Nie wird Thorben den Anblick seines toten Vaters vergessen: zerfleischt von einem Bären.
Nachdem er den Schrecken des Krieges nur knapp entronnen ist, baut er sich als Jäger ein neues Leben auf. Er heiratet, bekommt einen Sohn. Doch die Menschen in seinem Dorf sind ihm gegenüber misstrauisch. Ein Fluch soll auf seiner Familie lasten.
Als seine lang verschollene Mutter wieder auftaucht und ihr der Tod ihres Mannes beigebracht werden muss, brodeln die Gerüchte von damals wieder.
Thorbens Vater sei nicht von einem Bären getötet worden, heißt es. Ein Mensch in Bärenhaut habe die Bluttat begangen … ein Gestaltwandler.
Was ihn auch getötet hat, es lauert noch immer im Dorf - und Thorben muss sich ihm stellen. Wenn nicht für seinen Vater, dann um sich und seine Liebsten zu schützen.
Das Prequel zur preisnominierten Novelle »Wolfssucht«: Eine dunkelfantastische Kurzgeschichte in 5 Teilen zur Vorzeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das Grimm'sche Märchen »Der Bärenhäuter«. Die exklusive, nicht im Handel angebotene Druckversion umfasst 70 Seiten.
Die 1994 geborene Münchnerin wuchs in einer teils deutschen, teils marokkanischen Familie auf. Einmal begonnen, hat das Schreiben phantastischer Texte sie nicht mehr losgelassen.
Der Wunsch, Literatur zu einem festen Bestandteil ihres Lebens zu machen, brachte sie nach Wien, wo sie die Deutsche Philologie studiert. Neben dem Studium arbeitet sie als Lektorin.
Wenn sie sich nicht mit dem Schreiben beschäftigt, singt sie leidenschaftlich. Beide Passionen lebt sie in Metal-Bands wie »Nightmarcher« aus.
Nachdem er den Schrecken des Krieges nur knapp entronnen ist, baut er sich als Jäger ein neues Leben auf. Er heiratet, bekommt einen Sohn. Doch die Menschen in seinem Dorf sind ihm gegenüber misstrauisch. Ein Fluch soll auf seiner Familie lasten. Als seine lang verschollene Mutter wieder auftaucht und ihr der Tod ihres Mannes beigebracht werden muss, brodeln die Gerüchte von damals wieder. Thorbens Vater sei nicht von einem Bären getötet worden, heißt es. Ein Mensch in Bärenhaut habe die Bluttat begangen ... ein Gestaltenwandler. Was ihn auch getötet hat, es lauert noch immer im Dorf - und Thorben muss sich ihm stellen. Wenn nicht für seinen Vater, dann um sich und seine Liebsten zu schützen...(Klappentext)
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"Bärenbrut" ist das Prequel zur Novelle "Wolfssucht", dem ersten Teil der Galgenmärchen-Reihe. Ich habe die anderen Teile noch nicht gelesen und mit "Bärenbrut" begonnen. Man benötigt aber auch bei den anderen Teilen keinerlei Vorkenntnisse, da alle Teile dieser Reihe unabhängig voneinander gelesen werden können.
Ursprünglich waren die Grimms Märchen Geschichten für Erwachsene. Sagen, Legenden und Märchen, welche sich vor dem Feuer erzählt wurden, wenn die Kinder bereits in ihren Betten lagen. Diese Geschichten waren brutal und blutig und wurden erst später in kindgerechte Märchen umgewandelt.
"Es war nur ein winziger Moment gewesen, in dem die Welt in Thorbens Ohren gebrüllt hatte, wie wenn sie zusammenfallen würde. Dann, als er in der anschließenden Stille kniete, lag sein Vater regungslos auf dem Waldboden..." (S. 9 - Anfang)
Das vorliegende Galgenmärchen "Bärenbrut" ist an das Grimm'sche Märchen "Der Bärenhäuter" angelehnt und ist wohl genauso blutig und brutal wie einst die ursprünglichen Versionen der Märchen von den Gebrüder Grimm.
