, die Restauration der Denkmäler von Tell Halaf) hat mir gut gefallen. Für Menschen, die die DDR und die Wende intensiv erlebt haben, bietet der Roman nicht viel Neues, kann aber für jüngere, denen das alles fremd ist, ohne zusätzliche Recherche nur schwer verständlich sein. Meine Wertung ist 3,5 Sterne, aufgerundet zu 4.
Profile Image for Nihils.
76 reviews11 followers
February 9, 2021
Wann passiert es schon einmal, dass ich ein Buch auslese und noch während der letzten Zeilen und ersten Impulse sich anbahnender Genugtuung den Drang verspüre, direkt von vorne zu beginnen? Genau, beinahe nie. Vielleicht alle fünf Jahre einmal ...

Kurzum: Machandel ist grandios! Grandios vor allem, da mich unglaublich viele Aspekte des Buches direkt oder indirekt ganz persönlich ansprechen, ich Teile meiner eigenen Familiengeschichte wiederfinde, Kindheitserinnerungen und alte Gefühle wach werden. Grandios aber auch, weil es mich aus meiner eigenen Komfortzone herausholt. Und gewiss nicht zuletzt auch deshalb grandios, weil es schlicht grandios geschrieben und erzählt ist.

Fühlte ich mich als Ostdeutscher über weite Strecken noch in meiner politischen Reaktion ertappt und angegriffen, sorgten die Schilderungen zerstörter Hoffnungen und erlebter Enttäuschungen letztlich für Versöhnung. Zumal Regina Scheer hier mit schon beinahe provokanter Einfühlsamkeit gegen den pathetischen Jubel einer Wiedervereinigung schreibt, die es so wie wir sie heute kennen, nicht unbedingt gegeben hat. Das Ende der DDR, auch wenn ich zum Mauerfall gerade einmal 5 Lenze zählte, hatte gewaltigen Einfluss auf mein und sicher jedes ostdeutsche Leben - bei dem einen direkt und früher, bei dem anderen versteckter und später. Machandel trägt auf sensationelle Weise zur objektiven Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bei.

Regina Scheer gelingt es mit ehrfurchtgebietender Finesse einen logischen, historischen Faden vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in unsere Gegenwart zu weben; eine konsequente, in sich schlüssige, erleuchtende Aneinanderkettung von Kausalitäten, erforscht anhand eines Familienschicksals.

Besonderen Reiz entfaltet dabei die Ambivalenz von Stadt und Land. Während in Berlin, in der Welt, draußen die große Geschichte geschrieben wird - lies: passiert - vollzieht sich die kleine Geschichte im titelgebenden Idyll, Machandel. Die Geschicke und Traumata der Provinz - Flucht und Vertreibung, Vergewaltigung und Tod, Kultur und Zweifel, Liebe und Natur - stehen den großen Umbrüchen in der Welt in ihren psychologischen Tiefen in nichts nach.

Dabei erzählt Scheer in einem derart wohligen Timbre, dass man die Bienen und Vögel in Machandel förmlich hören kann. Mit beseelter Ruhe und unendlicher Melancholie werden unscheinbar gewaltige Kaskaden aus Stadtflucht und Naturromantik errichtet, deren steter Fluss einer Zeitreise in die eigene Kindheit gleichkommt. Fantastisch!

Wie eingangs erwähnt, es wird nicht bei dieser ersten Lektüre Machandels bleiben ...

[Danke, A.!]
Profile Image for Anna Catharina.
627 reviews62 followers
September 24, 2024
Abgebrochen bei 57%

Angesichts der vielen sehr positiven Stimmen fällt es mir schwer, das Buch abzubrechen und nur einen Stern zu vergeben. Ich habe lange damit gehadert, aber letzten Endes muss ich einfach ehrlich sagen: Das Buch ist nicht mein Buch.

Es ist nicht so einfach zu sagen, warum "Machandel" und ich nicht zusammen kommen. Ich hatte mir anhand des Klappentextes und der vielen guten Meinungen etwas anderes vorgestellt. Eine Art großes Familienepos zur Geschichte der DDR. Ein wenig vielleicht wie "Altes Land" von Dörte Hansen und "Das Lied der Stare vor dem Frost" von Gisa Klönne. Die zahlreichen verschiedenen Erzählstimmen, deren Geschichten vielfältig sind und von NS-Zwangsarbeit, über die Gründung der DDR, der Wendezeit bis zur Jahrtausendwende reichen, machten es mir schwer, einen roten Faden zu finden. Was ist das Thema von "Machandel"? Was will die Autorin erzählen und an wen wendet sie sich? Ich habe es leider nicht herausfinden können. Für mich haben sich die Geschichten nicht zu einem stimmigen Ganzen vereint, sondern es las sich eher, als hätte die Autorin so viele verschiedenen Themen der deutschen Geschichte wie nur möglich anreißen wollen, was aber nur sehr oberflächlich bleibt. Die Geschichten sind dabei sehr emotionslos und nüchtern erzählt, keine Person ist mir nahe gekommen und mit niemanden konnte ich mitfühlen. Alles blieb kalt, blass und lustlos. Gerade wenn es um real existierende Personen, die kommunistische Bewegung, die Gründung der DDR und die Friedensbewegung geht, verliert sich die Autorin ins bloße Namedropping. Theoretisch hätte ich die Personen und die geschichtlichen Hintergründe nachrecherchieren müssen, aber warum sollte ich dann "Machandel" lesen, wenn ich noch weitere Bücher (oder das Internet) brauche, um es zu verstehen und einordnen zu können? Ich konnte leider nichts über die DDR aus diesem Buch lernen.

