Gabriele Tergit had already pioneered as a female court reporter for major Berlin newspapers when she became famous overnight for her socially critical novel about the late Weimar Republic, Käsebier erobert den Kurfürstendamm (Käsebier Conquers the Kurfürstendamm, 1931). Her literary career in Germany was cut short by Hitler, however, and, like Irmgard Keun, she was largely forgotten after the war. But in spite of her lack of success in the early Federal Republic of Germany (FRG), the exiled author never stopped writing and also worked tirelessly for the last 25 years of her life as the honorary secretary of the London PEN-Center of expatriate German-speaking authors. With the growing interest in women writers in the late 1970’s Tergit’s writings have attracted renewed attention and many have been republished.
Gabriele Tergit beschreibt in ihrem kurzem Roman "Der erste Zug nach Berlin" das Deutschland der Nachkriegszeit. Die Autorin war in der Weimarer Republik Gerichtsreporterin. Dann musste sie als Jüdin vor den Nazis fliehen. 1948 und 1949 besuchte sie Deutschland. Die Erfahrungen aus den Gesprächen und Beobachtungen dieser Besuche sind in den Roman eingeflossen.
Dabei kommt es zu Aussagen wie "Wir haben uns alle unter unserm Herrn Hitler als Mitglied einer großen Armee gefühlt, wo jeder einen wichtigen Posten auszufüllen hatte." oder "Vielleicht ist das mit den Juden nicht immer recht gewesen, es gab auch anständige darunter." oder "Die Herrn Nazis kriegen die Posten wie eh und je.".
Im Zentrum des Romanes steht die 19-Jährige New Yorkerin Maud. Sie ist Teil einer Mission der Briten und Amerikaner, die zum Ziel haben, in Deutschland eine liberale Zeitung zu gründen, und deshalb nach Berlin reisen. Das ist eigentlich ein interessantes Thema, dient hier aber eher als Krücke für die meist in Dialoge verpackten oben genannten Beobachtungen. Diese Beobachtungen sind teilweise hochinteressant. Die Geschichte und die Figuren, in die diese eingebunden sind, sind aber bedauerlicherweise sehr schwach. Mitunter sind hier eher politische Vorträge zu lesen, die der Erziehung der Leser aber nicht der Geschichte dienen.
Irritierend war für mich, dass das Buch teilweise auf deutsch und teilweise auf englisch geschrieben ist. Die Neuausgabe folgt dieser Form der Autorin und übersetzt die englischen Passagen nicht. Ein Mehrwert ist für mich dadurch beim Lesen kaum entstanden.
Die Aussagen der Menschen, die in all ihrer Brutalität schonungslos berichtet werden, sind bitter aber lesenswert. Das Buch als Roman, als Kunstwerk ist es leider nicht.
Die Ambition ist ehrenwert, die Prämisse durchaus reizvoll: Die Ich-Erzählerin, ein New Yorker High-Society-Girl, reist mit einer Gruppe Amerikaner und Engländer ins Berlin der Nachkriegszeit, um sich an der Gründung einer liberal-demokratischen Zeitung zu beteiligen. Weniger getrieben von politischem Idealismus als vielmehr von Abenteuerlust, trifft sie dort in vielerlei Hinsicht auf den „Ernst des Lebens“, die Realitäten der unmittelbaren Nachkriegszeit, um am Ende aber wieder in die USA zurückzukehren und in ihre ursprüngliche Ignoranz zurück zu verfallen. Das klingt erstmal gut, doch hapert es gewaltig an der künstlerischen Umsetzung. Der Roman beginnt als ziemlich grelle Satire auf die Ignoranz und Borniertheit der Besatzer. Man merkt: Hier schreibt jemand mit ganz viel Wut im Bauch und zeichnet dementsprechend mit sehr groben Strichen. Das erschwert es, einen wirklichen Zugang zu den Figuren, v.a. der Ich-Erzählerin, zu