Entspricht 398 Romanseiten.Es hätte eine vollkommen ereignislose Rückfahrt von Plymouth nach London werden sollen, doch als die Kutsche des Rechtsgehilfen Benjamin Underwood bei strömendem Regen im Dartmoor verunglückt, ahnt er noch nicht, dass sein Leben nie wieder so sein wird wie zuvor. Unterschlupf findet er in einer abgelegenen Ortschaft, dessen Bewohner alles andere als gewöhnlich sind. Zu allem Überfluss wird er auch noch in die Untersuchung des mysteriösen Mords am Dorfpfarrer hineingezogen. Überraschenderweise ist sein einziger Verbündeter der offensichtlich verrückte Schmuggler Kobold. Doch Kobold denkt nicht nur ganz anders als gewöhnliche Menschen, er weckt in Benjamin auch Gefühle, die zwischen zwei Männern verboten sind...
Für dieses Buch eine angemessene Review zu verfassen, ist gar nicht so leicht. Ich könnte zwar auch einfach sagen, ich würde ihm 10 Sterne geben, wenn ich könnte, aber das ist mir dann doch zu wenig, weil es einfach zu viel zu sagen gibt.
Dabei bin ich anfangs wochenlang um "Opiumschwaden" herumgeschlichen, unsicher, ob ich es lesen soll. History und ich, das geht meist nicht gut und darum lese ich Bücher aus diesem Genre selten, aber ich liebte das Cover vom ersten Blick an und als dann die ersten begeisterten Stimmen zu dem Buch auftauchten, dachte ich, scheiß drauf, und hab's gekauft.
Und es hat sich so was von gelohnt, obwohl der Hauptcharakter Benjamin anfangs wahrlich kein Sympathieträger war. Da fand ich sogar den schweigsamen Thomas und später Kobold vom ersten Moment an interessanter als Benjamin, der so verknöchert daherkommt, dass ich beim Lesen teils den Kopf geschüttelt habe, weil er dazu auch noch ein Feigling ist, wie es keinen zweiten gibt. Doch mit der Zeit, nach dem Fund der ersten Leiche, und je mehr er sich mit den Bewohnern dieser merkwürdigen Ortschaft St. Audrey, sowie Kobold und vor allem seinen eigenen Gedanken und inneren Dämonen auseinander setzen muss, umso besser wird die Geschichte und auch Benjamin selbst.
Er ist am Ende des Buches immer noch ein Feigling, der lieber den Weg des geringsten Widerstandes geht, aber als es schlussendlich darauf ankommt, weil es wirklich wichtig ist, da hat er endlich den Mut, den er braucht, um - vielleicht das 1. Mal überhaupt - für sich selbst, sein Leben, seine Gefühle und auch für Kobold einzustehen, der ihn und seine Liebe, seine Hilfe und Fürsorge, ganz dringend braucht. Und das war herrlich zu lesen.
Ich will gar nicht zu viel vom Inhalt verraten, denn dann müsste ich zwangsläufig spoilern und bei mehreren Toten und einer Auflösung der Mordfälle, die es wirklich in sich hat ... Nein, lest einfach selbst. Die Geschichte ist wortgewaltig, lang und wundbar bildlich erzählt, sodass das Lesen eine wahre Freude ist. Raik Thorstad kann schreiben, und zwar erstklassig.
Von mir gibt es volle Punktzahl und eine dicke Leseempfehlung obendrauf.
Raik Thorstad gehört schon lange zu meinen must-read-Autorinnen. Den Anfang der Story kannte ich schon von einer kostenlosen Plattform für Hobbyautoren und habe mich sehr darüber gefreut, dass sie nun endlich beendet wurde.
Zur Handlung. Benjamin Underwood wird von seinem Chef nach Plymouth geschickt, um die Bücher einer Reederei zu überprüfen. Da das Wetter schlecht und der Auftrag größer als erwartet ist, entschließt sich der Rechtsgehilfe dazu, die Unterlagen nach London mitzunehmen und dort zu überprüfen. Außerdem möchte er nicht so lange in Plymouth bleiben, weil seine Ehefrau kurz vor der Niederkunft seines ersten Kindes ist. Ausgerechnet im Dartmoor regnet es heftig und die Straße ist aufgeweicht. Dadurch kommt es zu einem Unfall mit der Kutsche und die Achse bricht. Mühselig schleppt er sich zu Fuß zusammen mit dem Kutscher und einem verletzten Pferd bis zu einem abgelegenen Dorf, St. Audrey. Doch was auf den ersten Blick still und friedlich erscheint, wird schon bald zu seinem persönlichen Albtraum. Denn kurz zuvor wurde dort die grausam zugerichtete Leiche des Dorfpfarrers entdeckt und die Dorfbewohner bitten ihn um Hilfe bei der Aufklärung des Verbrechens. Kobold ist ein opiumsüchtiger Schmuggler, der einsam mitten im Dartmoor in einer Hütte am See lebt. Als Benjamin ihn dort aufsucht, um ihn wegen des Mordes zu befragen, kommen die beiden Männer sich näher, als zu der damaligen Zeit erlaubt war. Denn Sodomie stand noch unter Strafe. Trotzdem entwickeln sie Gefühle füreinander, was bei Benjamin für heftige Gewissensbisse sorgt. Denn schließlich wartet zuhause in London seine hochschwangere Frau auf ihn.
Raik Thorstad entführt den Leser nach England in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Weite Reisen mussten damals noch mit Pferd und Kutsche bewältigt werden. Erzählt wird die Geschichte im Stil eines Briefes, den Benjamin Jahre später seinem Jugendfreund William schreibt. Ich muss gestehen, dass mich die Story begeistert hat, besonders die mit Horrorelementen versehenen Schilderungen der Geschehnisse im nebligen Moor. Das hat mir die ein oder andere Gänsehaut beim Lesen beschert. Dabei hatte ich den Eindruck, mitten im Zentrum des Geschehens zu sein. Das liegt zum großen Teil auch an dem bemerkenswerten Schreibstil. Positiv aufgefallen ist mir auch die gute Recherchearbeit der Autorin. Damals konnte man noch nicht einfach zum Telefon greifen und die Polizei rufen, wenn ein Verbrechen begangen wurde. Die Probleme dabei werden hier glaubwürdig und realitätsnah geschildert.
Die Story erhält von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Mein Dank geht an den Cursed Verlag für das erhaltene Rezensionsexemplar.
Es ist das Jahr 1832 und Benjamin Underwood ist auf der Rückfahrt nach London als er und sein Kutscher bei strömendem Regen im Moor verunglücken. Nie hätte Benjamin gedacht, dass er dadurch nicht nur Mörder findet sondern auch lange begrabene Gefühle für Männer wieder entdeckt.
Fazit Sehr gelungene Geschichte mit Spannung, die ihrer Zeit und Charakteren treu bleibt.
Cover, Gestaltung, Satz Das Cover in abgeschwächtem Neongrün mit Rauchschwaden und Schatten zeigt schon sehr ansprechend die Stimmung des Buches. Der Klappentext verrät nicht zu viel und macht gleichzeitg neugierig. Etwas verwirrt war ich vom Titel, da das Opium aus meiner Sicht eher eine untergeordnete Rolle in der Geschichte einnimmt.
