Seit Kindheitstagen fasziniert mich diese Geschichte des einbeinigen Kapitäns Ahab, der in seiner wahnsinnigen Rache ein instinkt-geleitetes Tier verfolgt und dabei den Tod von 30 Seeleuten in Kauf nimmt.
Ich habe stets gebannt den Film verfolgt und ebenso verzaubert eine originelle Bühnenfassung gesehen. Die Erwartungen an das gezeichnete Format waren somit vergleichsweise hoch. Doch bereits auf den ersten Seiten stellte ich glücklich fest, dass ich ein graphisches Kunstwerk in meinen Händen halte. Ich wünschte, mir stünden zehn Sterne für eine Bewertung zur Verfügung, um meine Schwärmerei für dieses Buch angemessen auszudrücken.
Chabouté ist mit Liebe und Leidenschaft an seine Bilder gegangen. Die Wahl von Schwarz-Weiß ist perfekt. Das Spiel von Licht und Schatten, Vernunft und Wahnsinn, Mensch gegen Natur fasziniert auf jeder Seite. Die Art, wie einzelne Zeichnungen Bewegung, Stille, Sturm, tosende See, Zweifel, Angst und Tiefe erzeugen, ist grandios. Hierbei gefielen mir besonders die Szenen, in denen die Matrosen in ihrer Koje liegen und angstvoll den Geräuschen des über dem Deck stolzierenden Holzbein Ahabs lauschen oder wie Moby Dick den Kapitän in die Tiefe zieht. Auch die Schlüsselszene, in der Starbuck in die Kapitänskajüte schleicht und die Gelegenheit hätte, dem Irrsinn ein Ende zu bereiten, in dem er den schlafenden Ahab erschießt, hat mich tief beeindruckt. Bilder ohne gedruckte Worte, lassen dennoch die quälenden Gedanken der Protagonisten, ihrem christlichen Abwägen nach Recht und Unrecht, vor dem geistigen Augen erscheinen.
Chabouté ist ein wahrer Künstler, der die emotionale wie dramatische Tiefe der Geschichte wirkungsvoll erfasst und auf's Papier gebracht hat. Ich weiß bereits jetzt, dass ich dieses Buch regelmäßig zur Hand nehmen werde, schon allein um seinen künstlerischen Wert gründlicher zu erfassen.