Anmerkung: Das hier ist bis auf die paar Kritikpunkte positiv gemeint.
Also eine Inhaltswarnung am Anfang während vielleicht ganz praktisch gewesen. Grade die detaillierte Beschreibung gewisser Wunden und gewaltvoller Prozesse war schon ein bisschen heftig. Das Buch ist definitiv nichts für schwache Nerven.
Nachdem ich es zum ersten Mal gelesen hatte, war ich echt leicht "traumatisiert" und habe versucht das Buch so schnell wie möglich wieder zu vergessen. Aber irgendwie hat mich die Handlung doch so sehr gepackt, dass ich es, nachdem ich mich von dem "Trauma" wieder erholt hatte, erneute gelesen habe und diesmal fand ich es gar nicht so schlecht. Es hat mich sehr gefreut, dass es auch Nicht-Weiße Charaktere, körperlich behinderte und queere Charaktere gibt. Und auch wenn ich im Normalfall kritisiert hätte, dass es sehr wenige solcher Charaktere gab, hätte ich in Anbetracht des historischen Kontextes gerade mit letzterem nicht gerechnet. Allerdings hatte ich grade bei den Szenen aus Fabians Sicht wirklich Probleme weiterzulesen und habe diese irgendwann auch übersprungen, weil die sich sehr in die Länge gezogen haben. Das ist generell ein Problem des ganzen Buches. Es könnte vermutlich um einiges kürzer sein, wenn man diese Szenen nicht so langatmig geschrieben wären. Alles in allem kann ich aber sagen, dass das Buch auf jedenfall lesenswert ist, man sollte sich nur der Brutalität der Zeit in der dieses Buch spielt bewusst sein, da wirklich alles was an Brutalität möglich war auch in diesem Buch vorkommt (siehe Spoiler).
Spoiler:
Zu den Inhaltswarnungen: Im Buch werden brutalste Vergewaltigung, Mord (auch an Kindern/Babys), Verstümmelung Folter und Hexenverbrennung beschrieben bzw. thematisiert. Wem diese Inhalte zu heftig sind, der sollte dieses Buch definitiv nicht lesen oder zumindest darauf vorbereitet sein.
Jetzt zum richtigen Spoiler:
Das ist kein wirklicher Kritikpunkt, weil es meine Meinug über das Buch nicht beeinflusst und eigentlich mehr ein Witz. Ich finde aber, dass die beiden Charaktere Johanna und Ehrentraud so viel mehr Potential hatten, was aber nicht wirklich genutzt wurde. Gerade Johanna, die so sehr von ihrer Mutter manipuliert wurde, dass sie eigentlich nicht mehr eigenständig denken konnte, hätte so ein gutes Potential gehabt die Folgen dieser Manipulation und des damit einhergehenden Traumas darzustellen. Also außer zu sterben...
Und die arme Ehrentraud, habt ihr dem armen Mädchen nicht schon genug angetan? Jetzt müsst ihr sie auch noch umbringen... So langsam glaube ich die Autoren hatten ein Probem mit einer Ehrentraud im echten Leben und haben all ihre Aggressionen an diesem Charakter herausgelassen...
Warum sterben immer die queeren Charaktere? Gebt denen doch auch mal ein Happy End. :-(
Als queere Frau muss ich auch sagen, dass die Romanze (?) oder was auch immer das zwischen Ehrentraud und Johanna war, echt gut geschrieben ist. Ehrlich gesagt ist das für mich sogar bis jetzt eine der besten literarischen Romanzen zwischen zwei Frauen die ich bis jetzt gelesen habe. Oder ich habe bis jetzt nur die schlechten Bücher über lesbische* Paare erwischt. Das kann auch sein...
(Meine Güte. So viel habe ich noch nie zu einem Buch geschrieben... also kann das Buch ja gar nicht so schlecht sein :-)