Schreibstil, Plot Der Schreibstil passt wunderbar zum Erzähler und der Zeit, in welcher die Handlung spielt. (Leider kommt es nämlich gerade bei neuzeitigen Autoren häufig vor, dass der Sprachstil an die Neuzeit angepasst wird und z.B. Wortwendungen verwendet werden, die in dieser Zeit nicht vorkamen. (Auch wenn es natürlich aus Sprachentwicklungssicht Sinn macht - aber das übergehe ich jetzt einfach ;) )) Mir gefällt auch der Kniff, wie die Hauptfigur als Erzähler aus der Zukunft über die Geschehnisse erzählt und somit sich selber bewertet und eine Charakterentwicklung angedeutet wird, die zum Zeitpunkt in der Handlung noch nicht stattgefunden hat. Die Kapitelanfänge bereiten gut auf das Folgende vor und machen neugierig auf mehr - gerade dann, wenn der Erzähler aus der Zukunft sich über sein vergangenes Ich ärgert und ich als Leserschaft wissen will wieso. Etwas schwach fand ich die Entwicklung der Hauptfigur innerhalb der Geschichte. Auf den letzten Seite hatte ich große Sorge, ob da noch was passiert... Für mich hat sich die Figur eher treiben lassen als selbst zu entscheiden, was sie will - dies passte zwar zur Figur, wie sie anfangs angelegt war, machte mich als Leserschaft jedoch gefühlt wahnsinnig, da ich solche Charakterzüge nicht mag. Die Handlung selbst hat gute Wendungen, ist bodenständig+nachvollziehbar und spannend zugleich.
Eine Klitzekleinigkeit am Ende: Die Details waren meist nur angedeutet oder recht allgemein gehalten. Das passte zur Geschichte und war praktisch für die Autorenschaft, da darüber Fehler in Zeit und Kultur vermieden werden konnten. Ein Fehler ist mir jedoch aufgefallen: Ein Schuhmachermeister sagte mir mal (und kann auf fast jeder Lederwebsite nachgelesen werden), dass Leder niemals nicht am Feuer (oder heutzutage: an der Heizung) getrocknet werden sollte (macht das Leder brüchig). Das betrifft auch Lederschuhe, wie sie die Hauptfigur sicherlich getragen hat. Jemand aus dem 19. Jahrhundert wird diese Kleinigkeit vermutlich wissen und nasse Lederschuhe nicht ans Feuer stellen. So wie die Dorfleute es mit Benjamins Schuhen gemacht haben... Details sind das kleine I-Tüpfelchen einer Geschichte und wenn ich über solche Fehler stolpere, frage ich mich automatisch, was eventuell noch "falsch" sein könnte. Zum Glück war dies jedoch kein grober Schnitzer und mehr ist mir nicht aufgefallen. (Hat meine Freude am Buch jedoch ein klein wenig gedämpft...)
Mit ihrem neuesten Roman "Opiumschwaden - Der Mörder von St. Audrey" wendet sich die vielseitige Raik Thorstad einem neuen Genre zu - einem historischen Krimi mit Schauerelementen, verbunden mit einer Liebesgeschichte und auch einem Coming out. Klingt verrückt? Funktioniert aber.
Obendrein ist das ganze in die Form eines Briefes oder Buches, an den besten Freund gerichtet, gekleidet, aber auch das gelingt und macht die Erzählung nicht schwerfällig. Gelegentliche philosophische Einschübe hemmen etwas das Tempo, sind aber kurz und passen zu der Erzählform. Die Sprache bleibt dabei überwiegend stimmig in der Zeit des 19. Jahrhunderts. Wie detailliert man in dieser Zeit selbst einem engen Freund sexuelle Details geschrieben hätte, sei dahingestellt, reißt aber nicht aus der erzählerischen Illusion.
Besonders die Figur des Kobold wirkt sehr interessant, lebendig und changiert zwischen verschiedenen Seiten. Aber auch der Protagonist Benjamin kann mit seinem ehrlichen, bodenständigen Charakter Sympathie gewinnen. Ihre Liebesgeschichte kommt überzeugend und spannend daher. Gegen Ende wird dann leider ein großer Zeitraum mit viel Entwicklung nur kurz zusammengefasst, was sicher für den Spannungsbogen nötig ist, aber doch schade und diesen Teil ein wenig unbefriedigend enden lässt. Gerade die Figur Kobold bleibt hier etwas blass und nimmt für mein Empfinden keine ihrer Persönlichkeit angemessene Entwicklung mehr. Dies betrifft jedoch nur das letzte Kapitel und kann auch den Gesamteindruck nicht verderben.