Was bleibt also, wenn "Machandel" mir weder Wissen noch Emotion bringt? Leider nichts und darum bleibt mir nur, das Buch für mich mit einem Stern zu bewerten. Da ich mich wirklich zum Lesen zwingen musste, da zu keinem Zeitpunkt aus dem Buch heraus eine Lesemotivation entstand und da ich mich nicht durch weitere 200 Seiten quälen will, breche ich an dieser Stelle ab.
Profile Image for Sophie.
289 reviews333 followers
March 22, 2016
Ein grandioses Debüt, das ein ganzes Stück Zeitgeschichte in Form eines Familienportraits liefert!
Machandel ist niederdeutsch und bedeutet "Wacholder" - nach ihm ist das kleine Mecklemburgische Dorf benannt, das für die verschiedenen Kriegs- und Flüchtlingsgenerationen ein Zufluchtsort wird.
Aus fünf verschiedenen Perspektiven werden Zustände und Ereignisse vor allem aus den 40er/60er und 80er Jahren beschrieben - immer dann, wenn sich in Deutschland Umbruchszeiten ankündigten. Die Geschichte des 2. Weltkriegs, die der DDR und ihrer Auflösung und der Wiedervereinigung werden mit dem märchenhaften Motiv der Brüder Grimm - dem Machandelboom verwoben.
Mir gefiel die Perspektive der Hauptfigur Clara (*1960) am allerbesten, diese war facettenreich und jede Frage, die sie aufwarf, wurde dem Leser etwas exklusiver aus einer der anderen Perspektiven, z.B. aus jener der Ostarbeiterin Natalja dargeboten.
Viele Motive werden in allen Perspektiven aufgegriffen - was alle verbindet ist der Bruder Claras ... Jan ist 1985 plötzlich verschwunden, ausgereist aus der DDR.
Ein Dorfgeheimnis, großes Schweigen, viel Nicht-mehr-darüber-Sprechen-Können, Unverständnis verschiedener Generationen zueinander und ein geheimnisvoller Geigenbogenbauer geben dem Roman viele tiefgreifende Schichten.
Die Autorin wies jeder Figur ein Repertoire an literarischen Anspielungen zu - Clara spricht von altslawischen Sagen und Grimm-Märchen, ihr Vater rezitiert Büchners Briefe und sein Drama "Woyzeck" und Natalja weiß von Heine-Lyrik zu sprechen.
Große Leseempfehlung!
Profile Image for Nora Barnacle.
165 reviews125 followers
July 9, 2020
Davismo se i... nikom ništa.
Osećam se kao da mi je neka sredovečna gospođa, uz sok od zove i princes krofne, ispričala kako je rat poprilična neprijatnost, kako komunisti nisu dobronamerni ljudi i kako patnje nevinih stradalnika nemaju skriveni smisao.
Da ne grešim dušu, znam mnoge kojima bi se Borovica dopala: u pitanju pristojno napisana knjiga i sasvim je očekivano da u njoj za one koji voli jetkije i sirovije nema ničeg posebnog osim, možda, suočavanja sa činjenicom (posredno, Regina Šer je previše fina da bi ma koga uznemirila) da sam već bila opismenjena kad je poslednji pokušaj prelaska preko Berlinskog zida sprečen ubistvom.

Prevod je za svaku pohvalu.
Dakle, trojka, ali ne njaaa, nego dobar - tri.


Profile Image for Dana.
110 reviews27 followers
December 6, 2019
Potpuno sam oduševljena knjigom! Nekad ću možda imati vremena da napišem nešto više, ali ovo moram da dam na znanje.
I da odam poštovanje prevodiocu Drinki Gojković na fantastično urađenom poslu koji nadilazi uobičajeni rad prevodilaca - ovako može da radi samo neko s mnogo mnogo ljubavi za konkretnu knjigu/pisca koju/kojeg prevodi.
Profile Image for Elena.
1,034 reviews417 followers
June 23, 2022
"Das Schweigen über diesem Dorf war so alt, so alt wie die Sagen von der Mahrte, so alt wie das Märchen vom Machandelboom, wohl ewe dusend Johr." - Regina Scheer, "Machandel"

Mecklenburg-Vorpommern, 1985: Claras Bruder Jan möchte vor seiner Ausreise aus der DDR unbedingt noch einmal seinen Geburtsort, Machandel, besuchen. Er nimmt Clara mit, die sich sofort in eine alte, heruntergekommene Kate dort verliebt. Sie beginnt, das alte Wohnhaus zu renovieren und verbringt dort viele Sommer mit ihren Töchtern beim Schreiben ihrer Dissertation über ein altes Märchen. Doch das Dorf bringt sie auch ihrer Vergangenheit näher, der Verganhenheit ihres Vaters im KZ und später als Minister in der DDR, der Verganhenheit von Natalja, einer Ost-Zwangsarbeiterin des 2. Weltkriegs, der von Emma, die nach Machandel kam, um fremde Kinder zu hüten. Sie alle sind durch dünne und festere Fäden verbunden, die Clara nach und nach entwirrt...

Regina Scheers Roman "Machandel" ist eine wahre Wucht! Er erfasst und verarbeitet so viel deutsche Geschichte und ist dabei so fesselnd und fantastisch geschrieben, dass ich ihn kaum weglegen konnte. Die Autorin erzählt geschickt durch ihre Figuren von Ostdeutschland im Zweiten Weltkrieg bis zum Fall der Mauer und darüber hinaus. Sie fängt menschliche Zwischentöne meisterhaft ein, lässt niemanden nur gut oder nur böse erscheinen, beleuchtet Verganhenheiten, die zu unmenschlichen Taten führten und Träume und Hoffnungen, die enttäuscht wurden. Ich war beim lesen dieses knapp 500 Seiten starken Romans dauerhaft fasziniert, ich habe sehr viel gelernt auf dieser Reise in unser Gestern und hätte den Figuren noch seitenlang weiter folgen können. Auch das Setting ist wunderbar gewählt, der Roman spielt zwischen Ostberlin und dem kleinen Dorf Machandel in Mecklenburg-Vorpommern, und bildet so sowohl das Leben auf dem Land, als auch das Leben der Städter*innen ab.