finden. Formal stehen dem ein Hang zum Episodischen sowie die Dialoglastigkeit im Wege: Fast die gesamte Handlung erschließt sich durch Figurenrede, Tergit setzt ihre Erzählerstimme nur sehr sparsam ein, macht sie über weite Strecken des Textes zu einer Beobachterin, die im Grunde nicht viel beizutragen hat. Auch das von Anfang an hohe Erzähltempo hilft nicht, in die Geschichte hereinzufinden. Anrührender und differenzierter erscheinen demgegenüber die Begegnungen mit den Deutschen, und zwar weniger den Altnazis, die nun z.T. sehr erfolgreich versuchen, sich mit den Besatzern gut zu stellen, als vielmehr mit den „Menschen von der Straße“, deren Erzählungen durchaus Empathie wecken und nachvollziehbar machen, warum große Teile der deutschen Bevölkerung auch noch nach dem verlorenen Krieg mit Bewunderung und Wehmut auf die Nazi-Jahre blicken. Dies wird konterkariert mit der stärksten Szene des Romans, ein KZ-Überlebender stirbt an den Folgen seiner Haft – hier wird das von den Nazis verursachte Leid auch für die Erzählerin greifbar. Dass diese Erfahrung aber nicht besonders nachhaltig ist, entspricht der doch letztlich sehr pessimistischen Stoßrichtung des Romans. Ich hatte den Eindruck, dass der Roman erst auf diesen letzten 30 Seiten wirklich Tritt findet, wenn der grell-satirische Ton einer Ernsthaftigkeit weicht, die die zumindest die Möglichkeit einer inneren Berührung freilegt. Hier zeigt sich das Potential für eine gelungenen Erzählung, doch über weite Strecken hatte ich mit der erzählerischen Flatterhaftigkeit so meine Schwierigkeiten.
3.5⭐️ Der erste Zug nach Berlin ist ein präziser Roman über die Nachkriegszeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Zentrum steht das Nachkriegs-Berlin und der moralische Zustand einer Gesellschaft nach dem Zusammenbruch. Gabriele Tergit zeigt, wie schnell das Geschehene verdrängt wird und ein scheinbarer Neuanfang einsetzt. Die Aktualität ist dabei erschreckend: Schuldrelativierung, Sprachvernebelung und der Wunsch nach schneller Normalität. Der Roman hat sehr viele Figuren, weshalb ich etwa 60 Seiten brauchte, um mir einen Überblick zu verschaffen. Tergits Werk ist kein einfaches, aber ein wirklich wichtiges Buch.
Die späteren 40er Jahre im westalliierten Berlin. Eine angloamerikanische Gruppe von Journalisten auf der Suche nach einer liberalen Stimme aus Deutschland.
Im Gedächtnis bleiben diese Figuren nicht und sie rufen rufen auch keine emotionale Beteiligung hervor. Hier geschieht kaum etwas, umso mehr wird dagegen gesprochen. Und diese aus zahlreichen Originaldokumenten konstruierten Dialoge zeigen ein erschreckend hochmütiges Deutschland, dass sich nicht entnazifizieren lassen will, das von fremden Interessen geformt und dennoch von etablierten Eliten geführt wird und in dem es keinen Platz für Vernunft, Humanismus und Moral abseits der politischen Blockbildung gibt.
I had trouble getting into it, as it seemed to be a series of unconnected shreds of conversations at first. But as it progressed I realised the main character Maud (autobiographically based on Tergit) served a naive observer of different people from different backgrounds -from Americans to Russians, from nobility to working class- expressing their honest thoughts about the war, the Third Reich, the Holocaust, the Allied occupiers and their presumed own supremacy. It ended up being a fascinating read and a rare honest account of the immediate post-war period as witnessed by Tergit first-hand at the time. Recommend!