Ein Hingucker ist natürlich das stimmungsvolle und sehr passende, von Cassandra Kramer gestaltete Cover, das noch vom Incubusverlag, in dem der Roman ursprünglich erscheinen sollte, übernommen ist. Schön hätte ich es gefunden, wenn auch in die Gestaltung des Buchsatzes noch ein paar Elemente alter Buchgestaltung eingeflossen wäre, z.B. eine schöne Gestaltung der Kapitelanfänge. Vielleicht wird dies ja in der Printausgabe umgesetzt.
Die Geschichte weiß ebenso mit Spannung mitzureißen, wie mit einer bildlichen, stimmungsvollen Athmosphäre und lebendigen Figuren. In jedem Fall ein gelungener, sehr lesenswerter und ungewöhnlicher Roman, mit dem Raik Thorstad erneut ihr schreiberisches Können zeigt.
Es war wirklich locker und schön zu lesen. Raik Thorstad hat einen sehr angenehmen und klaren Schreibstil, der einen sehr vertraut mir kleinen Details macht ohne dabei zu sehr abzuschweifen oder einen aus der Handlung zuholen. Die Story hat mich doch etwas überrascht. Man hat ja ähnliches doch öfter gelesen und ich dachte mir an einigen Stellen "ach jetzt passiert doch bestimmt dies und das..", nur um dann die Augenbrauen hochzuziehen und dann doch etwas anderes kommt. Das hat mir gut gefallen. Benjamin war mir zwischendurch aber zu abgelenkt von den Morden, obwohl diese wirklich sehr spannend waren. *******SPOILERSPOILERSPOILER***** Allgemein finde ich es sehr Schade, dass eigentlich nicht wirklich etwas aufgeklärt wurde? Bis zur Flucht von Kobold und Benjamin war ich voll drin, aber danach wurde das ganze ziemlich vernachlässigt. Ich hätte gern gewusst wohin die Dorfbewohner sind. Mehr zu den Ritualen. Und wenn die am Ende alle im Feuer gestorben wären, wäre dies auch noch eine Antwort gewesen mit der ich hätte abschließen können. Aber so sind alle einfach nur weg. Da hätten 5 Kapitel mehr dazu auch nicht geschmerzt. Das Buch lässt einige "Wieso?" Fragen offen. Das hat es am Ende doch etwas unbefriedigend gemacht. Da hatte dann doch die (seltsame) Beziehung zwischen Kobold und Benjamin priorität. Das Ende selbst war dann plötzlich da. Nach X Kapiteln über die Gefühlswelt, die ohne zweifel nachvollziehbar und gut geschrieben war, war das Ende einfach da. Grobe Fakten reingestreut und Ende. ******************************** Ich mochte die Charaktere unglaublich gern. Benjamin steht überraschenderweise ganz unten auf der Liste. Das war mir dann doch zu viel Selbstmitleid, zu wenig Empathie für sein Umfeld und Mitmenschen. Für alle anderen Charaktere gibt es aber einen Extra Stern.
Wer mal was anderes mit gut eingebauten M/M Romance lesen möchte, empfehle ich dieses Buch sehr gerne. Für Leute die gerne Kriminalfälle aufgelöst oder geklärt haben wollen, sollten vielleicht vorher nochmal überlegen ;)
Allerdings konnte ich mich nicht für Benjamin erwärmen. Mir gefiel nicht, wie er teilweise Kobold behandelte und abfällig über ihn dachte. Und auch sonst fand ich ihn nicht sehr sympathisch und das änderte sich bis zum Schluss leider nicht.