1924: Der bekannte Musikexperte Christoph Wagenrad hat sich in die junge Gisela Liebwies verliebt, die seiner verstorbenen Frau, einer berühmten Pianistin, ähnlich sieht. Obwohl unbegabt, soll sie nun ebenfalls zum Star aufgebaut werden. Durch Erpressungen seitens Wagenrads schafft sie es ans Konservatorium und erhält sogar die Hauptrolle bei der Abschlussdarbietung. Dass die dafür komponierte Oper, bei der die Hauptdarstellerin fast ohne Stimme auskommt, nicht von August Gussendorff stammt, der sich dafür feiern lässt, sondern von seiner Frau Ida, muss ja auch niemand erfahren. Eine herrlich bösartige Geschichte über falschen Glanz, die Gier nach Ruhm – und wahre Schönheit, die mit alldem nichts zu tun hat.
Gisela Liebwies, wunderhübsch, prätentiös und durch viel Glück mit ordentlich bling-bling ausgestattet, aber als Sängerin leider vollkommen unbegabt, trifft auf die Komponistin Ida Gussendorf, die heimlich, still und leise ihr Können hinter dem ihres Mannes verbirgt. Denn es sind die Zwanziger Jahre und Männer haben die Macht. (So glauben sie.) Dass das gar nicht so ist und sie eigentlich von ihren Frauen, die viel klüger, eigensinniger und ja, auch egozentrischer sind, an der Nase (und die Nasen spielen hier eine beachtenswerte Rolle) herumgeführt werden, ist ihnen gar nicht klar. Das macht das Buch sehr unterhaltsam, zumal es den Kulturbetrieb ordentlich aufs Korn nimmt und gleichzeitig eine wichtige Nachricht verbreitet: wahre Schönheit hat nichts mit dem vermeintlich schönen Schein von Ruhm, Glanz und Ehre zu tun. “Liebwies” lebt von seinen lebendigen Nebensätzen, einzigartigen Charakteren und einer wilden Geschichte, die so kurios ist, dass sie schon wieder wahr sein könnte. Die Erzähler wechseln und lassen so die Hauptpersonen von außen heraus lebendig wirken. Wenn auch der Part mit den Schöngeistern mal ein bisschen in die Länge geht, es lohnt sich doch sehr! Denn am meisten Spaß gemacht hat mir das Ende der Story, das so rasant wird und dann mit einem Paukenschlag endet, sodass man sich erst wünscht, dass es jetzt erst richtig losgeht, nur um dann zu merken, dass das alles genau richtig so ist, denn das würde den Zauber des Buches irgendwie zerstören.
Ein wunderbarer Roman, der die 20er Jahre in Wien und insbesondere die obere Mittelschicht und die Musikszene aufs Korn nimmt. Humorvoll, unterhaltsam, sarkastisch, böse. Ernste und witzige Passagen wechseln sich ebenso wie die Erzählperspektiven ab. Insgesamt kommen viele Figuren vor, manche bleiben länger, andere haben nur einen kurzweiligen Auftritt, aber alle wurden unglaublich bildhaft, teilweise schon fast überspitzt beschrieben. Die Sprache ist sehr ausschmückend, was zum einen den Vorteil hat, dass man sich die Kulisse und die Figuren sehr gut vorstellen kann, gleichzeitig hat der Roman dadurch aber streckenweise auch seine Längen und besonders der zweite Abschnitt hatte für mich nicht die mitreißende Dynamik wie der Schluss.
it’s actually kind sad to see how many bad habits our society and history had and still has. it’s so sad so see how bad out world is and how many flaws plague our life. but the author really made it to write an incredible story with storys of a lot of different kind of people. i love the style of the author how she manages to write a story this thoughtful, funny, exciting and thrilling at the same time.
Irene Diwiaks Debütroman Liebwies ist die Geschichte einer Opernsängerin, die nicht singen kann und trotzdem zum Star wird, und einer begabten Komponistin, deren Talent verborgen bleibt. Der in den 1920er Jahren spielende Roman geht der unergründlichen Frage nach, welche Faktoren Ruhm ausmachen: Warum werden manche Leute berühmt und andere nicht? Gerade in Zeiten von Youtube und Instagram wird deutlich, was vor 90 Jahren auch schon galt: Das Alles hat relativ wenig mit Talent und ganz schön viel mit Zeitgeist zu tun. Irene Diwiak erzählt in einem Tonfall, wie man ihn nur von österreichischen Autor:innen kennt, eine herrlich böse Geschichte mit äußerst präzise und dabei liebenswert gezeichneten, jedoch allesamt hoffnungslos verlorenen Figuren.
Leider hat mir das Buch nicht so gut gefallen. Der Schreibstil ist zwar recht gut und die Charaktere zumindest interessant, wenn auch nicht sympathisch. Dennoch habe ich mich beim Lesen eher gelangweilt. Allerdings ist dieser Roman auch nicht die Art von Geschichte, welche ich normalerweise lese. Daher ist meine Bewertung eine rein subjektive und ich hoffe, dass interessierte Leser Gefallen daran finden.