"Freie Menschen sollen keine Angst vor der Angst haben, weil das ihre Selbstbestimmung kosten kann."
Das Buch besteht aus zwölf Kapiteln, wovon eines in das Thema einführt, eines das Thema Angst angeht und die restlichen ausgewählte gesellschaftliche Ängste bespricht. An die zwölf kurzen Kapitel hängt sich vorbildhaft eine Bibliografie an. Eine Danksagung rundet das Buch ab.
Es gibt keinerlei Bilder, Grafiken, Statistiken, was ich immer und immer wieder anprangere und vor allem in diesem Kontext für eine verpasste Chance halte, weil Angst so präsent ist, dass man durchaus jedem Kapitel ein die Angst thematisierendes künstlerisches Werk hätte vorstellen können. Es gibt so viele bekannte Kunstwerke zum Thema Angst aber man hätte auch auch was von unbekannteren Künstlern abdrucken können. Ebenso hätte man Statistiken zeigen können, weshalb die Menschen jetzt mehr Angst bei Jobverlust, Wohnungsverlust haben. Bilder, Grafiken und Statistiken machen ein Buch erst rund.
Der Mensch hat sehr viele Ängste; das Buch führt exemplarisch die gesellschaftlichen Ängste auf, wie zum Beispiel die Angst vor sozialem Abstieg, der Angst nicht gut genug zu sein, Angst davor nicht mehr gewollt zu werden (freie Kündigung - wie die Beendigung einer Beziehung (weshalb die Institution der Ehe so beliebt war), die Angst das zu verlieren, was man erreicht hat, die Angst selbst Ausbeutungsjobs zu verlieren, in denen man austauschbar ist, die Angst davor Entscheidungen zu treffen, die Angst in einem unkontrollierbaren Moloch zu sein, weshalb man mit den Wölfen heult um ein Individuum zu bleiben, Angst vor den anderen und Angst vor der Angst an sich.
Ängste sind ein Teil des Lebens und man kann sie einfach nicht vermeiden, wenn man ein freies Leben führen will. Deshalb ist es die Verantwortung der Gesellschaft jedes Einzelnen, soweit es geht den anderen von den Ängsten zu befreien. Kein Mensch sollte Angst davor haben seine Wohnung zu verlieren, seinen Job zu verlieren, sein Leben zu verlieren, Schmerzen erleiden zu müssen, angelogen zu werden. Es ist die Aufgabe jeder Gesellschaft die Ängste soweit es geht zu kultivieren, dem Einzelnen Sicherheit zu geben und die Fähigkeit mit Ängsten so umzugehen, dass sie einen nicht schlaflos machen.
Denn die Angst ermöglicht das Verlassen der Ichperspektive auf das eigene Leben durch das Aufzeigen von Möglichkeiten.
Eine Möglichkeit seine Zeit zu verbringen ist dieses Buch zu lesen. Man muss es nicht unbedingt, aber man nimmt vielleicht was mit und es schadet nie, sich mit der Angst zu beschäftigen.