Ich habe lange nach einem solchen Buch gesucht, da ich selbst erst im Erwachsenenalter mit ADHS diagnostiziert wurde. Obgleich ich nicht ganz so schwer wie die Autorin betroffen bin, habe ich mich in vielen ihrer Geschichten wiedergefunden. Schon immer verträumt, kreativ, fantasievoll. Aber auch immer fehl am Platz. Ich hab das Buch als Hörbuch gehört und musste oft lachen, wenn Mina Teichert Ereignisse aus ihrem Leben so bildhaft und mit lustigen Sprüchen gespickt erzählte. Gleichzeitig kamen mir auch die Tränen, denn wenn man das Leben mit AD(H)S mit einer Achterbahn vergleicht, kommt zwangsläufig auch irgendwann die Talfahrt. Und die ist manchmal so steil, dass man nicht weiß, ob der Schub der Waggons für den nächsten Aufstieg reicht.
Dieses Buch lässt mich einerseits frustriert, andererseits aber auch hoffnungsvoll zurück. Ich habe viele Situationen wiedererkannt. Plötzlich ergaben Dinge einen Sinn, für die ich mich früher immer kritisiert habe. "Ich bin komisch, normale Menschen tun das nicht, ich muss mich zusammenreißen." Dank Mina Teicherts Schilderungen fühle ich mich ein wenig "normaler", wobei es ein "normal" eigentlich gar nicht gibt, weil wir alle auf eine Art und Weise einzigartig sind. Aber ein alternativer Ausdruck will mir nicht einfallen, der zu dieser Erleichterung passt, die ich seit Beginn meiner Kennenlernreise mit meinem wahren Ich erlebe.
Meine Diagnose hat mir einen Felsbrocken vom Herzen genommen. Jedes weitere Buch, das ich zu dem Thema lese - sofern es nicht zu theoretisch und trocken ist, denn da driftet meine Aufmerksamkeit lieber zu Herd, Katze oder einer Erinnerung an den Tag, als ich versucht habe, meinen Schulschwarm heimlich zu küssen (versucht das bitte nicht!) - hilft mir, mich besser zu verstehen. Daher empfehle ich das Buch sehr für alle, die ihren Weg mit ihrer Diagnose noch suchen. Natürlich passt nie alles zu jeder Person, wir alle müssen selbst herausfinden, welche Werkzeuge uns das Leben erleichtern und welche Ressourcen wir nutzen können. Mina Teichert gibt Einblicke in ihre eigenen Ressourcen und stellt diese ihren Schwächen gegenüber. Eine willkommene Anregung und Einladung, das ebenfalls mal zu versuchen.
Zu guter Letzt noch eine Triggerwarnung zum Buch, denn die habe ich so nirgends gefunden. In Teil 3 und 4 des Buches geht es um das Erwachsensein, was so einige Probleme mit sich bringt. In diesen Teilen kommt die Sprache auch auf die Themen Suizid und Selbstverletzung. Im Kapitel "Pennratte" wird es etwas expliziter, mir selbst wurde beim Zuhören sehr eng ums Herz. Wenn das also Triggerthemen für euch sind, könnt ihr dieses Kapitel überspringen. (Es gab noch eine Szene, die kürzer ausfiel, aber auch triggern könnte. Dafür wälze ich nochmal das Buch und ergänze die Stelle später hier. Nach dem Hören hätte ich nämlich gern noch die Taschenbuchausgabe, um die Seiten mit bunten Textmarkern zu verzieren :).)