Petra Morsbachs großer Roman über Gerechtigkeit und jene, die sie schaffen sollen - realistisch und präzise, lakonisch und opulent, komisch und schonungslos
Thirza Zorniger stammt aus einer desaströsen Schauspielerehe und will für Gerechtigkeit sorgen. Sie wird Richterin im Münchner Justizpalast, doch auch hier ist die Wirklichkeit anders als die Theorie: Eine hochdifferenzierte Gerechtigkeitsmaschine muss das ganze Spektrum des Lebens verarbeiten, wobei sie sich gelegentlich verschluckt, und auch unter Richtern geht es gelegentlich zu wie in einer chaotischen Familie. "Justizpalast" ist ein Roman über die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, über erregte, zynische, unverschämte, verblendete, verrückte, verwirrte und verzweifelte Rechtssuchende sowie überlastete, mehr oder weniger skrupulöse, kauzige, weise, verknöcherte und leidenschaftliche Richter.
Erst hatte ich ein bisschen "Sorge", dass mich das "Justizsprech" überfordern würde, und einige der etwas ausführlicheren Paragraphenexkurse sind für den Laien etwas zu verschwurbelt. Aber mein Gott, was für ein Erzähltempo! Die Autorin schafft es durchgängig, die Leserin bei der Stange zu halten, wird mal lustig, mal traurig, mal ernsthaft. Und bis in die kleinen Nebencharaktere hinein gibt es plastische Wegbegleiter und Arbeitskollegen und -kolleginnen, mit denen man genauso mitfühlt, wie mit der Protagonistin. Ich habe schon seit einigen Jahren den "Opernroman" von Morsbach in meinem Regal stehen, der sitzt nun ganz oben auf meiner Lesen-Liste!
Dieses Buch hatte erstaunlich gute Kritiken und einen Totalverriss von Thomas Fischer bekommen, beides Argumente, die das Buch, zumindest für jemanden wie mich, dessen Berufsfeld angesprochen wird, lesenswert erscheinen ließen. Als die Kollegen von der Neuen Richtervereinigung die Autorin dann in unser Gericht zu einer Lesung geladen haben, wollte ich mir das natürlich nicht entgehen lassen. Ich war von der Autorin in dreierlei Hinsicht sehr beeindruckt: 1. Petra Morsbach ist ausgesprochen schwerhörig. Gleichzeitig ist sie eine "Rampensau" mit unglaublichem Unterhaltungswert. Diese Kombination habe ich noch nie erlebt. 2. Für einen Nichtjuristen ist es ein höchst eigenwilliges Unterfangen, 12 Jahre für einen Roman zu recherchieren, der in der eher hermetischen Welt der Justiz spielt. 3. Jede Figur, die die Autorin in ihrer Lesung zum sprechen gebracht hat, kam mir erstaunlich bekannt vor, da es der Autorin gelungen ist typischen Richtern und Staatsanwälten, Duktus, Themenwahl und Habitus bis ins Detail abzuschauen. M.a.W. ich habe das Buch bei der Lesung gekauft und in wenigen Tagen gelesen.
Nach der Lektüre verbleibt der unter 3 genannte Gesichtspunkt als absolute Stärke. Petra Morsbach ist eine herausragende Milieustudie gelungen. So wie es hier geschildert wird ist tatsächlich das Innenleben der Justiz, bzw. die geschilderten Typen sind tatsächlich ausgesprochen typisch. Für denjenigen, der sich für das Innenleben der (Zivil-)Justiz interessiert dürfte das bereits ausreichen, zumal es in der deutschen Literatur insoweit nur ein vergleichbares Werk über das Innenleben der Justiz gibt (Rosendorfers "Ballmanns Leiden"). Leider endet hier dann auch das Lob. Die als Hintergrundrauschen geschilderten Fälle mögen für den juristischen Outsider kurios sein. Für den Insider haben sie nur geringen Unterhaltungswert, da sie alltäglich sind. Die eigentliche Handlung ist nicht wirklich erwähnenswert und das ist dann auch die eigentliche Schwachstelle, denn was soll all die Mühe bei der Ausstaffierung der Bühne, wenn auf der Bühne kein geeignetes Theaterstück gespielt wird.
Thirza Zornigers Start ins Leben war schon nicht besonders glücklich. Ihr Mutter träumte von der Karriere in der Justiz, genau wie ihr Vater, aber als sie den Schauspieler Carlos Zorniger trifft, gibt sie die beruflichen Ambitionen zugunsten der Ehe auf. Diese ist kurz und schmerzvoll und der Rest des Lebens wird nicht besser. Die Tochter verbringt die meiste Zeit bei Großvater und den alten Tanten, wo sie zur cleveren und ambitionierten jungen Frau heranwächst. Es folgen Stationen in der Justiz, ihr Fleiß und Scharfsinn werden geschätzt und der Aufstieg geht stetig voran. Umgänglich mit den Kollegen und bedacht in der Arbeit vergehen die Jahre. Nur in der Liebe wollen die Dinge nicht so richtig klappen. Spät erst trifft sie mit Max auf einen Mann, mit dem sie ihr Leben und ihre Erlebnisse im Justizpalast teilen möchte, auch wenn sie lange dem Glück nicht trauen will. Und langsam neigt sich auch schon ihr Leben dem Ende entgegen, ein Leben, das maßgeblich von den Verfahren und ihren Urteilen bestimmt wurde, für sie als Person, bisweilen aber auch für große Firmen und das Land relevant.
Petra Morsbachs Roman schafft eine geschickte Verbindung von der Geschichte einer Frau der Nachkriegszeit, die beharrlich auch gegen Widerstände ihren Weg geht und einem Blick auf die deutsche Justiz, der mal hoffnungsvoll, mal desaströs ausfällt. Immer begleitet wird die Handlung von einem Erzähler, der sich weitgehen dezent im Hintergrund hält, aber ab und an aber mit ironischen Spitzen („Lästern ist ein Laster, aber entlastend“, S. 83) oder gar zynischen Anmerkungen für ein Schmunzeln beim Leser sorgt.
Schon früh realisiert Thirza, dass sie Kinderlos bleiben und somit im Alter allein sein wird. Ein Umstand, der sich nun einmal nicht ändern lässt und durch ihren beruflichen Erfolg noch verstärkt wird. Ohne einen konkreten Weg gezielt zu verfolgen, gelingt ihr doch der Weg durch die Kammern an immer höhere Positionen, ein wenig Glück gehört auch dazu, das Thirza in dieser Hinsicht hold stets ist. Da Liebe nicht in den Grundrechtekatalog gehört, wie der Erzähler feststellt, muss sie sich auf diesem Gebiet verwirklichen. Aber wie auch Max fragt sich Thirza, ob das das richtige Leben war und sie es sinnvoll und glücklich machend genutzt hat und nachdem sie selbst mit Krankheit konfrontiert wird, muss sie erkennen:
„Hier beginnt der Übergang in ein anderes Spiel. Eines mit härteren Regeln, ohne Berufungsmöglichkeit, mildernde Umstände und rechtliches Gehör. Und ohne Gnade.“ (S. 472)
Die Justiz hat ihr viel gegeben im Leben und immer war sie auf der Suche nach Gerechtigkeit und Ausgleich. Leiden verhindern, Recht zuerkennen, maßvoll auch gerecht urteilen – aber wird das Schicksal sich ihr gegenüber genauso verhalten? Sie ist das Sinnbild der erfolgreichen und stark verkopften Frau, die sich keinen intensiven Emotionen hingibt. Sie erkennt früh, dass sie beruflich den Männern in nichts nachsteht, gerät jedoch immer wieder an Herren, die in klassischen Klischees verhaftet sind und sie nicht als ebenbürtig anerkennen.
Neben diesen privaten Aspekten Thirzas steht jedoch vor allem die Justiz im Vordergrund des Romans. Immer wieder werden Fälle skizziert und der Alltag der Richter aufgezeigt. Sehr deutlich wird hier deren Überlastung. Sie können das vorgegebene Pensum niemals bewältigen und suchen entsprechende Ausweichstrategien: wegducken, beschleunigen, weniger sorgfältig arbeiten. Man hat Verständnis für sie und hofft, dass man selbst nie der Fall ist, der gerade so abgehandelt wird. Auch die bisweilen auftretende Situation, dass die Gesetze schlichtweg für einen Fall nicht passen und dass diese Zwickmühle nur mit dem sogenannten „Sauhundprinzip“ – der schlichten Frage danach, wer gut und wer böse ist - beantwortet werden kann, ist nachvollziehbar, wenn auch bedenklich.
Auch ein weiterer Missstand wird deutlich bekannt: „Tja, die Staatsanwaltschaft ist immer dann besonders überlastet, wenn es um höhere Kreise geht. Wir haben eine Zweiklassen-Justiz“ (S. 54) stellt der Erzähler schon früh fest. Am Beispiel der Familie Strauß wird dies später noch viel detaillierter erläutert und lässt einem als Leser schon stirnrunzelnd zurück, wenn man sonst keinen tieferen Einblick in die Vorgänge der Gerichtsbarkeit hat.
Ein großer Roman über eine starke Frau in einem männerdominierten und hart umkämpften Umfeld. Erzählt in unterhaltsamen Ton, der nie – trotz vieler juristischer Details – tröge oder gar langweilig wird, sondern im Gegenteil die spannenden Seiten der Richterarbeit aufzeigt.
Angeblich hat die Autorin 9 Jahre für dieses Buch recherchiert. Herausgekommen sind leider nur klischeehafte Figuren und Geschichten. Die eingestreuten Rechtsfälle haben für die Geschichte keine Bewandnis und sollen wohl nur belegen, dass sich die Autorin tatsächlich auch in die Materie eingearbeitet hat. Am Ende bleibt übrig: Richter sind überlastet (große Überraschung). Freunde außerhalb des Systems gibt es nicht. Und die graue-Maus-Richterin schafft es tatsächlich andere Richterinnnen als graue Mäuse zu sehen. Keine einzige Figur in diesem Buch hat es geschafft, bei mir Sympathiepunkte zu sammeln.
Hauptfigur Thirza Zorniger arbeitet jahrzehntelang in der Münchener Justiz, überwiegend als Richterin. Aber Autorin Petra Morsbach (*1956) hospitierte in München und Münster, redete mit "etwa 50 Jurist*innen… aus fünf Bundesländern" – und überfrachtet ihren Roman mit immer neuen Justizfällen. Die sind für sich interessant, erhellend und voll kniffliger Konflikte; in ihrer Massierung ermüden sie. Eine Anmoderation von Seite 124 der Penguin-TB-Ausgabe: Und weiterer richterlicher Alltag, Fälle über Fälle; drei Beispiele aus Hunderten. Oder Seite 200: Es folgten Beispiele auf Beispiele. Oder Seite 244: An diesem Vormittag waren drei Einzelrichterverhandlungen angesetzt, nachmittags eine Beweisaufnahme. Dem folgen dann jeweils mehrseitig die anmoderierten Fälle. Zeitweise schreibt Morsbach verbfrei wie oben im Telegrammstil, so hetzt sie durch die Fälle. Ein vollständiger Satz von S. 105: Thirza Migräne. Zudem belehrt Morsbach über Rechtsphilosophie und Rechtsgeschichte (S. 144: "Und was ist Gerechtigkeit?" - teils mühsam eingebettet in die Studienzeit der Protagonistin und in andere Konstrukte). Eine erfahrene Anwältin lässt Morsbach mehr als anderthalb Seiten lang nonstop allgemein über den Anwaltsberuf extemporieren (S. 57f): Totalkapitulation der Belletristin vor ihrem Stoff. Justiz: Wir lernen reichlich über Justiz, Justizalltag und das Klein-Klein in der Kantine. Das ergibt viele interessante Reportagemomente, Einblicke in Juristerei und Philosophie, sofern denn hoffentlich alles im Prinzip (nach Anonymisierung) stimmt. Die Rechtsfälle behandeln zum großen Teil Familien- und Scheidungsstreit sowie komplizierten Firmenzank, notabene kaum Mord und Totschlag (kurze Ausnahme auf S. 444); vielleicht wollte Morsbach einen distinguierten Kontrapunkt zu den dumpfen Schädelklopfern des Ferdinand von Schirach setzen. Doch Morsbachs Personal bleibt äußerst vage. Wir begleiten die Hauptfigur Thirza Zorniger über Jahrzehnte, ohne dass sie wesentliche Konturen gewinnt – die Aktenberge erdrücken Autorin und Protagonistin gleichermaßen. Der erste Lover darf Zorniger noch "zehnmal hintereinander in die Luft jagen", S. 78, und wird gleichwohl bald