Ich bin ganz ohne Erwartungen an "Machandel" herangegangen, habe es mehr zufällig bei einer Bestellung mit in den Warenkorb gelegt. Wie schön, dass sich gerade so ein Roman als Lektüre genau nach meinem Geschmack entpuppt. Ein Stück deutscher Zeitgeschichte unglaublich gut erzählt - ein Lese-Muss, nicht nur für begeisterte Leser*innen historischer Romane!

Hinweis: Im Buch wird das Z- und I-Wort verwendet.
Profile Image for Jadranka Milenković.
Author 12 books57 followers
February 8, 2020
Knjiga "Borovica" Regine Šer jedan je od najboljih romana koje sam pročitala u poslednje vreme. Knjiga se bavi životom u Istočnoj Nemačkoj nakon Drugog svetskog rata. O tom životu progovara više naratora, različitih godina i nacionalnosti, što nam dozvoljava veoma širok uvid u tadašnja zbivanja, i svakako sprečava bilo koju vrstu sužavanja slike. Naratorka koja bi se možda mogla nazvati najvažnijim glasom u knjizi, Klara, rođena je 1960. godine, u doba mira. Da li je to takođe doba sreće, političke stabilnosti i napretka, to autorka problematizuje u ovoj knjizi. Jedan od važnih glasova je glas Klarinog oca, Hansa, koji je učestvovao u stvaranju takvog poretka, sa velikim nadama i odricanjima, provevši čak deset godina u zatvorima, prvo kao pripadnik socijalistički orijentisane omladine, potom u logorima fašista. On je ceo svoj život posvetio stvaranju socijalističkog poretka, zato nakon rata žmuri kad njegovi drugovi stradaju u čistkama koje organizuje njihova sopstvena partija. Žmuri, ali ne od straha za sopstveni život, nego iz uverenja da je najvažnije da opstane poredak. Klarin brat Jan, rođen neposredno nakon rata, dolazi u sukob s ocem jer vidi da se sistem pretvorio u totalitarnu državnu organizaciju. Očevi i sinovi se razilaze u shvatanjima, i to je najtužnije što je moglo da se desi - jer isti ti očevi koji su se borili protiv nepravednog poretka tražeći slobodu i smisleniji život, sad ne razumeju svoju decu koja takođe traže samo to isto. Klara i Jan, Klarin muž, Janovi prijatelji - takođe žive nesrećno boreći se čitavog svog života za slobodniji i pravedniji poredak. Prisluškivani su, otpuštani s posla, hapšeni, neki dobrovoljno otišli, neki prognani iz zemlje. Na kraju, kad se poruši zid i dođe do ponovnog ujedinjenja dveju nemačkih polovina, svi vide da su izigrani.

Međutim, knjiga nije dosadno političko štivo. Mi pratimo životne priče glavnih junaka, koje se dodiruju u još jednoj tački - malom selu u meklenburškoj oblasti po imenu Borovica. Klara istražuje bajke i legende iz tog kraja, piše o tome doktorat. Tu upoznaje i starosedeoce i izbeglice. Neke od tih izbeglica dovedene su da rade, to su takozvani "Istočni radnici" u vreme rata, neka vrsta roblja. Nemajući kome da se vrate, ostali su tu, jer su im porodice u međuvremenu pobijene. Klara i njen muž kupuju jednu kolibu, koja i sama ima istoriju - takvu da ne ostavlja nikog ravnodušnim. Klara se između ostalog posvećuje istraživanju života njenih ranijih stanovnika, koja predstavlja možda i najbolniju priču u knjizi.

Knjiga nas ne upućuje na neke eksplicitne ideološke zaključke, to je priča o ljudima, ratu, nesreći, zabludama, potragama i borbi, ali pre svega o pokušaju da se sačuvaju sećanja, jer samo ona mogu doneti neko pročišćenije iskustvo, katarzu, i izvesni nagoveštaj smisla. Pisana je lepim, odmerenim stilom lišenim patetike, znalačkom rukom osobe koja je pre toga napisala brojne stručne publikacije, koja je zrela i kao čitalac i kao autor i kao mislilac, i čiji je život u celini takođe posvećen borbi za humaniji, smisleniji život, i za nezaborav.
13 reviews2 followers
May 16, 2018
Ein großartiges, berührendes Buch über ein knappes Jahrhundert deutscher Geschichte.
Profile Image for Marion.
247 reviews18 followers
September 9, 2024
Der ganz große Wurf ist das für mich nicht. Die Geschichte verzettelt sich zu sehr und um darum ein wirklich großes Ganzes zu machen fehlen einfach Aspekte.
Zu alldem ging mir eine der Hauptpersonen mehr und mehr auf die Nerven.
Kann man aber lesen.
Profile Image for Dani.
280 reviews66 followers
January 10, 2022




Juniper Tree (Machandel)

my mother she killed me,
my father he ate me,
my sister, little Marlinchen,
gathered together all my bones,
tied them in a silken handkerchief,
laid them beneath the juniper tree,
kywitt, kywitt, what a beautiful bird am I.


After my past decade of primarily reading English literature, I’ve decided to reclaim German fiction. During this endeavor, I’ve often felt the language to be unwieldy and forced in other books - not so in Machandel.
Regina Scheer’s writing is virtuous, easy, fluid and intuitive – her ostensibly effortless writing style almost vanishes behind the story and at the same time has a quietly agonizing and powerful quality.

Simply masterful.