"We hebben de modernste flat van New York. De ramen hoef je niet open te doen, want je hebt overal airco. Vanuit deze flat lijkt het alsof alles in orde is zolang alle knoppen het maar doen." (122)
Die Art wie das Buch geschriebrn ist hat mir gar nicht gefallen!! Nicht mal 3 Kapitel gelesen, es irritiert sehr das English /Deutsch. Habe nach 3 Kapitel abgebrochen! So wichtig das Thema ist desto weniger find ich die Art wie es geschrieben ist.
Maud ist eine verwöhnte junge Amerikanerin aus reichem Hause. Ende der 1940-er Jahre will sie mit ihrem Onkel nach Europa fahren, um mit einer anglo-amerikanischen Militärkommission das besiegte Deutschland zu besuchen und dort eine neue Zeitung zu etablieren. Die Welt ist eine geringfügig andere, als wir sie kennen, irgendwann nach Kriegsende sind die Zeitläufte bei Gabriele Tergit abgebogen: Die Pest hat in Mitteleuropa gewütet und - über den Krieg hinaus - viele Tote gefordert, in den USA herrscht Monopolkapitalismus, und es gibt nur noch zwei Zeitungen, bei den Briten regiert ein isolationistischer Inselchauvinismus.
Mit einer bunten Truppe setzt sich Maud von London aus in den titelgebenden Zug nach Berlin. Dort trifft sie allerhand Gestalten, verliebt sich nach einem rauschhaften Genuss germanischer Kultur in den schneidigen Herrn Stegen (der mal Goebbels’ rechte Hand war, wie sich herausstellt), bereut das bitter und will die Welt retten, um am Ende doch ihren Boyfriend aus Long Island zu heiraten und ein luxuriöses Leben in New York zu führen.
Viel passiert nicht, der Löwenanteil des Textes entfällt auf Dialoge, in denen die unterschiedlichsten Typen, auf die Maud und ihre Begleiter treffen, ihre Einschätzungen zur Lage der Dinge abgeben dürfen. Dabei entblößen sie alle ihre grundverkehrte Weltsicht und bekommen ihr Fett weg: Die kapitalistischen Amis, die nationalistischen Briten, die blinden Sozialisten und Stalinfreunde, die kranken Zionisten, am meisten aber die Deutschen, die - so unterschiedlich sie sich auch geben mögen - nichts aus der Geschichte gelernt haben, die Propagandamärchen der Nazis verinnerlichen und dem Weltjudentum die Schuld an allem zuschreiben. Einzige Stimmen der Vernunft sind Mauds Mentor Merton und ein dem Tod geweihter (und alsbald sterbender) deutscher Journalist namens Reinhold.
Sagen wir es grad heraus: Dieses Buch ist ein Reinfall. Das ist schade, und es hat mich überrascht, denn ich mochte Tergits „Käsebier“ (auch wenn er sehr in seiner Entstehungszeit stecken geblieben ist), und ich fand ihre Familiensaga von den „Effingers“ sogar ausgesprochen gut.
Aber es ist schon mal keine gute Idee, in einer Satire (und das soll das Buch ja wohl sein) nach allen Seiten gleichermaßen auszuteilen. Gabriele Tergit schwingt den groben Knüppel und drischt um sich, alle findet sie doof, die nicht ihre moderat-liberale Sicht teilen. Bei mir als Leser kommt das nicht gut an. Zudem hat sie das Pech, dass ihre Themen aus dem Blick achtzig Jahre später teilweise eher speziell und unbegründet wirken - nein, in den USA gibts kein Medien- und Meinungsmonopol und auch London ist in den 1950-er und 60-er Jahren doch eher weltoffen geblieben und hat geschwungen. Ihre Kritik an den Deutschen aber muss man achselzuckend wegstecken. Sie hat schon recht in ihren Beobachtungen (die einer tatsächlichen Deutschlandreise der Autorin aus dem Jahre 1948/49 entstammen), aber so ist das eben: Die Menschen sind dumm, Schuld verdrängen sie und verlieren kann obendrein keiner. Es hat in Deutschland erst das Heranwachsen einer Generation frei von persönlicher Schuld gebraucht, ehe man die Verbrechen der Nazizeit aufzuarbeiten beginnen konnte, 1950, als das Buch erscheinen sollte, war man einfach noch nicht so weit.
