Der Band zeichnet die Häuserkämpfe ab Anfang der 70er Jahre bis heute in der BRD und West-Berlin nach. Neben den großen Besetzungswellen in den Metropolen spielt gerade auch die Aneignung und Selbstorganisation von Freiräumen – etwa autonomer Jugendzentren – in kleineren Orten eine wichtige Rolle.
Dargestellt werden die Motivationen, politischen Ziele und die große Vielfalt der Besetzer_innen, deren kollektive Lebensformen ebenso zum Ausdruck kommen wie deren antikapitalistischer Charakter gemäß dem Motto »Die Häuser denen, die drin wohnen!«.
Das Buch startet mit einer Sammlung platter Parolen und sich reimenden Demo-Sprüchen zum Thema, darunter natürlich „Miethaie zu Fischstäbchen“, und setzt damit auch den Ton für die kurze Schrift. In den einzelnen Beiträgen zeigen sich Aspekte ideologischer Wohnungsmarktkritik, etwa wenn das Feindbild Spekulation und speziell das der Spekulanten bedient wird. Stolz wird berichtet, dass Anfang der 1980er-Jahre Tausende im Grunewald gegen „22 namentlich bekannte[] Spekulant*innen“ (19) demonstrierten. Auf den tragischen Tod des Demonstranten Klaus Jürgen Rattay im September 1981, der von einem Bus überfahren wurde, wurde unter anderem mit Anschlägen auf Banken reagiert. Ein ausgeprägtes Verständnis für gesellschaftliche Zusammenhänge ist in den Beiträgen nicht zu erkennen. So gilt Eigentum mit Verweis auf Proudhon als Diebstahl. Den zumeist aus dem autonomen Spektrum stammenden Besetzern ist dafür immerhin nicht der Vorwurf zu machen, die Lösung im Staat zu suchen.
Im mit 20 Seiten längsten Kapitel wird eine kurze Geschichte der Hausbesetzungen in Deutschland zusammengestellt, wobei die Häuserkämpfe in drei verschiedene Phasen aufgeteilt werden. Die Hausbesetzerszene lebte von dem Glauben an eine aktionistische Praxis, der die Annahme zugrunde lag, dass Besetzungen zum Ende des kapitalistischen Systems beitragen. Selbst in der Hochphase Ende der 1970er-/Anfang der 1980er-Jahre lebten in ganz Westberlin nur 5.000 Menschen in besetzten Häusern. Als ein Mittel zur Lösung der Wohnungsnot taugt es also nicht und soll ein Projekt dazu langfristig bestehen, führt kaum ein Weg an der Legalisierung der Besetzung vorbei. Respektabel ist rückblickend der Mietstreik von 1.500 Migranten im Jahr 1971 gegen schlechte Wohnbedingungen. Dass dies in dem Ausmaß heute noch gelänge, scheint kaum vorstellbar. Die Quote von 90 % verlorener Prozesse im Anschluss an die Verwehrung der Mietzahlungen zeigt aber auch, dass der Staat sofort die bestehenden Rechte durchsetzt, was mit Blick auf einen drohenden Wohnungsverlust abschreckende Wirkung entfaltet. Die Beiträge über interne Auseinandersetzungen zu Fragen der Legalisierung und Verhandlungsbereitschaft von Projekten sowie Besetzungen in der ehemaligen DDR waren interessant.
Fast noch spannender als die Praxis des Besetzens allein sind die Positionen der Besetzer. In der Darstellung der ersten Phase erfolgt eine unkritische Bezugnahme auf RAF und Revolutionäre Zellen. Letztere begangen 1974 einen Anschlag auf das Auto des Bezirksstadtrats Peter Sötje. Das Motiv war Rache für seine Rolle beim Abriss eines Jugendzentrums. Wer eine Reflexion der Positionen und Ereignisse erwartet, wird enttäuscht. Etwas vergleichbares findet sich höchstens in einem Beitrag von Christiane Brückner, einer ehemaligen Besetzerin, die über die unkritische Solidarisierung mit nationalen Befreiungskämpfen berichtet. Sie gibt an, dass sie in der Hausbesetzerszene „dazu neigten, sie revolutionsromantisch zu verklären“ (52). Dagegen hält sie die Entdeckung alternativer Heilmethoden für wichtig, die aus einer „kritischen Haltung der Schulmedizin gegenüber“ (54) entstand und dazu führte, dass sich aus der Besetzerszene heraus eine selbstverwaltete Heilpraktikerschule in Kreuzberg gründete.