And in her unobtrusively disturbing way Regina Scheer writes diligently and delicately about the all-encompassing reverberations, the scope and the wide-ranging effects of multigenerational trauma.
Here Machandel is a slow and virtuous revelation.

This has moved me deeply.
The older I get, the more I long for stories that reflect back to me the visceral experience of how deeply and unconsciously multigenerational perpetrator- and victim-trauma does shape almost every family dynamic in Germany to the present day.

Not every character narrative did have the same impact on me and at times I felt Regina Scheer moved dangerously close into melodrama territory, but she always managed to reign in eloping threads and fit them back into the interweaving whole.

Two specific character narratives did have an enormous impact on me.

Clara’s narrative is a grandiose representation of a certain kind of trauma response style, that I have not yet read quite so brilliantly written anywhere else.
Clara has a very elusive, vague approach to her own lived life, she dissociates into literature, myths and day dreaming.
Her relationships to her daughters and her husband do not have a sustainably vibrant emotionality, there is a delicate veil over every interaction, a subtle but insurmountable distance between her and everybody else in her life.
Days and weeks can vanish in her memory.
Her own father deems her to be simple and naive, mocking her academic dissertation about the old German Fairy Tale of the Juniper Tree.
Memories and fragments of other lives seem to regularly intrude upon her sense of reality.

In her unconscious distress Clara has developed a protective layer against the intergenerational burden, which serves her well most of the time, but also proves to be brittle and permeable – not only for her own parents but also for the traumatic load of other people around her.
Clara is a compulsive sleuth, she constantly slaves away at the mythical perpetrator trauma of the Tale of the Juniper Tree and the family traumas of the people around her, Emma, Marlene, Wilhelm.
But in the end, all of this proves to be shadow boxing, because her own family trauma, the secret horrors of her parents remain inaccessible to her and can only ever be intuited.

„At least she isn’t full of anger like our son.” says the father. And that is exactly the crux of the matter: Unlike her brother, Clara does not have access to her anger, which is why she lacks crucial mechanisms for setting boundaries.

This is a brilliantly written character. Clara breaks my heart.


Hans’ narrative is the second one that bowled me over.
His unprocessed, massive, multi-layered and split-off trauma is like a black hole – it slowly swallows his wife and his son.
“Your wife is suffocating because of what is left unsaid.” a doctor told him.
Only Clara manages to survive the black hole, but her dissociation is a heavy price for her survival.

Hans’ absolute loyalty to his ideology provides a scaffolding, which keeps him going after his complete and harrowing emotional annihilation and allows him to survive.
And because the scaffolding is vital for his survival, it will trump any other attachments at all times, even his attachment to his wife and children.

His son grapples impotently, helplessly with the content of the scaffolding, the communist ideology – but this fight is utterly futile, because the content of the ideology is completely irrelevant, it was only ever about the function the ideology had in Hans’ life, ever since his early youth, since the early loss of his mother.
And so, in the end, the son is destroyed by his attempts to reach his father, without ever really understanding exactly what he is fighting against.
That, too, breaks my heart.

With comrade Hans, Regina Scheer delineates in her brilliantly implicit and astute way, to what an astounding degree the unprocessed victim- and perpetrator trauma of the founding members of the GDR did influence the emerging political system and it’s later administrative ossification into paranoid denunciation and smear campaigns, up until the absurd collapse at the very end.

As I finished the book I felt such a deep urge to talk to Clara’s daughters.
I would have loved to sit with Caroline, the daughter who still happily accompanies her mother to the cottage in Machandel and who has spent a voluntary welfare work year in Israel. I would have wanted to ask Caroline how she sees her mother now, inquired about her interpretation of the events of her childhood and youth

And then I would have wanted to visit Julia in Pforzheim, Julia, who has defected to West Germany, who has settled close to the second life of her father. And I would have liked to hear her thoughts about her mother. I feel Julia and I would have had a lot to talk about.

Perhaps not right after the book ended, but definitely in 15 years, when the protection of youth would have begun to wear off and old family pattern would have reemerged in their own lives, nebulous, unexpected, unbidden, obscure – then we would have had a lot to talk about.

Julia, Caroline and I are the same generation, we are Second World War’s grandchildren.
In our lives the multigenerational trauma effects are already so indistinct, so vague, that they usually are not even associated with their origin anymore – the connection, the information, the stories, the details are missing.
Julia and Caroline have even less access to these stories than Clara ever had.
And still, they and I, we carry the full impact forward, unlabeled, disorganized, unprocessed.

May we all gather the bones in a silken handkerchief and lay them beneath our own family juniper tree.

A wonderful book.



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Von dem Machandelbaum

Mein Mutter der mich schlacht,
mein Vater der mich ass,
mein Schwester der Marlenichen,
sucht alle meine Benichen,
bindt sie in ein seiden Tuch,
legt's unter den Machandelbaum.
Kiwitt, kiwitt, wat vör'n schöön Vagel bün ik!



Nach meinem vergangenen Lesejahrzent der vorrangig englischen Belletristik ist mein aktuelles Vorhaben, mir die deutsche Sprache zurückzuerobern.

Oft habe ich sie in anderen Büchern als etwas sperrig und bemüht empfunden, nicht so in Machandel. Regina Scheer schreibt virtuos leicht, fließend und eingängig – die scheinbar mühelose Sprache verschwindet regelrecht hinter der Geschichte und ist dabei auf ganz leise Art erschütternd kraftvoll und voller Wucht.

Meisterhaft.

Und in dieser unaufdringlich bestürzenden Art erzählt sie sorgsam und feinnervig von dem umfassenden Nachhall, der Tragweite und den weitverzweigten Auswirkungen von intergenerationalem Trauma.
Machandel liest sich diesbezüglich wie eine langsame, virtuose Offenbarung.

Und das hat mich tief berührt.
Je älter ich werde, umso mehr sehne ich mich nach Geschichten, die im Spiegelbild spürbar, erlebbar machen, wie tiefgehend und unbewusst intergenerationales Täter- und Opfertraumata bis zum heutigen Tag so gut wie jede Familiendynamik in Deutschland prägen.

Nicht jede Erzählperspektive hatte die gleiche Wucht und auf manchen Verzweigungen verzettelt sich Regina Scheer gefährlich nahe am Melodrama, doch gelingt es ihr immer wieder, die Fäden einzufangen und zurückzuführen.

Zwei Erzählperspektiven hatten eine enorme Wirkung auf mich.

Claras Erzählstil ist eine grandiose Darstellung einer bestimmten Art von Umgang mit intergenerationalem Trauma, welche ich selten so meisterhaft geschrieben gelesen habe. Clara hat einen schwer zu beschreibenden vagen Zugang zum gelebten Leben, sie dissoziiert in Literatur, Mythen und Tagträumerei. Ihre Beziehung zu ihren Töchtern und ihrem Mann hat keine beständige unmittelbare Emotionalität, über allem liegt oft ein feiner Schleier, eine dezente aber unüberwindbare Distanz zwischen ihr und den Menschen und Ereignissen in ihrem Leben.
Tage und Wochen können in ihrer Erinnerung verschwinden:

„Michael sagte, dass er besorgt um mich gewesen sei, […] manchmal hätte er das Gefühl gehabt, die Grenzen von Raum und Zeit würden mir zerfließen. […] Erinnerungen brachen in die Wirklichkeit ein, Träume und Fragmente anderen Lebens.“

Ihr Vater hält sie für schlicht und kindlich „Das alles werde ich meiner Tochter Clara nicht erzählen, sie ist so naiv, hat ja noch gar nichts erlebt. Ihre Doktorarbeit handelt von einem Märchen der Brüder Grimm.“

Clara hat in ihrer unbewussten Not eine emotionale Schutzschicht gegen die intergenerationale Last entwickelt, welche ihr gute Dienste leistet, sich aber immer wieder als brüchig und durchlässig erweist, nicht nur gegenüber den eigenen Eltern, sondern auch der Traumaladung der Menschen um sie herum.

Clara ist ein zwanghafter Spürhund, sie arbeitet sich beständig ab an dem mythischen Tätertrauma des Machandelmärchens und den Familientraumata der Menschen um sie herum, Emma, Marlene, Wilhelm – doch all das ist am Ende nur Schattenboxen, denn das familieneigene Trauma, das verschwiegene Grauen ihrer Eltern bleibt ihr verschlossen und kann bis zum Schluss nur erahnt und erspürt werden.

„Wenigstens ist sie nicht so voller Groll wie unser Sohn.“ sagt der Vater Hans.
Und das ist genau der Knackpunkt: Clara hat, im Gegensatz zu ihrem Bruder, keinen Zugang zu ihrer Wut, weshalb ihr ein entscheidender Mechanismus zur Abgrenzung fehlt.

Ein brillant geschriebener Charakter. Clara bricht mir das Herz.


Die zweite Erzählperspektive mit enormer Wirkung auf mich war Hans.
Sein unverarbeitetes, massives, vielschichtiges und abgespaltenes Trauma ist wie ein schwarzes Loch, welches nach und nach seine Frau und den Sohn verschluckt.
„Der Doktor in Herzberge hat mal zu mir gesagt: ‚Ihre Frau erstickt an dem Ungesagten.‘ Aber was wusste denn der.“
Nur Clara schafft es das schwarze Loch zu überleben, zahlt jedoch einen enormen Preis mit ihrer Dissoziation.

Hans hat in seiner unbedingten Loyalität zur Ideologie ein Gerüst gefunden, welches ihn nach seiner grauenhaften seelischen Vernichtung aufrecht hält, am Leben hält. Und weil dieses Gerüst überlebensnotwendig ist, steht es immer und absolut über jeder Bindung, auch der zu seinen Kindern, und seiner Frau.

Sein Sohn arbeitet sich hilflos, nutzlos an dem Inhalt des Gerüstes ab, der kommunistischen Ideologie – aber dieser Kampf ist vergebens, weil es noch nie um die Inhalte der Ideologie ging, lediglich um deren Funktion im Leben seines Vaters, von dessen Jugend an, seit dem frühen Tod der Mutter. Und so geht der Sohn am Versuch, den Vater zur erreichen, zugrunde, ohne wirklich zu verstehen, warum.
Auch das bricht mir das Herz.

Anhand des Funktionärs Hans beschreibt Regine Scheer auf wunderbar implizite und bestechende Art, wie sehr das unverarbeitete Opfer- und Tätertrauma der Gründungsmitglieder der DDR das entstehende politische System und die spätere behördliche Ossifikation in paranoides Spitzeltum mitgeprägt hat, bis hin zum absurden Zusammenbruch am Ende.

Als ich das Buch am Ende zur Seite legte, hatte ich so einen tiefen Drang mit Claras Töchtern zu sprechen.
So gerne hätte ich mich mit Caroline zusammengesetzt, der Tochter, die immer noch gerne mit der Mutter in den Katen nach Machandel fährt und ein Freiwilliges Jahr in Israel verbracht hat. Ich hätte Caroline gerne gefragt, wie sie ihre Mutter erlebt hat, welchen Reim sie sich heute auf ihre Mutter macht.

Und dann hätte ich gerne Julia in Pforzheim besucht, Julia, die sich in den Westen abgesetzt hat, in die Nähe des zweiten Lebens ihres Vaters. Und ich hätte auch sie fragen wollen über ihre Gedanken zu ihrer Mutter. Ich glaube Julia und ich hätten uns viel zu sagen gehabt.

