Band 3 ist jetzt für mich das Zünglein an der Waage und mit ihm fällt die Entscheidung, ob ich die Reihe fortsetzen werde oder nicht.
Asahi und Subaru sind mittlerweile ca. 15-17 Jahre alt. Eine genaue Altersangabe bekommt man leider nach wie vor nicht. Dem Leser wird auch kein Zeitgefühl suggeriert, wie lange Asahi sich in dieser fremden Welt befindet. Man kann es anhand der Zeichnungen nur schwach erahnen. Die Freundschaft der beiden bestehet nach wie vor ungebrochen. Asahi ist eine wunderschöne junge Frau geworden, die zwar mittlerweile von den Dorfbewohnern respektiert, aber nicht geliebt und akzeptiert wird. Nur Subaru und Tsukihiko stehen ihr zur Seite und begleiten ihren Alltag. Der Wassergott hat jedoch ein wachsames Auge aus der Ferne auf sie.
Subaru seine Mutter und Schwester sind nach wie vor noch in seiner Missgunst, denn ihre Eifersucht und Sticheleien zeigen am stärksten ihre charakterlichen Schwächen. Schwächen, die Subaru verachtet und denen er sich widersetzt. Ganz besonders dann, wenn es mal wieder um Asahi ihr Leben geht. Doch dieses Mal sind es nicht die Dörfler des eigenen Dorfes, sondern eines anderen Dorfes, deren missgünstige und machthungrige Art ihr Leben und das Bestehen des Dorfes gefährdet.
In Band 3 werden einmal wieder die schlechtesten menschlichen Eigenschaften in Szene gesetzt mit Gewalt, Machtgier und Neid. Im Zentrum steht die Protagonistin und am Rande steht der Wassergott, der anders als Subaru, nur Zuschauer ist und nicht eingreift. Oder doch?
Der Wassergott überraschte mich am Ende doch etwas. Er ist zwar nach wie vor kein Sympathieträger und ich bin nicht sein Fan, aber er entwickelt wirklich menschliche Züge (in sehr kleinen Häppchen). Asahi ist jedoch zu einer jungen Frau geworden, die knallhart kein Wort vor den Mund nimmt und die Menschen mit ihrer Götterverehrung sowie ihrem missgünstigen Verhalten nicht verstehen kann.
Wenn man es genau nimmt, ist das Werk an sich schon sehr gesellschaftskritisch. Menschen sind eigentlich Monster und nutzen jede Möglichkeit ihre charakterlichen Schwächen damit zu übermalen, dass sie diese als Taten eines Gottes verkaufen oder jemand anderem, der gerade zufällig dahergelaufen kommt.
Auch wenn die Story an sich mittlerweile schon sehr interessant geworden ist, kann ich mich über die oberflächliche Charakterisierung der Haupt- und Nebencharaktere nicht hinwegsetzen. Darin liegt einiges an ungenutztem Potential. Die Charaktere müssten tiefgründiger sein; immer noch wirken sie zu oberflächlich. Und das auch aufgrund ihres Handelns (wobei hier Subaru schon eine Ausnahme darstellt).
Zugleich kann ich mich nicht der Story hingeben, weil mich der Zeichenstil nicht überzeugt. Die Figuren wirken immer noch sehr zwei- bzw. eindimensional. Ihre Augen wirken teilweise leblos, wodurch sie nicht in der Lage sind, ihre Gefühlswelt zu transferieren. Die Zeichnungen sind teilweise auch sehr düster, was die düstere Story noch dunkler macht und einen regelrecht in einen tiefen, dunklen Abgrund schupst. In gewisser Weise möchte ich, selbst wenn eine Story düster ist, über die Zeichnungen einen gewissen atmosphärischen Ausgleich genießen können. Die vielen schwarzen Panels machen das Ganze nur noch düsterer und ich habe als Leserin keine wirkliche Ambition, mich weiter dieser Finsternis auszusetzen.
Damit endet wohl meine Reise mit dieser Reihe. Über 3 Sterne hinaus kommt auch dieser Band nicht, da mich weder die Charaktere noch das Artwork überzeugen konnten