Normalerweise habe ich so meine Probleme mit Adaptionen von Klassikern und Märchen, aber Nora Bendzko konnte mich mit "Bärenbrut" mehr als nur begeistern. Dies liegt gleich an mehreren Faktoren. Zum Einen ist es der Schreibstil - dieser ist flüssig und beinhaltet eine ausdrucksstarke und bildhafte Sprache, welche einem in die Zeit des frühen 17. Jahrhunderts reisen und Bilder im Kopf entstehen lässt. Der Erzählstil ist packend und enthält Tempo, sodass man quasi mit der Nase nahezu am Buch klebt. Zum Anderen war ich von der Story selbst begeistert und was die Autorin aus dem Märchen "Der Bärenhäuter" gemacht hat. Es gibt Parallelen zum ursprünglichen Märchen, welche das "Grundgerüst" betreffen. Aus diesem hat Nora Bendzko ein spannendes und temporeiches Märchen kreiert, welches die Bezeichnung "Galgenmärchen" wahrlich verdient hat. Es geht hier brutal und blutig zur Sache, denn hier wird ausgeweidet und Köpfe rollen. Dies alles in einem Setting von dichten Wäldern, die sowohl märchenhaft, als auch düster dargestellt werden. Die Charaktere sind ausgereift und auch durchaus authentisch dargestellt, sofern man dies bei einem Fantasy/Märchen beurteilen kann. Zudem enthält dieses Märchen mehrere überraschende Wendungen.
Fazit: Eine fantastische Lesereise in das Reich der Galgenmärchen - düster, brutal, packend, temporeich und doch auch so märchenhaft. Mit "Bärenbrut" hat Nora Bendzko eine mehr als gelungene Adaption des Grimmschen Märchens "Der Bärenhäuter" geschaffen und begeistert ebenso mit der Sprache und dem Erzählstil, als auch mit der Story selbst. Für zart Besaitete ist dieses Galgenmärchen jedoch nur bedingt zu empfehlen, da es hier manchmal schon etwas blutig zugeht. Von mir erhält diese Kurzgeschichte fern des Mainstreams, eine absolute Leseempfehlung und ist mein zweites Lesehighlight im Jänner 2018.
Thorben muss als Kind schreckliches erleiden. Bei der Jagd wird sein Vater von einem Bären zerfleischt. Um dem Schrecken zu entfliehen, verlässt er das Dorf. Doch statt Frieden zu finden, findet er sich im Krieg wieder. Trotz allen Widrigkeiten, findet er in sein Dorf zurück, heiratet und zeugt einen Sohn. Trotzdem sind alle misstrauisch und haben nicht vergessen, was vor Jahren im Wald mit Thorbens Vater geschehen ist. Als Thorbens verschollen geglaubte Mutter auftaucht, spitzen sich die Dinge zu und erneut kommt es zu Gerüchten, die schon vor Jahren im Dorf umhergegangen sind. Ein Mensch in Bärenhaut hat Thorbens Vater getötet - und er lauert noch immer im Wald.
"Bärenbrut" ist das Prequel zu dem bereits 2016 erschienen Galgenmärchen "Wolfssucht" und erzählt die Geschichte von Thorben. Dabei geht es gewohnt düster zu.
In fünf Teilen lässt uns die Autorin an Thorbens Weg teilnehmen. Wir beginnen in seiner Kindheit, als Thorben miterleben muss, wie sein Vater von einem Bär angegriffen wird und stirbt. Thorben flieht und erzählt im Dorf, was passiert ist. Kurz darauf verlässt er es jedoch wieder, um sich dem zu stellen, das seinen Vater bestialisch ermordet hat. Doch auch dies kann seinen Schrecken nicht mildern und so zieht er aus, um seien Frieden zu finden, landet jedoch in den Wirren des 30jährigen Krieges.
Die Autorin hat mit ihrer Kurzgeschichte eine Märchenadaption geschrieben, die sich an dem Grimm'schen Märchen "Die Bärenhäuter" orientiert. In kurzer Zeit erzählt sie eine düstere Geschichte, die einem sehr aufs Gemüt schlägt. Denn das, was Thorben erleiden muss, wünscht man keinem. Der Tod seines Vaters ist der ausschlaggebende Punkt und ab dort ist nichts so, wie es Thorben sich vorgestellt hat. Bis er endlich etwas Glück erfahren darf, muss einige Zeit vergehen und trotzdem ist immer dieser drohende Schatten über Thorben.
Gerade dieses Düstere, dass der Schreibstil der Autorin verbreitet, zieht einem in den Bann. Es vermittelt die Ausweglosigkeit, in der Thorben steckt. Doch gleichzeitig gibt es einen kleinen Funken Hoffnung, ein Licht am Ende des Tunnels, dass alles aufrecht erhält. Doch wie genau es dazu kommt, bleibt spannend.
Die Kurzgeschichte ist auf alle Fälle lesenswert und bietet - obwohl sie als Prequel von "Wolfssucht" gewertet wird - viel Neues und hat eigentlich auch nur bedingt mit "Wolfssucht" zu tun. Hier geht es um Thorben, während in "Wolfssucht" von seinem Sohn Skandar die Rede ist.
Nora Bendzko konnte mich schon mit der Novelle Wolfssucht und dem Roman Kindsräuber begeistern und da ist es nur natürlich, dass ich mit Spannung auf Bärenbrut gewartet habe. Netterweise hat Nora mir diese Kurzgeschichte zum Vorablesen geschickt und ich konnte meine Neugierde schon befriedigen.
Die Handlung ist in fünf Kapitel verpackt und enthält Zeitsprünge, sodass man Thorbens Weg vom 13-Jährigen bis zum Mittvierziger nachverfolgen kann. Und dieser Weg beleuchtet mehr die dunklen Seiten seines Lebens als die Schönen. Genau das, was ich von einem Galgenmärchen erwarte. Es wird blutig und erschreckend. Das Verhalten der Menschen wirft Fragen auf und erst am Ende werden diese verständlich. Es gibt kein klassisches Gut und Böse. Der 30-jährige Krieg steht vor der Tür und in den Wäldern lauert weiteres Unheil. Das Verhalten der Menschen ist von Angst geprägt und obwohl die Kirche und Pater Gottwalt ständig erwähnt werden, ist von Nächstenliebe wenig zu lesen.
Der Schreibstil und die Erzählweise von Nora Bendzko ist wie bei ihren anderen beiden Galgenmärchen sehr eindrucksvoll. Die Geschichte von Thorben ist nicht lang. Mein Tolino zeigte mir 99 Seiten, bei Amazon werden 81 Seiten angegeben. Aber die Geschichte konnte mich gefangen halten. Ich finde ihren Schreibstil sehr bildlich und mein Kopfkino konnte sehr deutliche Bilder erzeugen. Auch wird beim Lesen der Geschichte eine düstere Atmosphäre hervorgerufen und ich erwartete nach jedem schönen Moment einen erneuten Schicksalsschlag.
Für Kenner von Wolfssucht ist dieses Buch sicher interessant, weil es zeigt, wieso Skandar wird, wie er wird, ohne dabei irgendetwas Wolfssucht vorwegzunehmen. Auch Kenner des Märchens Bärenhäuter werden hier viele Vergleiche zwischen den Geschichten ziehen können, ohne dabei das Gefühl zu haben, die gleiche Geschichte nur neu verpackt zu lesen. Schließlich ist Bärenbrut ein Galgenmärchen.
Fazit
Bärenbrut braucht sich hinter seinen Vorgängern nicht zu verstecken. Das Märchen Bärenhäuter wird hier sehr düster adaptiert und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der vom Unheil und Tod verfolgt wird. Der Schreibstil und Erzählstil ist wunderbar und erst zum Ende hin erkannte ich alle Zusammenhänge der Geschehnisse.
In Anbetracht der Kürze des Werkes hat es mir recht gut gefallen. Es handelt sich um eine alternative Interpretation des Märchens »Der Bärenhäuter«. Nach wie vor macht mir der Schreibstil Bendzkos Probleme. Ich werde einfach nicht so recht warm mit ihm, mag ihre Vergleiche und ihre Wortwahl nicht so recht. Dennoch fand ich die Geschichte interessant. Besonders gut hat mir die Verbindung zu »Wolfssucht« gefallen (ich rate dazu, »Wolfssucht« vorher zu lesen) und das wirklich sehr dramatische Ende! Hier packt die Autorin wieder ihre Sonderfertigkeit aus: Sie kann so gut schwierige Themen beschreiben (hier Mord), ohne diese zu verharmlosen oder zu brutal darzustellen. Leider hat die Geschichte die ein oder andere Logiklücke und natürlich geht mal wieder alles viel zu schnell. Dennoch hat sie unter Berücksichtigung der knapp 88 Seiten 4/5 Punkten verdient.
Leider konnte mich dieses Buch nicht wirklich begeistern, für mich hat die Handlung irgendwie unüberdacht gewirkt und durch die wenigen Seiten, gab es auch nicht genug Zeit sich in der Geschichte zu verlieren.
Insgesamt muss ich sagen, dass Bärenbrut einfach nicht mein Buch war und ich vermutlich keines der weiteren Galgenmärchen mehr lesen werde.