fortgejagt; ansonsten gibt's bis zur Buchmitte wenig menschliche Erkenntnisse, außer dass Zorniger Kitschromane und -filme liebt. Erst im letzten Buchdrittel menschelt es mehr, und selten glücklich. Viele Juristen im Roman sind einsam. Selbst gelegentliche hauchdünne Romanzen werden im Juristenton geführt und dann – natürlich – ad acta gelegt. Schwung ins Liebesleben der Protagonistin kommt erst in der Buchmitte, mit erstmals zahlreichen nichtjuristischen Buchseiten. Doch selbst hier lernen wir Thirza Zorniger nicht besser kennen – die Autorin referiert lieber ephemere Urlaubserlebnisse vom Bodensee und aus der Schweiz. Noch unübersichtlicher wird der 480-Seiten-Roman durch Morsbachs Verzicht auf Chronologie, sie erzählt die verschiedenen Stationen der Hauptfigur nichtlinear. S. 341: Ein weiterer Rückblick also: Ende der achtziger Jahre. Thirza wurde… S. 384: Erinnerung. Tizzi war damals zehn oder elf… Metaroman: Per Kurzbiografie führt Zorniger noch zahlreiche Kollegen der Protagonistin ein, auch das ohne Tiefenschärfe, selbst wenn die Hauptfigur zur Nebenfigur sagt (S. 136): "Wissen Sie, dass Sie eigentlich eine Romanfigur sind?" Man, nein frau, müsste es dann auch überzeugend umsetzen - und auf Metafiktion verzichten. Davon gibt es aber zuviel, das wirkt aufdringlich selbstreferentiell originell. S. 400f im Gespräch über Autoren: Morsbach – keine Ahnung, was daran komisch sein soll. S. 421f: Das waren zwei Seiten. Ich als Hauptfigur darf jetzt das Thema wechseln. S. 479, letzter Satz des Romans: "Wunderbar", sagte Thirza. "Wenn das ein Roman wäre, müsste er hier enden." Deutsch: Speziell in der Juristerei fällt Morsbach manchmal in schlechtes Deutsch; ein Beispiel von S. 34, dies ist keine Aktennotiz, sondern Erzählstimme: Der konkrete Fall hatte zudem einen schönen demokratischen und rechtsstaatlichen Aspekt, in dem die Justiz des Freistaats selbst den Staat, dem sie diente, am Machtmissbrauch hinderte (Gewaltenteilung)… Es gab keinen Grund zu der Annahme, dass jener Verwaltungsbeamte, der wohl gemäß einer politischen Weisung, den Rock-Unternehmer unter Druck setzte und seine Veranstaltung zerstörte, über nennenswertes Mitgefühl verfügte. Gelegentlich wechselt Morsbach von der dritten Person Singular in die zweite Person Singular, 1. Person Plural oder sogar 2. Person Plural (S. 352), will offenbar einen inneren Monolog wiedergeben, aber es überrascht zu sehr. Und doch ist der lange Roman leicht lesbar. Nur ausnahmsweise schreibt Petra Morsbach ein vollmundiges, dialogfreudiges Deutsch, das man im neuen deutschen Roman aber auch gar nicht erwartet. Das gilt speziell bei Szenen aus dem Privatleben der Hauptfigur. Die leicht knorzige, eigenwillige Erzählstimme erinnert dann momentweise an Fontane, Kempowski, Pleschinski. Unterhaltsam ist zeitweise das ironisch gesprochene Juristendeutsch in Alltagssituationen, zum Beispiel S. 256: Und die soll ich mir jetzt alle merken? Der Antrag wird zurückgewiesen! Petra Morsbach flicht sogar kurz fulminante Vergleiche ein, etwa (S. 30): Er leckte sozusagen lächelnd das Blut vom Florett, während Thirza eben erst realisierte, dass sie durchbohrt worden war. Auch wenn das letzte Zitat vielleicht anderes erwarten lässt, schreibt Morsbach gelegentlich aufdringlich frauenfreundlich. Politisch korrekt ist ihr Roman trotzdem nicht: Das Genderstern*chen verwendet sie nur im Nachwort, und die Hauptfigur ist eine alte weiße Hetero-Westdeutsche, weit+breit keine migrantischen LGBTXYZ peoples of colour TV echt übel.
We often think of the (Western) novel as tightly linked with the rise of individualism. Throughout its history there were certainly always attempts to depict not only individuals but societies, but the views of individual protagonists are not done away with. Yet it is one thing to focus on society as a whole through the lenses of novel characters, but another thing to focus on a social institution in such a way, that the institution becomes the protagonist. We have a nice example of this latter type here with Petra Morsbach's "Justizpalast". With Robert Menasse winning this year's [2017] German Book Prize for his novel about the European Union (Die Hauptstadt) it seems to be in the air. Petra Morsbach however has spent much of her career doing this. I have fond memories of her Opernroman where she managed to easily display a large cast of opera house employees, giving every of the 50+ characters a recognizable face. Now, after 9 years of research in courthouses and extensive correspondence with around 50 judges, lawyers and other law professionals, she has treated the German law system in novel form. The reader follows the life of judge Thirza from childhood on until short before her retirement, and again we encounter a large cast, vividly and distinguishable painted by the skilled writer Morsbach. What makes this kind of treatment so good is that it does allow to depict unresolvable social contradictions. And just like Menasse has an affirmative view on the European Union, in spite of all the difficulties that he has to speak about, Morsbach shows how lucky we are to have the law system that we have, in spite of all the difficulties, and even injustices inherent in the justice. As the book is so well-researched, it is not only good as a novel, but is really instructive. It shows, for instance, the tension between the independence of judges and the "dependence" of prosecutors, which I wasn't aware of. I didn't know that judges are not bound by instructions at all, i.e. higher rank judges cannot give any commands to lower rank judges. Sure, those who are looking for rank, fame and fortune, are still corruptible, and the book shows that, too. But that's rather a flaw in mankind than in the law system. Morsbach is the best fiction writer on mankind within a specific system that we have in Germany right now.
Ab Seite 150 habe ich mir langsam gewundert, wann denn mal etwas passiert. Ab Seite 200 hat mir meine Freundin auf mein Klagen angeraten, dass Buch doch einfach beiseite zu legen. Auf Seite 260 bin ich ihrem weisen Rat nachgekommen und ab da an wurde der Urlaub merklich unterhaltsamer.
Mich hat es einfach nicht gepackt. Die Geschichte einer mehr oder weniger desillusionierten Richterin floss voller Belanglosigkeiten eher zäh dahin.
Auch die teils gelobte scharfsinnige Beobachtung typischer Verhaltens- und Sprechweisen von Juristen konnte ich nicht ausmachen. Im Gegenteil: Kennt ihr das, wenn 70-Jährige ZDF-Moderatoren Jugendsprache nachmachen wollen („Jojojo, was geht, Alter!“)? So klingen die Charaktere - nicht immer, aber zu häufig -, wenn die Autorin versucht, sie nach typischen Juristen klingen zu lassen.
Letzteres mag einem weniger stören, wenn man selbst nicht in der Juristen-Bubble steckt. Meins war es nicht. Aber vielleicht muss ich auch 10 Jahre als Richter in irgendeinem Amtsgericht abhängen, bevor ich dafür bereit bin. Dann passe ich die Rezension an.
Das Buch handelt von Thirza Zorniger, die zunächst Jura studiert und später Richterin im Justizpalast in München wird. Man erfährt viel über das Leben hinter den Kulissen eines Gerichtes (zu viele Fälle für zu wenig Richter, verschrobene, kauzige Richter, Mauscheleien über die besten Posten, die Einmischung der Politik, kuriose Fälle usw.). Nach Angabe der Autorin im Nachwort hat sie hierzu auch mehrere Jahre recherchiert und mit mehr als 30 Richtern persönlich gesprochen. Diese Einblicke sind wirklich sehr spannend und ungewöhnlich. Allerdings ist für mich das Buch ein wenig zu langatmig, wenn es um die Schilderung der verschiedenen Fälle geht , die ich persönlich nicht besonders interessant fand. Insgesamt aber ein Buch für alle die sich für Jura und Justiz interessieren.
This is an excellent and also educational book. Although it is a novel, it provides a look at the inside of the German court system like probably no other, apart from required reading for students of law. It also gives laymen a very good look at how "the letter of the law" is put into practice in Germany.
Endlich habe ich dieses Buch fertig! Ich kann nicht genau sagen, warum mir ausgerechnet das so viel Mühe abgerungen hat, denke aber, dass es die Schreibweise der Autorin war. Das Buch betrachtet das Leben einer Richterin privat und beruflich und ist zwar interessant, mir aber zu sachlich, aufzählend geschrieben. Ich könnte keinen echten Zugang zu den Personen finden.