Hilal Sezgin geht in ihrer philosophischen Streitschrift u. a. am Beispiel der Flüchtlingskrise des Jahres 2015 der Frage nach, mit welchen Abwehrmechanismen wir globale Krisen verniedlichen und warum Begriffe wie etwas Gutes tun oder Verzicht in diesem Zusammenhang in einen spießigen, peinlichen Ruf geraten konnten. Zu Abwehrmechanismen zählt sie Trivialisierung von Hilfsinitiativen, Minimalisierung der Leistung Einzelner und Verharmlosung und Externalisierung von Konflikten. Beim Bashing einzelner Helfer zieht Sezgin psychologische Erklärungsmuster heran und analysiert u. a. warum wir gegenüber vermeintlicher Überlegenheit Anderer empfindlich reagieren oder warum wir von Anderen gern für kompetent und zuverlässig gehalten werden wollen. Als überzeugter Veganerin begegneten ihr bereits alle Varianten von Abwehr und Ablenkung, die sie im Umgang mit der Flüchtlingsfrage wiedererkennt. Hier fand ich besonders die Thematik des Umdeutens interessant, die die Flucht über das Mittelmer zu einem Naturereignis oder einer geographischen Frage umdeutet und ausblendet, dass es um Europas Verhältnis zur restlichen Welt geht – es gibt nur einen Planeten, auf dem wir leben können. Flüchtlinge sind keine Krise, sondern Indikatoren einer weltweiten Krise, so Sezgin. Schließlich ist die Frage zu stellen, wenn uns die die Externalisierung globaler Krisen und die Begrenztheit dieser Abwehr längst bewusst sein müsste, warum ändern wir dann nichts?
Hilal Sezgins moralphilosophische Betrachtung befasst sich mit globale Konflikte verharmlosenden Sprachmustern und analysiert aus psychologischer Sicht Selbstlügen von Bürgern in Industrieländern, die die Folgen ihres Konsums in die Herstellungsländer outsourcen. Zielgruppe ihrer Gedanken müssten u. a. Konsumenten sein, die damit argumentieren, dass sie billig kaufen müssen, weil sie sich keine anderen Waren leisten können. Für einen Text, der möglichst viele Menschen erreichen soll, finde ich das Buch – bis auf den verführerischen Titel - optisch extrem unattraktiv. Ich wünsche mir keine Lackoptik und keine metallicfarbenen Buchcover, nichts, was Dreck macht oder Mehrkosten verursacht. Etwas sexier sollte ein Buch jedoch wirken, und z. B. durch Zwischenüberschriften, die hervorheben, um was es auf einer Buchseite gerade geht, Lesegewohnheiten der Generation Skimming & Scanning stärker entgegenkommen.