Der Roman spielt in Frankfurt im Jahre 1972. Ein junger erfolgreicher Anwalt der linken Szene ist gestorben. In 12 Kapiteln, die jeweils den Tagen vom Tod bis zur Beerdigung folgen, verfolgt der allwissende Erzähler die junge Witwe, die sich um die Abwicklung der Kanzlei und die Vorbereitung der Beerdigung kümmert, alte Mandanten trifft und sich an gemeinsam erlebtes erinnert. Sie ist Kristallisationspunkt der vielschichtigen Seiten ihres Mannes. Er war schwul und doch mit ihr glücklich verheiratet, auch wenn er nächtens "Buben" nachstieg. Er war katholisch, anarchist und und gleichzeitig im SDS und einer Sängerschaft. Er war idealist, ohne sich den Doktrinen der organisierten Gruppen, insbesondere RAF zusehr ideologisch anzunähern, obgleich er sie offensichtlich aktiv unterstützte. Er liebte Kostüme, die Lederkluft der Schwulenszene ebenso wie die Robe und war verspielt, dennoch stets ernst bei der Diskussion. Die Widersprüchlichkeit dieses verstorbenen Protagonisten ist interessant angelegt aber an der Weite dieses Sujets und der Ambitioniertheit scheitert dann auch die Autorin.
Ambitioniert ist auch der stilübergreifende Aufbau. Als das Buch herauskam, vermuteten viele einen Roman à clef über die dritte Generation der RAF, was eine kleine Sensation auslöste, da man bis heute kaum etwas über diese Menschen herausbekommen hat. Ein Schlüsselroman ist es aber offensichtlich nicht, dafür sind zu viele Charaktere zu paradiesvogelhaft gezeichnet. In Frankfurt ist der Roman immer noch bekannt, weil er sich in weiten Teilen wie ein Stadtrundgang liest. Auch das ist aber nur die Oberfläche. Viele der Wege, die die Witw wählt machen keinen Sinn. Die Örtlichkeiten sind oft auch nur schemenhaft nachgezeichnet. Wenn man den Umschlag und den Klappentext betrachtet, denkt man an einen Krimi. Auch das ist der Roman - zum Glück - nicht.
Fazit: EIn Roman, der von interessanten Ideen strotzt und viel Potential gehabt hätte. Indes hat sich die Autorin hoffnungslos übernommen. Dazu kommen dann auch zahlreiche handwerkliche Fehler. Die Beziehung des Verstorbenen zu seinem - einem Roman des 19. Jahrhunderts entsprungenen - Referendar unterhält ist ist in der Praxis ebenso unrealistisch, wie der Zeithorizont seiner Karriere und das handwerkliche Bearbeiten seiner Fälle. Ebenso weltfremd - aber vielleicht symptomatisch für die linke Szene dieser Zeit - ist die Schilderung der Polizeiarbeit. Gut gelungen sind indes die Porträts der Schwulenszene, die Parodien auf die stilistischen Abwege der RAF und die Beleuchtung der Oberflächlichkeit der linken Szene, die einzelne "Gefallene" wie Zootiere unterhält und im entscheidenden Moment den Kopf in den Sand steckt um den Widersprüchen zu entweichen.