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Die groß angelegte Kafka-Biographie von Reiner Stach übt eine sogartige Wirkung aus. Vor allem die szenische Vergegenwärtigung, die bisweilen an die Erzählformen des Films erinnert, führt sehr nahe an Kafkas private Existenz und eröffnet zugleich das Panorama seiner Zeit.
Dieser hoch gelobte Band behandelt die Jahre von 1916 bis zu Kafkas Tod 1924 — eine Zeit, in der Kafkas vertraute Welt unterging, politisch ebenso wie physisch. Er war nun deutscher Jude mit tschechischem Pass, und er litt an einer Krankheit, welche die seit Jahren erträumte literarische Existenz unmöglich machte. Beides steigerte seine Hellsicht: Für Kafka wurden es die Jahre der Erkenntnis.
973 pages, Kindle Edition
First published January 1, 2002
Wer mit dem linken Auge Kafkas Texte liest, während er sich mit dem rechten von dessen Biographie nicht losreißen kann, wird im günstigsten Fall ein Gesamtbild von erträglicher Unschärfe gewinnen.Vor allem sind es aber die hinterlassenen Werke, auf die sich der Nachruhm begründet. Die Biographie vermag in der Hinsicht einige Hintergründe und Einflüsse darauf auszuleuchten. (Besonders die Einlassungen zur spezifischen Arbeitsweise Kafkas, bieten gute Erklärungsansätze für die Problematik der unzähligen unvollendeten Texte.) Doch kann dies stets nur Annäherung bedeuten, der letzte Grund bleibt immer noch rätselhaft verschwommen. Fest steht, Reiner Stach hat mit seinem Projekt einen neuen Standard in der Kafka-Biographik gesetzt. Wissenschaftlichen Anspruch verbindet er gekonnt mit erzählerischer Finesse. Das war wirklich gut investierte Lesezeit