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Die Ordnung der Welt

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Rare Book

1229 pages, Hardcover

Published May 9, 2015

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Ulrich Menzel

22 books7 followers

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Profile Image for Florian Lorenzen.
172 reviews200 followers
April 15, 2023
Mit "Die Ordnung der Welt" hat Ulrich Menzel ein großes, zeitloses Kompendium der Weltherrschaft vorgelegt. 13 dominante Mächte in der Geschichte der Staatenwelt (wie das Osmanische Reich, das British Empire oder die USA) werden von ihm auf zumeist rund 80 Seiten analysiert und typologisch eingeordnet. Im Fazit arbeitet Menzel dann Gesetzmäßigkeiten zwischen diesen sehr unterschiedlichen Akteuren heraus. Als Nachschlagwerk und als Beitrag zur Theorie der Internationalen Beziehungen unverzichtbar

Vollständige Review hier: https://www.instagram.com/p/Cq2JIMGtbI-/
Profile Image for Martin.
219 reviews4 followers
March 27, 2026
Ulrich Menzel vertritt in Die Ordnung der Welt die These, dass ein hierarchisches Verständnis internationaler Beziehungen erklärungskräftiger sei als konkurrierende Ansätze, insbesondere die Vorstellung einer anarchischen Staatenwelt. Auf dieser Grundlage untersucht er eine Vielzahl von Großmächten der letzten tausend Jahre daraufhin, inwieweit sie ihre Ordnung hegemonial oder imperial organisiert haben (und verzichtet damit auf die Untersuchung von Beispielen anarchischer Konstellationen).

Zunächst ist festzuhalten, dass es sich um ein ausgesprochen akademisches Werk handelt – nicht nur aufgrund der beeindruckenden Materialfülle und der intensiven Auseinandersetzung mit der Forschung, sondern bereits in der Fragestellung selbst. Menzel interessiert sich weniger für die Frage, wie die jeweilige Ordnung sich auf die Menschen auswirkt, als für Strukturmuster von Herrschaft und Ordnung. Das Buch liest sich daher wie eine systematische Typologie historischer Großreiche, geeignet für künftige Diplomaten.

Diese Vorgehensweise wirkt auf den ersten Blick rein deskriptiv. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch eine implizite Wertung: „Ordnung“ erscheint grundsätzlich als besser als „Anarchie“, aber „Ordnung“ ist m.E. kein neutraler Begriff. Auch ein Kolonialreich schafft Ordnung – ebenso wie ein moderner Bundesstaat. Der Unterschied liegt nicht im Vorhandensein von Ordnung, sondern in ihrer Qualität, ihrer Legitimität und ihren Folgen für die Betroffenen. Indem Menzel Ordnung funktional als Stabilität versteht, blendet er diese Dimension aus. Er verbleibt in der Perspektive ordnungsstiftender Mächte. Seine Frage ist, wie kann man Ordnung schaffen, nicht, was Ordnung bedeutet.

Problematisch wird dies dort, wo Menzel seine eigenen Kriterien nicht konsistent anwendet. Zu Beginn unterscheidet er klar:

- Hegemonie beruht eher auf indirekter Führung, bietet Vorteile an, verteilt Lasten und erzeugt zumindest partielle Zustimmung.
- Imperium dagegen operiert stärker über Zwang, direkte Kontrolle und Tribute.

Diese Unterscheidung ist plausibel. Menzel scheint dies zeitweise wertend zu nutzen und hegemoniale Herrschaft der imperialen überlegen zu betrachten, auch wenn er sich um analytische Nüchternheit bemüht. Menzel vergisst die genannten Kriterien dann aber selbst. So bezeichnet er etwa die portugiesische Expansion im Indischen Ozean trotz ihres offenkundig militärisch erzwungenen Charakters als hegemonial. Tribute gelten meist als Zeichen hegemonialer Herrschaft, so bei den Song und den Mongolen.

Tatsächlich bestimmt bei Menzel die Form der Machtprojektion (See vs. Land) die Einordnung als hegemonial vs. imperial. Und ein Reich ist eine Seemacht, wenn es Seeschlachten gewinnen kann, eine Landmacht, wenn es an Land siegen kann. Dadurch sind Portugal, Genua, Venedig und Niederlande überwiegend hegemonial, Mongolen, Spanien und Großbritannien imperial. Von indirekter Führung, Vorteilen, Freiwilligkeit ist keine Rede mehr.

Grundsätzlicher stellt sich die Frage nach dem Erkenntnisgewinn dieser Typologie. Selbst wenn man die Einteilungen akzeptiert: Was folgt daraus? Wenn sich zeigt, dass bestimmte Großmächte häufiger hegemonial als imperial agierten – ist das mehr als eine Klassifikation?

Am Ende bleibt ein ambivalenter Eindruck. Das Buch beeindruckt durch seine enorme Materialkenntnis und den Versuch, große historische Linien sichtbar zu machen. Gleichzeitig leidet es unter begrifflicher Unschärfe und einer Typologie, die sich in der konkreten Anwendung immer wieder selbst unterläuft. Der Anspruch, die internationale Politik der letzten tausend Jahre durch ein einheitliches Ordnungsschema zu erklären, wirkt letztlich zu weitgehend.

Wer sich für die Geschichte internationaler Machtstrukturen interessiert, wird aus dem Buch dennoch Gewinn ziehen können – allerdings weniger als Bestätigung einer übergreifenden Theorie, eher als reichhaltige Sammlung historischer Fallstudien, aus denen man selbt Schlüsse ziehen kann. Die große These dagegen überzeugt nicht in dem beanspruchten Maße. Geschichte erscheint hier weniger als Ausdruck klarer Ordnungstypen denn als ein Feld kontingenter, oft widersprüchlicher Entwicklungen, die sich nur begrenzt in starre Kategorien fassen lassen.

Rating: 2/5
Sprache gelesen: Deutsch
Gelesen im Jahr: 2026
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