So ist diese Satire also weder erhellend, noch lustig, und ich hätte es bei einem Stern belassen, wenn nicht die Mischung aus deutschen und englischen Passagen und das englisch-idiomatische Deutsch der Icherzählerin, in denen sich Gabriele Tergit in diesem Manuskript versucht, dem Lesen doch einen gewissen Kick gegeben hätte.
Als (rechtzeitig geflohene) Jüdin 1948 zurück ins geliebte Berlin zu kommen, war eine harte Erfahrung. Ihr Heimatgefühl hat sich nicht geändert, aber die Begegnungen und Gespräche mit den überlebenden Deutschen sind alles andere als erhebend.
Ich bin schockiert, wie aktuell das Buch ist. Die Verdrehungen der Realität, Flucht vor Verantwortung, Einnehmen von Opferhaltung könnten direkt aus im toxischen Netzwerk "X" geposteten Beiträgen stammen.
Selten habe ich so viel realistische Sicht auf Menschen mit so viel Freundlichkeit und Mitgefühl gepaart gesehen. Die Hauptperson, eine 19jährige Amerikanerin, ist die Linse, durch die die harte Realität gesehen wird, ein cleverer Ansatz, um die Realität frei von wertenden Urteilen wahr zu nehmen und darstellen zu können.
Natürlich ist das Buch kein guter "Roman". Es ist ein langer, satirisch gefärbter journalistischer Bericht. So what. Da werden existentielle Fragen gestellt und besprochen - wie umgehen mit der Bequemlichkeit und Verlogenheit von Menschen, die sie so anfällig macht dafür, Machtmissbrauch und Gewalt auszublenden oder hinzunehmen, und gerne auch selbst davon zu profitieren?
3.5 Sterne und sehr schwer zu entscheiden, ob ich auf- oder abrunden will. Ich habe bereits Käsebier, Effingers und die Gerichtsreportagen (großartig - unbedingt lesenswert! und erschreckend aktuell) gelesen und schätze die Autorin sehr. Dieser kurze Roman ist sehr anders als die anderen. Die Protagonist*innen und die Handlung habe ich überhaupt nicht erwartet! Ich runde auf. Super finde ich auch das Nachwort von Nicole Henneberg. Ich will auf jeden Fall weitere Werke von ihr lesen.
Eine seltene Perspektive, fast ein Stück Zeitgeschichte. Der naive Blick der Erzählerin Maud irritiert zunächst, ebenso der unpolierte, spontan wirkende Aufbau der Geschichte. Anfangs wirkt es satirisch überspitzt, am Ende eher wie ein bitteres Mosaik, allzu wahr. Sehr lesenswert. (bezieht sich auf die neu von Nicole Henneberg editierte Version von 2023)
wunderbares Buch, ich hab es in der Ausgabe der Büchergilde gelesen, die das Originaltyposkript veröffentlicht haben - großartig! Ich bin ganz begeistert und werde alles von Teigt lesen, was mir unter die Lesebrille kommt.
Het duurde even voordat ik gewend was aan het lezen in dialogen (en dat terwijl het zo’n dun boekje is). Maar uiteindelijk kon ik dat juist wel waarderen. Geen interpretaties of uitleg van de schrijver hoe je de personages moest duiden, maar door de gesprekken ontdekken wat iemands opinie is of wat diegene doormaakt. Ook een interessant tijdsmoment in de Europese geschiedenis, Duitsland net na WOII. Hoe de machtsstrijd tussen de ‘bevrijders’ het toneel domineerde. Hoe de gewone Duitsers als bediendes monddood een bijrol spelen. Geen van allen echt kunnen nadenken over hoe een samenleving eruit zou kunnen zien en welke rol ieder individu daarin zou kunnen spelen. Of het vermogen om dat vorm te kunnen geven.