Vielleicht nicht jetzt, direkt am Ende des Buches, aber in 15 Jahren, wenn der Schutz der Jugend nachlässt und die alten Familienmuster nebelhaft, unverhofft, ungebeten, undurchsichtig wiederauftauchen im eigenen Leben, spätestens dann hätten wir uns viel zu sagen gehabt.

Julia und Caroline sind meine Generation, wir sind Kriegsenkel, in deren Leben die psychologischen intergenerationalen Traumafolgen schon so verschwommen, so vage sind, dass sie oft gar nicht mehr der Quelle zugeordnet werden, - der Bezug, die Informationen, die Geschichten, die Details fehlen, noch viel mehr als sie schon Clara nicht mehr voll zugänglich waren.
Und doch tragen sie und ich die Auswirkungen weiter mit uns, unbenannt, ungeordnet, unverarbeitet.

Mögen wir alle die Knochen in ein seidenes Tuch sammeln und unter den Machandelbaum unserer eigenen Familie legen.

Ein wundervolles Buch.
Profile Image for Bojan.
Author 14 books57 followers
October 1, 2021
Čitao sam odavno.
Zapisao sam nekoliko rečenica koje bi trebalo da budu temelj za neki budući kratak tekst o ovoj knjizi. Ali, vreme je prošlo. Temelji su ostali. Kuće nema. Napravite je sami.

O citatu: Zajedno smo sanjali san – ali se ispostavilo da su ti snovi bili različiti i nespojivi.
O nemogućnostima veza u represivnim društvima.
O inače besprekornom prevodu koji je „obogaćen“ nezgrapnim južnjačkim – kad se u vranjskom izgovoru pojavi nemački toponim.
O tome možemo li biti nešto u ljudskom i porfesionalnom smislu, ako je dobar deo našeg života obeležen političkom borbom za promenu – možemo li se baviti arheologijom, možemo li se baviti bajkama?
O staloženoj naraciji kojoj možda fali literarnosti, smenjivanja pripovednih strategija, virtuoznosti... ali koja ipak, bez mnogo prikaza surovosti i bez imalo besa u pričanju (Javlja li se Daša D?) stvara jednu virtuoznu celinu melanholičnog književnog sveta.
O staloženosti kakvoj mogu samo da zavidim.

Profile Image for Brooks .
96 reviews3 followers
July 27, 2020
Wow! Nachkriegsroman zur (überwiegend DDR-)Geschichte der formalistisch und vom Niveau überzeugt. Multiperspektivität auf die Geschichte und Multikausalität der Beweggründe der Figuren machen gut 100 Jahre dt. Geschichte plausibel betrachtbar. Das Ganze toll verwoben und arrangiert und sprachlich auf den Punkt. Vergesst Tellkamp, lest Scheer!
Profile Image for André.
80 reviews12 followers
September 21, 2019
Sehr gern gelesen. Eine vielschichtige Familiengeschichte, die von der Vorkriegszeit bis zum Ende der DDR reicht. In einem fiktiven ostdeutschen Dorf namens Machandel läuft alles zusammen. Mir gefiel der unaufgeregte Erzählton. Und: Don't judge a book by its cover.
Profile Image for Guus Schreiber.
21 reviews
October 24, 2025
The best book I read so far about life in the former DDR. The description from the perspective of different people and different periods really works. Sometimes, German prose can be a bit dense, but Scheer's style is the opposite; a real treat to read. It rekindled my love for German.
6 reviews
May 14, 2018
Muss man lesen! Ein Stueck Heimat in Buchform. Vielen Dank dafuer!
49 reviews3 followers
August 24, 2020
Schon einmal geschah es, dass jemand von der großen, politischen, oft schrecklichen Geschichte ausgerechnet anhand eines fiktiven mecklenburger Dorfes erzählte. Und schon einmal war da jemand trotz der Fiktionalität paradoxalerweise besonders detailgetreu: Die Rede ist von Uwe Johnsons genialen Jahrestagen. Dort verschränkt sich vor allem die Entwicklung des Nationalsozialismus mit dem wegen der geschehenen Schrecken überraschenden Weiterdrehen der Welt nach diesem - leider drehte sich die Welt in Mecklenburg in eine sozialistische Diktatur weiter (und die Dorfbewohner*innen drehten jeweils mit). Geschichtsschreibung ist in den Jahrestagen Geschichtenschreibung, und sie geschieht vor allem anhand eines Dorfes, in dem man eben die lange zurückreichenden Geschichten, Lügen, Träume der Bewohner*innen kennt.

Das Gleiche gilt für das titelgebende Dorf Machandel bei Scheer. Bei ihr ist es aber nicht der Anfang des Nationalsozialismus und die ersten 20 Jahre der DDR-Diktatur, sondern es ist das Jahr 45 und die 80er Jahre, die dieses weit ausholende Buch beschäftigen. In 1945, einerseits, war das Dorf voll mit Flüchtlingen verschiedenster Herkunftsgeschichten, und, wie wahrscheinlich immer überall, zugleich voller Leid und Hoffnung. Ende der 80er Jahre, andererseits, befand sich die Protagonistin, die von diesem '45 über Familienangehörige weiß, im politischen Widerstand aber auch in persönlichen Enttäuschungen.

Weder in den Jahrestagen noch hier sind es nur zwei geschichtliche Fixpunkte, sondern fächerhaft geht es noch um viel mehr. Und in dem Mikrokosmos Dorf spielt sich eben nicht nur dieser ab, sondern er spiegelt den Makrokosmos, und das bedeutet im Zweifel die gesamte Welt, wieder.

