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Einfühlsam und gedrungen, fast schon in Form des Prosagedichts erzählt Olmi vom Schicksal einer Ungeliebten, deren ganzes Leben seit 50 Jahren darauf ausgerichtet war, sich inmitten von Ignoranz und Hänselei bemerkbar zu machen. Vor allem aber erzählt sie vom Versuch der Tochter, ihren Platz an der Seite ihres Vaters zu bestimmen. Der ist inzwischen alt und gebrechlich geworden, und die Icherzählerin hat es übernommen, ihn zu pflegen. An seinem 100. Geburtstag ist es dann endlich an ihr, ein Foto zu machen.
Zwischen diesen zwei Passagen liegen 90 ebenso intensive wie kurzweilige Seiten, mit denen Olmi einmal mehr bewiesen hat, dass sie zum Besten gehört, was die französische Gegenwartsliteratur im Augenblick zu bieten hat. --Stefan Kellerer
109 pages, Paperback
First published August 13, 2002




Du hast sehr gern Wein getrunken. Als Kind habe ich dich beobachtet, wenn du im Keller warst. Von oben. Ich beobachtete dich immer von oben. Ich blieb auf der ersten Stufe der so steilen Treppe stehen, du dagegen warst tief unten in diesem Geruch nach feuchtem Staub, Essig und kühlem Stein. Du warst weit weg, die Treppe zwischen uns stellte eine echte Entfernung dar, sie führte zu dieser geheimen, dunklen Welt, in die nur du dich vorwagen konntest.