Wie sagt ein ungarisches Sprichwort: «Außerhalb von Ungarn gibt es kein Leben; und wenn, dann ist es nicht dasselbe.» Der Schriftsteller György Dalos fängt die Essenz des ungarischen Lebens ein, wenn er die weit über 1000jährige Geschichte seines Heimatlandes überblickt. Was prägte die Ungarn? Was waren die zentralen historischen Erfahrungen der Bewohner eines Landes, das immer wieder erobert, zerstückelt, beherrscht und fremden Zielen unterworfen wurde? Ursprünglich ein aus Asien stammendes Nomadenvolk mit seiner magyarischen Sprache, die der Familie der finnisch-ugrischen Sprachen angehört, am Ende des 1. Jahrtausends christianisiert und unter Stephan dem Heiligen bestrebt, Anschluß an die westeuropäische Kultur zu finden, führten die Ungarn über Jahrhunderte hinweg einen Abwehrkampf gegen Mongolen, Türken und schließlich auch gegen die Habsburger, die die Ungarn erst 1918 in die Unabhängigkeit entließen.
Dieses Buch erschien zuerst 2004 und wurde in mehreren Neuauflagen ergänzt.
Der Anlass für mich, dieses Buch zu lesen, war mein erster Besuch in Ungarn vor einer Woche. Mir wurde dabei bewusst, wie wenig ich eigentlich über die Geschichte des Landes weiß - dem wollte ich schnell Abhilfe schaffen und griff zu diesem hervorragend lesbaren Buch, das einen raschen Überblick über die ungarische Geschichte bietet. Dabei werden die ersten 1000 Jahre knapper behandelt als das 20. und 21. Jahrhundert, das ist nicht verwunderlich, wenngleich mir das letzte Drittel des Buches mit seinen vielen parteipolitischen Einzelheiten dann doch zu detailliert wurde.
Bei der Lektüre des Buches wurde mir wieder schmerzhaft bewusst, wie eng und eingeschränkt der deutsche Blick auf Ungarn ist. Wie sehr ihm die historische Tiefenschärfe fehlt und wie schnell dadurch das Urteil zum Vorurteil und die Perspektive zur Verzerrung wird.
Folgende Punkte sind aus meiner Sicht festzuhalten: Das mittelalterliche Ungarn suchte bewusst seinen Platz im Miteinander der europäischen Königreiche - seit der Taufe des heiligen Stephan sah man sich ganz offensichtlich als europäische Nation. Gleichwohl wurde Ungarn immer wieder von den Nachbarn, zumal den mittel- und westeuropäischen Großmächten enttäuscht. Das Trauma von 1526, als Ungarn in der Abwehr der Türken unterlag und von den europäischen Mächten allein gelassen wurde, bleibt bis heute tief in der ungarischen Erinnerung verankert. Als im späten 17. Jahrhundert die Befreiung von den Türken gelang, nutzen die Habsburger die Chance zur Eingliederung Ungarns in ihr Reich. Die Befreier wurden zu Herrschern. Das sollte sich auch 1945 wiederholen. Das zweite große Trauma ist der Vertrag von Trianon, der Ungarn nicht nur große Gebietsverluste bescherte (sogar ungleich mehr als dem Deutschen Reich), sondern auch einen wesentlichen Teil der ethnischen Ungarn in anderen Staaten zu Minderheiten machte. Das nächste Trauma war der Aufstand von 1956, bei dem ebenfalls niemand einen Finger rührte, um Ungarn zu helfen.
Dies alles sollte man im Hinterkopf haben, wenn man die Skepsis der Ungarn gegenüber Europa und supranationalen Organisationen wie der EU bewertet.
Ausführlich wird auch die Polarisierung der ungarischen Politik nach 1990 beschrieben, die in einer massiven Fronstellung zwischen Viktor Orban und seinen Widersachen gipfelte. Interessant ist aber, dass Dalos hier zu einer Fehleinschätzung kommt, indem er meint, die Herrschaft von FIDESZ könne nicht durch turnugemäße Wahlen und normale demokratische Prozesse beendet werden.
Genau dies ist nun aber geschehen. Orban wurde nicht gestürzt, es gab keinen Aufstand und keinen Putsch. Orban wurde abgewählt, weil die Mehrheit der Wähler ihn nicht mehr haben wollte. So, wie es übrigens auch mit der PiS in Polen geschah. Die Demokratie in Ungarn hat funktioniert - viel besser, als von westlichen Beobachtern erwartet wurde. Auch das sollte zu denken geben.
Ich habe das Buch gelesen, da es mir als Einsteiger-Buch für die ungarische Geschichte empfohlen wurde. Aus dieser Lesemotivation heraus, muss ich leider sagen, dass ich etwas enttäuscht war. Der Autor setzt des öfteren historisches Wissen voraus und besonders Akteure werden nicht vorgestellt, sondern als bekannt vorausgesetzt. Für jeden Historiker oder Ungar sicherlich eine leicht zu lesende Lektüre über die gesammelte ungarische Geschichte. Als Einsteiger-Lektüre leider nicht geeignet.
In diesem Buch beschreibt uns György Dalos die Geschichte Ungarns von früheren Zeiten bis hin zu aktuellen Gegebenheiten. Er schafft ein rundes Bild einer Kultur und Gesellschaft, die von uns odt kaum wahrgenommen wird. Wer sich jedoch mit Ungarn beschäftigt, ob nun aus privaten oder beruflichen Gründen, erhält hier einen guten Einblick in die Seele dieses Landes und seiner Bewohner. Denn wie so oft liegen die Gründe für momentanes Geschehen in den Annalen der Geschichte verborgen.
Dalos' Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, sodass auch Leser, die nicht so häufig Sachbücher lesen, damit umgehen können. Es kommt teilweise dazu, dass viele Namen genannt werden, vor allem in der Mitte des Buches, aber das ergibt sich wieder. Diese Stellen können je nachdem auch überflogen werden.
Für mich persönlich waren vor allem jene Informationen nützlich, die Ereignisse aufzeigen, die während meines Sprachaufenthaltes im Land vor sich gingen. Logischerweise habe ich davon damals nicht viel mitbekommen. Umso spannender fand ich es, jetzt endlich nachlesen zu können, dass es damals schon im Lande brodelte und wie sich dann alles weiterentwickelt hat.
Dalos legt ein gutes und fundiertes Buch vor, wofür ich sehr dankbar bin. Ich habe erneut einiges lernen können und konnte mich trotz der kritischen Lage im Land nicht davon abbringen, ein wenig Heimweh zu bekommen... Die Ungarn fehlen mir halt doch. Und auch das leckere ungarische Essen ;)
Joa.. also auf den Cover steht irgendwas von "atemberaubend", es war durchaus interessant, aber zog sich wie Kaugummi. Außerdem erwartet der Autor vom Leser, dass er sich alle (ungarischen) Namen der Personen, die er erwähnt, merkt, da diese manchmal viele Seiten später plötzlich wieder auftauchen, man dann aber keinen Plan mehr hat, wer das jetzt eigentlich war. Außerdem fand ich es schade, dass die Kaiserin Elisabeth mit keinem Wort erwähnt wurde. Trotzdem habe ich vor allem auch über die österreichisch-ungarischen Beziehungen dazugelernt.
Un conciso ma chiaro e godibile riassunto di 1000 anni di storia ungherese. Essendo l'autore ungherese, non sorprende il fatto che non ci si trovi di fronte a una fredda e asettica discettazione accademica ma a un testo che alla precisione del lavoro storico unisce la partecipazione e la passione di un romanziere. Altamente consigliato come introduzione all'argomento.