Scheer entschied sich dabei für die Multiperspektivität: Es gibt zwar eine hervorstehende und -stechende Protagonistin, deren Lebensdaten der der Autorin sehr ähnlich sind, aber jedes Kapitel wechselt die Sicht zu anderen. Multiperspektivität kann anstrengend sein, oft sind dann auch nicht alle Perspektiven gleich gewichtet. Dies stört aber hier nicht, da die Multiperspektivität dadurch gebrochen wird, dass sich die gleichen Motive durch das ganze Buch ziehen: Ein grausames Märchen über den Machandelbaum, vor allem, aber auch der Geigenbogenbau spannt im wahrsten Sinne des Wortes einen Bogen.

Einigen Anspielungen könnte man klar nachgehen: Die Bodenreform in der Anfangszeit der DDR und deren Restitution in den 90er Jahren ebenso wie die Prozesse gegen "Abtrünnige" im sozialistischen Tschechien, die sich aber eigentlich selbst im Widerstand gegen den Nationalsozialismus verdient gemacht haben, ebenso wie die Sterilisation angeblich psychisch kranker Frauen in der NS-Zeit, ebenso wie die nieder/plattdeutsche Sprache, ihre Traditionen und deren Aussterben, ebenso wie das Schicksal von Zwangsarbeiter*innen aus der Sowjetunion in deutschen Bauernhöfen.

Gerade bei den weniger entfernten Fällen aber spielt Scheer, die diese Geschichten selbst erlebt hat, an, ohne dass es völlig verständlich ist: Sie spricht von einem namenslos bleibenden Anwalt, der in Zusammenarbeit mit der StaSi Widerständige zur Ausreise bewegte und später politisch erfolgreich war. Ist damit Gysi oder de Maizière gemeint?

Das Buch ist sehr gut. Nur Erzählungen können wohl bei Geschichtsdarstellung so nuanciert-vielschichtig-umfassend sein. Auch Enttäuschungen bekommen so Raum: Warum ist das sozialistische Projekt '45 so dermaßen schnell gescheitert? Und warum wurden dann '89 und '90 die Parteien, die den demokratischen Umbruch und ein neues Forum möglich gemacht haben (nämlich demokratischer Aufbruch und Neues Forum), so wenig gewählt, während die Konformisten mit nationalschwangeren Blick auf Einheit (CDU) und die Fortführer der de-facto-Ein-Parteien-Herrschaft (PDS) Wahlsiege einheimsen durften?

Und warum schweigen eigentlich immer alle von der Vergangenheit (nicht nur, weil es ein norddeutsches Klischee ist)? Warum schweigen alle am meisten, wenn es um Missbrauch oder Schuld oder "Fremdheit" geht?

Profile Image for radikarlin.
27 reviews
March 25, 2021
This book is beautifully written, it brilliantly describes the changes in society at the ending of the GDR. I really enjoyed the recurring element of the place "Machandel"and its tail. All characters had real depth and their character development is nicely connected with the aging process in general as well as the political changes.
197 reviews
August 6, 2018
Ergreifend, poetisch, melancholisch, hoffnungsvoll. Wie das Märchen vom Machandelbaum. Eine Geschichte ueber den Anfang und das Ende det DDR. Das Grosse im Kleinen.
23 reviews
October 15, 2025
Ich habe lange an Machandel gelesen, daher fühlt es sich jetzt tatsächlich nach Abschied an. Die Geschichte der DDR, erzählt aus ganz verschiedenen Perspektiven und über Generationen hinweg, hat mich sehr beeindruckt. Mal wieder wurde mir klar, wie wenig ich darüber weiß, obwohl große Teile meine Familie nach wie vor in diesem Teil Deutschlands leben. Die DDR war also Teil meiner Kindheit, bestand aber eher aus Paketen mit Kaffee und Schokolade verschicken und traumatischen Grenzübertritten, bei denen man uns gefühlt das Auto auseinander gebaut hat. Zur politischen Situation sind natürlich grobe Kenntnisse vorhanden, aber Machandel geht ins Detail. Keine leichte Kost die man mal eben weg liest, sondern viel gegoogel nebenbei, um besser zu verstehen. Klare Leseempfehlung für geschichtsinteressierte.
Profile Image for Carla.
1,025 reviews134 followers
March 19, 2022
War leider einfach kein Buch für mich. Ich konnte weder zur Handlung noch zu den Figuren eine Verbindung aufbauen. Außerdem hat es mich völlig aus dem Konzept geschmissen, dass die eine Protagonistin tot ist?! Hatte dann auch einige Längen und dann war ich einfach raus.
24 reviews
March 22, 2024
Sehr spannende Einblicke in die ostdeutsche Geschichte. Vor allem die Frauen sind lebendig und kraftvoll beschrieben und vermitteln einen vielschichtigen Einblick in die Historie. Das Wechselspiel zwischen harter Realität und mystisch anmutendem Schauplatz ist fantastisch und erschafft einzigartige Stimmungen. Gut geschrieben und sicherlich empfehlenswert, es in einem Rutsch durchzulesen, ansonsten besteht die Gefahr von "Längen".
21 reviews
October 19, 2024
Tolles Buch - erstreckt sich vom 2. Weltkrieg bis 2009 und wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Im letzten Drittel fand ich es ein bisschen zäh aber immer noch gut.
Profile Image for Snezana.
9 reviews
May 18, 2024
Ova knjiga je, najjednostavnije rečeno, čudesna. Regina Šer ispripovedala je umešno, volšebno i veličanstveno istoriju Istočne Nemačke (NDR), zapravo čitavu svetsku istoriju tog perioda drastične podele na Istok i Zapad, kroz priču o malom, bajkovitom selu u takozvanoj ruskoj zoni, predivnog imena - Borovica. To mesto deluje kao da se negde na mapama sakrilo između mita i stvarnosti, pa autorka bira da baš tu proučava prirodu i ljude, da kroz nekoliko snažnih karaktera i vrlo upečatljivih, ponekad i vrlo potresnih životnih priča dočara blisku prošlost, da poetskim rečenicama i pasusuma opiše istorijske činjenice i pruži jedan vrlo mudri i pronicljivi osvrt na period koji još uvek boli Nemačku i celi svet, kao i na političke sisteme istočne Evrope i ožiljke koje su ostavili za sobom. Borovica je mesto sećanja, mesto pamćenja, ujedno i mesto izlečenja, sanatorijum za ranjene duše. Lične priče njenih stanovnika i onih koje sudbina u nju dovodi, ti značajni mikro svetovi, slika su čovekove moći i nemoći, sudara ličnih i istorijskih nedaća i nesreća za koje Regina Šer traži da se ne zaborave na makro planu. Roman počinje pitanjem šta li je video punački anđeo sa crkve u Klabovu pa su mu oči razrogačene a usta otvorena kao da će kriknuti. Mnogo nesreće je video, ali strašna narodna bajka o borovičinom stablu ispod kojeg sestra zakopava kosti svog brata stradalog na stravičan način, postavljena kao centralna metafora romana, poručuje da samo sećanje, i na dobro i na zlo, i na lepo i na strašno može doneti novi početak i pomirenje. Ovaj predivni sklop istorijskih, etnoloških, lingvističkih i geografskih istraživanja, pa narodne tradicije, upleten u vrlo, vrlo poetičnu fikciju (naročito obratiti pažnju na podnaslove poglavlja), kojoj je dao na upečatljivosti i životnosti, rezultirao je zaista impresivnim delom kom se svim svojim bićem iskreno divim. Ima u ovoj knjizi tuge, patnje, nepravde, bola, ali ima i itekako puno života, radosti i lepote, pa i strasti. O, da, ima i strasti. Ganuta sam do suza i samo želim da poručim - čitajte Reginu Šer i njenu "Borovicu".
Profile Image for Jadranka Milenković.
Author 12 books57 followers
November 10, 2020
Knjiga "Borovica" Regine Šer jedan je od najboljih romana koje sam pročitala u poslednje vreme. Knjiga se bavi životom u Istočnoj Nemačkoj nakon Drugog svetskog rata. O tom životu progovara više naratora, različitih godina i nacionalnosti, što nam dozvoljava veoma širok uvid u tadašnja zbivanja, i svakako sprečava bilo koju vrstu sužavanja slike. Naratorka koja bi se možda mogla nazvati najvažnijim glasom u knjizi, Klara, rođena je 1960. godine, u doba mira. Da li je to takođe doba sreće, političke stabilnosti i napretka, to autorka problematizuje u ovoj knjizi. Jedan od važnih glasova je glas Klarinog oca, Hansa, koji je učestvovao u stvaranju takvog poretka, sa velikim nadama i odricanjima, provevši čak deset godina u zatvorima, prvo kao pripadnik socijalistički orijentisane omladine, potom u logorima fašista. On je ceo svoj život posvetio stvaranju socijalističkog poretka, zato nakon rata žmuri kad njegovi drugovi stradaju u čistkama koje organizuje njihova sopstvena partija. Žmuri, ali ne od straha za sopstveni život, nego iz uverenja da je najvažnije da opstane poredak. Klarin brat Jan, rođen neposredno nakon rata, dolazi u sukob s ocem jer vidi da se sistem pretvorio u totalitarnu državnu organizaciju. Očevi i sinovi se razilaze u shvatanjima, i to je najtužnije što je moglo da se desi - jer isti ti očevi koji su se borili protiv nepravednog poretka tražeći slobodu i smisleniji život, sad ne razumeju svoju decu koja takođe traže samo to isto. Klara i Jan, Klarin muž, Janovi prijatelji - takođe žive nesrećno boreći se čitavog svog života za slobodniji i pravedniji poredak. Prisluškivani su, otpuštani s posla, hapšeni, neki dobrovoljno otišli, neki prognani iz zemlje. Na kraju, kad se poruši zid i dođe do ponovnog ujedinjenja dveju nemačkih polovina, svi vide da su izigrani.

Međutim, knjiga nije dosadno političko štivo. Mi pratimo životne priče glavnih junaka, koje se dodiruju u još jednoj tački - malom selu u meklenburškoj oblasti po imenu Borovica. Klara istražuje bajke i legende iz tog kraja, piše o tome doktorat. Tu upoznaje i starosedeoce i izbeglice. Neke od tih izbeglica dovedene su da rade, to su takozvani "Istočni radnici" u vreme rata, neka vrsta roblja. Nemajući kome da se vrate, ostali su tu, jer su im porodice u međuvremenu pobijene. Klara i njen muž kupuju jednu kolibu, koja i sama ima istoriju - takvu da ne ostavlja nikog ravnodušnim. Klara se između ostalog posvećuje istraživanju života njenih ranijih stanovnika, koja predstavlja možda i najbolniju priču u knjizi.

Knjiga nas ne upućuje na neke eksplicitne ideološke zaključke, to je priča o ljudima, ratu, nesreći, zabludama, potragama i borbi, ali pre svega o pokušaju da se sačuvaju sećanja, jer samo ona mogu doneti neko pročišćenije iskustvo, katarzu, i izvesni nagoveštaj smisla. Pisana je lepim, odmerenim stilom lišenim patetike, znalačkom rukom osobe koja je pre toga napisala brojne stručne publikacije, koja je zrela i kao čitalac i kao autor i kao mislilac, i čiji je život u celini takođe posvećen borbi za humaniji, smisleniji život, i za nezaborav.
Knjigu sam čitala u izdanju "Službenog glasnika", pod nazivom "Borovica", u prevodu Drinke Gojković.
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