Ich habe das Buch im Bücherschrank entdeckt und es mitgenommen, weil ich davon ausgegangen bin, dass es vielleicht ganz witzig sein könnte. Inzwischen habe ich es durchgelesen und festgestellt: Witzischkeit kennt durchaus Grenzen, und zwar leider vor allem in diesem Buch.
Was in der Werbung auf dem Backcover als "bissig" und "humorvoll" beschrieben wird, habe ich beim Lesen oft als gehässig, moralisch äußerst fragwürdig und diskriminierend empfunden - von "humorvoll" ist meiner bescheidenen Meinung nach häufig nicht sonderlich viel zu merken. Stattdessen wird in der vorliegenden Geschichte immer wieder deutlich, dass der Autor bzw. der Icherzähler sehr konkrete (und sehr konservative) Vorstellungen davon hat, wie die Welt auszusehen hat - wobei sowohl die Leute, die diesen Vorstellungen entsprechen (etwa weinerliche Frauen, die nur nach einem ritterlichen Beschützer suchen), als auch diejenigen, die es nicht tun, ihr Fett wegkriegen.
Mir war beim Lesen allerdings oft nicht klar, warum der Autor Menschen, die keinerlei größere Rolle im Text spielen und die dem Erzähler auch nicht einmal persönlich bekannt sind, vollkommen nonchalant mit boshaften Vokabeln belegt. So gibt es etwa "die üblichen zwergwüchsigen Äthiopier und Kenianer", füllige Brautjungfern werden als "Apricot-Würste" bezeichnet und ein neu kennengelernter Nachbar in greller Radfahrkleidung ist angeblich ein "Fahrrad-Fascho" - abgesehen davon, dass nirgendwo erklärt wird, worum es sich bei dieser "Gattung" überhaupt handeln soll, gibt es für die (m. E. nach deutschen Maßstäben eher ungeheuerliche) Bezeichnung an keiner Stelle im Text irgendeine Begründung. Aber das passt dann wiederum zu der lässigen Art, mit der Hitler-Bezüge immer wieder in den Plot eingeflochten werden ...
Insgesamt finde ich die Art des Icherzählers, andere Leute so ganz nebenbei gnadenlos abzuurteilen, alles andere als sympathisch, und was in der Story wahrscheinlich als schlitzohrige Taktik, seine Ziele zu erreichen, gemeint sein soll, kam bei mir als ziemlich rücksichtslose, egoistische Art zu handeln an.
Ich vergebe zwei Sterne, weil die Handlung des Buches nicht schlecht geschrieben ist und weil sie an einigen wenigen Stellen sogar wirklich witzig ist. Und immerhin ist der Protagonist am Ende zumindest so halbwegs geläutert.
Mein Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht.