Eine Frau wacht in völliger Dunkelheit auf und findet heraus, dass sie nicht die erste ist, die in jenem unterirdischen Verlies gefangen gehalten wird. Sechs Tage, länger scheint niemand überlebt zu haben. Doch was passiert an Tag sieben? Und wird sie es vorher schaffen zu fliehen?
Ich muss sagen, dass ich eine sehr ambivalente Meinung zur Geschichte habe.
Zum Einem haben wir hier eine flüssig geschriebene, recht spannende Geschichte, die sich im Bereich Thriller einordnen lässt. Die Protagonistin Jenny versucht einerseits mit den Zuständen in völliger Dunkelheit, ohne Nahrung und Wasser zurechtzukommen, andererseits blickt sie zurück auf besondere Momente ihres Lebens, auf Schicksalsschläge und in ihre eigenen Abgründe. Gerade in der ersten Hälfte des Buches hatte ich hier das Gefühl, dass die Autorin ihre Protagonistin in einem Zwielicht darstellen wollte, wohingegen die zweite Hälfte der Geschichte eine typische kämpfende Mutter beschreibt, die zurück in ihre Familie möchte. Einerseits ist dies mitunter ganz spannend, andererseits hatte ich hier das Gefühl, dass die Autorin ihre handelnde Person nicht wirklich gefunden hat. Ich denke, man hätte hier einen Weg durchziehen sollen.
Jenny Schultz, wie die Protagonistin heißt, empfand ich als sehr naiv und dumm. Nicht unbedingt klischeehaft, aber auch nicht gut ausgearbeitet. Es gab Momente, die mich mitreißen konnten, die ich mochte, es gab aber auch durchaus Momente, wo ich nur mit dem Kopf geschüttelt habe und das Handeln von Jenny nicht verstehen konnte.
Kelli Owen hat es generell nicht geschafft das Martyrium in diesem dunklen Verlies plausibel zu beschreiben. Hunger und Durst hätten eine viel größere Rolle spielen müssen, seelischer Verfall ist kaum passiert. Ich denke einfach, dass ein Mensch in einer solchen Situation komplett anders agieren und denken würde, als Jenny es letztendlich getan hat. Man fühlte sich so, als ob sie dort 6 Stunden eingesperrt war und nicht sechs Tage.
Die Rückblicke in ihr Leben haben mir gut gefallen. Auch hier ist nicht alles immer logisch gewesen, dennoch konnte mich die Geschichte an diesen Stellen abholen und begeistern.
Das Ende war für mich zwar einerseits voraussehbar und absolut nicht überraschend, andererseits mochte ich den letzten Satz, mit welchem das Buch schließt und die Message, die es damit ausdrückt.
Zum Schluss sei noch erwähnt, dass der Schreibstil zwar sehr flüssig, leicht und schnell zu lesen war, für mich aber deutlich zu weiblich ausfiel. Dies ist jedoch, noch mehr als meine vorausgegangene Meinungsäußerung, meine persönliche Präferenz. Ich mag typisch weibliche Schreibstile nicht, wo sich die Damen Sorgen um abgebrochene Fingernägel machen, wenn sie doch eigentlich gerade ums Überleben kämpfen (um es mal sehr überspitzt darzustellen, wobei dieser Umstand im Buch durchaus vorkam).
Zusammenfassend kann ich sagen, dass "Sechs Tage" kein schlechter Thriller ist, aber durchaus noch einiges Luft nach oben lässt. Es gibt spannende, mitreißende Szenen, aber ich hab ebenso auch mal den Kopf geschüttelt und geseufzt, da mir gewisse Passagen gar nicht lagen. Ein ganz nettes Buch, nicht mehr, aber auch nicht weniger.