Ex-Kommissar Henning Bröhmann ist mit Bekannten im Vogelsberg wandern, da erzählt ihm sein Vermieter Rüdi von seinem Engagement in der neuen Protestpartei „HESSEN ZUERST!“. Seit Rüdi arbeitslos wurde, hat er sich große Ziele gesetzt: unter anderem ein Landtagsmandat. Nun macht er Wahlkampf mit Slogans wie «Kartoffelworscht statt Döner» oder «Make Oberhessen great again».
Henning wird schnell klar, dass diese neue Protestpartei nicht allein auf Wahlplakate und Sonntagsreden setzt. Die haben irgendwas vor mit dem Flüchtlingsheim im Ort! Und tatsächlich fließt bald Blut. Doch je genauer Henning hinschaut, desto rätselhafter wird das Bild. Kleinkriminelle Asylbewerber hier, eine unappetitliche Bürgerwehr dort, bei der auch ein alter Bekannter mitmischt. Und mittendrin eine unermüdliche Guthessin, die die weltweite Flüchtlingskrise alleine meistern will, und Hennings Mutter, deren Witwensitz in Flammen steht, seitdem bei der Aqua-Gymnastik der Blitz der Liebe eingeschlagen hat.
„Hessen zuerst!“ – das ist nicht nur der Titel des fünften Henning-Bröhmann-Krimis von Dietrich Faber, sondern zugleich auch der Name der neuen Partei, die im hessischen Vogelsberg und Umgebung für Aufruhr sorgt. Das immer noch allgegenwärtige Flüchtlingsthema ist nämlich auch im Umfeld von Titelfigur Henning Bröhmann angekommen und weil auch in der Provinz Hessens viele der alteingesessenen Bewohner den ausländischen Neuankömmlingen mit viel Misstrauen und Ablehnung begegnen, ist auch im vermeintlich so friedlichen Vogelsberg die rechtspopulistische Bewegung im Vormarsch. Mit plumpen Parolen wie „Make Oberhessen great again“ oder „Kartoffelworscht statt Döner“ betreibt die titelgebende Krawall-Partei ihren Wahlkampf und schürt auf billige Weise in der Bevölkerung Angst vor den Flüchtlingen. Auch Hennings Vermieter Rüdi sympathisiert nicht nur mit „besorgten Bürgern“, sondern ist sogar mit vollem Einsatz bei „Hessen zuerst!“ engagiert und strebt plötzlich nach einer politischen Karriere. Als wenig später dann plötzlich der Bürgermeister – der sich zuvor noch klar gegen die Flüchtlinge positioniert hatte – ermordet wird und zwei Asylbewerber aus dem Flüchtlingsheim verschwinden, scheinen die Mörder schnell ausgemacht – doch Henning Bröhmann ahnt schnell, dass der Fall deutlich komplexer ist, als es zunächst den Anschein hat…
Flüchtlingskrise in der hessischen Provinz – Bröhmanns vielleicht heikelster Fall
Dietrich Faber hat sich für seinen fünften Bröhmann-Krimi sicherlich kein leichtes Thema ausgesucht: zum einen dürften viele der seit langer Zeit geführten Flüchtlingsdebatte mittlerweile ein wenig überdrüssig sein, zum anderen läuft man als Autor eines stark humoristisch geprägten Romans schnell Gefahr, sich beim Schreiben zu sehr an gängige Klischees zu klammern und dadurch in populistischen Klamauk abzudriften. Und natürlich spielt auch Faber in „Hessen zuerst!“ viel mit den zu erwartenden Stereotypen und übertreibt an manchen Stellen gezielt, zeichnet aber dennoch ein erschreckend realistisches Bild der derzeitigen gesellschaftlichen und politischen Situation im Land – ohne allerdings ständig mit erhobenem Zeigefinger den belehrenden Gutmenschen heraushängen zu lassen. Der Autor beschränkt sich nämlich nicht auf einfache Schwarz-Weiß-Malerei, sondern schafft es zwischen lustigen Szenen wie einem misslungenem Väter-Ausflug zum Holzfällen oder einem chaotischen TV-Auftritt von Bröhmanns Musikantentruppe die Geschehnisse umfassend und vielschichtig zu schildern und die verschiedenen Fronten glaubhaft darzustellen. Die Mischung zwischen Komik und Ernst ist genau richtig und gerade zum Ende des Buches hin ist die Geschichte für einen Krimi dieser Kategorie sogar unerwartet dramatisch und emotional. Insgesamt wird der fünfte Bröhmann-Fall somit regelrecht zum Vorzeigebeispiel für das oftmals belächelte Provinzkrimi-Subgenre, denn wie Dietrich Faber beeindruckend beweist muss es nicht immer nur oberflächlicher Klamauk sein: „Hessen zuerst!“ ist jederzeit unterhaltsam, witzig, traurig, überraschend spannend und in der Hörbuchfassung vom Autor selbst grandios gelesen (inklusive hessischer Mundart und fast schon obligatorischer kleiner Gesangseinlage) – bisher eindeutig der beste Band der Henning-Bröhmann-Reihe.
Band 5 der Reihe ist unterhaltsam wie eh und je, schlägt aber auch immer wieder ernsthafte Untertöne an ... Das Hörbuch gewinnt meiner Meinung sogar noch dazu, weil Faber einige seiner Figuren im Dialekt liest. Macht einfach Spaß!
Ungekürzte Lesung gesprochen von: Dietrich Faber Spieldauer: 07 Std. 04 Min.
Darum geht’s:
Henning Bröhmann macht gerade mit Freunden und Familie einen Wochenendausflug durch den Vogelsberg, als die Wanderer mitbekommen, dass ihr Bürgermeister ermordet wurde. Schnell ergibt sich ein Zusammenhang zu den Bewohnern des örtlichen Flüchtlingsheims und der Protestpartei „Hessen zuerst!“. Und obwohl Henning Bröhmann längst kein Polizist mehr ist, steckt er seine Nase in diese Angelegenheit.
So fand ich’s:
Das Thema ist ernst, denn es geht darum, dass Flüchtlinge misshandelt werden, eine Bürgerwehr außer Kontrolle gerät und mehr als ein Toter zu beklagen ist. Und das wird auch mit dem nötigen Ernst thematisiert und keineswegs ins Lächerliche gezogen oder verharmlost.
Aber man merkt auch deutlich, dass als Autor und Sprecher ein Kabarettist hinter dieser Reihe steckt. Der Serienheld, der Ex-Polizist Henning Bröhmann, steht auch in diesem 5. Band der Reihe im Mittelpunkt und mit ihm seine Familie, seine ehemaligen Kollegen und das gesamte altbekannte und gern gesehene Umfeld, allen voran Manni Kreutzer, der örtliche Musikstar. Es menschelt an allen Ecken und Enden und auch wenn jede Macke und Schwäche ausgeleuchtet wird, ist der Blick auf die Figuren im Allgemeinen mit einem Augenzwinkern und sehr liebevoll. Das lässt einen zumindest schmunzeln und man erkennt sich und die eigene Familie, Freunde und Kollegen sicher mehr als einmal wieder. Ich musste aber auch immer wieder laut lachen bei den vielen Nebengeschichten, die Ex-Polizist, Vierfachvater und Hausmann Henning Bröhmann mit trockenem Humor erzählt.
Ich mochte schon die ersten beiden Bände als Print sehr, aber seit ich mit Band 3 zum Hörbuch gewechselt habe, freue ich mich noch mehr auf jeden weiteren Band, denn die Hör-Version, die der Autor selbst einliest, bekommt mit original hessischem Dialekt und sogar einer gelungenen Gesangseinlage von „Manni Kreutzer“ noch ein ganz besonderes zusätzliches Flair.
Auch wenn oder vielleicht gerade weil die Flüchtlingsthematik und der Kriminalfall nicht unbedingt im Vordergrund stehen, sondern eher die Kulisse bilden für einen satirischen Blick auf unterhaltsam-verschrobene Menschen, hat auch dieser Band 5 wieder genau meinen Geschmack getroffen.
Das Cover zeigt jemanden mit einem Werbeplakat auf dem der Titel des Buches steht. Ich finde das Cover nicht soo schön und mitreißend...vermutlich hätte ich es mir im Buchladen mit dieses Cover nicht gekauft. Es fängt langsam an mit einer Wanderung im Vogelsberg und man könnte es für einen lockeren Roman mit einer ordentlichen Portion Komik halten, doch dann überschlagen sich die Ereignisse und man ist voll drin in der Geschichte. Ein Ereignis jagt das nächste, von Augenrollen über Kopfschütteln und Kopf gegen die Wand hauen ist wirklich alles an Emotionen zum Thema Rassismus dabei...solange man kein Arsch oder Nazi ist jedenfalls. Zwischen dem ganzen Kopfschütteln und Augenrollen gibt es aber auch genug Komik, so dass man trotz des ganzen Rassismus in diesem Buch gut unterhalten wird. Es gibt einige Wendungen, die ich nicht erwartete habe, was ich super fand. Es gibt viel zu viele Bücher bei denen man Wendungen voraus sehen kann, so dass die Geschichte langweilig wird... Ich habe von der Buchreihe bisher nur den ersten Band gelesen und wollte ausprobieren, ob man auch ohne die anderen Bände mit dem neusten Band klar kommt. Bei mir hat das ganz gut funktioniert. Die vorherigen Ereignisse wurden ab und zu erwähnt, was mir total ausreichte. Die Figuren waren mir teilweise zu krass oder zu seicht geschrieben. Bröhmann fand ich teilweise etwas langweilig und zu emotionslos und dann gab es wieder Szenen in denen er mir zuu emotional oder aktiv war, was manches Mal einfach nicht zu ihm passte. Genauso sein Umfeld. Wie schon erwähnt waren mir einige Figuren teilweise zu krass (zum Beispiel die Bürgerwehr) oder zu seicht (seine Frau und seine Nachbarn).