Wohl wahr, eines der besten Dramen, die ich lesen durfte. Friedrich Schiller verstand es bereits in Maria Stuart, Literatur mit Historie zu vereinigen, und das unvergleichlich.
Darüber hinaus schimmert in Don Carlos mit der seltenen Freundschaft und Treue des Marquis von Posa ein Horatio, und im Protagonisten beinahe ein gewisser Hamlet durch, ja ich waage es zu behaupten, Don Carlos ist der deutsche Hamlet.
Repertoire:
Carlos: Ich bewundre
Des Königs lust‘gen Beichtiger, der so
Bewandert ist in witzigen Geschichten.
(Ernsthaft und finster.)
Doch hab ich immer sagen hören, dass
Gebärdenspäher und Geschichtenträger
Des Übels mehr auf dieser Welt getan,
Als Gift und Dolch in Mörders Hand nicht konnten.
-
Carlos: Ich gebe nichts verloren als die Toten.
-
Carlos: Ich habe dich verstanden.
Ich danke dir. Doch diesen Zwang entschuldigt
Nur eines Dritten Gegenwart. Sind wir
Nicht Brüder? - Dieses Possenspiel des Ranges Sei künftighin aus unserm Bund verwiesen!
Berede dich, wir beide hätten uns Auf einem Ball mit Masken eingefunden, In Sklavenkleider du, und ich aus Laune In einen Purpur eingemummt. Solange Der Fasching währt, verehren wir die Lüge, Der Rolle treu, mit lächerlichem Ernst, Den süßen Rausch des Haufens nicht zu stören.
Doch durch die Larve winkt dein Karl dir zu, Du drückst mir im Vorübergehn die Hände, Und wir verstehen uns.
Marquis: Der Traum ist göttlich.
Doch wird er nie verfliegen? Ist mein Karl Auch seiner so gewiss, den Reizungen Der unumschränkten Majestät zu trotzen?
Noch ist ein großer Tag zurücke - ein Tag,
Wo dieser Heldensinn - ich will Sie mahnen - In einer schweren Probe sinken wird.
Don Philipp stirbt. Karl erbt das größte Reich Der Christenheit. - Ein ungeheurer Spalt
Reißt vom Geschlecht der Sterblichen ihn los, Und Gott ist heut, wer gestern Mensch noch war.
Jetzt hat er keine Schwächen mehr. Die Pflichten Der Ewigkeit verstummen ihm. Die Menschheit
- Noch heut ein großes Wort in seinem Ohr - Verkauft sich selbst und kriecht um ihren Götzen.
Sein Mitgefühl löscht mit dem Leiden aus, In Wollüsten ermattet seine Tugend, Für seine Torheit schickt ihm Peru Gold, Für seine Laster zieht sein Hof ihm Teufel.
Er schläft berauscht in diesem Himmel ein, Den seine Sklaven listig um ihn schufen.
Lang, wie sein Traum, währt seine Gottheit. - Wehe
Dem Rasenden, der ihn mitleidig weckte.
Was aber würde Roderich? - Die Freundschaft Ist wahr und kühn - die kranke Majestät Hält ihren fürchterlichen Strahl nicht aus.
Den Trotz des Bürgers würden Sie nicht dulden, Ich nicht den Stolz des Fürsten.
Carlos: Wahr und schrecklich
Ist dein Gemälde von Monarchen. Ja, Ich glaube dir. - Doch nur die Wollust schloss
Dem Laster ihre Herzen auf. Ich bin
Noch rein, ein dreiundzwanzigjähr'ger Jüngling.
Was vor mir Tausende gewissenlos In schwelgenden Umarmungen verprassten,
Des Geistes beste Hälfte, Männerkraft,
Hab ich dem künft' gen Herrscher aufgehoben.
Was könnte dich aus meinem Herzen drängen, Wenn es nicht Weiber tun?
Marquis: Ich selbst. Könnt ich
So innig Sie noch lieben, Karl, wenn ich Sie fürchten müsste?
Carlos: Das wird nie geschehen.
Bedarfst du meiner? Hast du Leidenschaften, Die von dem Throne betteln? Reizt dich Gold?
Du bist ein reichrer Untertan, als ich
Ein König je sein werde. - Geizest du Nach Ehre? Schon als Jüngling hattest du Ihr Maß erschöpft - du hast sie ausgeschlagen.
Wer von uns wird der Gläubiger des andern, Und wer der Schuldner sein? - du schweigst? Du zitterst Vor der Versuchung? Nicht gewisser bist Du deiner selbst?
Marquis: Wohlan. Ich weiche.
Hier meine Hand.
Carlos: Der Meinige?
Marquis: Auf ewig
Und in des Worts verwegenster Bedeutung.
Carlos: So treu und warm, wie heute dem Infanten, Auch dermaleinst dem König zugetan?
Marquis: Das schwör ich Ihnen.
Carlos: Dann auch, wenn der Wurm
Der Schmeichelei mein unbewachtes Herz
Umklammerte - wenn dieses Auge Tränen
Verlernte, die es sonst geweint - dies Ohr Dem Flehen sich verriegelte, willst du, Ein schreckenloser Hüter meiner Tugend, Mich kräftig fassen, meinen Genius Bei seinem großen Namen rufen?
Marquis: Ja.
Carlos: Und jetzt noch eine Bitte! Nenn mich du!
Ich habe deinesgleichen stets beneidet Um dieses Vorrecht der Vertraulichkeit.
Dies brüderliche du betrügt mein Ohr,
Mein Herz mit süßen Ahndungen von Gleichheit.
- Keinen Einwurf - Was du sagen willst, errat ich.
Dir ist es Kleinigkeit, ich weiß - doch mir, Dem Königssohne, ist es viel. Willst du Mein Bruder sein?
Marquis: Dein Bruder!
Carlos: Jetzt zum König.
Ich fürchte nichts mehr - Arm in Arm mit dir, So fordr' ich mein Jahrhundert in die Schranken.
(Sie gehen ab.)
-
Domingo: (nach einer Pause, worin er die Prinzessin mit den Augen begleitet hat).
Herzog, diese Rosen, und ihre Schlachten.
-
König: (mit erwartender Miene). Nun?
Marquis: - Ich kann nicht Fürstendiener sein.
(Der König sieht ihn mit Erstaunen an.)
Ich will
Den Käufer nicht betrügen. Sire. - Wenn Sie Mich anzustellen würdigen, so wollen Sie nur die vorgewogne Tat. Sie wollen Nur meinen Arm und meinen Mut im Felde, Nur meinen Kopf im Rat. Nicht meine Taten, Der Beifall, den sie finden an dem Thron, Soll meiner Taten Endzweck sein. Mir aber, Mir hat die Tugend eignen Wert. Das Glück, Das der Monarch mit meinen Händen pflanzte, Erschüf ich selbst, und Freude wäre mir Und eigne Wahl, was mir nur Pflicht sein sollte.
Und ist das Ihre Meinung? Können Sie In Ihrer Schöpfung fremde Schöpfer dulden?
Ich aber soll zum Meißel mich erniedern, Wo ich der Künstler könnte sein? - Ich liebe Die Menschheit, und in Monarchien darf Ich niemand lieben als mich selbst.
König:
Dies Feuer
Ist lobenswert. Ihr möchtet Gutes stiften.
Wie Ihr es stiftet, kann dem Patrioten, Dem Weisen gleich viel heißen. Suchet Euch Den Posten aus in meinen Königreichen, Der Euch berechtigt, diesem edeln Triebe
Genug zu tun.
Marquis: Ich finde keinen.